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Freiwilliges Soziales Jahr oder soziales Pflichtjahr?

Alte Steine in jungen Händen

In den Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz begeistern sich jedes Jahr Hunderte von jungen Menschen für das baukulturelle Erbe. Ein Besuch bei Charlotte, Miriam und Timo in Quedlinburg.

Lesen Sie zur Diskussion "Freiwilliges Soziales Jahr vs. soziales Pflichtjahr" unser Pro & Contra am Ende des Artikels!


Die Jugendlichen knien auf dem Boden, zwischen ihnen große Sandsteine, die sie mit Meißel und Knüpfel bearbeiten. Unter Anleitung des erfahrenen Maurers Andreas Schael (53) restaurieren sie mit historischem Handwerkszeug eine große ottonische Mauer – in diesen Dimensionen ein frühmittelalterliches Bauzeugnis von besonderer Seltenheit. „Steine in der Hand zu halten, die vor tausend Jahren behauen wurden, ist schon eine große Sache“, meint der 20-jährige Timo fast ehrfürchtig.

Ein Jahr lang halten Miriam Koehler und Timo Kohnert unter Anleitung erfahrener Handwerker bei der Restaurierung des Fachwerkhauses Münzenberg 5. In seinen Mauern verbergen sich Reste des tausend Jahre alten Klosters St. Marien.
Quedlinburg, Jugendbauhütte © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Ein Jahr lang halten Miriam Koehler und Timo Kohnert unter Anleitung erfahrener Handwerker bei der Restaurierung des Fachwerkhauses Münzenberg 5. In seinen Mauern verbergen sich Reste des tausend Jahre alten Klosters St. Marien.

Es ist 18 Uhr und hinter Charlotte Riemer (19), Miriam Koehler (21) und Timo Kohnert liegt ein anstrengender und zugleich erfüllter Arbeitstag. Sie haben nicht nur Sandsteine behauen, sondern auch Teile einer Wand verputzt und die Baustelle für die Zimmerleute vorbereitet, die am nächsten Tag mit den Dacharbeiten beginnen werden. Und trotzdem gibt es bei den drei jungen Menschen keine Anzeichen von Erschöpfung. Sichtbar stolz auf ihre Arbeit führen sie durch das kleine Fachwerkhaus Münzenberg 5 in Quedlinburg, in dessen Mauern Fragmente der über tausend Jahre alten Klosterkirche St. Marien stecken.


Der Traum eines jeden Bauforschers und Geschichtsliebhabers: Bis zum Sommer dieses Jahres war das Denkmal der Einsatzort der drei Jugendlichen aus der Jugendbauhütte Quedlinburg. Seit über 20 Jahren gibt es die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Zwölf Monate lang lernen junge Menschen dort die Welt der Denkmalpflege kennen und helfen das baukulturelle Erbe zu bewahren. Und das kommt an! Laut einer Shell-Studie von 2019 liegt der Anteil der Jugendlichen, die sich nach eigenen Angaben sozial, politisch oder ganz allgemein für das Gemeinwohl einsetzen wollen, seit langer Zeit zwischen 33 und 40 Prozent. Eine sehr intensive Form dieses persönlichen Engagements ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ).

Einen "begreifbaren" Zugang zur Geschichte zu erhalten, wie im Haus Münzenberg 5 - das ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege.
Quedlinburg, Jugendbauhütte © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Einen "begreifbaren" Zugang zur Geschichte zu erhalten, wie im Haus Münzenberg 5 - das ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege.

1999 schuf die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Voraussetzungen dafür, dass sich junge Frauen und Männer im Rahmen eines FSJ auch in der Denkmalpflege engagieren können. In Quedlinburg gründete sie die erste Jugendbauhütte. Inzwischen bietet die Stiftung mit ihrem Projektpartner, den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd), jedes Jahr etwa 350 Plätze an 16 Standorten in der Bundesrepublik an.


Der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist das Freiwillige Soziale Jahr in der Denkmalpflege ein sehr wichtiges Anliegen, für das sie erhebliche finanzielle Mittel einsetzt. Unterstützung erhält sie dabei von vielen Bundesländern und Kommunen sowie privaten Spendern und Stiftern. Die Teilnehmer der Jugendbauhütten sind bundesweit zu wichtigen und konstanten Verbündeten geworden, wenn es um die Belange der Denkmalpflege geht.


