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Hochwasserkatastrophe 2021

„Aufgeben ist keine Option!“

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt vom Hochwasser betroffene Denkmaleigentümer mit einem umfangreichen Nothilfeprogramm.

Es ist Tag drei in Bad Münstereifel nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe: Frauen und Männer sind unermüdlich dabei, Trümmer zu beseitigen. Am Markt sammeln sie auf Haufen die geborgenen Pflastersteine, um die einstige Flaniermeile des historischen Ortes halbwegs wieder passierbar zu machen. „Es ist mein Heimatort“, sagt ein Mann, „hier bin ich aufgewachsen. Es ist ein Jammer.“ Er heißt Markus und gehört zu einer Gruppe von Männern, die sich um die beschädigten Häuser kümmern. „Wir helfen bei der Räumung von Kellern und Wohnungen, die die Statiker zum Betreten freigegeben haben – und hoffen dabei, niemanden mehr zu finden.“

Nach der Flut war eine große Hilfsbereitschaft da: Wie in Bad Münstereifel begannen Einwohner und Tausende freiwillige Helfer sofort mit den Aufräumarbeiten.
© Roland Rossner / DSD
Nach der Flut war eine große Hilfsbereitschaft da: Wie in Bad Münstereifel begannen Einwohner und Tausende freiwillige Helfer sofort mit den Aufräumarbeiten.

Die enorme Hilfsbereitschaft Tausender von Freiwilligen und der Zusammenhalt der Menschen in den betroffenen Ortschaften werden nach der Flutkatastrophe am Abend des  14. Juli 2021 wohl zu den prägenden Erfahrungen zählen, die in Erinnerung bleiben. Über 100 Liter Regen pro Quadratmeter fielen im Laufe von nur 24 Stunden in der Eifel und dem Bergischen Land und trafen auf einen bereits  vorher wassergesättigten Boden. Das Wasser versickerte kaum und sammelte sich in den engen, steilen Tälern der Mittelgebirge. Kleine Bäche entwickelten sich zu reißenden Flüssen und überschwemmten die Ortschaften mit furchtbaren Folgen. Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben, die Wasserfluten zerstörten Gebäude und Infrastruktur wie Straßen, Bahngleise, Strom- und Telefonnetze.


Vor allem die Gebiete an Erft und an der Ahr traf es schwer. Statt Weinbergen und Wiesen Trümmer in ölig verseuchtem Schlamm – durch die idyllischen Täler mit ihren reizvollen historischen Ortkernen zieht sich eine Schneise der Zerstörung. Doch Tausende von Menschen, Einwohner als auch Helfer machten sich gemeinsam mit Feuerwehr, allen verfügbaren Rettungskräften, dem Technischen Hilfswerk (THW) und der Bundeswehr sofort daran, dem Leid und dem Chaos Herr zu werden. So Thomas Schäfer: Seine Schreinerei und das alte Heimersheimer Bahnhofsgebäude an den Bahngleisen der Ahrtalstrecke, sonst Ausgangpunkt für so viele Touristen, ist schwer beschädigt, die Bahnstrecke zerstört. „Als ich sah, dass die Gebäude und der Hof, auf Deutsch gesagt, völlig abgesoffen waren und ich dort nichts tun konnte, bin ich die erste Woche nur mit meinem Traktor in den Ortschaften unterwegs gewesen und habe geholfen – Menschen aus den oberen Etagen der Häuser gerettet, kaputte Autos und Hindernisse aus dem Weg geräumt.“

DSD-Projektreferent Dr. Eckhard Wegner begutachtet das schwer beschädigte Denkmalensemble des alten Heimersheimer Bahnhofs von 1889.
© Roland Rossner / DSD
DSD-Projektreferent Dr. Eckhard Wegner begutachtet das schwer beschädigte Denkmalensemble des alten Heimersheimer Bahnhofs von 1889.

