Landschaften, Parks und Friedhöfe Gärten Oktober 2013

Die Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten unterstützt Denkmalbesitzer

Hügel-Hermann und Mulden-Hertha

Die Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat es sich zur Aufgabe gemacht, Besitzer denkmalgeschützter Gärten zu unterstützen. Denn nicht jeder historisch bedeutsame Garten muss direkt ein weitläufiger Park sein. Wir stellen Ihnen zwei private, einst von Hermann Mattern gestaltete Hausgärten vor, die wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden sollen.

Nach diesem herrlichen Sommer könnte man traurig werden, dass nun bald wieder der Winter kommt. Doch Trübsal blasen lässt die Natur nicht zu und verwandelt Bäume und Sträucher in das gold-gelb-rot leuchtende Farbenmeer des Herbstes.

Typisch für Hermann Matterns frühe Phase wie hier im Garten der Villa Abraham: Mauern und Terrassen als Gartengestaltung. 
Groß Glienicke, Landhaus Abraham © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Typisch für Hermann Matterns frühe Phase wie hier im Garten der Villa Abraham: Mauern und Terrassen als Gartengestaltung.

So wie die Natur ihre eigenen, abwechslungsreichen Bilder tupft und den Menschen damit einfängt, so spannend und reizvoll sind von gekonnter Hand gestaltete Park- und Gartenanlagen. Wie in allen künstlerischen Gattungen hat jede Zeit ihren Ausdruck, jeder Kreative seinen Duktus. Daher ist es in der Denkmalpflege nicht nur wichtig, historische Bauten, sondern auch überlieferte Park- und Gartenanlagen zu bewahren. Die Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten hat sich zur Aufgabe gemacht, Besitzer denkmalgeschützter Gärten zu unterstützen. Rund 30 Garten- und Parkanlagen stehen auf der Förderliste dieser Stiftung in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).

Gartentreppe zum Haus Paepke, um 1964 
Hofgeismar, Haus Paepke © G. Paepke
Gartentreppe zum Haus Paepke, um 1964

Viele historische Gärten sind schon untergegangen, besonders Schöpfungen aus dem 20. Jahrhundert. Ihr Wert wird oftmals nicht gesehen, sie werden umgestaltet oder gar als Bauland freigegeben. Deshalb freut sich die Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten, in diesem Jahr unter anderem zwei Hausgärten zu unterstützen, die der Landschaftsarchitekt Hermann Mattern (1902-71) entwarf. Er gilt als einer der bedeutendsten seiner Zunft. Zu seinen bekanntesten Werken zählen seine Arbeiten für die Stuttgarter Gartenschauen auf dem "Killesberg" 1939 und 1950, die Bundesgartenschau 1955 in Kassel sowie die Außenanlagen für die Bonner Regierungsgebäude. 1949 richtete er die Abteilung Landschaftskultur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel ein und war ein Gründungsmitglied der "documenta" 1955.

Kurz nach Abschluss seiner Ausbildung zum Gartenbautechniker begann Mattern 1927 im Entwurfsbüro des berühmten Staudenzüchters Karl Foerster (1874-1970) in Potsdam-Bornim. Die Dritte im Bunde war Matterns spätere Ehefrau, die Gartenarchitektin Hertha Hammerbacher (1900-1985).

Sie prägten den sogenannten Bornimer Stil. Ihre Überzeugung basierte darauf, dass Architektur und Natur zur vollkommenen Harmonie gelangen, wenn sie sich gegenseitig bedingen und durchdringen. Der Garten wurde als eigenständiger Raum verstanden, der vor allem durch die Pflanzen gebildet und bestimmt wird. Doch sie sollten nicht einfach blühen, vielmehr strebte die Bornimer Schule an, das innere Wesen der Landschaft zu erfassen, orientierte sich am Bodenprofil, an den vorhandenen Gewächsen, dem Klima und dem Anspruch der Pflanzen an den Standort. Das vorhandene Bodenrelief wurde aufgegriffen und durch Erdaufschüttungen und -aushebungen künstlerisch verfeinert und betont. Unter Kollegen hatten Mattern und Hammerbacher daher auch die Spitznamen "Hügel-Hermann" und "Mulden-Hertha". Im hausnahen Bereich sollte der Garten abwechslungsreich und vielgestaltig sein: geschwungene Beete ohne Begrenzung, bepflanzt mit Blumen, Sträuchern und Gräsern, die sich den Jahreszeiten anpassten und deren "Farbmelodien" und Pflanzenstrukturen Stimmungen erzeugten. Je weiter von der Architektur entfernt, desto ruhiger und großzügiger wurde die Gestalt des Gartens, bis er scheinbar in die umgebende Landschaft überging.

