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Der historische Kaufladen in Abbehausen ist ein Erlebnis

Einkaufen wie anno dazumal

Es erinnert an einen großen Tante-Emma-Laden oder an einen "Spiel“-Kaufladen: Für Jung und Alt ist das historische Kaufhaus in Abbehausen ein Denkmal-Erlebnis der besonderen Art.

All dies hatte Johann Hermann Büsing nicht im Sinn, als er 1853 seine Gemischtwarenhandlung in dem Dorf bei Nordenham in der Wesermarsch eröffnete. Aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammend, lag für den 26-Jährigen aus Neuenfelde bei Elsfleth das Glück in einem eigenen Geschäft mit Wachstumspotenzial. Das damals 400 Einwohner zählende Amt Abbehausen mit seiner frequentierten Poststation an der herzoglichen Poststrecke von Oldenburg nach Stollhamm erschien ihm als der richtige Ort.

Nach ersten Anfängen in den hinteren Räumen des Posthofes bewies das florierende Geschäft, dass der junge Kaufmann mit seinem „Manufactur-, Colonial- und Kurzwaren-Geschäft“ das rechte Gespür hatte. 1897 errichtete sein Sohn Gustav Heinrich nach einem Teilabriss des Posthofes auf dem Gelände das heutige stattliche Wohn- und Geschäftshaus. In nur einem halben Jahr war das verputzte Backsteingebäude, für das die historischen Baumaterialien der Posthalterei wiederverwendet wurden, fertig. Es besaß für damalige Verhältnisse eine sehr große Verkaufsfläche, dazu eine geräumige Wohnung für den Inhaber sowie im Ober- und Dachgeschoss Wohnraum für mehrere Angestellte.

Ein ländliches Einkaufsparadies: Früher konnte man sogar sonntags vor dem Kirchgang den Korb mit Einkaufszettel abgeben, der dann befüllt wurde.
Nordenham-Abbehausen©MLPreiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Ein ländliches Einkaufsparadies: Früher konnte man sogar sonntags vor dem Kirchgang den Korb mit Einkaufszettel abgeben, der dann befüllt wurde.

Da Gustav Büsing kinderlos blieb, übertrug er 1927 seinem Mitarbeiter Elimar Freese das Geschäft. Rund vierzig Jahre später ging es an dessen Sohn Elmer über, der das Kaufhaus bis zu seinem Tode im Jahr 2009 weiterbetrieb. Dann wurde es wieder an die nächste Generation vererbt: Nun ist Elmer Freeses Tochter Tanja Schiller die Eigentümerin des Kaufhauses. Ihre Schwägerin Susanne Schiller führt das Geschäft, und um den musealen Bereich kümmert sich ein Förderverein.

Das Straßenbild um das Kaufhaus am Ortseingang veränderte sich, doch das Gebäude von „J. H. Büsing Sohn“ blieb unverändert. Es gehört mit diversen Apotheken zu den ältesten Zeugnissen der Kaufmannschaft in der Wesermarsch. Wer das historische Kaufhaus betritt, ist überwältigt von dem immensen Warensortiment. Denn die Besitzer hatten und haben eines gemeinsam: Sie konnten nichts wegwerfen. Für seine Geschichte sind die von der ersten Seite an erhaltenen Kassenbücher, Rechnungen, Quittungen, Lieferscheine und Kataloge genauso aufschlussreich wie die „Ladenhüter“. Die Fülle an unterschiedlichen Produkten, aktuelle und aus vergangenen Epochen, lässt die Herzen der Stöberer höher schlagen: Haushaltswaren, Kleineisen, Bastelbedarf und Unzähliges mehr bieten, was der Mensch so braucht. Alte Fotos erzählen vom Kaufladen und zeigen auch den letzten Besitzer Elmer Freese, wie er in seinem Blaumann hinter der antiquierten Registrierkasse steht. Ihm war es ein großes Anliegen, dieses Kulturgut zu bewahren, und daher forcierte er die Gründung des Fördervereins, der 1996 ins Leben gerufen wurde.

Zwei bodentiefe Schaufenster rahmen den Haupteingang. Hinter den fünf Kreuzstockfenstern des Obergeschosses befinden sich die Gute und die Wohnstube, wie es für Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts typisch ist.
Nordenham-Abbehausen © MLPreiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Zwei bodentiefe Schaufenster rahmen den Haupteingang. Hinter den fünf Kreuzstockfenstern des Obergeschosses befinden sich die Gute und die Wohnstube, wie es für Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts typisch ist.

Seit 2010 strebt Tanja Schiller eine umfassende Restaurierung an. Vor wenigen Wochen wurde mit den ersten Baumaßnahmen begonnen. Auch bei den nächsten Bauabschnitten wird sie nicht ohne finanzielle Unterstützung zurechtkommen. Denn die letzte Teilrenovierung ist über 40 Jahre her, und das zweigeschossige, hell verputzte Wohnhaus mit dem hohen schiefergedeckten Satteldach ist sehr in die Jahre gekommen. Nach wie vor sind allein die Wohnräume beheizbar, und über eine Zisterne wird das Haus mit Wasser versorgt. Das Kaufhaus, in dem in jedem noch so kleinen Stauraum über 160 Jahre Geschichte stecken, wollen die Eigentümerin und die Geschäftsinhaberin an den Wochenenden jedoch weiter offen halten.

 

Christiane Rossner


Öffnungszeiten

Fr 8.30–12.30 Uhr, 15–18 Uhr, Sa 9–13 Uhr. Der museale Bereich kann nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 04731 21866 und an den offenen Sonntagen besichtigt werden.



Maßnahmen: Restaurierung Putzfassade und Dacheindeckung
Fördermittelgeber: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Landkreis aus EU-LEADER-Programm, Oldenburgische Landschaft, Spenden und Landessparkasse zu Oldenburg


 

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1 Kommentare

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    Kuschelbär schrieb am 01.05.2018 12:48 Uhr

    Dieses wunderschöne historische Kaufhaus ist wirklich einen Besuch wert!

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