Technische Denkmale Verkehr Juni 2015

Der Bereisungsdampfer Welle in Bremerhaven

Von Baustelle zu Baustelle

Im Fischereihafen 1 in Bremerhaven restauriert ein Verein den 1915 gebauten Bereisungs- und Schleppdampfer "Welle".

Als könne er es kaum erwarten abzulegen, schaukelt der Dampfer Welle im Wasser des Fischereihafens I von Bremerhaven. Von außen restauriert und blank geputzt, bietet das genietete Stahlschiff von 1915 einen adretten Anblick. Unternehmungslustig ragt aus dem schwarzen Schiffsrumpf mit dem Aufbau aus weißem Stahl und poliertem Holz der schwarze, mit einem rot-weißen Band geschmückte Schornstein. Doch kein Dampf kann aus ihm entweichen, denn um fahrtüchtig zu sein, fehlt dem Zweischraubenschiff die zweite Maschine.

Die 1915 vom Stapel gelaufenen "Welle" diente als Bereisungsdampfer bei der Weserkorrektion. 
Bremerhaven, Bereisungsdampfer "Welle" © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die 1915 vom Stapel gelaufenen "Welle" diente als Bereisungsdampfer bei der Weserkorrektion.

Beide Antriebsmotoren hatte der Dampfer eingebüßt, nachdem sein Betrieb 1975 eingestellt worden war. Von privater Hand gekauft, fungierte die Welle als schwim-mende Gastronomie und später als Nachtclub. Zwei Brände an Bord und ihr mysteriöser Untergang 1994 fügten ihr erhebliche Schäden zu. Das Schiff wurde geborgen und drohte, im Betriebshafen des Wasser- und Schifffahrtsamts in Bremen vergessen vor sich hinzurosten. Doch es fanden sich Retter: Der 1998 gegründete Verein Dampfer Welle e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, das einstige Dienstfahrzeug wieder so herzustellen, wie er vor 100 Jahren von den Bremer Atlaswerken ausgeliefert worden war.

Stiftung Denkmalschutz, Bonn Die Vereinsvorsitzenden Bernd Meyer (l.) und Wolfgang Fulda freuen sich, dass ihr Engagement für den Dampfer Welle so mitgetragen wird. 
Bremerhaven, Bereisungsdampfer "Welle" © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Stiftung Denkmalschutz, Bonn Die Vereinsvorsitzenden Bernd Meyer (l.) und Wolfgang Fulda freuen sich, dass ihr Engagement für den Dampfer Welle so mitgetragen wird.

Seit 2011 steht der Dampfer Welle unter Denkmalschutz, denn er gilt als der älteste Zeuge der sogenannten Weserkorrektion, eines umfassenden Wasserbauprojektes zur Begradigung der Unterweser. Seit dem 16. Jahrhundert war die Unterweser für große Segelschiffe zu stark versandet. Auf das nachdrückliche Betreiben der Stadt Bremen unter der Federführung ihres Wasserbaudirektors Ludwig Franzius wurde ab 1887 die Unterweser von Brake bis zum Leuchtturm Roter Sand für Großschiffe schiffbar gemacht. Damit wurden neben dem 1827 gegründeten Bremerhaven auch Bremen und die Häfen der verschiedenen Anrainer in der Unterweserregion wieder an den internationalen Seehandel angeschlossen.

Der im Ersten Weltkrieg vom Stapel gelaufene Dampfer war ein seetüchtiger Bereisungs- und Schleppdampfer. Leitende Kontrollbeamte wurden auf ihm zu den ver-schiedenen Wasser-Baustellen gebracht. Auch hochrangige Gäste konnten mitfahren, denn das 38 Meter lange und sieben Meter breite Stahlschiff mit einem Tiefgang von 2,80 Metern bot in einem repräsentativen Salon aus Teakholz 15 Passagieren Platz. Dank der zwei leistungsstarken Maschinen bewährte sich das Schiff auch als Hilfseisbrecher. Ein Inspektionsfahrzeug mit vielen Fähigkeiten, das immer wieder aufgerüstet und modernisiert wurde.

