Landschaften, Parks und Friedhöfe Oktober 2013

Wie der Schlosspark in Pansevitz wieder ins Leben zurückgeholt wird

Letzte Ruhe unterm Baum

Als ich im Sommerurlaub am Rügener Strand vom Herzteich, vom Wundersee und von der Liebesinsel las, wusste ich sofort, wo mich meine nächste Radtour hinbringen würde: in den Schlosspark von Pansevitz. Er gehört mit seinen zwölf Hektar zu den größten Englischen Landschaftsgärten der Ostsee-Insel, und seine Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Man könnte fast meinen, dass seine beeindruckenden Bäume auch aus dieser Zeit stammen. Sie sind natürlich jünger, doch die ältesten wurden immerhin vor 250 Jahren gepflanzt.

Vom stolzen Schloss in Pansevitz blieb nur eine Ruine. 
Pansevitz, Schlossgarten © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Vom stolzen Schloss in Pansevitz blieb nur eine Ruine.

Bis 1945 lebten die Grafen zu Innhausen und Knyphausen in Pansevitz und pflegten das Herrenhaus und den Park. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs musste die Gräfin, deren Mann in Russland gefallen war, mit ihren Kindern fliehen. Sie wurde 1945 enteignet, und so konnte passieren, was der einmaligen Anlage beinahe den Garaus gemacht hätte: Das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert war unbewohnt, verfiel und wurde schließlich zum Abbruch freigegeben, so dass nur noch eine Ruine übrig blieb. Der Wildwuchs im Park geriet außer Kontrolle, einige Teiche verlandeten, in anderen wuchsen Bäume.

Im Schlosspark kann man sich unter solch mächtigen Bäumen bestatten lassen. 
Pansevitz, Schlossgarten © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Im Schlosspark kann man sich unter solch mächtigen Bäumen bestatten lassen.

Doch dann kam die Wende, und der ehemals volkseigene Pansevitzer Schlosspark sollte durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) privatisiert werden. Aber er hatte Glück, denn die Familie zu Inn- und Knyphausen kaufte ihn zurück und übergab ihn dem Verband Insula Rugia e. V., der sich um den Schutz, die Pflege und Entwicklung Rügens kümmert. Im Vorfeld der EXPO 2000, an der der Schlosspark als externes Projekt teilnahm, wurde die Schönheit der Anlage mit Mitteln der Allianz Umweltstiftung und des Landes Mecklenburg-Vorpommern wiederhergestellt. Alleine 14.000 Kubikmeter Schlamm holte man aus den Teichen.

Seit Pfingsten 2009 kann man die Parkidylle auch von oben genießen. Denn die Ruine des Herrenhauses wurde gesichert und der Turm des Südflügels durch eine Stahltreppe begehbar gemacht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz trug mit rund 17.000 Euro für die Mauerwerkssanierung zum Gelingen bei. Weitere Gelder kamen vom EU-Programm "Liaison entre actions de développement de l´économie rurale (Leader+)", von Huberta Gräfin zu Inn- und Knyphausen und von der 2007 errichteten Stiftung Schlosspark Pansevitz, die mittlerweile auch Eigentümerin des Parks ist. Diese finanziert die Erhaltung und Pflege der Anlage durch ein ganz besonderes Projekt: Am 6. Juli 2006 wurde dort der erste Friedwald in einem öffentlichen Park eingeweiht. Er wird sehr gut angenommen, so dass immer mehr Menschen die Möglichkeit ergreifen, sich unter einem der schönen, alten Bäume bestatten zu lassen. Sie müssen diese Plätze erwerben und tragen so dazu bei, dass der Schlosspark in Pansevitz am Leben bleibt.

Carola Nathan