Juni 2012

Privatleute errichten die Warburger Denkmalstiftung

Mit warmen Händen Gutes tun

Bei unserem Gang durch Warburg sind wir am Fuß des Kreuzwegs angekommen, der die Altstädter Kirche St. Maria Heimsuchung mit dem Plateau des Burgbergs verbindet. Unser Blick folgt den ersten Stationshäuschen am Wegesrand, steigt immer höher und endet in einem beinahe wolkenlosen Himmel. Warburg hatte uns in strömendem Regen empfangen, und der Wetterbericht sagte für diesen Januartag eine Regenwahrscheinlichkeit von 70 Prozent und nur eine Stunde Sonnenschein voraus. Zum Glück irrten die Meteorologen. Während unserer Besichtigung des westfälischen Rothenburgs, wie Warburg wegen seiner mittelalterlichen Stadtmauer, seiner Tore, Türme und Fachwerkhäuser gerne genannt wird, bleiben die Regenschirme zu.

Im Zentrum der Altstadt befindet sich die Kirche St. Maria Heimsuchung (l.), und die Silhouette der Neustadt wird von der Pfarrkirche St. Johannes Baptist geprägt. 
© R. Rossner
Im Zentrum der Altstadt befindet sich die Kirche St. Maria Heimsuchung (l.), und die Silhouette der Neustadt wird von der Pfarrkirche St. Johannes Baptist geprägt.

Dass unser Begleiter uns an diesem Nachmittag als Erstes zum Kreuzweg führt, hat seinen guten Grund: Im Mai 2011 hat er zusammen mit seiner Frau die Warburger Denkmalstiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz errichtet. Beide möchten eine Lobby für Bau- und Kunstdenkmale der Stadt schaffen und Zuschüsse für einzelne Maßnahmen geben. Die Restaurierung des Kreuzwegs, der ein wenig in Vergessenheit geraten und teilweise von Efeu überwuchert ist, soll zu den ersten Projekten der Denkmalstiftung gehören.

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Bürgermeister Michael Stickeln (l.) und Heimatpfleger Ulrich Nolte freuen sich über das Engagement der privaten Stifter für ihre Stadt.
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Werke von Antonius Eisenhoit werden im Warburger "Museum im Stern" ausgestellt.
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Dieses Stationshäuschen des Kreuzwegs befindet sich auf dem Burgberg.
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Das Stammhaus der Bankiersfamilie Warburg in der Joseph-Kohlschein-Straße
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An der Mauer des jüdischen Friedhofs erinnert diese Gedenktafel an die Warburger, die während des Holocausts ermordet wurden.
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Die Kanone "Fuegeler" wurde 1525 gegossen.
 
 
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Bürgermeister Michael Stickeln (l.) und Heimatpfleger Ulrich Nolte freuen sich über das Engagement der privaten Stifter für ihre Stadt.
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Werke von Antonius Eisenhoit werden im Warburger "Museum im Stern" ausgestellt.
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Dieses Stationshäuschen des Kreuzwegs befindet sich auf dem Burgberg.
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Das Stammhaus der Bankiersfamilie Warburg in der Joseph-Kohlschein-Straße
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An der Mauer des jüdischen Friedhofs erinnert diese Gedenktafel an die Warburger, die während des Holocausts ermordet wurden.
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Die Kanone "Fuegeler" wurde 1525 gegossen.
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Die Stifter, die nicht genannt werden möchten, sind in Warburg aufgewachsen, leben aber seit vielen Jahren nicht mehr dort. "Einen besonderen Glücksfall" nennt sie Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln, dem die Erhaltung des historischen Stadtbildes sehr am Herzen liegt und der daher gerne im Vorstand der Warburger Denkmalstiftung mitwirkt.

