Divitz-Spoldershagen, Schloss Divitz © Claus Boeckh, Berlin

Neue Zukunft für Schloss Divitz in Vorpommern

Lichtstreif am Horizont

Sensationelle Wendung für Schloss Divitz: Nach der Notsicherung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sollen jetzt Millionen von Bund und Land fließen.

Nicht nur, wenn die Kraniche auf ihrem Weg in den Süden Rast in der Vorpommerschen Boddenlandschaft machen, ist die Gegend um Barth ein attraktives Ausflugsziel. Auch sonst bietet sie eine reizvolle vielgestaltige Kulturlandschaft, die wunderbar zu Fuß oder mit dem Rad erkundet werden kann. Südlich der Vineta-Stadt Barth liegt versteckt in einem verwunschenen Landschaftspark, von einem breiten Wassergraben umgeben, Schloss Divitz. Der unregelmäßige Flügelbau aus der Renaissance und dem Barock entstand aus einer mittelalterlichen Wasserburg, gelegen an der Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg. Wären auf seinem Dach nicht schützende Metallbleche angebracht, wo vorher riesige Löcher klafften, und Holzverkleidungen vor den Fenstern zu sehen, würde das Schloss einen erschreckend ruinösen Eindruck machen. Jetzt stimmt sein Anblick den Betrachter traurig, doch mit einem Lichtstreif von Hoffnung.

Seine historische Bedeutung ist Schloss Divitz bei Barth derzeit nicht anzusehen. Dabei wird es in einem Atemzug mit den berühmten Schlössern von Güstrow und Schwerin genannt.
Divitz-Spoldershagen, Schloss Divitz © Claus Boeckh, Berlin
Seine historische Bedeutung ist Schloss Divitz bei Barth derzeit nicht anzusehen. Dabei wird es in einem Atemzug mit den berühmten Schlössern von Güstrow und Schwerin genannt.

Nach dem Auszug der letzten Mieter Anfang der 1990er-Jahre geriet die Anlage in Verfall. 2015 wurde der Verein Kulturgüter Wasserburg e. V. gegründet. Seine Arbeit zur Rettung von Schloss Divitz trägt erste Früchte: Der Verein erhielt Fördermittel aus dem EU-Topf für die Entwicklung des ländlichen Raums, weil die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 15.000 Euro den benötigten Eigenanteil des Vereins trug. 


Für Bürger und Besucher zeigt sich dies nicht allein in der Notsicherung: Im Sommer nahm ein deutsch-französisches Jugendcamp dort Aufräumarbeiten vor, und am Tag des offenen Denkmals wurde das Denkmalensemble allen Interessierten mit Führungen und Vorträgen vorgestellt.


Denn kaum noch jemand weiß, dass Gut Divitz einst den herrschaftlichen Mittelpunkt des Barther Landes, des festländischen Teils von Rügen, darstellte und vielschichtigen Einfluss hatte. Das heutige Erscheinungsbild der Anlage, hervorgegangen aus dem mittelalterlichen Wehrturm, wurde maßgeblich ab 1480 mit dem Renaissanceflügel und ab 1729 mit dem Barocktrakt geschaffen. Der 12 Hektar große englische Landschaftsgarten entstand 1857 nach Plänen Gustav Meyers, des späteren ersten preußischen Gartendirektors Berlins und Schöpfer berühmter Parkbereiche wie etwa im Tiergarten.

Auch im Inneren wird Besuchern von Schloss Divitz sofort ersichtlich, wie dringend das geschichtsträchtige Bauwerk Hilfe benötigt.
Divitz-Spoldershagen, Schloss Divitz © Claus Boeckh, Berlin
Auch im Inneren wird Besuchern von Schloss Divitz sofort ersichtlich, wie dringend das geschichtsträchtige Bauwerk Hilfe benötigt.

Geschichtlich blickt Divitz weit zurück auf viele Besitzer mit zum Teil erheblichem politischen Gewicht: So fiel das Gut nach dem Aussterben der namengebenden Herren von Divitz im 15. Jahrhundert an das Herzogtum Pommern, nach dem Dreißigjährigen Krieg war es Lehngut der schwedischen Krone und gelangte schließlich mit der Provinz Pommern an Preußen.


Im 19. Jahrhundert brachte Carl Reinhold von Krassow, seines Zeichens Vorsitzender des Gartenbauvereins für Neuvorpommern und Rügen, Divitz auch landwirtschaftlich innovativ voran. Sein besonderes Interesse galt dem traditionellen Obstanbau in der Region. Über den bekannten Gartenbaulehrer und -forscher Ferdinand Jühlke wurden in Divitz neue Züchtungen verbreitet. Noch heute werden im Barther Land am alljährlichen „Appeldag“ alte heimische Apfelsorten wie der robuste Pommersche Krummstiel und Raritäten wie der Pommersche Schneeapfel präsentiert. In diesem Jahr war die Ernte zur Freude aller besonders reich.

Blick auf einen Renaissance-Giebel der verwinkelten Anlage
Divitz-Spoldershagen, Schloss Divitz © Claus Boeckh, Berlin
Blick auf einen Renaissance-Giebel der verwinkelten Anlage

Und nicht nur die Apfelernte gab Anlass zur Freude: Anfang November tagte der Haushaltsausschuss des Bundes und gab knapp 10 Millionen Euro für die Divitzer Wasserburg frei. Aus der geplanten Grundsicherung wird nun ein Gesamtprojekt. Weitere 15 Millionen Euro stellt das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern in Aussicht. Was mit einer Notsicherung mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz begann, wird nun zum Wiederauferstehen eines kulturgeschichtlich einzigartigen Baudenkmals. Der Lichtstreif Hoffnung entwickelt sich zu einem strahlenden Sonnenaufgang.


Christiane Rossner


Wasserburg Divitz, Parkstr. 19, 18314 Divitz-Spoldershagen

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