Alte Gebäude halten viel aus


Als die Schlammflut sich zurückzog, sah Schäfer das Ausmaß der Schäden: Vor dem Haus hatte ein Wasserstrudel statt des Hofes einen mehrere Meter tiefen Trichter zurückgelassen. Seine entsetzten Mieter berichteten, dass 20-Tonnen-Laster wie aus Pappmaché im Wasser trieben und auch gegen das Mauerwerk des Wohnhauses krachten. Doch das Gebäude von 1889 hielt stand ebenso wie die alte Verladehalle, in der sich die Schreinerei mit den nunmehr kaputten Werkmaschinen befindet.


„Das Haupthaus ist solide gebaut, auch weil es im 19. Jahrhundert ein tiefes Fundament aus Bruchstein erhielt“, sagt Schäfer. Er weiß es, weil er das Ensemble, das seine Eltern in den Sechzigerjahren erworben hatten und instand setzten, bis heute bewahrt. „Mit solch starken Steinfundamenten bauen heute schon wieder viele hier im Tal“, ergänzt seine Lebensgefährtin Tatjana Otterpohl.


Und hier setzt die Hilfe der Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) an. Viele der historischen Gebäude sind beschädigt, aber sie haben eine gute Substanz, die viel aushält. Nicht ohne Grund haben die Bauwerke bereits Jahrhunderte überstanden. Vieles ist noch zu retten. Doch dazu bedarf es Wissen und Geld. Deshalb hat die Stiftung innerhalb kürzester Zeit ein Nothilfeprogramm auf die Beine gestellt, um Eigentümern von denkmalgeschützten Bauwerken unter die Arme zu greifen.

Freiwillige der Jugendbauhütte Quedlinburg mit Fachanleiter Andreas Schael (r.) bei ihrem ersten Fluthilfe-Einsatz in Bad Münstereifel.
© Roland Rossner / DSD
Freiwillige der Jugendbauhütte Quedlinburg mit Fachanleiter Andreas Schael (r.) bei ihrem ersten Fluthilfe-Einsatz in Bad Münstereifel.

DSD-Vorstand Steffen Skudelny: „Eine Million Euro konnten wir kurzfristig aufbringen. Je eine weitere Million haben uns spontan die Hermann Reemtsma Stiftung und die Lotterie GlücksSpirale vorzeitig zur Verfügung gestellt. Auch Förderer leisteten zügig Spenden, sodass bislang nochmals 500.000 Euro zusammenkamen. Bereits nach der ersten Woche waren über dreißig Nothilfe-Zusagen auf den Weg gebracht und schon Nothilfe-Beträge ausgezahlt.“


Unmittelbar nach der Katastrophe begann das Team der Denkmalförderung auf Hochtouren zu arbeiten, damit die Stiftung Denkmaleigentümern so schnell wie möglich finanzielle Hilfe leisten konnte. „Ohne Strom, Internet und Postwege war es für uns eine Herausforderung, betroffene Denkmalbesitzer überhaupt zu identifizieren und zu erreichen“, sagt Annette Liebeskind, Leiterin der Fachabteilung. Fieberhaft wurden Förderprojekte aus der Stiftungsdatenbank selektiert und die zuständigen Mitarbeiter der örtlichen Denkmalbehörden, deren Bürogebäude zum Teil selbst betroffen sind, um Mithilfe gebeten: Zum einen sollten sie versuchen, mit den Eigentümern von bereits geförderten Objekten in Kontakt zu treten.


Zum anderen bat man sie, weitere Denkmale in den betroffenen Hochwassergebieten zu benennen und Eigentümern Anträge auf Soforthilfe zukommen zu lassen. Zudem fahren die Fachleute der DSD-Denkmalförderung mit den Antragsformularen im Gepäck systematisch die Gebiete ab, um die betroffenen Denkmaleigentümer zu beraten und eine möglichst hürdenfreie Unterstützung zu gewährleisten. Ein ungewöhnliches Vorgehen, das dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden schnell Erfolg zeigte. „Es ist beeindruckend, wie erleichtert die Menschen reagieren. Wir gehören zu den wenigen, die schon sehr schnell Nothilfe-Gelder ausgeschüttet haben“, sagt Dr. Ursula Schirmer, Pressesprecherin der Stiftung.

