Menschen für Denkmale April 2013

Ein Arzt hilft Menschen und Denkmalen

IDEA - Eine wirklich gute Idee

Das Engagement jedes Einzelnen zählt: Der Mediziner Dr. Focko Weberling sammelt für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und macht sie in seinem Freundeskreis bekannt.

Pfarrer Dr. André Demut (l.) und die Vorsitzende des Kirchengemeinderats Ines Pautzsch (2. v. l.) freuten sich: Sie erhielten einen Scheck von Dr. Focko Weberling (3. v. l.) und den Fördervertrag von der Weimarer Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Barbara Schönfelder. 
Paitzdorf, Dorfkirche © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Pfarrer Dr. André Demut (l.) und die Vorsitzende des Kirchengemeinderats Ines Pautzsch (2. v. l.) freuten sich: Sie erhielten einen Scheck von Dr. Focko Weberling (3. v. l.) und den Fördervertrag von der Weimarer Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Barbara Schönfelder.

Menschen sind sein Beruf - kleine Kirchen auf dem Land sein Hobby. Dr. Focko Weberling liebt die bäuerlich-naiven Darstellungen in den Gotteshäusern und deren Individualität. Spezialisiert hat sich der in Mainz geborene Allgemeinmediziner auf hessische Fachwerkkirchen. Sein Bedürfnis zu helfen, erschöpft sich nicht allein darin, Patienten in seiner Praxis bei Gießen zu heilen, sondern er tritt mit ähnlicher Leidenschaft für die Rettung von Kirchen ein. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schätzt sich glücklich, dass Focko Weberling unserer Organisation, die er seit ihrer Gründung im Jahr 1985 kennt, unter die Arme greift.

Unterstützung für die thüringische Kirche in Paitzdorf

Im Herbst reiste er nach Paitzdorf bei Gera in Thüringen und brachte der Gemeinde eine Spende von exakt 14.798 Euro. Das Turmdach der einschiffigen Kirche mit ihrer charakteristisch geschwungenen Haube und Laterne aus dem Jahr 1793 muss restauriert werden. Dies kann jetzt geschehen, weil Weberling mit seinem Verein IDEA (Initiative im Denkmalschutz engagierter Ärzte und Apotheker e. V.) für die Kirche sammelte. Wie der Name des 2003 von ihm gegründeten Vereins vermuten lässt, fiel Weberling Attraktiveres ein, als nur mit der Spendenbox unterwegs zu sein. Er organisiert Busreisen zu Kirchen in Hessen, die sonst oft geschlossen sind oder abseits ausgetretener Pfade liegen.

"Dr. Weberlings Reisen"

Als einmal eine Kirchenführerin ausfiel, entdeckte Weberling sein schlummerndes Talent: Seither führt er selbst durch die Gotteshäuser. Er recherchiert in Akten, Archiven, Bibliotheken und liest Topographien der Landesdenkmalpfleger, um über Besonderheiten am Ort zu erzählen, die nicht in jedem Buch zu finden sind. "Dr. Weberlings Reisen" sind inzwischen professionalisiert und gleichzeitig familiär: Busfahrer ist sein Freund Dr. Horst Klewer, im "Nebenberuf" Internist.

Beim Erntedank-Gottesdienst war die restaurierungsbedürftige Kirche im thüringischen Paitzdorf gut besucht. 
Paitzdorf, Dorfkirche © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Beim Erntedank-Gottesdienst war die restaurierungsbedürftige Kirche im thüringischen Paitzdorf gut besucht.

Der Domkantor von Wetzlar, Horst Christill, begleitet die Ärzte, um den Gästen auf den jeweiligen Orgeln vorzuspielen. Weberlings 14-jährige Tochter Klara mag ihre Rolle als Reisebegleiterin, Sohn Konrad, 18 Jahre, fotografiert, und sein 21-jähriger Bruder Lukas verteilt Infoblätter zu den besichtigten Kirchen. Während der Tagesfahrten wird mit einem Büchertisch zum Thema Dorfkirchen sowie durch Editionen und Produkte aus dem Monumente-Bücherladen für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz geworben.

Die Idee des Denkmalschutzes weitertragen

"Den Einfall, auf den Busfahrten für eine Kirche in Not zu sammeln, hatte 2005 meine Frau Birgit", erzählt Focko Weberling. Auch sie nimmt Anteil am Familien-unternehmen "Kirchenrettung". Inzwischen hat der Verein IDEA, dessen Beiträge an unsere Stiftung gehen, mehr als 200 Mitglieder. Die meisten sind Ärzte und Apotheker aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des Mediziners. Dies hat den Vorteil, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in weiten Kreisen bekannt gemacht wird. Im sonnigen Wartezimmer der Praxis in Lahnau liegt immer die neueste MONUMENTE bereit, ebenso sieht es in den Praxen und Apotheken bei den Mitgliedern von IDEA in Wetzlar, Gießen und Umgebung aus. Der gute Wille der Initiative strahlt aus und zeigt Wirkung.

Menschen treffen, Menschen helfen

In diesem Jahr wurde also die kleine thüringische Gemeinde Paitzdorf bedacht. Am Gottesdienst zum Erntedankfest nahm der Arzt gerne teil und freute sich mit Pfarrer Dr. André Demut und der Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Ines Pautzsch, dass die Restaurierung der Kirche, die ganz anders aussieht als Weberlings hessische "Heimatkirchen", nun vorangeht. Sein Besuch bestärkte ihn darin, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt. Selbst die Festtagsdekoration konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Innenraum mit seiner dreiseitigen Empore und der Volutendecke schon einmal bessere Zeiten gesehen hat.

Das Turmdach der einschiffigen Kirche in Paitzdorf mit ihrer charakteristisch geschwungenen Haube und Laterne muss instand gesetzt werden. 
Paitzdorf, Dorfkirche © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Turmdach der einschiffigen Kirche in Paitzdorf mit ihrer charakteristisch geschwungenen Haube und Laterne muss instand gesetzt werden.

Man darf gespannt sein, was IDEA sich als nächste Aktion einfallen lässt. Ruhen wird Focko Weberling nicht - der Name IDEA ist und bleibt Programm. Nebenbei erzählte der Arzt übrigens, dass er nun auch Bilder heimischer Künstler in seinen Praxisräumen ausstellt, die er zum Verkauf anbietet. Der Erlös kommt in diesem Fall zwar einmal nicht dem Denkmalschutz zugute, aber es wird gleichfalls in die Zukunft investiert: Mit dem Geld sollen im Senegal eine Schule und ein Brunnen finanziert werden.

Christiane Schillig

IDEA wurde 2003 von 13 Mitgliedern gegründet. Der gemeinnützige Verein hat seinen Ursprung in der 1993 von Isabel Schulte-Jacoby, Dr. Florian Gründler und Dr. Focko Weberling ins Leben gerufenen "Initiative Ärzte und Apotheker für alte Kirchen". Seither werden Spenden für bedrohte und für nicht mehr genutzte Kirchen gesammelt. Inzwischen hat der Verein über 200 Mitglieder. IDEA sammelte bisher mehr als 135.000 Euro. Dafür sagen wir herzlich "Danke"!