Beginn des Stationswegs auf den Burgberg 
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Beginn des Stationswegs auf den Burgberg

Das Stiften für einen bestimmten Zweck, meist aus einem frommen oder karitativen Grund, hat eine lange Tradition. Auch in der Geschichte Warburgs begegnen wir immer wieder Menschen, die mit kleinen oder großen Summen dem Gemeinwohl gedient haben - und das bis heute tun. 2005 wurde von Privatleuten die Bürgerstiftung Warburg errichtet, die vor allem soziale, aus dem städtischen Haushalt nicht finanzierbare Projekte unterstützt.

Die Stifter des Mittelalters hatten vor allem ihr eigenes Seelenheil und das ihrer Familien im Blick, wie beispielsweise Warburgs Bürgermeister Johann von Geismar, der 1314 einen Altar für die Neustädter Johanneskirche als Erinnerung an seine Frau und seine Eltern in Auftrag gab. Viele dieser Memorialstiftungen sind während der Pestepidemie, die ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch Warburg heimsuchte, verbürgt. Der Ratsherr Henricus Wyndeman stiftete im Jahr 1350 eine Rente, aus deren Zinsen dem Kirchenvorsteher, den Priestern und dem Glöckner der Altstädter Kirche je zwei Schillinge ausgezahlt werden sollten. Dafür verlangte er, dass einmal im Jahr für ihn gebetet wurde. Erst danach dachte er an die Armen, die Brot bekommen sollten, wenn Geld aus den Erträgen übrigblieb.

Victorine Charvin, Schwester des Bürgermeisters Heinrich Fischer, der von 1843 bis zu seinem Tod 1879 Warburg aus einer wirtschaftlichen Talsohle holte, kümmerte sich dagegen vor allem um Benachteiligte. Die einst wohlhabende Handelsstadt hatte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts immer noch nicht von den Folgen des Dreißigjährigen und des Siebenjährigen Krieges erholt. Von den 3.000 Einwohnern 1618 waren 30 Jahre später nur noch zwei Drittel geblieben. Die Vorstadt Hüffert außerhalb der Mauern war dem Erdboden gleichgemacht. Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges gab es kaum noch Vorräte, weil die Einwohner verpflichtet worden waren, die durchziehenden Truppen zu versorgen. Die Stadt musste gewaltige Kredite aufnehmen, und die letzten Schulden waren erst 1892 vollständig beglichen.

Auf einer Stadtansicht aus dem Jahr 1581 wird Warburg als elegante westfälische Stadt bezeichnet. 
© Museum im Stern, Warburg
Auf einer Stadtansicht aus dem Jahr 1581 wird Warburg als elegante westfälische Stadt bezeichnet.

Als es wirtschaftlich gerade ein wenig bergauf ging, brach mit dem Siebenjährigen Krieg die nächste Katastrophe über die Stadt herein. Vor ihren Toren fanden militärische Auseinandersetzungen statt, die am 31. Juli 1760 in der "Schlacht von Warburg" gipfelten. Teile der siegreichen Truppen plünderten anschließend die vollkommen unbeteiligte Stadt. Eine große Hungersnot war die Folge, viele Warburger starben.

Erst unter Bürgermeister Fischer erholte sich die Stadt. Er siedelte Industrie an, ließ einen Bahnanschluss legen, baute das Bildungsangebot aus und sorgte sich um die Armen. Mit finanzieller Unterstützung seiner Schwester gelang es ihm außerdem, das Krankenhaus zu erweitern und die Krankenpflege zu verbessern.

Doch Victorine Charvin unterstützte mit dem Geld ihres reichen Mannes nicht nur soziale Projekte, sondern stiftete auch den Kreuzweg zum Burgberg hinauf. 4.000 Menschen sollen 1858 an der Einweihung der 14 Stationshäuschen aus Sandstein teilgenommen haben, in denen Reliefs aus Terrakotta den Leidensweg Christi erzählen. Beachtliche 300 Taler - das Jahresgehalt eines Bürgermeisters betrug damals 500 Taler - stellte sie für eine jährliche Prozession bereit, die tatsächlich noch bis in die 1980er Jahre am Fest "Kreuzerhöhung" Mitte September stattgefunden hat. Und sie ließ die Erasmuskapelle auf dem Burgberg neu ausmalen, die sich seit Ende des 17. Jahrhunderts über einer mittelalterlichen Krypta erhebt - dem ältesten Denkmal der Stadt.

