Ratsschiff MS Stadt Köln © Udo Giesen

Denkmalarten Öffentliche Bauten Stile und Epochen 1925 Herrscher, Künstler, Architekten Streiflichter Verkehr Ausgabe Nummer Oktober Jahr 2019

Das Ratsschiff M/S Stadt Köln

Staatsgästetragend

Auf dem schnittigen, 1938 gebauten Kölner Ratsschiff war so manches Staatsoberhaupt zu Gast. Dank eines Kölner Fördervereins wird es gerettet. Als Museumsschiff wird es an seine Rolle in der deutschen Politik erinnern.

Ursprünglich für die geplante Internationale Verkehrsausstellung (IVA) im Jahr 1940 gebaut, war das Ratsschiff M/S Stadt Köln eines der modernsten und schnellsten Boote auf dem Rhein. In der jungen Bundesrepublik wurden auf ihm Staatsgäste von Rang und Namen empfangen. Bis vor wenigen Jahren war es jedoch so in Vergessenheit geraten, dass es ohne die erste Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) im wahrsten Sinne des Wortes wohl untergegangen wäre. Nun benötigt das fast vollständig im Originalzustand erhaltene Kleinod der Binnenschifffahrt dringend Unterstützung, um hoffentlich Museumsschiff zu werden.

Im Salon mit den Ahorn-Holzvertäfelungen konnten wichtige Gespräche im kleinen Kreis stattfinden.
Ratsschiff MS Stadt Köln © Frank Mirgel, www.frankmirgelphotography.de
Im Salon mit den Ahorn-Holzvertäfelungen konnten wichtige Gespräche im kleinen Kreis stattfinden.

1938 stellte die Schiffswerft Christof Ruthof in Mainz-Kastel die große Motorjacht in der damals fortschrittlichsten Bauart in nur fünf Monaten fertig. Sie wurde bei ihrem Stapellauf am 18. Juni auf den Namen „Hansestadt Köln“ getauft. Ihre große Bedeutung hatte die Hanse schon lange verloren, dennoch erinnerten die Nationalsozialisten in Köln unter ihrem Gauleiter Grohé gerne an die historische Stellung der Rheinmetropole in dem Städtebund, dessen Farben rot-weiß auch Teil des Kölner Stadtwappens sind.


Am wichtigen Handelsweg vom Norden in den Süden besaß Köln als Hansestadt zuletzt im 16. Jahrhundert ein sogenanntes „Ratsschiff“ zur Repräsentation. Auftraggeber für den Bau der „Hansestadt Köln“ war die Stadtverwaltung mit Karl Georg Schmidt als Oberbürgermeister an der Spitze, der in der Uniform der NSDAP sein Amt ausübte. Die repräsentative Jacht wurde offiziell als Ratsschiff getauft – und kurze Zeit später ein weiteres Mal zum SA-Schiff für Adolf Hitler, der mit ihm die IVA eröffnen sollte.


Zu der Messeschau kam es jedoch nicht mehr. Am 12. Mai 1940 fielen die ersten Bomben auf Köln. Als die US-amerikanischen Befreiungstruppen am 9. März 1945 ihre Militärregierung etablierten, war es eine Ruinenstadt geworden, aus der die meisten Bewohner geflohen waren. Alle Brücken waren zerstört, und die Schiffe, die nicht schon von den ­Alliierten getroffen worden waren, hatte die deutsche Wehrmacht versenkt.

Das stolze Steuerrad der MS Stadt Köln.
Ratsschiff MS Stadt Köln © Frank Mirgel, www.frankmirgelphotography.de
Das stolze Steuerrad der MS Stadt Köln.

Ein Meisterwerk ihrer Zeit

Bei der Konstruktion des 53,20 Meter langen, 7,27 Meter breiten und 6,50 Meter über Wasserlinie hohen Motorschiffes im Jahr 1938 stand der repräsentative Zweck im Vordergrund. Im vorderen Hauptdeck befindet sich neben dem Sonnendeck der Aussichts­salon mit dreigeteilten, umlaufenden Fenstern und edler Nußbaumvertäfelung, in dem für die Gäste und ihre Begleitung das Essen gereicht wurde. Das Schiff verfügt über eine Gästewohnung mit einem Wohnzimmer und einem mit Ahornholz ausgekleideten Salon, in dem Gespräche im kleinen Kreis stattfinden konnten. Die Mannschaftsräume sind im Unterdeck untergebracht. Zur Geräuschminderung sind die Motoren auf Spiralfedern gelagert. Um die gewünschte Geschwindigkeit und Wendigkeit zu erreichen, verlieh man dem Ratsschiff eine strömungsgünstige Rumpfform und einen geringen Tiefgang von 1,03 Metern. Man verwendete beim Bau viel Aluminium und verzichtete auf Kupplung und Getriebe, um das Gewicht zu verringern. Letzteres hat zur Folge, dass der jeweilige Motor beim Umsteuern erst zum Stillstand gebracht werden musste, was der Mannschaft viel Erfahrung abverlangte. Mit den beiden erhaltenen umsteuerbaren Deutz Dieselmotoren mit je 375 PS und den beiden 1.060 Millimeter großen Bronzepropellern erreicht die M/S Stadt Köln eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 24 Stundenkilometern ­gegen den Strom.