Arbeiten und Lernen am Denkmal


Kerngedanke der Jugendbauhütten ist, jungen Erwachsenen durch praktisches Arbeiten am Original das kulturelle Erbe nahezubringen und sie nachhaltig für die Denkmalpflege zu begeistern. Das geschieht in den unterschiedlichsten Einsatzstellen, in denen die Teilnehmer ehrenamtlich mitwirken. Silke Strauch (55) ist von Anfang an dabei und koordiniert seit zehn Jahren die Jugendbauhütte für die DSD: „In Sachen Jugendbauhütten bin ich im Jahr viele Tausend Kilometer unterwegs, um mit den Jugendlichen zu sprechen und die Projekte zu besuchen.“

Ein Höhepunkt des Jugendbauhüttenjahres 2018/2019 war die Teilnahme an der Berliner Archäologie-Ausstellung "Bewegte Zeiten" mit 120.000 Gästen und dem Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier
Berlin, Archäologie-Ausstellung "Bewegte Zeiten" © Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker
Ein Höhepunkt des Jugendbauhüttenjahres 2018/2019 war die Teilnahme an der Berliner Archäologie-Ausstellung "Bewegte Zeiten" mit 120.000 Gästen und dem Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier

Eines dieser Projekte ist der Münzenberg 5 in Quedlinburg. „Das Haus ist für uns ein absoluter Glücksfall!“, so Strauch. „Über mehrere Jahre werden wir die gesamte Sanierung begleiten, von Anfang bis Ende.“ Dabei arbeiten die Freiwilligen – pro Jahrgang sind drei auf der Einsatzstelle aktiv – mit den unterschiedlichsten Gewerken zusammen und kommen hautnah mit der tausendjährigen Geschichte des Bauwerks in Berührung (siehe Kasten „Kurz vorgestellt“).


„Die Jugendlichen haben in dem Baudenkmal wichtige Entdeckungen gemacht, die neue Erkenntnisse über die Historie und die Baugestalt liefern. Unter anderem eine ottonische Bogenöffnung, die auf die Nonnenempore der Kirche führte. Damit konnte die Annahme bestätigt werden, dass die Höhe des Westbaus über zwei Etagen verfügte“, erzählt Andrea Friedrich (58), die Leiterin der Quedlinburger Jugendbauhütte.

Mit ihrer Arbeit am Denkmal sind die drei jungen Leute nun selbst Teil der Geschichte des Münzenbergs geworden. Irgendwo zwischen den vielen Bauschichten – so verraten sie – haben sich Charlotte, Miriam und Timo mit ihren eigenen Steinmetzzeichen auf neu eingesetzten Steinen in Raum und Zeit verewig


Die Jugendbauhütten – eine Erfolgsgeschichte


Das, was als kleines Nischenprodukt vor 21 Jahren begann, hat sich inzwischen zu einem wahren Erfolgsprojekt entwickelt: Das damalige Pilotprojekt in Quedlinburg für zunächst 20 Teilnehmer war so erfolgreich, dass nach und nach immer neue Standorte hinzukamen. Zum neuen Jahr wurde jüngst die Internationale Jugendbauhütte Berlin eröffnet. Damit ist sie die sechzehnte im Bunde (siehe Karte).

2019 feierte die Jugendbauhütte ihr 20-jähriges Jubiläum beim Sachsen-Anhalt-Tag in Quedlinburg.
Quedlinburg, Jugendbauhütte © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
2019 feierte die Jugendbauhütte ihr 20-jähriges Jubiläum beim Sachsen-Anhalt-Tag in Quedlinburg.

Die Bilanz der Jugendbauhütten lässt sich sehen: 4.700 junge Menschen, darunter auch viele Teilnehmer aus dem Ausland, haben bisher ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolviert und dabei nicht nur tiefe Einblicke in die Denkmalpflege genommen, sondern auch aktiv an der Rettung zahlreicher Objekte maßgeblich mitgewirkt. Mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten haben die Jugendbauhütten eine erfahrene Fachorganisation für Freiwilligendienste als Träger, die für die Organisation und Durchführung des FSJ verantwortlich ist.