Die barocke Erasmuskapelle auf dem Burgberg 
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Die barocke Erasmuskapelle auf dem Burgberg

Hier oben auf dem Burgberg hat die Stadt Warburg ihren Ursprung. Wartberg hieß diese Erhebung zu Zeiten Graf Dodikos, der zu Beginn des 11. Jahrhunderts von seiner Burg aus große Ländereien verwaltete. Weil sein einziger Sohn bei einem Reitunfall tödlich verunglückt war, vermachte Dodiko - er starb 1020 - seinen Besitz dem Paderborner Bischof.

Die Erasmuskapelle wurde über einer mittelalterlichen Krypta errichtet. 
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Die Erasmuskapelle wurde über einer mittelalterlichen Krypta errichtet.

Südöstlich der gräflichen Burganlage, im Tal des Flüsschens Diemel, hatte sich zu Zeiten Dodikos eine Siedlung gebildet, die um 1180 Stadtrechte erhielt. Sie wurde schnell zu klein für die vielen Handwerker und Kaufleute aus dem Umland, die sich in dem aufstrebenden Ort ansiedeln wollten. Der bischöfliche Landesherr gründete daher um 1228/30 oberhalb dieser Altstadt eine eigenständige Neustadt.

Die beiden Warburgs entwickelten sich zu bedeutenden, aber miteinander konkurrierenden Handelsstädten. Dennoch traten sie 1363 gemeinsam der Hanse bei. In einer wirtschaftlichen Flaute beschlossen die Räte 1436, beide Städte zusammenzulegen und ein gemeinsames Rathaus zu bauen. Die Rechte und Pflichten wurden im "Großen Brief" besiegelt. Doch die Ratsherren wollten wohl ihre Eigenständigkeit bewahren. Das Rathaus wurde daher genau zwischen Alt- und Neustadt errichtet und erhielt mehrere Eingänge: einen für die Alt- und einen für die Neustädter Ratsherren sowie einen für die Dominikaner, die zumindest bei den Bürgern der Altstadt nicht gut gelitten waren. Der Paderborner Bischof hatte den Mönchen 1281 die Kirche des Ortes Maria im Weinberg überschrieben. Dies führte natürlich zu großem Unmut bei den Altstädtern, zumal sie nun gezwungen waren, die Johanneskirche in der Neustadt aufzusuchen. Es folgte ein erbitterter Streit, der erst beigelegt wurde, nachdem der Bischof den Altstädtern seinen Unteren Hof geschenkt hatte, wo sie sich eine neue Kirche bauten.

Das Denkmal für den Silberschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit 
© R. Rossner
Das Denkmal für den Silberschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit

Allen diesen Schwierigkeiten zum Trotz erlebte das geeinte Warburg einen wirtschaftlichen Aufschwung und war bald die wichtigste Stadt der Region. Die Bürger handelten mit Wein und kostbarem Salz, betrieben mehrere Mühlen, arbeiteten als Handwerker, unter denen sich neben Schmieden, Gerbern, Wollwebern und Zimmerleuten auch ein Perlensticker befand. Auf einer Stadtansicht aus dem Jahr 1581 trägt Warburg die stolze Bezeichnung "elegans Westphaliae oppidum".

Welche Blütezeit die Stadt damals erlebte, mag die Lebensgeschichte des Goldschmieds und Kupferstechers Antonius Eisenhoit verdeutlichen. Er wurde um 1553 in eine wohlhabende Warburger Familie hineingeboren. Seine Ausbildung zum Goldschmied wird er wohl in Nürnberg oder den Niederlanden erhalten haben. Belegt ist ein mehrjähriger Aufenthalt in Rom, wo er für Michele Mercati, Direktor der naturwissenschaftlichen Sammlung im Vatikan, mehrere Kupferstiche fertigte.