Blick in den Maschinenraum mit den beiden umsteuerbaren Deutz Dieselmotoren.
Ratsschiff MS Stadt Köln © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Blick in den Maschinenraum mit den beiden umsteuerbaren Deutz Dieselmotoren.


So grenzt es an ein Wunder, dass die „Hansestadt Köln“ den Zweiten Weltkrieg überstand. Die Schiffsmannschaft hatte sie in die Heimat des Kapitäns nach St. Goarshausen gebracht, wo sie im Schatten des berühmten Loreleyfelsens gut getarnt war. 1945 fanden die Amerikaner die Jacht, benannten sie in „US Army PHI 1“ um und heuerten die alte Besatzung an, weil das Schiff nicht einfach zu steuern war. 


Offensichtlich fuhren sie das unversehrte Repräsentationsschiff lieber rheinaufwärts und pendelten dort in ihrer Besatzungszone zwischen Lorch und Mannheim, als es an die französischen Alliierten zu übergeben, in deren Machtbereich es ursprünglich gehörte. 1952, drei Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und vor dem offiziellen Ende der Besatzungszeit im Jahr 1955, gab der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy es zurück in deutsche Hände.


Unter dem Namen M/S Stadt Köln wurde es fortan für Köln und die junge Bundesrepublik zur Repräsentation genutzt, deren provisorische Hauptstadt das nahe gelegene Bonn war. So dokumentiert das Ratsschiff auch die Versöhnung mit den westlichen Besatzungsmächten. 

Die MS Stadt Köln auf der Hellig der Kölner Schifsswerft Deutz
Ratsschiff MS Stadt Köln © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Die MS Stadt Köln auf der Hellig der Kölner Schifsswerft Deutz

Dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle, mit dem Bundeskanzler Konrad Adenauer viele Gespräche führte, um die deutsch-französische Feindschaft zu beenden, gefiel das Schiff besonders gut. Entgegen des vorgesehenen Protokolls bei seiner Deutschlandreise vom 4. bis 9. September 1962 bestand er bei seinem ersten offiziellen Staatsbesuch darauf, an Bord zu bleiben, um von Köln nach Düsseldorf und weiter nach Duisburg zu fahren. Das geplante Festbankett auf Schloss Benrath bei Düsseldorf fiel damit aus.


1963 beherbergte die M/S Stadt Köln den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der direkt im Anschluss in Berlin seine his­torische Rede mit dem berühmten Satz „Ich bin ein Berliner“ hielt. 1965 erklärte Queen Elisabeth II. bei ihrer Deutschlandreise den „tragischen Abschnitt der deutsch-britischen Beziehungen“ für überwunden und schloss ihren Besuch mit einer romantischen Rheintour auf der M/S Stadt Köln ab.


Auch andere Staatsgäste, wie König Baudoin von Belgien, Prinz Charles und Prinzessin Diana und den japanischen Kaiser Akihito hieß man an Bord willkommen. Es ist heute kaum zu verstehen, wie das im Besitz der Stadt Köln befindliche Ratsschiff jemals in Vergessenheit geraten konnte.

Hier wurden die Staatsgäste bewirtet. Die Beleuchtungskörper zwischen den Seitenfenstern und der Decke sind original erhalten.
Ratsschiff MS Stadt Köln © Frank Mirgel, www.frankmirgelphotography.de
Hier wurden die Staatsgäste bewirtet. Die Beleuchtungskörper zwischen den Seitenfenstern und der Decke sind original erhalten.

Seit 1990 steht es unter Denkmalschutz. Mitglieder des Kölner Autbord- und Motoryacht-Clubs sahen es seit 2008 im Niehler Hafen vor sich hin dümpeln und gründeten 2012 einen gemeinnützigen Förderverein, der sich seitdem für seine Rettung einsetzt. Die Zusage einer Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ermöglichte das Einwerben weiterer Fördermittel, sodass die Instandsetzung des maroden Unterwasserschiffs durchgeführt werden konnte.


Nun müssen dringend die lecken Decks saniert sowie die fast original erhaltene Ausstattung restauriert werden. Für letztere entwickelte das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland kürzlich ein sogenanntes „Raumbuch“ als Grundlage, bei dem die verschiedenen Gewerke vom Metallbauer bis zum Holzfachmann und Farbrestaurator beteiligt wurden. Jedoch fehlen die benötigten Mittel, um die Maßnahmen umzusetzen, damit die M/S Stadt Köln als Teil des Stadtmuseums zukünftig Geschichte zum Anfassen lebendig machen kann. Helfen Sie mit, diesen Traum zu verwirklichen!


Stefanie Kellner

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