Kleine und große Kirchen B
Fast jeder hat schon einmal erlebt, dass man im Gespräch mit großem Schwung eine Geschichte beginnt und einem dann der entscheidende Begriff oder die Pointe partout nicht einfallen will.
An meinen diesbezüglichen "großen Auftritt" am Frühstückstisch während der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages 2013 werde ich mich wohl noch lange erinnern. Mir gegenüber gab sich gerade der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages Helmut Dedy als interessierter Monumente-Leser zu erkennen, als ich voller Begeisterung von meinem nächsten Artikel erzählte.
Es sollte ein Reisebericht zu der Architektur von Gottfried Böhm werden, angefangen bei seinem Rathaus in Bensberg. Dort war passenderweise 2012 im Anschluss an eine Studienkonferenz die Charta von Bensberg veröffentlicht worden. Sie setzt sich zum Ziel, bedeutende Bauten aus der Zeit von 1960 bis 1970 zu schützen. Ich wollte mir ein eigenes Bild von Gottfried Böhms besonders wertvollen und als formvollendet beschriebenen Betonskulpturen machen. Meine Recherche führte mich dann zu seinem Hauptwerk. Gelesen hatte ich, dass die weltberühmte, 1968 erbaute Wallfahrtskirche besonders Jugendliche und Schulklassen anzieht. Obwohl aus der jüngeren Vergangenheit, ist es ein Gebäude einer abgeschlossenen Bauphase der Nachkriegsarchitektur - eine Kirche, die längst unter Denkmalschutz steht. Das damals favorisierte Material Beton wird heute mit Skepsis betrachtet.
Das Reiseziel war für mich Ortsunkundige nicht ganz einfach zu finden. Aus der Stadt führt ein Pilgerpfad bis zu einer Anhöhe hinauf. Auf dem Weg wurde meine Spannung noch einmal gesteigert. Oben angelangt, blieb mir nur Sprachlosigkeit: Vor mir baute sich eine expressive, monumentale Plastik auf. Als Kirche erschloss sie sich mir erst auf den zweiten Blick. Eher erinnerte sie mich an eine abstrahierte Stadt. Später hörte ich den Vergleich mit einem Bergkristall und einem Zelt.
Der letzte Teil des Pilgerpfads wird an einer Seite von einer Galerie aus einzelnen halbkreisförmigen Bauteilen gesäumt, die sich zu einem Pilgerhaus zusammenfügen. Böhm inszenierte seine Architektur so, dass mich der Weg direkt bis in den Dom zog und ich mich in seiner Mitte wie auf einem öffentlichen Platz, umstanden von Straßenlaternen und anderen Elementen einer Stadtgestaltung, wiederfand. Es brauchte einige Zeit, bis ich mich an den spärlich erleuchteten Raum gewöhnte. Aber das Rot und die Rosen in den Fenstern überstrahlten den Grauton des Betons mit ungeheurer Kraft. Die Nüchternheit des Raumes veränderte sich durch die Fenster und den Lichteinfall. Überall in der Kirche trifft man auf die Rose als Mariensymbol. Soweit meine Erzählung.
Mein Tischnachbar hörte mir geduldig zu, ohne dass ich ein einziges Mal den Namen des beschriebenen Ortes erwähnte. Er fragte auch nicht nach. Während ich mir das Hirn zermarterte, wie der Dom hieß, berichtete ich weiter, dass es mir große Sorgen bereite, auf welche Art man den Baukörper aus Beton sanieren und erhalten könne. Denn er zeigt an den Wetterseiten deutliche Altersspuren. Danach hatte ich noch keinen Fachmann fragen können. Einige Gebäudeteile waren bereits eingerüstet. Fünf Franziskanerbrüder mit Helfern und ein Fördererkreis bemühen sich um die Pfarr- und Wallfahrtskirche.
Wenn mir schon der Ort nicht einfiel, so konnte ich doch wenigstens mit dem Wissen aufwarten, dass Gottfried Böhm bislang der einzige deutsche Architekt ist, dem der Pritzker-Preis - der "Nobelpreis für Architektur" - zuerkannt wurde, und konnte Böhm mit seiner Architekturphilosophie zitieren: "Ein Gebäude ist für den Menschen Raum und Rahmen seiner Würde, und dessen Äußeres sollte seinen Inhalt und seine Funktionen reflektieren."
Unser Gespräch nahm eine galante Wendung. Helmut Dedy erklärte mir, dass er aus Nordrhein-Westfalen stamme und ihm der Mariendom von Neviges als Wallfahrtskirche sehr gut bekannt sei. Er hatte mich durchschaut. Wir mussten beide lachen.
Rosemarie Wilcken
Fast 17 Millionen Dollar. Das ist auch für das Auktionshaus Christie's keine alltägliche Summe. Bei 16,8 Millionen Dollar ist im Mai bei einer Auktion in New York für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst der Zuschlag erfolgt, und zwar für - und das ist ebenso ungewöhnlich - ein Bauwerk. Nicht einmal ein besonders großes.
In der Dorfkirche von Behrenhoff haben sich eindrucksvolle Darstellungen des Fegefeuers erhalten.
Sie spüren Kugelsternhaufen und Satellitengalaxien auf: Heutige Astronomen können Milliarden Lichtjahre weit ins All blicken. Vor 500 Jahren – das Fernrohr war noch nicht erfunden – sah unser Bild vom Himmel ganz anders aus.
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