Menschen für Denkmale Restaurierungstechniken

Jugendliche helfen bei einer Fachwerkhaus-Sanierung in Halberstadt

Verpackungskunst in Halberstadt

Für Halberstadt ist das Projekt an der Hühnerbrücke wegweisend, wird doch die Altstadt wieder als Wohnquartier attraktiv.

Wo vor 300 Jahren Latein, Griechisch und Hebräisch zur Vorbereitung für ein späteres Studium gebüffelt wurden, arbeiten heute wieder junge Menschen. Teilnehmer der Quedlinburger Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie Lehrlinge und Praktikanten des Quedlinburger Fachwerkzentrums erwerben ihr Wissen - anders als ihre Vorgänger - in der praktischen Tätigkeit. Seit 2010 unterstützen sie in Halberstadt die substanzschonende Sanierung des ehemaligen Johanneums an der Hühnerbrücke 4.

Das Haus an der Hühnerbrücke in Halberstadt ist ein Musterbeispiel für die bestandsschonende Sanierung. 
Halberstadt, Haus an der Hühnerbrücke © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Haus an der Hühnerbrücke in Halberstadt ist ein Musterbeispiel für die bestandsschonende Sanierung.

1697 errichtet, ist das Fachwerkhaus das älteste erhaltene Schulgebäude der Stadt. Bis 1869 wurde hier unterrichtet. Gemauerte Zierausfachungen gliedern neben überkreuzten Streben und Rauten die Fassade des barocken Gebäudes, dessen Ostseite sich entlang der Straße Grudenberg erstreckt.

Nachdem der Bau über 20 Jahre leer gestanden hatte, schadete vor allem der Echte Hausschwamm, ein gefährlicher Holzpilz, seiner Substanz. 2009 stürzte die komplette hofseitige Traufwand ein, so dass sich die Stadt zu einem Rettungskauf des kulturhistorisch bedeutsamen Objekts entschied. Damit eine Sanierung unter der Leitung des Fachwerkszentrums überhaupt beginnen konnte, erfolgte zunächst die Notsicherung der barocken Dachkonstruktion. Danach wurde das gesamte Gebäude - zusammen mit dem Nachbarhaus Grudenberg 8 - aufwendig in Folie verpackt und einer Heißluftbehandlung unterzogen. Eine Raumtemperatur von 90°C war notwendig, um Hausschwamm, Anobien und den Hausbock zu beseitigen. "Ein solches Verfahren ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet", erklärt die Leiterin des Quedlinburger Fachwerkzentrums Claudia Christina Hennrich. Es sei Teil der sensiblen rohstofferhaltenden Sanierung, denn Hölzer, die ihre Tragfähigkeit noch nicht verloren hätten, könnten auf diese Weise verbleiben.

Angeleitet von Experten sind Teilnehmer der Jugendbauhütte in die Sanierung des Fachwerkhauses eingebunden. Das Bild zeigt Eva Weißmann beim Stopfen von Holzrissen. 
Halberstadt, Haus an der Hühnerbrücke © Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e. V.
Angeleitet von Experten sind Teilnehmer der Jugendbauhütte in die Sanierung des Fachwerkhauses eingebunden. Das Bild zeigt Eva Weißmann beim Stopfen von Holzrissen.

Den inzwischen abgeschlossenen ersten Sanierungsabschnitt unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Kooperation mit der Commerzbank-Stiftung. Seit Mai präsentiert sich das Haus mit restaurierter Fassade: Der Sandsteinsockel, die tragenden Wände und Decken sowie das Fachwerk einschließlich seiner Ausmauerung sind wiederhergestellt.

Die Jugendlichen sind an allen Tätigkeiten beteiligt und werden dabei von Spezialisten verschiedener Gewerke angeleitet. Jeweils ein Holzschutzgutachter, Zimmermann und Statiker sowie die Architektin und eine Bauforscherin des Fachwerkzentrums bilden ein Kompetenzteam, das die Vorgehensweise bei der Sanierung nach eingehender Analyse des Bestandes Schritt für Schritt festlegt. Durch diese Methode kann besonders viel historische Substanz gerettet werden.

Die Jugendlichen restaurieren nun in der Tischlerwerkstatt die geborgenen Fenster und Türen. Andere kommen bei der Herstellung von Lehmwickeln für die Deckenfelder und beim Lehmputz für die Innenwände sowie bei der Überarbeitung der Treppe zum Einsatz. "Wenn im September ein neuer Lehrling im Fachwerkzentrum beginnt, haben wir drei Auszubildende. Alle sind ehemalige Jugendbauhüttler, die Gefallen am Denkmalschutz gefunden haben und darin ihre berufliche Zukunft sehen", berichtet Hennrich.

Julia Ricker

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz half mit 80.000 Euro bei der Sanierung dank einer zweckgebundenen Spende der Commerzbank-Stiftung in Höhe von 30.000 Euro. Weitere 30.000 Euro hat die Commerzbank-Stiftung für den nächsten Fördervertrag bereits zugesichert. Seit dem Jahr 2000 unterstützt sie Förderprojekte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Dies sind vor allem solche, die wie in Halberstadt Sanierung und Bildung vereinen. Außerdem halfen der Bund, das Land Sachsen-Anhalt, die Kommune und die Investitionsbank Sachsen-Anhalt mit der Wohnungsbauförderung.

Informationen zu den Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Betriebsträgerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste e. V. erhalten Sie bei Silke Strauch, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Tel. 0228 9091-161, www.denkmalschutz.de/aktionen/jugendbauhuetten.html und www.ijgd.de.

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