Flutopfer Thomas Schäfer und Tatjana Otterpohl: Sie helfen, wo sie können, und sind dankbar für die Nothilfe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
© Roland Rossner / DSD
Flutopfer Thomas Schäfer und Tatjana Otterpohl: Sie helfen, wo sie können, und sind dankbar für die Nothilfe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Gegen vorschnellen Abriss


Neben dieser ersten Hilfe gilt es, vorschnelle Abrisse historischer Bauwerke zu verhindern. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit beziehungsweise mit den Bewertungen der diversen Baugutachter vor Ort. „Um die Standsicherheit und das Maß der Reparaturfähigkeit von historischen Gebäuden einschätzen zu können, bedarf es speziellen Fachwissens. Gerade Fachwerkbauten können sehr gut repariert werden, was häufig auch Gutachtern nicht in diesem Umfang bekannt ist“, sagt Eckhardt Wegner von der DSD-Fachabteilung Denkmalförderung. „Wir wollen bewusst machen, dass der Abriss historischer Gebäude die letzte Option und zudem oft nicht notwendig ist.“


Wie viele Denkmale trotz allen Einsatzes dennoch verlorengehen werden, wird erst der Rückblick zeigen. Fast wäre auch die historische Verladehalle von Schreinermeister Schäfer dem Abriss zum Opfer gefallen. Er berichtet: „Drei Gutachter waren hier und haben sich das unterspülte Fachwerkgebäude angeschaut. Zwei meinten, notsichern durch Abstützen reicht erst einmal, weil sich die Holzkonstruktion nicht verzogen hat. Der Dritte aber entschied auf Abriss und hatte gleich den THW-Bagger mit Container dabei.“ Mit dem Hinweis, das Fachwerkgebäude sei einsturzgefährdet und zu nah an der einzigen noch befahrbaren Straße, wurde  mit dem tonnenschweren Greifer auf das Dach des in der Luft schwebenden Anbaus geschlagen. Ohne Erfolg, es war zu stabil. „Jetzt habe ich noch größere Schäden als vorher“, sagt Schäfer kopfschüttelnd.


Den betroffenen Eigentümern, die nicht wissen, wo sie bei ihren beschädigten Gebäuden anfangen sollen, will die DSD beratend und zielführend zur Seite stehen. „Vor allem ist Geduld nötig. Die Gebäude – ob aus Holz oder Stein – müssen trocknen, trocknen, trocknen. Im Gegensatz zu neuzeit-lichen Materialien haben historische gute Trocknungseigenschaften“, so Wegner. „Am besten ist auf natürliche Weise mit Durchzug. Auch Bautrockner sind in Ordnung. Abzuraten ist von Heißluft, da durch zu schnelles Trocknen sogenannte Schwundrisse auftreten können.“

Die neuromanische Kirche im Winzerort Mayschoß als Spendenlager:  Noch immer bieten Kirchen oftmals den größten Versammlungsraum im Dorf.
© David Klammer
Die neuromanische Kirche im Winzerort Mayschoß als Spendenlager: Noch immer bieten Kirchen oftmals den größten Versammlungsraum im Dorf.

Damit die durchfeuchteten Holzbalken und Gefache besser atmen können, muss bei Fachwerkgebäuden partiell der Lehmputz abgeschlagen werden. Oft tritt dann Schimmel am Holz auf, der immer wieder behandelt werden muss. „In Bad Münstereifel wurde eine Rezeptur auf biologischer Basis verteilt – es riecht ein wenig nach Gurkenwasser“, berichtet Bernd Bünger. Er besitzt eines der vielen alten Fachwerkhäuser unterhalb der Burg. Immer wieder habe er die schimmelbefallenen Holzbalken seines im 17. Jahrhundert erbauten Hauses mit dem Mittel abgebürstet. „Aber es hat geholfen“, sagt der 60-jährige Berufsberater, „auch mir, denn in den Ruhephasen kommen immer wieder die Tränen. Wenn ich mich mit eigenen Händen um mein Haus kümmern kann, sehe ich weniger schwarz.“


