Denkmalarten Technische Denkmale Stile und Epochen 1925 Menschen für Monumente Menschen für Denkmale Ausgabe Nummer Oktober Jahr 2020 Denkmale A-Z G M

Deutsche Stiftung Denkmalschutz rettet Industriedenkmal

Maschinenhaus wird zur Ergotherapie-Praxis

Mit Video: Ein ehemaliger Bergmann und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz kämpften beharrlich für den Erhalt und die Umnutzung des Maschinenhauses 2 in der Grube Göttelborn – und siegten!

Für das Fotomotiv hat sich Stefan Spaniol genau dieses Szenario ausgesucht: Der 63-Jährige steht neben dem Maschinenhaus 2 der Grube Göttelborn im saarländischen Quierschied. Hinter ihm steht der massive Kubus des Maschinenhauses, daneben zwei imposante Fördertürme. 400 Jahre lang förderte die Grube Göttelborn Steinkohle, in Spitzenzeiten bis zu 1.050 Tonnen pro Stunde. Ganze Generationen von Bergleuten wurden hier ausgebildet.

Nach langen bürokratischen Unwägbarkeiten freut sich Stefan Spaniol sehr auf den Abschluss der ersten Bauphase.
Quierschied, Grube Göttelborn Maschinenhaus 2 © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Nach langen bürokratischen Unwägbarkeiten freut sich Stefan Spaniol sehr auf den Abschluss der ersten Bauphase.

Stefan Spaniol fuhr hier 10 Jahre ein, aber im Milleniumsjahr 2000 war Schicht – Göttelborn wurde geschlossen. Der ehemalige Bergmann: „Ich war froh, dass ich bereits Ende der 90er Jahre zum Ergotherapeuten umgeschult hatte. Ich war bereit für neue Wege.“ Denn auf der Suche nach neuen Praxisräumen entdeckte Stefan Spaniol das stillgelegte Maschinenhaus wieder. Normalerweise ist er kein Mann großer Worte, aber wenn es um die Grube Göttelborn geht, verändert sich seine Stimme: „Dieser Ort ist ein historisches Vermächtnis. So wunderbar still und ruhig – perfekt. Den Gedanken zurückzukehren hatte ich schon länger. Und als ich den 18 Meter hohen Kubus von innen erlebte, spürte ich Gänsehaut.“


„Dem Denkmal wieder Leben einzuhauchen“, so Spaniol, „das war der Plan!“ Es sollte seine neue Praxis werden. Dabei sieht er in dem Areal und dem Gebäude eine perfekte Umgebung, um dort zu leben und vor allem Menschen ergotherapeutisch zu betreuen. Die Wege und Zuwege sind behindertengerecht, es gibt Treppenaufgänge sowie leichte an- und abfallende Straßen, an denen man gut trainieren kann. „Für die nächsten 100 Jahre – gerne länger,“ sagt er. Denn sein Sohn soll das alles mal übernehmen.

Der Blick in das Maschinenhaus 2 zeigt die fulminante denkmalgeschützte Technik: Die Fördermaschine, die Bedienwarte und der Laufkran an der Hallendecke bleiben erhalten.
Quierschied, Grube Göttelborn Maschinenhaus 2 © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Der Blick in das Maschinenhaus 2 zeigt die fulminante denkmalgeschützte Technik: Die Fördermaschine, die Bedienwarte und der Laufkran an der Hallendecke bleiben erhalten.

So half die DSD


Bei seinem langen Weg durch die Instanzen halfen ihm sein Mut und seine Beharrlichkeit – die Eigenschaften eines Bergmanns. „Anträge, Ablehnungen und vor allem Termine“, erläutert Stefan Spaniol, als er durch die Ordner blättert, die den bürokratischen, architektonischen und denkmalpflegerischen Aufwand des Projektes zeigen. „Zum Glück hatte ich Hilfe!“ Vom groben Konzept bis zum ersten Bauabschnitt des Maschinenhauses hat ihn die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aktiv begleitet.


Rückblickend startete die Zusammenarbeit im September 2018 am Tag des offenen Denkmals in der Fellenbergmühle in Merzig. Der DSD-Projektreferent Hans-Stefan Bolz (47) hatte die Familie Spaniol zum Austausch eingeladen, um über den möglichen Förderantrag des kubischen Baus für das Jahr 2019 zu sprechen. Mit Vater und Sohn erläuterte er den damaligen Planungsstand und die notwendigen und denkmalgerechten Maßnahmen an der originalen Bausubstanz. Klar war, dass das Konzept für das Maschinenhaus in Quierschied innovativ und besonders ist. Deswegen riet Hans-Stefan Bolz: „Durchhalten, dranbleiben und weitermachen!“

Im ersten Bauabschnitt werden die Stahlrahmenfenster denkmalgerecht saniert.
Quierschied, Grube Göttelborn Maschinenhaus 2 © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Im ersten Bauabschnitt werden die Stahlrahmenfenster denkmalgerecht saniert.