Welche Anerkennung dieses Jugendbildungsprojekt der DSD in der Gesellschaft findet, belegen zahlreiche Preise und öffentliche Ehrungen: angefangen bei der internationalen Auszeichnung durch die Medaille des Europa Nostra Award for European Heritage bis hin zum Brandenburgischen Denkmalpreis, der am 10. September 2020 verliehen wurde. Mehrfach waren Delegationen der Nachwuchsdenkmalpfleger beim Bundespräsidenten zu Gast. Zuletzt würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der auch Schirmherr der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist, das Wirken der Jugendbauhütte auf der großen Berliner Archäologie-Ausstellung „Bewegte Zeiten“.


„Wir haben uns gefreut“, so berichtet Silke Strauch, „mit welcher Bewunderung er dort den Freiwilligen beim Nachbau eines mittelalterlichen Holzkellers zugeschaut hat.“ Grundsätzlich lässt sich feststellen: Das Freiwillige Soziale Jahr, nicht nur das in der Denkmalpflege, stößt bei jungen Menschen auf große Zustimmung. Aktuell flammt die Diskussion auf, inwiefern die Einführung eines Pflichtdienstes für Jugendliche sinnvoll wär.

In mehreren Seminaren rekonstruierten die Freiwilligen der Jugendbauhütte Regensburg ein römisches Wohnhaus im Römerpark Ruffenhofen in Mittelfranken.
Ruffenhofen, Römerpark © Jugendbauhütte Regensburg
In mehreren Seminaren rekonstruierten die Freiwilligen der Jugendbauhütte Regensburg ein römisches Wohnhaus im Römerpark Ruffenhofen in Mittelfranken.

Impulse fürs Leben


Aus ihrer Zeit als Freiwillige nehmen die Teilnehmer viel für sich selbst mit in ihr späteres Leben. „Einmal Bauhüttler, immer Bauhüttler“, fasst es Timo prägnant zusammen. „Man könnte auch sagen, wir sind alle eine große Familie!“ Über die Monate wurde aus den sehr unterschiedlichen Jugendlichen eine verschworene Gemeinschaft, die auf jeden Fall Kontakt halten will. Tagsüber arbeiteten sie zusammen, zum Feierabend trafen sie sich mit anderen Teilnehmern des FSJ in dem Fachwerkhaus in der Pölle 5, dem Wohn- und Seminarhaus der Jugendbauhütte Quedlinburg. Dort wurde diskutiert, gekocht, gefeiert oder in der hauseigenen Werkstatt das Erlernte vertieft


Die Jugendbauhütten bieten den jungen Menschen einen geschützten Raum, in dem sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, selbstständig zu leben und zu arbeiten. Bei diesem Prozess stehen ihnen die Jugendbauhüttenleiter der ijgd als pädagogische Betreuer zur Seite – auch wenn es um die Frage der beruflichen Ausrichtung geht. Viele Teilnehmer interessieren sich bereits vor dem Freiwilligen Jahr in der Denkmalpflege für Geschichte, Handwerk und Baukultur. Das Jahr bietet ihnen die Chance, Klarheit über eigene Fähigkeiten und berufliche Perspektiven zu gewinnen.


So entschließen sich etwa 70 Prozent danach zu einer Ausbildung oder einem Studium in einem denkmalpflegerisch relevanten Bereich. Timo aus Hamburg und Charlotte aus Berlin haben so großes Gefallen an der handwerklichen Arbeit gefunden, dass beide inzwischen eine Lehre als Tischler begonnen haben. Eine erfreuliche Nachricht in Zeiten fehlenden Nachwuchses im Handwerk! Charlotte hat einen Betrieb ausgesucht, den sie in ihrer Einsatzstelle kennengelernt hat. Dafür ließ sie die Großstadt hinter sich und hat mit anderen ehemaligen Jugendbauhüttlern eine Wohngemeinschaft in Quedlinburg gegründet.

Miriam schlägt beruflich einen anderen Weg ein. Aber während ihrer Jugendbauhütten-Zeit hat sie gelernt, ihre Heimatstadt Quedlinburg mit neuen Augen zu sehen. „Zwölf Monate habe ich intensiv an einem Denkmal gearbeitet und begreife nun viel eher, was für eine Leistung hinter all den alten Fachwerkhäusern steckt. Und überhaupt: Das ganze Jahr in der Jugendbauhütte ist eine Bereicherung für mein Leben.“ Das erklärte Ziel der Jugendbauhütten ist hier bestens aufgegangen. Wie in so vielen anderen Hunderten von Einsatzstellen.


Chancen und Herausforderungen


Das in vielerlei Hinsicht schwierige Jahr 2020 hat der Zufriedenheit der Jugendbauhütten-Teilnehmer keinen Abbruch getan. Denn wenn es zutrifft, dass in jeder Krise eine Chance steckt, dann hat die Jugendbauhütte sie genutzt! Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnte das Bildungsprogramm für die jungen Denkmalpfleger nicht in der gewohnten Form stattfinden. „Die Jugendbauhüttenleiter legten sich mächtig ins Zeug und erstellten in kürzester Zeit innovative Konzepte zur digitalen Denkmalvermittlung“, berichtet Teamleiterin Silke Strauch. „Die Jugendlichen haben das virtuelle Angebot super angenommen.“ Zum Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr digital stattfand, wurden viele der Ergebnisse präsentiert und hundertfach angeguckt. Mit dabei ein Film vom Münzenberg mit interessanten Vorher-Nachher-Bildern, welchen die Drei aus Quedlinburg selbst aufgenommen und geschnitten hatten.

Die Arbeit der Jugendbauhütten basiert auf Freiwilligkeit. Aktuell wird wieder die Einführung einer Dienstpflicht diskutiert - lesen Sie hierzu unser "Pro & Contra" am Ende des Artikels.
Quedlinburg, Jugendbauhütte © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Die Arbeit der Jugendbauhütten basiert auf Freiwilligkeit. Aktuell wird wieder die Einführung einer Dienstpflicht diskutiert - lesen Sie hierzu unser "Pro & Contra" am Ende des Artikels.

Aus den coronabedingten Unwägbarkeiten erklärt sich Silke Strauch auch die ungewöhnlich hohe Zahl an Bewerbungen für das Jahr 2020/21. „Hier können sich die jungen Freiwilligen sicher fühlen. In den Einsatzstellen und in den Seminaren wird sehr streng auf die Hygienevorschriften geachtet.“ Statt die weite Welt zu erkunden, setzen viele lieber auf die nahe Umgebung. Zumal das verschobene Abitur den jungen Menschen wenig Zeit bot, sich beruflich zu orientieren. Früher als üblich waren alle Plätze belegt. Die Nachfrage ist also ungebrochen groß.

In die Baustelle Münzenberg über der alten Klosterkirche ist mittlerweile der nächste Jahrgang Freiwilliger eingezogen. Charlotte, Miriam und Timo haben neue Lebensabschnitte begonnen. Die lehrreichen und schönen Erfahrungen haben sie dabei im Gepäck. Genauso wie den geschärften Blick für das baukulturelle Erbe.


Amelie Seck


www.jugendbauhuetten.de

www.denkmalschutz.de/jugendprojekte



Die Jugendbauhütten beteiligen sich an der Konferenz "Zugang gestalten!", die dieses Jahr am 29.&30. Oktober online stattfindet.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter:

https://zugang-gestalten.org/

Bitte fördern Sie mit Ihrer Spende die Jugendprojekte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz!

Auch kleinste Beträge zählen!

Helene in der Einsatzstelle Freilichtmuseum Hessenpark führt in der Restaurierungswerkstatt des Museums vor, wie vielseitig die Aufgaben in der Jugendbauhütte sind.
© Jugendbauhütten
Helene in der Einsatzstelle Freilichtmuseum Hessenpark führt in der Restaurierungswerkstatt des Museums vor, wie vielseitig die Aufgaben in der Jugendbauhütte sind.
 

 

Paul Ziemiak © Steffen Böttcher

PRO: Gemeinsinn stärken und neue Optionen schaffen!


Für unsere Partei ist die Stärkung des Gemeinsinns ein zentrales Thema – seit vielen Jahren. Wir wollen bestehende Möglichkeiten ausbauen und neue Optionen schaffen, um sich in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

Im vergangenen Jahr haben wir bei unserem CDU-Werkstattgespräch zum Thema Dienstpflicht diskutiert, wie wir die Freiwilligendienste stärken und in einem möglichen zweiten Schritt eine Dienstpflicht über die hierfür notwendige Grundgesetzänderung herbeiführen können. Wir wollen, dass ein verpflichtendes Dienstjahr ausgeübt werden kann, das im Einsatzort frei wählbar ist und auch der weiteren beruflichen Orientierung dient.

Ein solches Jahr sollte soziale, karitative, ökologische und kulturelle Tätigkeiten ebenso umfassen können wie ein Engagement im Sport, im Zivil- und Katastrophen-schutz, beim Technischen Hilfswerk, den Freiwilligen Feuerwehren, dem DLRG, den internationalen Diensten oder auch bei der Bundeswehr.

Einen Schritt zur weiteren Stärkung der Freiwilligendienste ist das Bundesverteidigungsministerium mit der Initiative „Dein Jahr für Deutschland“ in diesem Sommer gegangen. Wir führen als CDU nun die Diskussion weiter, in welchen Facetten die Umsetzung einer Dienstpflicht gelingen kann.


Paul Ziemiak (35) ist seit 2018 Generalsekretär der CDU Deutschlands und seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags.

Elly Bijloo © Privat

CONTRA: Wirkungsvolles Engagement auf freiwilliger Basis!


Befürworter eines Pflichtdienstes erhoffen sich eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Aber: Die Einführung eines Pflichtdienstes ist ein gesellschaftspolitischer Irrweg und keine Antwort auf aktuelle soziale Herausforderungen! Er greift in die Lebensplanung junger Menschen ein und wirft nicht nur verfassungsrechtliche Fragen in Deutschland auf, auch die EU-Wahlfreiheit, sich zu engagieren, würde hierdurch verletzt.

Es scheint verlockend zu glauben, dass die Persönlichkeit junger Menschen über Druck gebildet werden kann. Solche Thesen sind nicht nur in der Fachdiskussion längst überholt.

Freiwilligendienste sind Orte, wo junge Menschen gemeinsam lernen, für gesellschaftliches Engagement sensibilisiert werden, Impulse für ihr Berufsleben und ihre Persönlichkeitsentwicklung erhalten. Ein solches Lernen kann nur auf freiwilliger Basis aufbauen!

Junge Menschen sollen weiterhin die Chance bekommen, freiwillig einen Dienst an der Gemeinschaft zu leisten. Mehr Anerkennung in der Gesellschaft und verbesserte Rahmenbedingungen sowie die Stärkung des Subsidiaritätsprinzips sind dafür zielführender als die Diskussion über Pflichtdienste. Herzlichen Dank an alle Freiwilligen, die sich ein Jahr lang der Denkmalpflege gewidmet haben.


Elly Bijloos (60) ist stellv. Geschäftsführerin der Internationalen Jugendgemeinschafts­dienste (Bonn).

 


WAS SAGT DIE DSD DAZU?

Wir sind immer wieder davon begeistert, welche Leistungen die jungen Teilnehmer in den Jugendbauhütten erbringen und welche Inspiration das für die älteren Projektpartner bedeutet. Basis dieses großartigen Engagements ist nach unserer Auffassung die Freiwilligkeit. Aus Überzeugung setzen sich die jungen Menschen mit Herz und Seele für das baukulturelle Erbe ein. Unter fachlicher Begleitung sammeln sie in dem Jahr positive, bleibende Erfahrungen und Lernerfolge. Dafür investieren die ijgd und die DSD erhebliche Mittel. Wer käme für die benötigten Milliarden Euro auf, die mit einem vergleich­bar qualitätvollen sozialen Pflichtjahr verbunden wären? Daher sprechen wir uns für ein Freiwilliges Soziales Jahr aus!

DR. STEFFEN SKUDELNY, VORSTAND

 

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1 Kommentare

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    Marc Sautter schrieb am 08.10.2020 14:13 Uhr

    Eine Verpflichtung aller Bürger, einen freiwilligen Dienst zu leisten, wird der Freiwilligkeit eine neue Dimension geben. Aus BuFDi wird BuPfDi?
    Der Zugriff der Obrigkeit auf das Tribut ("Fron") der Untertanen wäre ja auch denkmalwürdig, vielleicht als "immaterielles Kulturerbe".
    Weniger staatliche Regulierung würde allerdings mehr Raum lassen für Eigeninitiative, und die Motivation ist größer, wenn man etwas aus eigener Überzeugung tut.

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