DSD-Vorstand Steffen Skudelny, der ebenfalls immer wieder betroffene Denkmale begutachtet, erklärt: „Sporen tragen alle Holzbauten in sich, doch sie sind harmlos und unauffällig, solange die Bauwerke trocken sind. Wird aber das Holz feucht, werden die Sporen aktiv und breiten sich aus, was zu Hausschwamm- oder Schimmelbefall führen kann. Deshalb legt die Denkmalpflege so großen Wert auf atmungsaktive Putze und Oberflächen.“


Hilfe zur Selbsthilfe


So manch andere Schäden treten nun erst durch die Flutkatastrophe zutage. „Da wir denkmalgeschützte Bauwerke erhalten wollen, werden wir nach den Nothilfemaßnahmen sicher zahlreiche Denkmale weiter fördern“, meint Projektentwickler Wegner. Bautrockner waren zeitweise Mangelware ebenso wie Schaufeln und Gummistiefel – jetzt sind es die Handwerker (beachten Sie den Infokasten rund um dieses Thema am Ende dieses Artikels).

Pfarrer Andreas Möhlig inmitten trocknender Altarteile: Kornelimünsters bedeutende Propsteikirche stand wie viele Häuser im historischen Ortskern rund zwei Meter unter Wasser.
© David Klammer
Pfarrer Andreas Möhlig inmitten trocknender Altarteile: Kornelimünsters bedeutende Propsteikirche stand wie viele Häuser im historischen Ortskern rund zwei Meter unter Wasser.

Praktische Hilfestellung sollen die Freiwilligen der DSD-Jugendbauhütten leisten, deren Freiwilliges Jahr in  der Denkmalpflege Anfang September  begonnen hat. Da sie in ihrem Freiwilligen Jahr von erfahrenen Handwerkern in der Denkmalpflege angeleitet werden, können die Denkmaleigentümer bei den Einsätzen der jungen Leute viel erfahren – Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel.


Nach der Zeit des fieberhaften Aufräumens und Notsicherns ist eine Phase des Innehaltens wichtig. Im besten Fall für die konstruktive Orientierung, wie es weitergehen soll. „Um straff wieder aufzubauen, ist eine sorgfältige Planung notwendig, die ihre Zeit braucht“, lautet der Appell von DSD-Architekt Rainer Mertesacker. Es ist ein Anliegen der DSD, Eigentümern, die über Jahre so viel Zeit und Geld in die Bewahrung ihrer Denkmale investiert haben, zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, den Weg des Wiederaufbaus erneut zu gehen. Für die Stiftung gehört dazu nicht nur die finanzielle Hilfe und Beratung, sondern auch Perspektiven für die Zukunft zu schaffen und an Lösungen in den Themenbereichen Klimawandel und Hochwasserschutz mitzuwirken.


Klimawandel und Hochwasser


Die immer höheren Pegelstände beschäftigen auch Benedikt Wiemer in Solingen-Höhscheid. Er wohnt am Nacker Bach nahe der Einmündung in die Wupper in einer alten Hofschaft, auf der schon seine Vorfahren lebten. Über Jahre haben Benedikt Wiemer und seine Frau Sarah ein leerstehendes und von einem früheren Hochwasser geschädigtes Fachwerkhaus denkmalgerecht restauriert. Das im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammende Gebäude – ursprünglich als Brennerei und Brauhaus genutzt – zählt zu den ältesten auf der Hofschaft Haasenmühle. Dem jungen Paar lag es am Herzen, dieses Gebäude vor dem Verfall zu retten. Für ihren vorbildlichen Einsatz wurden sie 2020 mit dem Denkmalpreis des Bergischen Geschichtsvereins ausgezeichnet – und hatten zuvor bereits ein Hochwasser gemeistert.

Nur scheinbar unberührt: Das reißende Hochwasser hat im denkmalgeschützten Fachwerkhaus der Wiemers Keller und Erdgeschoss verwüstet.
© David Klammer
Nur scheinbar unberührt: Das reißende Hochwasser hat im denkmalgeschützten Fachwerkhaus der Wiemers Keller und Erdgeschoss verwüstet.