Neue und alte Qualitäten


Dann kamen die Architekten wieder ins Spiel: Ein Architekten-Team arbeitete die Idee der Umnutzung des Industriebaus zum Arbeits- und Wohnbereich weiter aus. Der mit Ziegeln ausgefachte Stahlskelettbau soll als Hülle für eine Haus-im-Haus-Konstruktion dienen. Die reversible Struktur aus gestapelten Seecontainern nutzt den inneren Luftraum des Maschinenhauses. Architekt Bernd Decker (57): „Wir greifen die Idee des Industriebaus auf, indem wir industriell gefertigte Elemente verwenden. Reversibilität und Erhalt waren uns wichtig. Das Objekt soll seine Geschichte erzählen.“


Minimale Eingriffe bewahren zudem die Substanz und erweitern die Raumwirkung und -qualität. Im oberen Bereich der Halle wird ein Einschnitt der Hülle einen neuen Ausblick in die Landschaft geben. Zudem wird die Verglasung der Ost- und Westfassade denkmalgerecht erneuert. Der Architekt: „Durch klares Glas entsteht eine beeindruckende Lichtsituation, es werden ungewöhnliche Ein- und Ausblicke ermöglicht, die in den jetzt noch ungenutzten Bau bereits wohnliche Qualitäten bringt.“

Stefan Spaniol führt über das beeindruckende Gelände der Grube Göttelborn.
Quierschied, Grube Göttelborn Maschinenhaus 2 © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Stefan Spaniol führt über das beeindruckende Gelände der Grube Göttelborn.

Schließlich will Stefan Spaniol mit der besonderen Nutzung dem Denkmal wieder Leben einhauchen – der erste Abschnitt mit dem Ausbau der Praxis soll bereits Ende September abgeschlossen sein.


Svenja Brüggemann


Grube Göttelborn

66287 Quierschied

Erleben Sie einen Rundgang durch das Maschinenhaus 2 mit Stefan Spaniol und unserem Fotografen Roland Rossner.


Das Maschinenhaus des Bergwerks Göttelborn wurde nach mehreren Ausbauten erst 1959 fertiggestellt – bedient sich aber der Formensprache der 20er Jahre. Das historische Zeugnis des saarländischen Bergbaus ist eines der über 50 Denkmale, die die DSD dank ihrer rund 200.000 Förderer und der Mittel der GlücksSpirale allein im Saarland gefördert hat.



 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Die Villen der Industriellen im Ruhrgebiet 08.03.2017 Unser Reichtum gestattet es Unser Reichtum gestattet es

    Unser Reichtum gestattet es

    Macht und Pracht, die Serie zum Tag des offenen Denkmals: Komfortables Wohnen und Repräsentieren – diese Komponenten musste die Unternehmervilla spätestens im wilhelminischen Kaiserreich ermöglichen.

  • Acht eindrucksvolle Industriedenkmale 10.03.2020 Wo es einst lärmte und qualmte Wo es einst lärmte und qualmte

    Wo es einst lärmte und qualmte

    Denkmale der Industriegeschichte – sie sind für unsere Kulturlandschaften ebenso prägend wie Kirchen und Schlösser. In ihrer Vielzahl zeigen sie, wie sich Deutschland zu einer der führenden Industrienationen entwickelt hat.

  • Die Alte Dreherei in Mülheim an der Ruhr hofft auf Rettung 08.11.2012 Für Truthähne und Traktoren Für Truthähne und Traktoren

    Für Truthähne und Traktoren

    Es gibt Bauwerke, deren einstige Schönheit noch im Verfall durchscheint, so dass man sie um ihrer selbst willen bewahren möchte. Und es gibt Ruinen, deren Anblick nicht nur ergreifend ist, sondern die beim Betrachter Visionen hervorrufen: von den Möglichkeiten, sie sinnvoll zu nutzen, ohne sie dafür in ihrer Authentizität verändern zu müssen. Die Alte Dreherei in Mülheim-Speldorf weckt solche Vorstellungen. Seit langer Zeit pfeift der Wind durch die zerbrochenen Glasscheiben des backsteinernen Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert, und es regnet durch die Löcher im Dach. Große und kleine Pfützen masern den Estrichboden, ihre Feuchtigkeit lässt Schienenstränge, die hier einst verlegt waren, wie ein Vexierbild aufscheinen.

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

 
 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2015 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn