Landschaften, Parks und Friedhöfe Gärten Menschen für Denkmale Oktober 2013

Gartendenkmalpflege und Umweltschutz ergänzen sich in Altdöbern

Im Einklang mit der Natur

Bäume zu fällen kam für Benjamin Christoffel nicht in Frage. Er liebt die Natur und möchte Gewachsenes nicht zerstören. Als er begann, mit neun anderen Freiwilligen den zugewucherten Pleasure Ground des Schlossparks von Altdöbern wiederherzustellen, hatte er Vorbehalte gegen Gartendenkmalpflege.

Mit einem Schlegelmäher, der auch Grobes bewältigt, wird das Gras im Schlosspark von Teilnehmern der Jugendbauhütte kurz gehalten. 
© Stefan Hohmann, Brandenburgische Schlösser GmbH, Potsdam
Mit einem Schlegelmäher, der auch Grobes bewältigt, wird das Gras im Schlosspark von Teilnehmern der Jugendbauhütte kurz gehalten.

Er dachte, es ginge dabei ausschließlich um Kunst und Ästhetik: um das Schneiden von Sichtachsen mit der Motorsäge, das Bepflanzen geometrischer Blumenbeete und das Stutzen und Trimmen von Büschen zu Kugeln und Pyramiden. Kurz: um das Bezwingen der Natur.


Der Landschaftspark, den die Jugendlichen des Freiwilligen Jahres in der Gartendenkmalpflege vorfanden, war seit über 40 Jahren sich selbst überlassen. Manchem Bauhüttler gefiel es, wie die Natur sich scheinbar ihren Raum zurückerobert hatte. Der schlossnahe Pleasure Ground aber war keine romantische Oase mehr, sondern ein Dschungel mit 1,80 Meter hohen Brennesseln, den niemand nutzen konnte. Hier stahlen sich die Pflanzen gegenseitig das Licht, wurden Rhododendren von Unkraut und Unterholz nahezu begraben. Alte Bäume krümmten sich und verloren ihre Standfestigkeit, so dass sie auf gesunde Nachbarbäume zu fallen drohten. Was aber noch dramatischere Auswirkungen hatte: Durch den Braunkohletagebau in der unmittelbaren Nähe war der Grundwasserspiegel gesunken. Dadurch mineralisierte der Torfboden des Parks und wurde extrem wellig. Der ehemals englische Rasen ähnelte einer Buckelpiste. An zeitsparendes Mähen mit einem Traktor war nicht zu denken. Die Jugendlichen mussten mit der Sense an die Grünflächen. Nachdem der Tagebau stillgelegt worden war und die Landschaft seither zur Niederlausitzer Seenkette rekultiviert wird - die Flutung des Gräbendorfer Sees ist bereits abgeschlossen, während die des 1.016 Hektar großen Altdöberner Sees im Osten bis voraussichtlich 2017 dauert -, stieg das Grundwasser wieder an. Es herrscht ein feucht-modriges Klima. Nahezu ausgetrocknete Kanäle, die den Park durchziehen, füllen sich wieder.

Die Teilnehmer der Jugendbauhütte errichten denkmalgerechte Widerlager für die Stegbrücke im Park. 
© Stefan Hohmann, Brandenburgische Schlösser GmbH, Potsdam
Die Teilnehmer der Jugendbauhütte errichten denkmalgerechte Widerlager für die Stegbrücke im Park.

Die Jugendbauhüttler und insbesondere der anfangs skeptische Benjamin Christoffel ließen sich davon überzeugen, dass eine Kulturlandschaft und ein angelegter Park etwas anderes sind als die "freie Natur". Vor allem am Rande des Tagebaus muss der Mensch eingreifen, um Bestehendes wie jahrhundertealte Bäume zu retten und zu schützen. Die Natur kann sich hier nicht selbst helfen. Das ökologische Gleichgewicht wurde vor langer Zeit gestört.

Hauptförderin des von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ins Leben gerufenen Jugendbauhütte-Projektes war in der Pilotphase die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Denn es geht nicht allein um die Instandsetzung des Parks, sondern auch darum, den Umweltschaden durch den Tagebau zu beheben. Dabei ergänzen sich Umweltschutz und Denkmalpflege gegenseitig.

Weitere wichtige Partner sind seither der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, der aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds zur Finanzierung beiträgt, sowie das Ministerium für Infrastruktur und Raumordnung des Landes Brandenburg, das neben einer erheblichen finanziellen Unterstützung die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Nachdem das Ministerium Altdöbern bereits vier Jahre lang unterstützt hatte, sagte es kürzlich weitere Hilfe bis zum Sommer 2017 zu.

Gemeinde und Amt Altdöbern stellen den von der Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten - IJGD - betreuten Jugendbauhüttler die Unterkunft kostenfrei zur Verfügung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist sehr dankbar für die zahlreichen Kooperationen in Altdöbern und an den anderen Einsatzorten der grünen Bauhütte in Brandenburg, Sachsen, Hessen und Belgien. Denn um die Zukunft für kommende Generationen zu sichern, gehören Kulturgüterschutz, Natur- und Umweltschutz nach Auffassung unserer Stiftung eng zusammen.

Nachdem sich die Jugendbauhüttler durch den Dschungel gekämpft und ihn freigeschlagen hatten, legten sie die historischen Wege wieder an. 
© Stefan Hohmann, Brandenburgische Schlösser GmbH, Potsdam
Nachdem sich die Jugendbauhüttler durch den Dschungel gekämpft und ihn freigeschlagen hatten, legten sie die historischen Wege wieder an.

Seit Beginn der Maßnahme im September 2009 fällten die Freiwilligen aus dem In- und Ausland in Altdöbern trotz anfänglichen Unbehagens die kranken und abgestorbenen Bäume. Unter der ausgesprochen persönlichen und warmherzigen Anleitung der Gartenbauingenieurin und Pädagogin Sabine Krüger und des Landschaftsarchitekten Stefan Hohmann stellten sie darüber hinaus historische Wege wieder her, damit der Park "begehbar" wurde. Sie sanierten Wiesen- und Saumflächen und reparierten Wasseranlagen. Dabei lernten sie mit Motorsägen und Freischneidern umzugehen, die Stubbenfräse zum Entfernen von Baumstümpfen zu benutzen, Traktor und Baumaschinen zu fahren, später im Seminar sogar Holzbau, Wegebau, Pflanzenkunde und Pflanzenschnitt.

Zur Erleichterung aller wurden die gefällten Bäume nachgepflanzt, Eichen, Eschen, Hainbuchen und eine Sumpfzypresse. Die niedergelegten Eichen verarbeiteten die Freiwilligen mithilfe eines mobilen Sägewerks vor Ort zu Bohlen, Kanthölzern und Brettern. Über Winter fertigten sie in einer Garage der Orangerie Elemente für eine Brücke. Anlässlich der Verleihung des Preises "Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2010", den die Internationale Jugendbauhütte für Gartendenkmalpflege stellvertretend für alle zwölf Jugendbauhütten in Empfang nahm, wurde die nach Fotos rekonstruierte Brücke feierlich eingeweiht.

Reste von Baumstümpfen und Wurzeln werden von den Jugendlichen mit einer Stubbenfräse beseitigt. 
© Stefan Hohmann, Brandenburgische Schlösser GmbH, Potsdam
Reste von Baumstümpfen und Wurzeln werden von den Jugendlichen mit einer Stubbenfräse beseitigt.

"Ein Kreislauf des Holzes mit Fällen, Nachpflanzen und Verarbeiten, den wir selbst miterlebt haben", erklärte Roland Braunwart aus Büdingen begeistert. Er sammelte in Altdöbern Erfahrungen für sein Studium und war glücklich über diese Art der Denkmalpflege, die ihn auch handwerklich und technisch für die Zukunft gerüstet hat.

Um praktische Arbeit allein geht es bei der Internationalen Jugendbauhütte für Gartendenkmalpflege freilich nicht. Während die jungen Leute das Dickicht freischlugen und aufräumten, schälten sie nach und nach die "Gedankenarbeit" heraus, die in dem Park steckt. Trotz der Verwilderung gibt es überall Spuren von Gestaltung, so der bewusste Einsatz verschiedener Blattfarben von hellgrün über satt- und dunkelgrün bis hin zu tiefem Rot sowie Pflanzungen von Baum- und Strauchgruppen, die die Zeiten überdauert hatten. Stefan Hohmann, der alte Pläne und Aufzeichnungen studierte, bringt den Bauhüttlern den Park als sich ständig wandelndes Gesamtkunstwerk näher. Sie finden es spannend, in welchen Zustand die Anlage zurückversetzt wird.

Nach historischen Aufnahmen wurde der Gondelbrückenpavillon im Schlosspark rekonstruiert. 
© Stefan Hohmann, Brandenburgische Schlösser GmbH, Potsdam
Nach historischen Aufnahmen wurde der Gondelbrückenpavillon im Schlosspark rekonstruiert.

Sabine Krüger, Stefan Hohmann und Holger Schulz, Projektleiter für Außenanlagen bei der Brandenburgischen Schlösser GmbH (BSG), erklärten ihnen die hochwertige Schöpfung des Gartenarchitekten Carl Eduard Petzold, die als Richtlinie dient. Petzold legte ab 1880 einen englischen Landschaftsgarten in Altdöbern an und übernahm viele barocke Elemente wie die Wasserspiele und ein Kulissentheater, die auch jetzt noch erhalten sind.

Ebenso ist der Französische Garten erhalten, der aus der Mitte des 18 Jahrhunderts stammt. In einigen Details wurde er im späten 19. Jahrhundert gründerzeitlich überformt und in den frühen 1990er Jahren saniert. Die damals nachgepflanzten Linden hatten sich nicht gut entwickelt. Ursprünglich sollten sie als Kugel- oder Kastenlinden zugeschnitten werden. Weil aber zwanzig Jahre lang kein Erziehungs- und Pflegeschnitt vorgenommen wurde, wucherten die Bäume vor sich hin. Der Gartenraum verschattete zusehends, der Französische Garten isolierte sich selbst und verlor seine Proportionen. Die Jugendbauhüttler sind nun seit 2011 dabei, die Linden und die Hecken in ihre historischen Proportionen zurückzuschneiden.

Die Linden des Französischen Gartens werden von den Jugendlichen nach und nach zurückgeschnitten. 
© Stefan Hohmann, Brandenburgische Schlösser GmbH, Potsdam
Die Linden des Französischen Gartens werden von den Jugendlichen nach und nach zurückgeschnitten.

In den kommenden Jahren wird die große Kunst darin bestehen, die Grundlagen für einen "pflegeleichten" Park zu schaffen. Die kleine Gemeinde kann sich nicht mehr Gärtner leisten als bisher. Die Jahr für Jahr wechselnden Teilnehmer der Jugendbauhütte übernehmen mittlerweile Pflegearbeiten der sanierten Bereiche. Sie sehen so selbst, was es bedeutet, nachhaltig zu wirken und schon Erreichtes für die Zukunft zu sichern. Gartendenkmalpflege und Umweltschutz arbeiten dabei glücklicherweise Hand in Hand. Das Ausgleichen des abgesackten Bodens finanziert die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Dadurch bekommt der Park sein historisches Geländeprofil wieder. Zudem lässt er sich zeitsparend mit dem Traktor mähen und pflegen.

Christiane Schillig

Die Schlossanlage Altdöbern
Schloss Altdöbern mit seiner 60 Hektar großen Parkanlage befindet sich im Mittelpunkt einer alten Kulturlandschaft in der Niederlausitz, heute Landkreis Oberspreewald-Lausitz, im Süden von Brandenburg. Generalmajor Alexander Dietrich von Eickstedt gab 1717/18 ein dreiflügeliges Barockschloss mit einem Garten in Auftrag. Carl Heinrich von Heineken, Berater des Grafen Brühl, vergrößerte das Schloss wie auch den Garten Mitte des 18. Jahrhunderts erheblich und ließ beides durch Künstler des Dresdner Hofes qualitätvoll ausgestalten. In den Jahren 1880-83 erhielt der Park- nun zeitgemäß vom Gartenarchitekten Carl Eduard Petzold (1815-91) als englischer Landschaftsgarten überformt - sein heutiges Gesicht. Gleichzeitig wurde das Schloss unter dem neuen Besitzer Heinrich von Witzleben aus- und umgebaut. Heinrich Wiepking-Jürgensmann ergänzte den Park in den 1920er Jahren um weitere Pflanzungen. Den inzwischen fünfgeschossigen Dreiflügelbau mit wuchtigem neuromanischen Anbau und einem Rundturm aus dem 19. Jahrhundert umgibt eine doppelte Vorhofanlage mit flankierenden Kavalierhäusern, ein Marstall, eine Orangerie und die Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Gutsanlage.

Zum Park gehören der barocke "Französische Garten", der 13 Hektar große künstlich angelegte "Salzteich", alter Baumbestand, zahlreiche Wasserspiele und Skulpturen. 1996 übernahm die Brandenburgische Schlösser GmbH (BSG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das Schloss Altdöbern. Der Schlosspark ist Eigentum der Gemeinde sowie der BSG. Zur Zeit wird das Schloss umfassend restauriert. 2008/09 erfolgte unter Projektleitung der BSG von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Projektträgerin eine Unterfangung des Schlossfundamentes mit einer 50 Zentimeter dicken Betonschicht, um es zusätzlich zur neuen Abdichtung vor dem ansteigenden Grundwasser zu schützen. Die Arbeiten im Park wurden und werden u.a. von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, dem Land Brandenburg sowie der LMBV unterstützt.

Informationen zur Internationalen Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege erhalten Sie bei Silke Strauch, Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz e. V., Tel. 0228 9091-161, jugendbauhuetten@denkmalschutz.de
www.denkmalschutz.de/aktionen/jugendbauhuetten.html
Die Jugendbauhütten sind ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd). www.ijgd.de