Nun drei Jahre später bahnt sich der Nacker Bach erneut mit reißender Strömung seinen Weg. Doch diesmal reichte das Wasser bis zur Fensterkante des Untergeschosses. Mit einem Schlauchboot der Feuerwehr wurden die beiden und ihr Baby gerettet. Am nächsten Tag später erfuhren sie, dass ihr Fachwerkhaus nicht weggerissen wurde, sondern den Fluten standgehalten hat.


„In unserer Familienchronik, die bis ins ausgehende 18. Jahrhundert reicht, ist ein solches Hochwasser nicht verzeichnet“, sagt der Familienvater. „Doch seit den 2010er-Jahren sind die Wasserstände von Mal zu Mal höher geworden: Erst war Wasser im Keller, dann wurde die Hoffläche überschwemmt und nun strömte die Flut knapp unter der Fensterkante des Erdgeschosses entlang.“ Eine Ursache verortet Wiemer in der Entwässerung des Tals, spricht von „risiko-orientierten Flächennutzungskonzepten“.


Mit den Faktoren für das Ausmaß von Hochwasserereignissen beschäftigen sich Wissenschaftler seit Jahren. Bekannt ist, dass es solche gewaltigen Hochwasser bereits in vorindustrieller Zeit gegeben hat. Aber damals wurden die Tallagen noch nicht so intensiv genutzt wie heute, erklärt Professor Holger Schüttrumpf vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der RWTH Aachen: „Wir haben das grundsätzliche Problem, dass es entlang der Flüsse zu einer zunehmenden Verdichtung gekommen ist und überschwemmungsgefährdete Gebiete überbaut worden sind. Der Bedarf nach Flächen zum Wohnen, Arbeiten oder für die Landwirtschaft ist auch dort in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen. Wenn ein Hochwasserereignis eintritt, dann trifft es auf intensive Landnutzung. Dadurch entstehen dann solche Katastrophen wie im Juli dieses Jahres.“

Auch in der Not kann er auf seinen kompetenten Zimmermann zählen: Benedikt Wiemer (r.) vor seinem Denkmal in Solingen-Höhscheid.
© David Klammer
Auch in der Not kann er auf seinen kompetenten Zimmermann zählen: Benedikt Wiemer (r.) vor seinem Denkmal in Solingen-Höhscheid.

Bedingt durch die weltweite Erderwärmung wird die Häufigkeit von langanhaltenden Starkniederschlägen weiter zunehmen, so erwartet es der Deutsche Wetterdienst laut einer kürzlich veröffentlichen internationalen Studie. Diesem wachsenden Risiko müssten sich die Behörden bewusst sein, um sich auf mögliche Extremwetterereignisse vorzubereiten.


Die Verbesserung des Hochwasserschutzes spielt dabei eine elementare Rolle. Holger Schüttrumpf: „Für die Gewässer müssen mehr Überflutungsflächen und Rückhaltemöglichkeiten geschaffen werden. Bauwerke müssen unmittelbar geschützt werden. Die Eigenverantwortung ist zu stärken. Und es braucht ein einwandfreies Frühwarnsystem.“


Dieses Spektrum an Maßnahmen könnte auch historische Bauten und Altstadtensembles vor weiteren Hochwasserkatastrophen bewahren – allein Bad Münstereifel und seine umliegenden Dörfer weisen mehr als 360 eingetragene Denkmale auf. Rund 80 Prozent sind durch die Flut betroffen. Der Großteil der in Mitleidenschaft gezogenen Denkmale sind Wohnhäuser. Kirchen, Friedhöfe, Schlösser, technische Denkmale oder Stadtbefestigungen wurden aber ebenfalls massiv beschädigt. Neben der Sturzflut richtete auch ”nur“ steigendes Hochwasser große Schäden an. Ein Beispiel ist die Schallenburg in Schwadorf, einem Ortsteil von Brühl, das durch seine Barockschlösser Augustusburg und Falkenlust weltberühmt ist. Die ältere Schallenburg ist die dritte im Bunde und wichtiger Teil der Ortsgeschichte. Als Niederungsburg ist sie von einer Gräfte (einem Wassergraben) umgeben, die durch das Wasser des Dickopsbaches gespeist wird. Der etwa zehn Kilometer lange Bach führt vom Hang des Vorgebirges bis in den Rhein und umfließt das Burggelände an zwei Seiten: Bei dem Unwetter ist er mit Macht über die Ufer getreten und flutete die gesamte Burginsel.