Obwohl er mit diesen Referenzen sicherlich eine glänzende Karriere in Rom vor sich gehabt hätte, kehrte Eisenhoit 1582 nach Warburg zurück. Es war der richtige Schritt, denn bis zu seinem Tod im Jahr 1603 zählten die einflussreichsten Familien der Region zu seinen Auftraggebern: Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, Landgräfin Hedwig von Hessen-Marburg, der Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg und Graf Simon VI. von Lippe. Eisenhoit, der in den Rat seiner Heimatstadt aufstieg, gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter des Manierismus. Ein Teil seiner Werke ist im stadthistorischen Museum "Stern" ausgestellt.

Zum Ende des 16. Jahrhunderts lebten in Warburg auch einige Juden, die den Grundstein für eine bedeutende jüdische Gemeinde legten. Zu den ersten zählten Simon von Cassel und Moses zum Calenberge, denen der Warburger Rat 1559 Schutzbriefe ausgestellt hatte. Er ließ sie "mit ihren weiber und kindern mit irm notings haußgesinde zehen Jhar lank in unsen Stadten uf lechtmissen des 60ten Jhahrs anfangend bei uns wonen". Bürgerrechte erhielten sie zunächst nicht. Weil die jüdischen Einwohner Warburgs unter den Paderborner Fürstbischöfen mehr Freiheiten als in anderen Städten genossen, wuchs ihr Anteil stetig.

Bauamtsleiter Manfred Behler (l.) und Winfried Volmert, Vorsitzender der Bürgerstiftung Warburg, am Grab von Max Rosenstein auf dem jüdischen Friedhof 
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Bauamtsleiter Manfred Behler (l.) und Winfried Volmert, Vorsitzender der Bürgerstiftung Warburg, am Grab von Max Rosenstein auf dem jüdischen Friedhof

Die Nachfahren Simon von Cassels zogen während des Dreißigjährigen Krieges nach Altona, führten den Familiennamen Warburg und gründeten dort das Bankhaus M. M. Warburg & Co., das vor allem von Max Warburg (1867-1946) bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zu einem bekannten und einflussreichen Unternehmen ausgebaut wurde.

Dabei war er gar nicht für diese Aufgabe vorgesehen. Denn sein älterer Bruder Abraham, genannt Aby, sollte die Bank erben. Doch dieser hatte als Dreizehnjähriger seinen Anspruch an den Bruder abgetreten, unter der Bedingung, dass Max ihm den Aufbau einer Bibliothek finanzieren müsse. Ein leichtsinniges Geschäft für den Bankier, wie sich später herausstellen sollte: Bis zum Tod des bedeutenden Kunsthistorikers Aby Warburg 1929 war die international hochgeachtete Bibliothek auf 60.000 Bände angewachsen. 1933 gelang es, einen Großteil nach London auszulagern, wo sie innerhalb des "Warburg Institute" bis heute fortbesteht.

Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof 
© R. Rossner
Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof

Das Bankhaus blieb der westfälischen Stadt auch von Altona aus verbunden. Max Warburg spendete Geld an Sportvereine und an das Krankenhaus für den Kauf eines Krankenwagens. Die Anfrage der Freiwilligen Feuerwehr 1930 kommentierte er mit den Worten: "Ich bin zwar als Bankier gewohnter zu pumpen als zu spritzen, aber Eure Spritze sollt Ihr doch bekommen!"

Obwohl nicht alle Warburgs nach Altona ausgewandert waren, finden wir auf dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegten jüdischen Friedhof keinen Grabstein mit diesem Namen. Wir stehen vor dem Familiengrab des angesehenen Oberlandesrabbiners Samuel Steeg - er führte die jüdische Gemeinde Warburgs von 1774 bis 1805 - und seiner Nachfahren, den Oppenheims und den Herz'. Auch nach dem Tod seiner Mutter Amalie besuchte Emil Herz - er hatte sich als Germanist und als einer der Direktoren des Ullstein-Verlags in Berlin einen Namen gemacht - die Gräber seiner Familie, so oft er konnte. In seinen Lebenserinnerungen lobt er das tolerante Warburg: "Die christliche Bevölkerung lebte in Harmonie mit ihren jüdischen Nachbarn, sie nahm auch auf deren religiöse Bedürfnisse Rücksicht. Sie richtete ihre Einkäufe so ein, daß selbst ein Geschäftsschluss von vier Tagen, wenn gelegentlich auf zwei jüdische Feiertage noch ein Sonnabend und ein Sonntag folgten, dem jüdischen Ladeninhaber keine Verluste brachte." Aus Verbundenheit zu seiner Heimat richtete er in seinem Berliner Haus ein "Warburger Zimmer" ein.

