Technische Denkmale Archäologie Interviews und Statements Juni 2013

Interview mit Dr. Ulrike Müssemeier

ArchaeoRegion Nordeifel

Dr. Ulrike Müssemeier, Archäologin vom Landschaftsverband Rheinland, über die ArchaeoRegion Nordeifel

MO: Im April wurde die ArchaeoRegion Nordeifel mit 30 archäologischen Denkmalen eröffnet? Welche Bodendenkmale fallen darunter?


Dr. Ulrike Müssemeier: Zur ArchaeoRegion Nordeifel zählen Bodendenkmale unterschiedlichster Zeitstellung - vom Mitteldevon vor rund 390 Millionen Jahren bis in das 20. Jahrhundert. Fossilien und Fundplätze der Altsteinzeit spielen hier ebenso eine Rolle wie Überreste des Westwalls aus der Zeit der NS-Diktatur. Besonders häufig sind Relikte aus römischer Zeit wie Siedlungsreste, Heiligtümer und Aufschlüsse des sogenannten Römerkanals, der einst das antike Köln mit Quellwasser aus der Eifel versorgte. Auch mittelalterliche Burgen sind zahlreich zu nennen, ebenso Zeugnisse des Bergbaus, der über Jahrhunderte Landschaft und Menschen der Nordeifel prägte. Da das Projekt grundsätzlich ausbaufähig ist, können weitere Bodendenkmale Eingang finden und es auch thematisch noch ergänzen.

Die Sickerleitung und Brunnenstube "Grüner Pütz" des Römerkanals bei Nettersheim 
Nettersheim, Römerkanal © Gemeinde Nettersheim
Die Sickerleitung und Brunnenstube "Grüner Pütz" des Römerkanals bei Nettersheim

MO: Was zeichnet die ArchaeoRegion Nordeifel aus und was verspricht man sich von diesem Projekt?

Dr. Ulrike Müssemeier: Orte erzählen Geschichten. Vermittlung von Geschichte an den Orten des Geschehens ist besonders eindrücklich, das bestätigt auch die sehr gute Resonanz auf den jährlich am ersten Sonntag im Oktober stattfindenden Aktionstag "Archäologietour Nordeifel", bei dem Fachleute aus Archäologie, Geschichte und Paläontologie den Gästen einen Tag lang unterschiedlichste Bodendenkmale präsentieren.

Die ArchaeoRegion Nordeifel zeichnet sich durch eine Vielfalt an herausragenden Bodendenkmalen aus. Einige davon sind schon seit längerer Zeit auch über die Region hinaus als touristische Ziele bekannt, wie beispielsweise die Kakushöhle bei Mechernich als Fundplatz altsteinzeitlicher Artefakte oder die mittelalterliche Wasserleitung mit dem Tiergartentunnel bei Burg Blankenheim. Durch den Verbund innerhalb der ArchaeoRegion Nordeifel wird von diesen bekannteren Orten auf die bisher weniger bekannten aufmerksam gemacht. Das einzelne Bodendenkmal steht nicht isoliert als touristisches Ziel da, vielmehr wird die Region insgesamt als sich stetig wandelnde Kulturlandschaft begriffen, deren Relikte Fenster in die Vergangenheit öffnen. Dabei hat die Bodendenkmalpflege aber nicht nur die Vermittlung von Wissen über längst vergangene Zeiten im Blick. Letztlich geht es hier auch darum, dass man nur schützen kann, was man auch kennt!

Einheitlich gestaltete Stelen informieren die Besucher an den Bodendenkmalen über deren Geschichte (deutsch/englische Zusammenfassung im Kopfteil) und geben touristische Hinweise.

MO: Wer hat das Projekt initiiert und wer beteiligt sich daran?

Dr. Ulrike Müssemeier: Initiator des Projekts ArchaeoRegion Nordeifel ist das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, das die gesetzlichen Belange der archäologischen und paläontologischen Denkmalpflege und des Bodendenkmalschutzes im Landschaftsverband Rheinland wahrnimmt. Die Auswahl der Bodendenkmale und Umsetzung der Maßnahmen erfolgte in enger Absprache mit den Kommunen der Nordeifel.

Der altsteinzeitliche Lagerplatz und römische Steinbruch "Katzensteine" bei Mechernich-Katzvey 
Mechernich-Katzvey © Michael Thuns, LVR-ABR
Der altsteinzeitliche Lagerplatz und römische Steinbruch "Katzensteine" bei Mechernich-Katzvey

MO: Wie wird es finanziert?