Das Hochwasser wäre der Schallenburg in Brühl-Schwadorf fast zum Verhängnis geworden.
© Rita Lennartz
Das Hochwasser wäre der Schallenburg in Brühl-Schwadorf fast zum Verhängnis geworden.

So hat es das Geschwisterpaar Lennartz, deren Familie die Burganlage aus dem 15. Jahrhundert in sechster Generation besitzt, noch nicht erlebt. „Wir haben Glück gehabt, dass das Wasser in den Gewölbekellern vierzig Zentimeter unter dem Scheitel der Backsteingewölbe stoppte. Wäre das Wasser weiter in die Kappen eingedrungen, wäre es fraglich, ob die Gewölbe dem Gewicht und dem Druck standgehalten hätten“, meint Dr. Rita Lennartz. Eine baustatische Prüfung ergab nun, dass das Kuppelgewölbe des Ostturms notgesichert werden muss. Erleichtert hingegen stellten die Geschwister fest, dass ein Fachwerkgebäude der Vorburg nicht in den Wassergraben abgesackt ist. „Dank der kürzlich mit Hilfe der DSD restaurierten Westseite: Sie hat das Gebäude stabilisiert“, sagt Lennartz.


Erleichterung in anderer Hinsicht verspürte Pfarrer Andreas Möhlig in Kornelimünster bei Aachen – dank frühzeitiger Warnung der Anwohner durch die Feuerwehr. Die Propstei- und ehemalige Benediktinerabteikirche zählt zu den bedeutendsten Bauwerken im Rheinland und ist eine jahrhundertealte Wallfahrtskirche am historischen Markt, der vom Wasser der Inde überflutet wurde. „Hier wurden wir zum Glück viele Stunden vorher gewarnt. So konnten wir die Reliquien, wie das wertvolle Schädelreliquiar des heiligen Kornelius, und andere Kunstwerke  sicher auslagern“, berichtet der Geistliche. Die feste Ausstattung musste den fast zwei Meter hohen Fluten überlassen werden. Eine besondere Sorge bereitet neben den beschädigten kostbaren Altären die Orgel:  Obwohl vom Wasser verschont, droht sie durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Kirchenraum erneut Schaden zu nehmen.

Fest entschlossen ihr beschädigtes Denkmal Schallenburg zu bewahren: Dr. Rita Lennartz.
© Roland Rossner / DSD
Fest entschlossen ihr beschädigtes Denkmal Schallenburg zu bewahren: Dr. Rita Lennartz.

Baudenkmale gehören mit zum Grundstock für den Wiederaufbau, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier denkmalschützender Institutionen und Initiativen für das Ahrtal. Das überregionale Nothilfeprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz scheint mit den anfänglichen 3,5 Millionen angesichts der Hochwasserschäden nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Doch die Unterstützung ist Gold wert –  vor allem, weil sie Denkmaleigentümern zeigt, dass sie nicht auf sich allein gestellt sind. Auch wenn der Wiederaufbau noch Jahre dauern wird. „Aufgeben ist keine Option für uns“, sagt Thomas Schäfer – und damit meint er nicht allein seine Schreinerei im historischen Heimersheimer Bahnhof. Möglichst vielen Betroffenen möchte die DSD auch in Zukunft zur Seite stehen und bittet daher um Ihre Spende!


Christiane Rossner

Unser Nothilfe-Programm

So hilft die DSD

Mit einem dreistufigen Nothilfe-Programm stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz finanzielle Unterstützung für vom Hochwasser betroffene Denkmale bereit.


Bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) gingen bereits einen Tag nach der Katastrophe die ersten Hilferufe ein. Daher wurden sofort finanzielle Mittel bereitgestellt, ein Spendenaufruf gestartet und ein Nothilfe-Programm aufgebaut. Zwei Monate später sind fast eine Million Euro für 158 Denkmale reserviert und bereits zum Teil ausgezahlt. Im Schnitt treffen täglich zehn Förderanfragen ein, Tendenz steigend. Schwerpunktgebiete der DSD-Hilfe sind die Eifel mit ihren angrenzenden Regionen, das Ahrtal und das Bergische Land.
Das dreistufige Nothilfe-Programm der DSD hilft Eigentümern unbürokratisch und zügig, ihre durch die Flutkatastrophe beschädigten Baudenkmale zu retten. Annette Liebeskind, Leiterin der Abteilung Denkmalförderung: „Zu den herausragendsten Merkmalen historischer Gebäude zählen ihre große Reparaturfähigkeit und ihre Widerstandskraft. Dies zeigt sich bei der Begutachtung von betroffenen Denkmalen immer wieder eindrucksvoll.“
Ziel des Programms ist, den Denkmalbestand zu bewahren und unnötigen Abriss von Denkmalen zu verhindern. Liebeskind: „Sie sind emotionale Ankerpunkte, Kulturspeicher und sie sichern die wirtschaftliche Zukunft der betroffenen Tourismus-Regionen.“

Zum Spektrum der Leistungen und Maßnahmen zählen etwa die Honorare denkmalerfahrener Fachleute, also von Gutachtern, sachverständigen Handwerkern, Architekten und Statikern, sowie die zahlreicher Gewerke. Darunter fallen Fundamentarbeiten, Zimmermanns- und Maurerarbeiten, Lehmbauarbeiten, Tischler- und Schreinerarbeiten, Glaserarbeiten,  Dachdecker- und Klempnerarbeiten, Stahlbauarbeiten und noch viele mehr.

© Roland Rossner / DSD
© Roland Rossner / DSD


„Es tut so gut, zu wissen, dass die Hilfe der DSD mit der ersten Nothilfe durchaus noch nicht beendet ist“, sagt Rolf Kesehage aus Bad Münstereifel. Drei Förderungsstufen    umfasst das Nothilfe-Programm: Eine  Nothilfe bis zu 2.500 Euro für erste Notsicherungsmaßnahmen und Sachverständigenhonorare. Eine Nothilfe bis zu 10.000 Euro, wenn größere Maßnahmen zur Rettung des Denkmals notwendig sind. Die letzte Stufe der Nothilfe betrifft umfangreiche Sanierungsmaßnahmen, die mehr als 10.000 Euro erfordern. Hier kommt der reguläre Förderantrag zum Einsatz.
Damit es möglichst reibungslos und ohne Hürden für die betroffenen Denkmaleigentümer vonstattengeht, steht ihnen zu jedem Zeitpunkt des Nothilfe-Programms die persönliche Beratung telefonisch oder vor Ort offen.  


Alle wichtigen Informationen sowie das (Online-)Antragsformular finden betroffene Denkmaleigentümer unter:

www.denkmalschutz.de/ hochwasserhilfe-foerderung-erhalten


Welche Leistungen fördert die DSD?
www.denkmalschutz.de/hochwasserhilfe-was-wir-foerdern-koennen

Welche Experten helfen bei der Sanierung des Baudenkmals?
www.denkmalschutz.de/hochwasserhilfe-hilfreiche-links

Für Spenden und Stiften  zur Hochwasser-Nothilfe:
foerderer@denkmalschutz.de, 0228 9091-250  

Bei Fragen für betroffene  Denkmaleigentümer:
hochwasserhilfe@denkmalschutz.de, 0228 9091-278

Weitere Informationen  für Betroffene:  
www.denkmalschutz.de/hochwasserhilfe

 

   

Bitte unterstützen Sie unsere Hochwasser-Nothilfe mit Ihrer Spende!

Auch kleinste Beträge zählen!

© Roland Rossner / DSD
 

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