Auch Emil Herz hat sich 1929 als Stifter hervorgetan und seiner ehemaligen Schule, dem Gymnasium Marianum, über 100 wertvolle Bücher überlassen. Der Vorplatz zum jüdischen Friedhof ist heute nach ihm benannt. Ebenso wie Max Warburg konnte er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten fliehen. An der Umfassungsmauer des jüdischen Friedhofs erinnert eine Gedenktafel an diejenigen, die weniger Glück hatten, von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden.

Von den 160 jüdischen Bürgern, die 1933 in Warburg gelebt hatten, kehrten nach dem Ende des Holocaust lediglich fünf zurück. Max Rosenstein, Otto Baruch und Erich Weinberg bauten sich in Warburg eine neue Existenz auf, und ihre Nachfahren leben immer noch dort.

Arbeiten an der Mikwe zählen zu den ersten Projekten der Warburger Denkmalstiftung. 
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Arbeiten an der Mikwe zählen zu den ersten Projekten der Warburger Denkmalstiftung.

Neben dem jüdischen Friedhof und dem Stammhaus der Warburgs in der Joseph-Kohlschein-Straße gibt es nur wenige Orte, die an die große jüdische Gemeinde - ihr Anteil an der Stadtbevölkerung betrug 1802 rund zehn Prozent - erinnern. Die Synagoge, die der Gemeinde seit 1714 zur Verfügung stand, blieb zwar während der Pogromnacht erhalten, wurde jedoch anschließend mehrfach umgebaut. Umso wichtiger war 2011 der zufällige Fund einer Mikwe im Gewölbekeller des Glockengießerhauses in der Altstadt. Obwohl man wusste, dass dieses zum Ende des 16. Jahrhunderts errichtete Fachwerkhaus von jüdischen Familien bewohnt worden war, hatte man das rituelle Tauchbad, das wohl vom 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts genutzt wurde, dort nicht vermutet.

Die jüdischen Reinigungsgesetze schreiben vor, dass eine Mikwe ausschließlich mit Grund-, Regen- und Quellwasser oder fließenden Gewässern aus Bächen oder Flüssen gespeist werden darf. Diese Bedingung erfüllt der Standort im Keller des Glockengießerhauses. Feuchteschäden im Mauerwerk waren auch die Ursache dafür, dass man die Mikwe überhaupt entdeckt hat.

Die Eigentümer des Glockengießerhauses überlegen, einen direkten Zugang zum Ritualbad zu schaffen, um eine Besichtigung dieses wichtigen Zeugnisses der jüdischen Gemeinde Warburgs zu ermöglichen. Diese Maßnahme wollen die Errichter der Warburger Denkmalstiftung gern finanziell begleiten.

"Wir möchten mit warmen Händen Gutes tun und sehen uns als 'Anstifter' einer Bürgerbewegung für die Bewahrung Warburger Denkmale", sagt unser Begleiter zum Abschluss des Besuchs in der schönen westfälischen Stadt. Er und seine Frau würden sich freuen, wenn sich Gleichgesinnte dieser Idee anschlössen und bereit wären, das Kapital der Warburger Denkmalstiftung aufzustocken oder an anderen Orten etwas Ähnliches zu initiieren. Denn es gibt überall Denkmale, die nur mit finanzieller Hilfe von privaten Stiftern dauerhaft wieder den Stellenwert erhalten, den sie verdienen.

Carola Nathan