Dr. Ulrike Müssemeier: Zwischen 2006 und 2012 wurde mit Mitteln aus dem Denkmalförderungsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen eine projektgebundene Stelle finanziert, die in der Zentrale des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland in Bonn angesiedelt war. Als Förderkulisse zur Finanzierung einzelner Maßnahmen bot sich der EU-LEADER-Schwerpunkt zur Entwicklung des ländlichen Raums an, denn seit Ende 2007 ist die Nordeifel eine von 12 LEADER-Regionen in NRW. 12 der 15 Kommunen der LEADER-Region Eifel wurden Partner im Projekt ArchaeoRegion Nordeifel: Aus der StädteRegion Aachen waren Monschau, Röttgen und Simmerath beteiligt, aus dem Kreis Düren Hürtgenwald, aus dem Kreis Euskirchen Bad Münstereifel, Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Mechernich, Nettersheim und Schleiden. Das heißt, diese Kommunen mussten 50% an Eigenmitteln aufbringen, um in den Genuss der EU-Fördermittel in gleicher Höhe zu kommen. Vor dem Hintergrund der teilweise sehr schlechten Haushaltssituation der Kommunen ist die breite Bereitschaft zur Beteiligung sehr zu würdigen. Sanierungsmaßnahmen am Matronenheiligtum in Bad Münstereifel-Nöthen wurden darüber hinaus von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt.

Darüber hinaus ist noch zu erwähnen, dass viele der kontinuierlich notwendigen Pflegemaßnahmen an den Bodendenkmalen nicht nur von den zuständigen Kommunen durchgeführt werden; hier spielt das ausgesprochen große ehrenamtliche Engagement verschiedener örtlicher Vereine und Privatpersonen eine nicht zu unterschätzende Rolle!

Die Motte "Zehnbachhaus" bei Dahlem-Schmidtheim 
Dahlem-Schmidtheim © Michael Thuns, LVR-ABR
Die Motte "Zehnbachhaus" bei Dahlem-Schmidtheim

MO: Gibt es Verbindungen oder Überschneidungen der ArchaeoRegion mit bereits bestehenden Projekten wie "Straßen der Römer" im benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz oder mit dem internationalen Platz Vogelsang, dem Denkmalensemble der ehemaligen NS-Ordensburg?

Dr. Ulrike Müssemeier: Einzelne römische Bodendenkmale der Nordeifel sind bereits länderübergreifend im Projekt "Straßen der Römer" vertreten. Weitere Überschneidungen gibt es mit dem "Römerkanal-Wanderweg" entlang der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Ihre wichtigsten, auch ohne Wanderung zu erreichenden Stationen sind in der ArchaeoRegion Nordeifel vertreten. Die Dorfwüstung Wollseifen bei Schleiden ist Bodendenkmal der ArchaeoRegion Nordeifel und thematisch eng mit der NS-Kaderschule "Ordensburg Vogelsang" verbunden.

Die Panzersperre im Naturschutzgebiet "Kranzbach" bei Simmerath 
Simmerath, Panzersperre © Michael Thuns, LVR-ABR
Die Panzersperre im Naturschutzgebiet "Kranzbach" bei Simmerath

MO: Wird sich dieses Pilotprojekt auch auf das Übernachtungsangebot und die Gastronomie auswirken? Gibt es Kooperationsangebote?

Dr. Ulrike Müssemeier: Die regionalen Touristikorganisationen, wie beispielsweise die Nordeifel Tourismus GmbH, fungieren als Verteiler der Broschüre und bewerben die ArchaeoRegion Nordeifel auf ihrer Internetseite. Es bleibt natürlich zu wünschen, dass das Projekt interessierte Besucher nicht nur zu Tagesausflügen, sondern auch zu längeren Aufenthalten in der Region anregt.

MO: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Christiane Rossner

Einen Überblick über das Projektgebiet liefert die kostenlose Broschüre "ArchaeoRegion Nordeifel - 30 archäologische Entdeckertipps".

Detaillierte Informationen gibt darüber hinaus die Internetseite www.archaeoregion-nordeifel.lvr.de die von den Informationsstelen aus mit einem Smartphone über einen QR-Code angesteuert werden kann. Außerdem sind die Bodendenkmale in www.kuladig.de eingestellt, dem Informationssystem über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche kulturelle Erbe.

Aktionstag "Archäologietour Nordeifel" www.archaeologietour-nordeifel.lvr.de

Hier können Sie sich die Broschüre zur ArchaeoRegion Nordeifel

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(pdf-Datei / 2.81 MB)

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