Schlotheim, Windmühle © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Technische Denkmale August 2015

Der Turmholländer in Schlotheim wird gesichert

In Form mit Kohlefasern

Eine Windmühle ohne Flügel ist ein merkwürdiger Anblick. Eine Windmühle, deren Flügel auf dem Boden liegen, hat etwas Anklagendes. Bei der Schlotheimer Windmühle wendet sich dieser Zustand nun ins Positive: Nach jahrelangen Bemühungen bekommt die thüringische Stadt Unterstützung und finanzielle Hilfe, um den alten Turmholländer, der in seiner Technik schon immer als eine Besonderheit in der Region galt, zu restaurieren. Noch umgibt seinen konischen Rumpf aus Naturstein und Backstein ein Baugerüst. In Kürze wird das Mauerwerk ausgefugt und verputzt sein. Dann wird niemand mehr sehen, dass sich unter dem strahlenden Weiß Kohlefaserbänder verbergen, die den 13 Meter hohen Rundbau umfangen und sicher in Form halten.

Noch ist die Schlotheimer Windmühle eingerüstet. 
Schlotheim, Windmühle © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Noch ist die Schlotheimer Windmühle eingerüstet.

Über die Zeit war der Schaft so wackelig geworden, dass ihm mehrfach der Abriss gedroht hatte. Denn das Gebäude hat schwer zu tragen: Ein Großteil der Mühlentechnik besteht aus massivem Gusseisen. Mit ein Grund, weshalb die letzte Windmühle Schlotheims als ein wichtiges Zeugnis der Industriegeschichte der Region gilt. Mit dem Anbau von Hanf und Flachs hatte sich der Ort einen Namen durch die Seilerei gemacht.

Als der Müller Friedrich Rauch die zweigeschossige Mühle 1861 in Betrieb nahm, verrichtete sie ihren Dienst als Getreidemühle ordentlich. Mit Müller Carl Linke wurde sie 1922 richtig effizient: Um die Windkraft besser auszunutzen, ließ er den Turm um fünf Meter erhöhen, eine gebrauchte Mühlenkappe aufsetzen und das Flügelkreuz mit regulierbaren Volljalousie-Segeln versehen. Damit hatte er sie nach modernsten Erkenntnissen im Mühlenbau ausgestattet. Dieser in den nördlicheren Gebieten oft eingesetzte Bautyp des Turmholländers war für Thüringen eher unüblich. Deshalb erwarb Carl Linke eine gebrauchte Mühlenkappe mit Windrosenanlage und Flügelwelle, die der Bauart nach von der Firma Wetzig in Wittenberg/Sachsen-Anhalt gefertigt worden ist. Durch den Zahnkranz, auf dem sie aufliegt, drehte sich die Kappe mit dem Flügelkreuz automatisch in den Wind.

Schnittzeichnung durch den Turmholländer mit der einst vorhandenen Mühlentechnik 
Schlotheim, Windmühle © Rüdiger Hagen, Wedemark
Schnittzeichnung durch den Turmholländer mit der einst vorhandenen Mühlentechnik

Dank dieser verbesserten Antriebs- und Regulierungstechnik wurde die Ausnutzung der Windkraft von vorher 25 auf 35 Prozent gesteigert. So konnten neben dem Steingang weitere Korn-Reinigungsmaschinen, Plansichter - mehrere übereinander angeordnete Siebe - und zwei Walzenstühle betrieben werden. Damit erzeugte die Mühle mehr Mehl in einer besseren Qualität. Nach heutigen Berechnungen hätte Müller Linke mit seiner aufgerüsteten Windmühle etwa die Hälfe des Mehlbedarfs der Schlotheimer Bevölkerung abdecken können.

Wenn der Turmholländer wieder standsicher und auch innen restauriert ist, sollen Besucher die vier Stockwerke bis in die Kappe hochsteigen können, um die Mühlentechnik wie etwa den monumentalen gusseisernen Zahnkranz, das mindestens so beeindruckende Kammrad oder die wuchtige Achse zum Flügelkreuz zu bewundern.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter mühsamer Weg. Trotzdem freut sich Bürgermeister Hans-Joachim Roth mit seinen Mitstreitern auf die Umsetzung der Idee, mit diesem thüringischen Unikat und des benachbarten Seiler-Museums einen Museumsbezirk zu schaffen, der viel Interessantes über die Stadtgeschichte von Schlotheim zu erzählen weiß.

Christiane Rossner

Maßnahmen: Notsicherung Turmschaft, Instandsetzung der Kappe
Fördermittel: Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank
der Lotterie GlücksSpirale, Land Thüringen

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