Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Denkmale in Gefahr Februar 2018

Schloss Promnitz – Rettung in letzter Minute

Wo für August den Starken der Himmel brannte

Schauplatz sächsischer Geschichte: Schloss Promnitz an der Elbe. Für die Sicherung der Dreiflügelanlage aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist es höchste Zeit.

Friedrich August I. von Sachsen konnte hochzufrieden sein: Sein über mehrere Jahre minutiös geplantes Großes Campement war ein voller Erfolg. In der Gegend bei Großenhain hatte er vom 31. Mai bis zum 28. Juni 1730 eine gigantische Truppenschau durchgeführt, die als Zeithainer Lager in die Geschichte einging. Die sächsische Armee war mit fast 30.000 neu eingekleideten Soldaten aufmarschiert und hatte ein „verwunderungs-würdiges“ Zeugnis der augusteischen Heeresreform geliefert.


Damit nicht genug: Es war ein Jahrhundertspektakel, das seinesgleichen suchte und dem Beinamen des Kurfürsten wieder einmal alle Ehre machte. August der Starke wusste die Manöver in Festlichkeiten und Belustigungen einzubetten, die an Aufwand und Pracht nicht zu überbieten waren. Durch seinen Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann ließ er mehrere hölzerne Festarchitekturen errichten, darunter ein reich geschmücktes Manöverpalais mit Besucherterrassen. Nahe dem Dorf Streumen hatte Pöppelmann ein Opern- und Komödienhaus aufgebaut, in dem täglich Aufführungen dargeboten wurden. Den fulminanten Höhepunkt und Abschluss des Lagers bildete ein mehrstündiges Feuerwerk. Am Elbufer bei Riesa hatten 200 Zimmerleute und diverse Maler die imposante Kulisse eines Feenpalastes gefertigt. Davor segelten illuminierte Schiffe den Fluss entlang, angeführt von feuerspeienden Walen und Delfinen.

Im Festsaal genoss August der Starke den Höhepunkt seiner Truppenschau. Heute trifft man sich hier zu kleinen Kulturveranstaltungen.
Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Im Festsaal genoss August der Starke den Höhepunkt seiner Truppenschau. Heute trifft man sich hier zu kleinen Kulturveranstaltungen.

Die Quartierliste des Campements verzeichnete Königliche Hoheiten, fürstliche Personen und Gesandte aus ganz Europa. Sie alle sollten der Macht und dem Glanz dieses Herrschers Bewunderung zollen.

Nicht nur der sächsische Kurfürst konnte ein positives Resümee ziehen. Auch für seinen Generalmajor Friedrich Albrecht von Wolffersdorff war das Ereignis ein ganz persönlicher Triumph. Denn das große Feuerwerk am 24. Juni genoss August der Starke zusammen mit den ranghöchsten Gästen – allen voran der preußische König Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn Friedrich – vom Festsaal seines Schlosses Promnitz aus.


Direkt an der Elbe, gegenüber von Riesa gelegen, war das Rittergut als vornehmster Aussichtsort eigens dafür auserwählt und entsprechend hergerichtet worden. Friedrich Albrecht von Wolffersdorff hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um seinem Regenten einen würdigen Aufenthalt zu bieten.

Lageplan von Promnitz und des Geländes für das Feuerwerk anlässlich des Zeithainer Lagers, vom Kurfürsten mit seinem Monogramm bestätigt (1730)
Zeithainer Lager, Plan © Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plansammlung/Foto: Wolfgang Junius
Lageplan von Promnitz und des Geländes für das Feuerwerk anlässlich des Zeithainer Lagers, vom Kurfürsten mit seinem Monogramm bestätigt (1730)

Promnitz, ursprünglich ein Vorwerk des auf der anderen Elbseite gelegenen Klosters Riesa, diente seit dem 12. Jahrhundert verschiedenen Adelsfamilien als Herrensitz. Die Fundamente des mittelalterlichen Vorgängerbaus nutzend, ließ Rudolph von Köckeritz 1603 ein Schloss in den Formen der Spätrenaissance errichten. Der Treppenturm und das Sitznischenportal am Westflügel künden von jener Bauphase. Wenig später kam der Ostflügel hinzu. Unter Friedrich Albrecht von Wolffersdorff wurde Promnitz ab 1728 im Hinblick auf das anstehende Großereignis barock überformt und erweitert. Der neue Südflügel war mit seiner Schaufassade zur Elbe hin orientiert – akzentuiert durch einen Dreiecksgiebel und eine kolossale Pilasterordnung. Auch im Inneren ließ der Schlossherr die Räume repräsentativ umgestalten.


Im Sommer 1730 war von Wolffersdorff dann ganz nah dran an der großen Politik. Just hier verweigerte der 18-jährige preußische Kronprinz – später Friedrich der Große – seinem strengen Vater den Gehorsam und weihte seinen Freund Hans Hermann von Katte in die geheimen Fluchtpläne ein. Dass das Drama um dessen Hinrichtung in Promnitz seinen Anfang nahm, gehört zu den kleinen, aber bedeutenden Randnotizen, die das Schloss umranken.

Schloss Promnitz hat schon bessere Tage gesehen, wie die repräsentative Fassade zur Elbe hin zeigt.
Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Schloss Promnitz hat schon bessere Tage gesehen, wie die repräsentative Fassade zur Elbe hin zeigt.

Fast drei Jahrhunderte später wird die ruinöse Dreiflügelanlage nur noch von profanem Gestrüpp umrankt. Seit 2002 steht sie unbewohnt da und scheint dem Verfall preisgegeben. Der Hauch der Geschichte ist einem kalten Wind gewichen, der gnadenlos durch die undichten Dächer und durch kaputte Fenster pfeift.

Beinahe hätte die bewegte Historie des Schlosses ein unrühmliches Ende genommen – wäre nicht eine Gruppe unermüdlicher Kämpfer auf den Plan getreten, die sich entgegen aller Widerstände die Rettung auf die Fahne geschrieben hat.


Bis 1873 blieb Promnitz im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter und wurde dann an die Dresdner Bankiers­familie Rudolph verkauft. Diese hat man nach 1945 enteignet und das Land aufgeteilt. In den Gebäuden entstanden kleine Wohnungen für Vertriebene, die LPG hatte hier Büros und unterhielt einen Konsum. Immerhin wurde die Anlage genutzt und damit halbwegs intakt gehalten. Damit kam sie glimpflicher davon als viele andere Schlösser und Rittergüter in Sachsen, die, wenn sie nicht schon infolge der Bodenreform abgetragen wurden, jahrzehntelanger Vernachlässigung zum Opfer fielen.

Dramatische Lücke im Ostflügel: Der Giebel hielt dem letzten großen Sturm nicht mehr stand.
Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Dramatische Lücke im Ostflügel: Der Giebel hielt dem letzten großen Sturm nicht mehr stand.

1996 verkaufte die Treuhand das Schloss für einen symbolischen Obolus an einen Privatmann aus Baden-Württemberg. Die versprochenen Investitionen blieben aus. Der neue Eigentümer ließ sich nur selten in Promnitz blicken, verhandelte schließlich mit einer Immobiliengesellschaft. Kaufangebote der Gemeinde und der Familie von Wolffersdorff – Nachfahren der einstigen Besitzer – wurden ausgeschlagen.


Sie und andere freiwillige Helfer aus der Gegend nahmen sich des Denkmals dennoch an. Hausbesetzer im besten Sinne, die nur eines wollen: Schloss Promnitz vor dem Totalverlust bewahren. Sie scherten sich nicht um Zuständigkeiten und Besitzverhältnisse, sondern packten einfach an. Über viele Monate hat die Familie von Wolffersdorff meterhohe Schuttberge aus den Gebäuden geschafft und morsche Balken abgestützt. Dass diese Aktionen zum Teil lebensgefährlich waren, ist den Beteiligten erst im Nachhinein so richtig klar geworden. Das Gespür für den herausragenden historischen Wert dieses einstigen Herrensitzes hat alle angetrieben und treibt sie weiter an.

Der harte Kern des Kultur- und Schlossvereins Promnitz an der Elbe e. V. brennt für die Sache: (V.l.n.r.) Michél Schneider, Rico Käseberg (2. Vors.), Marion Dambmann, Marianne und Wolf-Nicol von Wolffersdorff
Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der harte Kern des Kultur- und Schlossvereins Promnitz an der Elbe e. V. brennt für die Sache: (V.l.n.r.) Michél Schneider, Rico Käseberg (2. Vors.), Marion Dambmann, Marianne und Wolf-Nicol von Wolffersdorff

2013 wurde aus dem Freundeskreis der gemeinnützige Kultur- und Schlossverein Promnitz an der Elbe. Den Vorsitz führt Franns-Wilfrid von Promnitz, der sich ebenfalls seit vielen Jahren für die bauliche Sicherung des Stammschlosses seiner Vorfahren engagiert. Das Sächsische Landesdenkmalamt, alarmiert vom Zustand des Ensembles, sagte rasch ers­te Hilfe zu. Die 2016/17 erfolgten Notsicherungen widmeten sich vor allem dem Dach und den Geschossdecken im elbseitigen Südflügel des Hauptgebäudes. Den mit den Begutachtungen betrauten Restaurator begeistert, wie viel originale Substanz hier zu finden ist. Dass ein Teil der barocken Malerei im Festsaal vom Regenwasser freigelegt wurde, ist für die Experten allerdings kein Grund zur Freude.