Mit Herz und Fachwissen sind die Mitglieder des Fördervereins und viele Helfer fleißig bei der Restaurierung. Die Arbeiten kommen nicht nur dem technischen Denkmal zugute, sondern auch Langzeitarbeitslosen und Sozialhilfeempfängern: Mit den im Schiffbau versierten Kooperationspartnern sollen sie über die verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten wieder Perspektiven für ein Arbeitsleben gewinnen. Nach der Aufarbeitung des Schiffrumpfs gelang es, historische Ausstattungselemente aufzuspüren und eine originale Atlas-Dampfmaschine zu erwerben.

Blick in den Maschinenraum mit dem historischen Motor 
Bremerhaven, Bereisungsdampfer "Welle" © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Blick in den Maschinenraum mit dem historischen Motor

Für die Restaurierung, für die auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 2012 finanzielle Mittel bereitstellt, haben Bernd Meyer und Wolfgang Fulda, ihres Zeichens Vereinsvorsitzende und Kenner der Materie, mit den Kollegen die Maschine säuberlich bis in ihre kleinsten Einzelteile zerlegt. Modelle und Pläne dokumentieren die Maßanfertigungen für den Nachbau der zweiten Antriebsmaschine. "Dies ist jedoch noch ein Traum", sagt Ingenieur Meyer. "Die jetzigen Maßarbeiten sind schon sehr kostspielig." Eine Firma haben sie aber bereits gefunden: das Dampflokwerk in Meiningen. Die rund 20 Mitarbeitenden im Verein sind zuversichtlich, dass in naher Zukunft die Welle wieder unter Volldampf die Weser bis weit hinaus zum Leuchtturm Roter Sand fahren kann.

Christiane Rossner

© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Kurbeltrieb ist das Herz der erhaltenen Steuerborddampfmaschine von 1915.
© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Nachgearbeitete Drucklagerkämme aus Bronze - manche Teile sind nur in aufwendiger Handarbeit herzustellen.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die historische Arbtriebsmaschine wird in Maßarbeit restauriert. Hier die Dampfrudermaschine, die die Befehle des Steuerrades über Ketten, Stangen und Ruderquadranten mit Dampfkraft an das Steuerruder am Heck überträgt.
© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Kammwelle des Drucklagers mit der Antriebswelle. Zusammen mit dem Drucklager ist sie die Verbindung zwischen der Dampfmaschine und der Antriebswelle mit Propeller.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Kompass ist original von 1915, gebaut bei dem Bremerhavener Traditionsunternehmen Ludolph.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Plakette der Altlas-Werke, die den Dampfer baute. Das originale Werftschild von 1915 ziert jetzt wieder die WELLE.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Steuerrad von 1915 ist bereits wieder an seinem Platz im Ruderhaus an der Dampfrudermaschine montiert.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Ankerwinde wird nach Inbetriebnahme des Schiffes mit Dampf betrieben werden.
 
 
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Kurbeltrieb ist das Herz der erhaltenen Steuerborddampfmaschine von 1915.
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© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Nachgearbeitete Drucklagerkämme aus Bronze - manche Teile sind nur in aufwendiger Handarbeit herzustellen.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die historische Arbtriebsmaschine wird in Maßarbeit restauriert. Hier die Dampfrudermaschine, die die Befehle des Steuerrades über Ketten, Stangen und Ruderquadranten mit Dampfkraft an das Steuerruder am Heck überträgt.
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© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Kammwelle des Drucklagers mit der Antriebswelle. Zusammen mit dem Drucklager ist sie die Verbindung zwischen der Dampfmaschine und der Antriebswelle mit Propeller.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Kompass ist original von 1915, gebaut bei dem Bremerhavener Traditionsunternehmen Ludolph.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Plakette der Altlas-Werke, die den Dampfer baute. Das originale Werftschild von 1915 ziert jetzt wieder die WELLE.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Steuerrad von 1915 ist bereits wieder an seinem Platz im Ruderhaus an der Dampfrudermaschine montiert.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Ankerwinde wird nach Inbetriebnahme des Schiffes mit Dampf betrieben werden.
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Fischereihafen 1, Herwigstraße 49, 27572 Bremerhaven.

Auf Anfrage kann das Schiff besichtigt werden: Dampfer Welle e.V., Bernd Meyer, Tel. 0421 274775 oder 0173 6236444, www.dampfer-welle.de

Maßnahme: Überholung der Steuerbordhauptmaschine mit dem Ziel der mechanischen Funktionstüchtigkeit Fördermittel: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, GlücksSpirale, Bund, Niedersächsische Sparkassenstiftung, Stiftung Wohnliche Stadt