Wohnhäuser und Siedlungen Nach 1945 August 2013

Am Stuttgarter GEDOK-Haus wurden die Fenster aus den 1950er Jahren restauriert

Mit Durchblick zum Denkmal

Die Stuttgarter Ortsgruppe der GEDOK, des Verbandes der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e. V., nahm 1949 als erste ihre Arbeit wieder auf. Der Vorsitzenden Elle Hofmann gelang es mit der Architektin Grit Bauer-Revellio, 1954 das erste eigene Wohn- und Atelierhaus der GEDOK zu errichten. Seine moderne Funktionalität erhielt 1959 den Paul-Bonatz-Architekturpreis. Jetzt wurde das Denkmal in Stuttgart restauriert.

Fenster verleihen Bauwerken ihr Gesicht. Daher sind sie wesentliche Elemente der architektonischen Gestaltung. Aber bei Sanierungen gehören sie zu den besonders gefährdeten Bauteilen, die schnell auf dem Müll landen. Wenn originale Fenster gefunden werden, dann ringt die Denkmalpflege darum, diese zu bewahren. Den Wert von Fenstern aus dem 20. Jahrhundert zu vermitteln, ist allerdings noch schwieriger.

Die großen Fensterflächen lassen viel Licht in die Wohneinheiten der Künstlerinnen. Im Vordergrund rechts ein Teil des Atelierbaus. 
Stuttgart, GEDOK-Haus © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die großen Fensterflächen lassen viel Licht in die Wohneinheiten der Künstlerinnen. Im Vordergrund rechts ein Teil des Atelierbaus.

Am Wohn- und Atelierhaus der GEDOK in Stuttgart wurde 2010 ein innovatives Restaurierungskonzept für Fenster aus den 1950er Jahren umgesetzt. An dem fünfgeschossigen Gebäude von 1954 stellte man anlässlich der notwendigen Fassadenrestaurierung fest, dass die Fenster, die Schäden an den Holzrahmen aufwiesen, noch funktionstüchtig sind. Gerade weil in der heutigen Zeit Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit Kernthemen sind, galt es nun, die Doppelfenster nicht nur zu restaurieren, sondern auch für die heutigen energetischen Anforderungen herzurichten.

Indem behutsam zusätzliche Dichtungen an den bereits vorhandenen Dichtungsebenen der Verbundfenster eingefügt und die innere Einfachscheibe gegen besonders dünnes Isolierglas ausgetauscht wurden, erfüllte man geschickt die Auflagen. Diese Restaurierungsmaßnahmen unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2011 mit 110.000 Euro. So wurde mit kreativen, "einfachen" Mitteln erreicht, dass dem Gebäude erhalten bleibt, wofür es 1959 den Paul-Bonatz-Preis für Wohnbauten erhielt: eine schlichte, aber beständige Funktionalität, die sich den beengten wirtschaftlichen Verhältnissen beugte und dennoch dem Schaffen und Leben von Künstlerinnen bis heute dient.

Blick auf die Fensterfront des Treppenhauses vom GEDOK-Haus 
Stuttgart, GEDOK-Haus © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Blick auf die Fensterfront des Treppenhauses vom GEDOK-Haus

Die GEDOK ist der und gilt als das älteste und europaweit größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Gattungen in der Bildenden und Angewandten Kunst, der Musik, Literatur und Darstellenden Kunst. Gegründet wurde die GEDOK 1926 in Hamburg von Ida Dehmel (1870-1942) als "Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen". Die Mäzenin wollte die künstlerischen Talente von Frauen fördern und ihre Werke und ihr Können an die Öffentlichkeit bringen. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Ortsgruppen in Deutschland und Österreich. Auch heute noch verfolgt der Verband das Ziel, die besondere Lebens- und Arbeitssituation von Künstlerinnen zu verbessern, geschlechtergerecht zu gestalten und sich für die paritätische Besetzung von Spitzenpositionen in Kunst und Kultur einzusetzen. Der Verband zählt rund 3.600 Mitglieder in 24 deutschen Städten und Regionen sowie in Wien.

Die Stuttgarter GEDOK bildete sich 1937. Sie nahm 1946 als erste Gruppe ihre Arbeit wieder auf und erhielt 1954 auf Betreiben der damaligen GEDOK-Vorsitzenden Elle Hoffmann als einzige ein eigenes Wohn- und -Atelierhaus. Die Architektin Grit Bauer-Revellio entwarf ein im Hinblick auf knappe Baustoffe, Wohnraum und Finanzen rationelles, jedoch solides Gebäude in sachlich funktionaler, klar gegliederter Formensprache. Nur die wenigsten Künstlerinnen konnten und können sich ein Atelier leisten. Hier wurde ihnen dieses mit Wohnraum in angemessener Form gegen geringe Miete zur Verfügung gestellt und ihnen darüber hinaus der soziale Halt in einer gleichgesinnten, schöpferischen Gemeinschaft gegeben. So entstand in Stuttgart dieses Haus mit 27 lichtdurchfluteten Wohnateliers, einem Ausstellungs- und Konzertsaal mit eigenem Flügel sowie einem Ballettsaal. Seit 1992 genießt das GEDOK-Haus den Status eines Kulturdenkmals von besonderem Rang. Die erhaltenen Verbundfenster - so einfach wie effektiv - haben an dieser Auszeichnung Anteil.

Christiane Rossner

Neben erheblichen Eigenmitteln der GEDOK trug auch das Land Baden-Württemberg 2011 zu der Fassaden- und Fensterrestaurierung bei.

Weitere Infos im WWW:

www.gedok-stuttgart.de