Denkmalarten Landschaften, Parks und Friedhöfe 1800 1700 Streiflichter Gärten Ausgabe Nummer August Jahr 2021 Denkmale A-Z S

Naturromantische Wanderung

Denkmale am Wegesrand: Die Seifersdorfer Runde

Wunderschöne Natur, angereichert mit Kultur: Ein Wanderweg, der schon seit 250 Jahren die Sinne erfreut.

Ein zu durchwanderndes Landschaftsbild, das war es, was Christina von Brühl, Schwiegertochter des kursächsischen Premierministers, ab 1781 in das wildromantische Seifersdorfer Tal in der Nähe Dresdens hineinmodellierte. Dabei sollte das Naturerlebnis gleichzeitig auch der moralischen Stärkung dienen. Bestens vernetzt mit den führenden Dichtern und Denkern der Zeit – von Wieland über Schiller bis zu Goethe – avancierte sie mit ihrem Anwesen zu einem „sächsischen Weimar“. Unsere Runde führt vom Seifersdorfer Schloss durch das tiefe Tal der Großen Röder. Zahlreiche Staffagen – oder deren Reste – weisen uns den rechten Weg und bieten romantische Motive. „Den freundlichen Pflegern dieses Thals“, nämlich Gräfin Christina und ihrem Gemahl, ist einer der Gedenksteine gewidmet. Längst ließe sich der Dank ausweiten: Die Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten zum Beispiel, eine Treuhandstiftung in Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, hat mehrmals Instandsetzungen gefördert.

Beatrice Härig

© Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Unsere Wanderung führt über gut 6 Kilometer durch das Seifersdorfer Tal.


Seifersdorf liegt an der A4, Abfahrt Ottendorf-Okrilla. Der ÖPNV fährt den Ort Montag bis Freitag an.


Mehr zu Schloss Seifersdorf:

https://www.schloss-seifersdorf.de/


Führungen durch den Verein Seifersdorfer Thal:

https://tinathal.org/


Kartenmaterial : Dresdner Heide. Seifersdorfer Tal, Wander- und Radwanderkarte mit Reitwegen.  Wanderkarte 1:15000. Hg v. Sachsen Kartographie



 

    

Das Seifersdorfer Schloss

Wir starten unsere Runde am Seifersdorfer Schloss, das mit dem von Christina, genannt Tina von Brühl (1756–1816) gestalteten Park den geistigen Mittelpunkt der Wanderung bildet. Sohn Carl zog 1817 Karl Friedrich Schinkel zu Rate und ließ das Schloss neogotisch umgestalten. Heute kümmert sich ein engagierter Förderverein zusammen mit der Gemeinde um die dringend notwendige Restaurierung. Die DSD steht im Gespräch und als Partner für die weiteren Bauabschnitte bereit. Eine multimediale Ausstellung ist geplant, um das europaweit vernetzte Leben der von Brühls nahezubringen. Keine Geringeren als Herder, Wieland und Goethe galten als Carls Mentoren.

Empfehlenswertes Ziel: Schloss Seifersdorf in Wachau kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.
© Stefan Beetz
Empfehlenswertes Ziel: Schloss Seifersdorf in Wachau kann am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.
 

      

Gilt als Mittelpunkt des Tals: die Hermannseiche, die signifikant auf einem Berg steht.
© Stefan Beetz
Gilt als Mittelpunkt des Tals: die Hermannseiche, die signifikant auf einem Berg steht.

Die Hermannseiche

Die erste Station auf unserem Weg vom Schloss ins Rödertal: Als Sinnbild des deutschen Vaterlands wurde die Hermannseiche nach dem Cherusker und Römer-Bezwinger Arminius benannt. In einer Zeit, als ein deutscher Nationalstaat noch in weiter Ferne lag und viele deutsche Kleinstaaten Realität waren, dichtete Friedrich Gottlieb Klopstock 1769 sein Drama über die Hermannsschlacht. Die malerische Lage auf einem Felssporn wurde zum Verhängnis: 1930 wurde der 400-jährige Symbolbaum von einem Blitzeinschlag getroffen. Aber auch ein mächtiger Eichentorso braucht Hilfe: Die DSD-Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten half 2009 bei der Sanierung der Stützmauer an dem Naturdenkmal.