Es gilt, den Schatz aus seinem Dämmerschlaf zu holen. Neben dem handfesten Tun leistet der Verein auch Überzeugungsarbeit. Die Öffentlichkeit wurde von Anfang an mit einbezogen – schließlich soll Promnitz für sie wiederhergerichtet werden. Im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten wird die Anlage bereits bespielt, mit dem Stadtmuseum Riesa arbeitet man eng zusammen. Es gibt regelmäßig Baustellenführungen, kleine Konzerte und Lesungen, das Sommerfest im Hof und Veranstaltungen am Tag des offenen Denkmals. Schon zum dritten Mal fand 2017 im Gewölbestall der Adventsmarkt statt. Am beliebten Elberadweg, der unmittelbar am Schloss vorbeiführt, weisen seit einiger Zeit Tafeln auf das Schloss und seine Geschichte hin.

Der Gewölbestall in einem der Nebengebäude wurde bereits so hergerichtet, dass hier Feste stattfinden oder Radler und Wanderer versorgt werden können.
Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Gewölbestall in einem der Nebengebäude wurde bereits so hergerichtet, dass hier Feste stattfinden oder Radler und Wanderer versorgt werden können.

Indes wurden ein paar kleine Bereiche des Komplexes notdürftig bewohnbar gemacht, einzelne Öfen sind in Betrieb. In den Wintermonaten, wenn die Leitung zufriert, tragen die „Schlossherren“ das Wasser in Blecheimern über den Hof. Es ist wichtig, dass immer jemand vor Ort ist. Denn Vandalismus hat es schon genug gegeben: So wurden sämtliche historischen Türschlösser gestohlen und Kachelöfen stark beschädigt.

Inzwischen ist der Vorbesitzer verstorben, und das Dunkel ungeklärter Eigentumsverhältnisse hat sich endlich gelichtet: Kürzlich konnte die Familie von Wolffersdorff den Kaufvertrag unterschreiben. Nun läuft auch formal alles in geordneten Bahnen.


Der Wettlauf gegen die Zeit muss ein Ende haben. Beim letzten großen Sturmtief im Herbst ist im Ostflügel ein Sandsteingiebel aus der Spätrenaissance heruntergestürzt und zerborsten. Obwohl allen klar war, dass er starken Winden nicht mehr standhalten würde, schmerzt der Anblick der Lücke.


Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz will ebenfalls zur Rettung beitragen – die statisch-konstruktive Sicherung darf nicht länger aufgeschoben werden. Ein dichtes Dach und die Ableitung des Regenwassers haben oberste Priorität.

Blick durch das elbseitige Giebelfenster: Noch immer besticht das Schloss durch seine Lage direkt am Fluss.
Zeithain, Schloss Promnitz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Blick durch das elbseitige Giebelfenster: Noch immer besticht das Schloss durch seine Lage direkt am Fluss.

Wer die positive Energie und das Herzblut der Familie von Wolffersdorff und der Vereinsmitglieder zu spüren bekommt, der traut dem verheißungsvollen Bild, dass Promnitz sich dereinst wieder würdevoll in die Kette der Elbschlösser einreihen wird. Ein Arbeitskreis will Konzepte entwickeln. Die Nutzung als Seminarhotel ist eine Idee, die dabei im Raum steht.


Darüber hinaus gibt es eine Vision für das Jahr 2030. Wenn sich das Zeithainer Lager zum 300. Mal jährt, soll hier wieder ein rauschendes Fest stattfinden. Ohne Visionen ist ein solcher Kraftakt wohl kaum zu stemmen. Ohne ideelle und finanzielle Unterstützung allerdings noch weniger. Bitte helfen Sie mit, Schloss Promnitz zu bewahren!            


Bettina Vaupel

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Literatur

Marianne von Wolffersdorff: Schloss Promnitz. Die Geschichte von Schloss Promnitz und seiner Geschlechter bis 1945. Donatus Verlag, Niederjahna 2017, ISBN 978-3-946710-03-5, 90 S., 14,95 €