Menschen für Denkmale Dezember 2013

In Bonn erinnert ein Bildstock an die zerstörte Gertrudiskapelle

Verehrung für eine Heilige

Eigentlich wollte Curt Delander nur schauen, ob auf der Baustelle in der Bonner Vogtsgasse der Keller seiner Großmutter bereits freigelegt worden war. Doch dann sah der Bonner Künstler, dass Archäologen begonnen hatten, die Fundamente der Gertrudiskapelle zu ergraben. Er war empört, dass gut erhaltene Bauteile auf dem Schutt landen sollten. Mit Genehmigung des Grabungsleiters Gary White durfte er dann das, was die Forscher nicht beanspruchten, an sich nehmen. Heute steht an dieser Stelle ein Bildstock, der an die Kapelle erinnert.

In den Bildstock wurden Bauteile der zerstörten Bonner Gertrudiskapelle und der Stiftskirche St. Gertrud in Nivelles integriert. 
Bonn, Bildstock Gertrudiskirche © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
In den Bildstock wurden Bauteile der zerstörten Bonner Gertrudiskapelle und der Stiftskirche St. Gertrud in Nivelles integriert.

Das Viertel war beim Bombardement auf die Stadt am 18. Oktober 1944 schwer beschädigt worden. Nach dem Krieg hatte man die Gebäude in der Nähe des Rheins nicht wieder aufgebaut. Das Gelände wurde aufgeschüttet, um einen Hochwasserschutz zu schaffen. Dabei zerstörte man auch die in ihren Umfassungsmauern noch vorhandene, gotische Gertrudiskapelle. 2010 wurde ein Teil der Bebauung aus den 1950er-Jahren abgerissen, um Platz für einen großen Wohnkomplex zu schaffen.

© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Fundstücke, die Curt Delander bergen konnte, befinden sich heute im Bonner Frauenmuseum.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
In den Bildstock werden Architekturteile aus der zerstörten Gertrudiskapelle integriert.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Backsteine für den Bildstock stammen aus Kellern von Gebäuden des zerstörten Rheinviertels.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Kreuzrose aus Nivelles erhält ihren Platz im Bildstock.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Figur der heiligen Gertrud wurde bis zur Fertigstellung des Bildstocks neben der Getrudiskapelle aus Marzipan im Schaufenster vom Café Kleimann in der Bonner Rheingasse ausgestellt.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Am 28. April 2013 wird die Figur der heiligen Gertrud im Rahmen einer Prozession vom Bonner Café Kleimann zum Bildstock gebracht.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Am 17. März 2013, dem Namenstag der heiligen Gertrud, wird der Kapellenraum im Bonner Frauenmusem gesegnet.
 
 
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Fundstücke, die Curt Delander bergen konnte, befinden sich heute im Bonner Frauenmuseum.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
In den Bildstock werden Architekturteile aus der zerstörten Gertrudiskapelle integriert.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Backsteine für den Bildstock stammen aus Kellern von Gebäuden des zerstörten Rheinviertels.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Kreuzrose aus Nivelles erhält ihren Platz im Bildstock.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Figur der heiligen Gertrud wurde bis zur Fertigstellung des Bildstocks neben der Getrudiskapelle aus Marzipan im Schaufenster vom Café Kleimann in der Bonner Rheingasse ausgestellt.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Am 28. April 2013 wird die Figur der heiligen Gertrud im Rahmen einer Prozession vom Bonner Café Kleimann zum Bildstock gebracht.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Am 17. März 2013, dem Namenstag der heiligen Gertrud, wird der Kapellenraum im Bonner Frauenmusem gesegnet.
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Im Bonner Frauenmuseum wurde ein Raum mit den Fundstücken ausgestattet. 
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Im Bonner Frauenmuseum wurde ein Raum mit den Fundstücken ausgestattet.

Zu dieser Baustelle machte sich Curt Delander an einem Montag auf. Es sollte ein denkwürdiger Tag für den Bonner Künstler werden. Je intensiver er sich mit den Fundstücken beschäftigte, desto größer wurde seine Verehrung für die Namenspatronin der Kapelle, die heilige Gertrud.

Die 626 geborene Tochter Pippins des Älteren muss eine ungewöhnliche Frau gewesen sein. Im Alter von 26 Jahren wurde sie Äbtissin des von ihrer Mutter gegründeten Klosters in Nivelles bei Brüssel. Die Heilige ist Schutzpatronin der Gärtner, denn ihr Gebet soll der Legende nach eine Ernte gerettet haben, obwohl es in jenem Jahr eine Mäuseplage gab. Getrud ist daher häufig mit Mäusen, manchmal auch mit einer Katze dargestellt. Bis heute gibt es in einigen Regionen den Brauch, "Gertrudenzettel" in Mäuselöcher zu stecken, um die lästigen Nager zu vertreiben. Sie kümmerte sich außerdem um Arme und Kranke; daher tragen viele Spitäler noch heute ihren Namen.

Als hervorragende Kennerin der Heiligen Schrift lag der Äbtissin eine fundierte Ausbildung von Mädchen aller Stände sehr am Herzen, was zu ihrer Zeit ungewöhnlich war. Ein Grund für Marianne Pitzen, den Fundstücken aus der Gertrudiskapelle, aber auch aus den nach dem Krieg zerstörten Häusern, eine Heimat in ihrem Bonner Frauenmuseum zu geben.

Der Bonner Künstler Curt Delander zeigt die Kreuzrose, die er aus Nivelles erhielt. 
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Bonner Künstler Curt Delander zeigt die Kreuzrose, die er aus Nivelles erhielt.

So entstand zunächst im dortigen Hof eine Gedenkstätte für die 300 Bonner, die am 18. Oktober 1944 ihr Leben lassen mussten. Später richtete man im Museum einen Raum mit weiteren Stücken und Informationen über die heilige Gertrud ein, der am 17. März 2013 ökumenisch zu einer Kapelle gesegnet wurde.

Im Zuge seiner Recherchen nahm Curt Delander Kontakt zur Gemeinde der 1940 bei einem deutschen Fliegerangriff zerstörten und nach Kriegsende wieder aufgebauten Stiftskirche St. Gertrud in Nivelles auf. Als Zeichen der Versöhnung erhielt er von dort eine Kreuzrose, die zusammen mit Fragmenten aus der Gertrudiskapelle in einen am 28. April 2013 geweihten Bildstock integriert wurde.

Finanziert hatten ihn Bonner Bürger, der Schifferverein Beuel 1862 e. V. und das Frauenmuseum, aber auch die Gemeinden der Gertrudiskirchen in Nivelles und Wattenscheid. Er steht an der Stelle, an der sich die Gertrudiskapelle bis zu ihrer Zerstörung befand.

Zum Ende der Grabung waren die Archäologen tatsächlich auf den Keller von Curt Delanders Großmutter gestoßen. Er konnte einige Erinnerungsstücke bergen, die einen besonderen Platz im Kapellenraum des Frauenmuseums erhalten haben.

Carola Nathan

Weitere Infos im WWW:

www.frauenmuseum.de