Landhaus Abraham wurde 1929 von den Architekten Otto Block und Richard Oppenheim erbaut. Das Haus ist restauriert, auch für den Garten – geschaffen von Hermann Mattern und Karl Foerster – gibt es schon ein Sanierungskonzept. Der Wildwuchs wurde beseitigt, die Baustruktur und die Geländemodellierung sind wiederhergestellt. 
Groß Glienicke, Landhaus Abraham © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Landhaus Abraham wurde 1929 von den Architekten Otto Block und Richard Oppenheim erbaut. Das Haus ist restauriert, auch für den Garten – geschaffen von Hermann Mattern und Karl Foerster – gibt es schon ein Sanierungskonzept. Der Wildwuchs wurde beseitigt, die Baustruktur und die Geländemodellierung sind wiederhergestellt.

Das ältere der beiden von der DSD-Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten geförderten Gartendenkmale gehört zum Landhaus Abraham in Groß Glienicke bei Potsdam. Das kiefernbestandene Seegrundstück in Hanglage war durch den DDR-Mauerstreifen geteilt, die Gartenanlage wurde teilweise zerstört. Dennoch hat sich unter der wuchernden Natur die Struktur des Gartens bemerkenswert gut erhalten. Der Garten zum 1929 erbauten Haus des jüdischen Unternehmerpaars Dr. Adolf und Anna Abraham ist ein frühes Zeugnis des Bornimer Stils.

Haus und Garten Paepke zählen zu Hermann Matterns später Schaffensperiode. Selbst hier aus Hofgeismar nördlich von Kassel gebürtig, hatte Mattern sich 1958 bereit erklärt, für das ambitionierte Ehepaar Paepke zu planen. Diese Arbeit war für Mattern insofern reizvoll, weil er hier sowohl das Gebäude als auch den Garten konzipierte und somit seine Vorstellungen zur Einheit von Architektur und Natur frei umsetzen konnte - wobei er die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel stets im Blick hatte. Weil das Haus bis zum Verkauf an den jetzigen Besitzer in der Hand der Familie blieb, ist das Gesamtkunstwerk erhalten. Von den Möbeln bis zur Farbgebung des Gebäudes ist das meiste wiederzufinden. Im Garten wurde in den vergangenen Jahrzehnten zwar die Bepflanzung verändert, aber Matterns Intention ist nach wie vor zu erkennen.

Im Haus Paepke bei Hofgeismar wird mit Hilfe der DSD noch fleißig restauriert. Die Wiederherstellung des Gartens, dessen grundsätzliche Struktur erhalten ist, steht danach an. Zunächst werden im Terrassenbereich neue Pflanzen gesetzt, wie sie der Intention des Gartenarchitekten Hermann Mattern entsprechen. 
Hofgeismar, Haus Paepke © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Im Haus Paepke bei Hofgeismar wird mit Hilfe der DSD noch fleißig restauriert. Die Wiederherstellung des Gartens, dessen grundsätzliche Struktur erhalten ist, steht danach an. Zunächst werden im Terrassenbereich neue Pflanzen gesetzt, wie sie der Intention des Gartenarchitekten Hermann Mattern entsprechen.

Beide Denkmal-Ensembles wurden vor rund fünf Jahren von ihren neuen Besitzern erworben. In enger Kooperation mit der Denkmalpflege werden die Wohnhäuser seither behutsam und mit viel Engagement restauriert. Auch für die Gärten hat man Dokumentationen und Konzepte für die kommende Wiederherstellung erarbeitet.

Bei den in Zeit und Finanzierung aufwendigen Maßnahmen in den Gärten ist nun auch die Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten zur Stelle. Da sie im Aufbau begriffen ist, fördert sie die Objekte noch mit kleinen Beträgen zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Ihre Absicht ist, die Denkmalbesitzer zu motivieren und weiterhin zu unterstützen, nach der oftmals erschöpfenden Restaurierung ihres Baudenkmals die des Gartens nicht aus den Augen zu verlieren. Mit den Förderbeträgen werden zum Beispiel Stauden und Blumenzwiebeln gekauft, um nach den erstellten Pflanzplänen einen Bereich des Gartens zu rekonstruieren. In Matterns Gärten sind es die dem Haus nahe gelegenen Beete. Den engagierten Besitzern dieser Denkmale soll das Herz aufgehen, wenn sie vom restaurierten Wohnzimmer mit den großen Fensterflächen auf die aufblühende Pflanzenpracht blicken. Auch die zahlreichen Besucher werden es kaum erwarten können, dass sich der ganze Zauber in den restaurierten Mattern-Gärten wieder entfaltet.

Christiane Rossner

Den teilweise schon restaurierten Garten des Landhaus Abraham können Sie sich als virtuelles Panorama ansehen. 
Groß Glienicke, Landhaus Abraham © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Den teilweise schon restaurierten Garten des Landhaus Abraham können Sie sich als virtuelles Panorama ansehen.

Einen animierten "Rundflug" über das Grundstück in Hofgeismar, Am Schützenplatz 3-5, finden Sie

© Meusel, Hofgeismar
© Meusel, Hofgeismar

Fragen zur Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten beantwortet man Ihnen gerne im Stiftungszentrum der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Tel. 0228 9091-202 stifter@denkmalschutz.de

Die Restaurierung von Haus und Garten Paepke unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 2011 mit bislang 70.000 Euro. Beide Denkmale können am Tag des offenen Denkmals am 8. September besichtigt werden.