Sehen und Erkennen Ikonographie August 2014 K

Was ist eine Knagge?

Sehen und Erkennen

In der Baukunst ist die Knagge ein Kantholz. Sie dient als Konstruktionselement, das die Balken verriegelt und den Überhang eines Stockwerks in der Art einer Konsole gegen die Wand abstützt.

Beim historischen Fachwerk mit auskragenden oberen Stockwerken werden Knaggen zum Aussteifen und Abtragen von Lasten zwischen den Ständern und den hervorstehenden Deckenbalken eingebaut. Im Gegensatz zum Kopfband oder zum Bug sitzt die Knagge nicht im Gefach - das ist im Fachwerkbau der Raum zwischen den Holzbalken -, sondern ragt aus dem Wandgefüge heraus.

1612 errichtet, ist das Eickesche Haus ein wichtiges Zeugnis der Weserrenaissance.  
Einbeck, Eickesche Haus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
1612 errichtet, ist das Eickesche Haus ein wichtiges Zeugnis der Weserrenaissance.

Trotz der erheblichen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg haben sich in Deutschland über eine Million Fachwerkbauten erhalten.Eigentlich sind nur die südlichen Teile Bayerns weitgehend "fachwerkfrei". Die künstlerische Ausgestaltung von Fachwerkhäusern ist je nach Region und Erbauungszeit unterschiedlich stark ausgeprägt.


Auf Knaggen finden sich die frühesten figürlichen Darstellungen im Fachwerkbau überhaupt. Durch ihre exponierte Lage laden sie zu Verzierungen ein. In Wernigerode an der Ratswaage kommen sie schon um 1450 vor. Hauptsächlich sind sie in der Gegend um Braunschweig, Hildesheim bis hin nach Göttingen, Einbeck, ¬Alfeld und westlich nach Osnabrück verbreitet. Die Motive stammen in der Regel aus der christlichen Glaubenswelt, der antiken Mythologie, dem Bereich der Sagen, sind oft Allegorien oder scherzhafte Figuren. Im niederdeutschen Raum gibt es häufig Knaggen mit scharfkantigen Wülsten und Kerben, die der Gotik zugeschrieben werden. Statt menschlicher Figuren treten auch florale Gestaltungen bei Knaggen sehr früh auf.

Eine Dreierknagge an der Ecke des Stiftsherrenhauses in Hameln  
Hameln, Stiftsherrenhaus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Eine Dreierknagge an der Ecke des Stiftsherrenhauses in Hameln

Das Stiftsherrenhaus in der Osterstraße 8 in Hameln kann sich mit besonders schönen Knaggen und Dreierknaggen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schmücken. Sie zeigen Szenen aus dem Alten Testament. In der Brüderstraße 26 in Herford steht das 1521 erbaute sogenannte Remensnider-Haus. Es gilt als das künstlerisch reichste spätgotische Fachwerkhaus Westfalens. Seine Figurenknaggen zeigen die christliche Hierarchie von Jesus als Weltenrichter bis zum Höllentor. In der Brüderstraße 15 entstand um 1560 das Rothe-Haus, einer der ältesten Profanbauten der Stadt, dessen Restaurierung die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte. Das Obergeschoss kragt auf beschnitzten, von Knaggen unterstützten Balkenköpfen aus. Das Eickesche Haus an der Marktstraße 13 in Einbeck, errichtet 1612, ist ein wichtiges Zeugnis aus der Blütezeit der Weserrenaissance. Seine Sanierung wurde mit einer namhaften Summe durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mitfinanziert. Die reich ornamentierten Knaggen werden von Balkenköpfen bekrönt, die verschiedenste Masken zieren.

Dadurch, dass Zimmerleute und Bildhauer die Knaggen so künstlerisch gestaltet haben, ist dieses verhältnismäßig kleine konstruktive Element zu einem bemerkenswerten Schmuck geworden.

Christiane Schillig

© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Durch die auskragenden oberen Stockwerke gibt es am Eickeschen Haus sehr viele Knaggen.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Die Knagge am Stiftsherrenhaus in Hameln ist Teil eines Bildprogramms mit Szenen aus dem Alten Testament.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt die farbenfroh gehaltene Knagge am Stiftsherrenhaus in Hamelns Osterstraße 8.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Farbenfroh ist auch diese Knagge am Stiftsherrenhaus in Hameln.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Vielfalt der Gestaltung und die differenzierten Farbabstufungen werden in der Nahsicht auf das Stiftsherrenhaus deutlich.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Am Rothe-Haus in Herford an der Brüderstraße 15 gibt es sehr alte Knaggen zu bestaunen.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Das Rothe-Haus (um 1560 erbaut) ist eines der ältesten profanen Bauten der Stadt Herford mit feinen Farbakzenten.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Die Knaggen des Remensnider-Hauses in der Brüderstraße 26 stützen in der Art einer Konsole den Überhang eines Stockwerks gegen die Wand ab.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die sorgfältig geschnitzten Knaggen am Remensnider-Haus in Hameln belegen, dass es sich um eines der künstlerisch reichsten spätgotischen Fachwerkhäuser Westfalens handelt.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
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Das Eickesche Haus an der Marktstraße in Einbeck ist figürlich und ornamental reich verziert, darunter besonders schön geschnitzte Knaggen.
 
 
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Durch die auskragenden oberen Stockwerke gibt es am Eickeschen Haus sehr viele Knaggen.
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Die Knagge am Stiftsherrenhaus in Hameln ist Teil eines Bildprogramms mit Szenen aus dem Alten Testament.
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Aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt die farbenfroh gehaltene Knagge am Stiftsherrenhaus in Hamelns Osterstraße 8.
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Farbenfroh ist auch diese Knagge am Stiftsherrenhaus in Hameln.
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Die Vielfalt der Gestaltung und die differenzierten Farbabstufungen werden in der Nahsicht auf das Stiftsherrenhaus deutlich.
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Am Rothe-Haus in Herford an der Brüderstraße 15 gibt es sehr alte Knaggen zu bestaunen.
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Das Rothe-Haus (um 1560 erbaut) ist eines der ältesten profanen Bauten der Stadt Herford mit feinen Farbakzenten.
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Die Knaggen des Remensnider-Hauses in der Brüderstraße 26 stützen in der Art einer Konsole den Überhang eines Stockwerks gegen die Wand ab.
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Die sorgfältig geschnitzten Knaggen am Remensnider-Haus in Hameln belegen, dass es sich um eines der künstlerisch reichsten spätgotischen Fachwerkhäuser Westfalens handelt.
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Das Eickesche Haus an der Marktstraße in Einbeck ist figürlich und ornamental reich verziert, darunter besonders schön geschnitzte Knaggen.
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