 

        

Im Tal der Freunde – Büste der Anna Amalia

Das Seifersdorfer Tal gilt als einer der ältesten Landschaftsgärten Deutschlands. Tina von Brühl hatte intensiv die Schriften des legendären Gärtners Christian Cay Lorenz Hirschfeld studiert. Etwa 30 Stationen und Kleinarchitekturen dienen der Erbauung, wurden mit Tiefsinn an exponierten Stellen errichtet und sollen die Natur veredeln. Viele von ihnen gedenken literarisch-philosophischen Vorbildern und Weggefährten. Der verehrten und engen Freundin Anna Amalia (1739–1807) zum Beispiel huldigte man mit einer eigenen Büste.

Hommage an Anna Amalia und ihre berühmten und gerne besuchten Weimarer Tafelrunden.
© Stefan Beetz
Hommage an Anna Amalia und ihre berühmten und gerne besuchten Weimarer Tafelrunden.
 

              

Eine der Brücken führt über den Fluss zur Festwiese mit ihren zahlreichen Denkmalen
© Stefan Beetz
Eine der Brücken führt über den Fluss zur Festwiese mit ihren zahlreichen Denkmalen

Die Brücken im Tal – sicher über die Röder

Mehrere Brücken führen über die Röder. Wir nutzen die Brücke an der Festwiese. 2006 war sie nach einem Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die DSD sprang finanziell zur Seite. Die Stiftung ist eine von vielen, die geholfen haben, das Tal zu bewahren. An diesem Ort scheinen wirklich spirituelle Mächte zu wirken – schon immer engagierten sich die Bürger. Selbst in schwierigen DDR-Zeiten fanden regelmäßige Pflege- und Rettungsaktionen statt und 1981 konnte die geplante Überflutung und der Bau einer Talsperre abgewendet werden. Bis heute sind die "Thalfreunde" sehr aktiv. In den letzten Jahren macht allerdings zunehmend der Klimawandel zu schaffen. Zum Tag des offenen Denkmals werden Führungen durch das Tal angeboten, Treffpunkt ist die Festwiese jeweils um 10 und 14 Uhr.

 

           

Die Sonnenuntergangsbank

Eine schlichte Bank, ein gewaltiger Text: "Wiedersehn, das werde ich/dich untergehende Sonne/ wiedersehn. holder Gedanke. Entschwundenes, Edles, Geliebtes/wiedersehen werde ich dich/und nie das letzte mal sehn." Die Inschrift auf der Steintafel hinter der Sonnenuntergangsbank gibt empfindsamen Wanderern seit 1830 dichterisches Geleit. Hier half die Stiftung Historische Gärten pure Romantik zu bewahren. Nach der besinnlichen Rast geht es wieder zutück zur Röder und über eine nördliche Schleife bis zum Schloss Seifersdorf.

Zur Ruhe kommen und Gedanken nachhängen – heute wie vor 250 Jahren.
© Stefan Beetz
Zur Ruhe kommen und Gedanken nachhängen – heute wie vor 250 Jahren.
 

      

Elisa von der Recke, 1797, von Anton Graff (1736–1813). Öl auf Leinwand, Berlin, SMB, Nationalgalerie.© akg-images

Elisa von der Recke: Teil des kulturellen Netzwerks

Eine der wichtigsten Freundinnen der Brühls und regelmäßige Besucherin im romantischen Refugium war Elisa von der Recke (1754–1833). "Zaubergefilde" nannte die weitgereiste Schriftstellerin, deren emanzipatorische Schriften seinerzeit bewundert wurden, das Röder-Tal: ein Landschaftsgarten, der bei Weitem alle überträfe, die sie je gesehen habe. Zu Friedrich Nicolai und dessen Familie pflegte Elisa von der Recke eine besonders enge Beziehung. Zur Zeit der Aufklärung war Nicolais Haus in Berlin ein intellektuelles Zentrum. 1814/1815 lebte von der Recke mit ihrem Freund im Nicolaihaus, heute ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. In der von der DSD kuratierten Ausstellung zeugen einige Schriften von der Reckes von dem großen Dichter- und Denker-Netzwerk jener Zeit.

 

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