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Wie die Familie von Bismarck ihren Briester Stammsitz wiederbelebt

Das Schloss am See

Auf das Jahr genau 600 Jahre lang lebte die Briester Linie der Familie von Bismarck auf ihrem Gut in der Altmark. 1345 erhielt Nikolaus von Bismarck die Güter Briest und Burgstall vom Markgrafen von Brandenburg als Lehen. 1945 wurde die Familie im Zuge der Bodenreform enteignet und von ihrem Anwesen vertrieben. Die sechs Jahrhunderte waren eine lange Zeit, in der die Bismarcks das Gut als Forst- und Wirtschaftsbetrieb ausbauten, bei der regionalen Industrialisierung Vorreiter waren und als Landräte und Kreistagsabgeordnete Politik, Gesellschaft und Kultur in der Region um Stendal prägten.

Das Briester Schloss bei Tangerhütte mit dem "Gewitterturm".  
Tangerhütte, Schloss Briest © ML. Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Briester Schloss bei Tangerhütte mit dem "Gewitterturm".

Das heutige Herrenhaus hatten 1624 Christoph von Bismarck und seine Frau Dorothea II. von der Schulenburg in der Sumpflandschaft von Tanger und Elbe auf den Grundmauern der alten Wasserburg errichtet. Nach einem Brand 1839 wurde der geschädigte Gebäudeteil von der Familie im Stil der Renaissance wiederhergestellt. Denn es war eines der wenigen Herrenhäuser, die überhaupt während des Dreißigjährigen Krieges errichtet worden waren.

Nach 1945 und einer durch die Denkmalpflege verhinderten Sprengung beherbergte das Gutshaus in Briest bis zu Beginn der 1990er Jahre zunächst Flüchtlinge und später sozialschwache Familien. Dementsprechend sind die Räume im Inneren umgebaut. Doch sein Renaissance-Äußeres hat der Gebäudekomplex, bestehend aus einem langgestreckten Haupthaus und rechtwinkelig angefügtem Flügelbau sowie einem achteckigen Treppenturm zur Hofseite, bewahrt. Und nicht nur dies, auch die Hofanlage ist zum großen Teil mit Brauhaus, Scheunen und einer kleinen Kirche von 1599 erhalten. Die meisten Gebäude sind wie das Gutshaus in kräftigem roten Ziegelfachwerk errichtet. Der großzügige Landschaftspark, der 1849 nach Plänen des Gartenbaudirektors Christian Schaumburg, dem Gestalter des Georgengartens in Hannover-Herrenhausen, als englischer Landschaftsgarten angelegt wurde, ist - zwar verwildert und mit einem zum Badesee vergrößerten Teich - ebenfalls noch vorhanden.

Hat den Brand von 1839 überstanden: das Sitznischenportal aus der Renaissance  
Tangerhütte, Schloss Briest © ML. Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Hat den Brand von 1839 überstanden: das Sitznischenportal aus der Renaissance

Dieses ländliche Idyll möchte die Familie von Bismarck wieder beleben und zu einem kulturellen Anziehungspunkt in der Altmark machen. 1997 konnten Friedrich von Bismarck, der Sohn des letzten Besitzers, und seine Frau Maren das Herrenhaus und einige landwirtschaftliche Flächen sowie Teile des ehemaligen Forstes Briest zurückkaufen. So richteten sie zunächst eine ökologische Forst- und Landwirtschaft ein. Seit 2003 wird der Park rekultiviert und das über viele Jahre vernachlässigte Gebäude kontinuierlich in kleinen Schritten saniert.

Die Dachstühle und die Dächer der L-förmigen Anlage mit den Zwerchhäusern sowie der Treppenturm wurden restauriert und die Fenster erneuert. Das in geometrischen Mustern gemauerte Ziegelfachwerk der drei jeweils überkragenden Stockwerke wurde ausgebessert. Für ihr Engagement erhielten Maren von Bismarck und posthum ihr Mann 2008 den Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt.

An der Restaurierung des 1839 aus Brandschutzgründen errichteten "Gewitterturms" beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2009 mit 40.000 Euro. Weitere Mittel kamen von der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt und dem Land. Der Dachstuhl wurde saniert und das Dach mit Schieferplatten eingedeckt, die Quaderungen der Turmkanten ausgebessert und ein neuer Putz aufgebracht. Damit ist das Herrenhaus von außen wiederhergestellt.

So einladend es nun wirkt, so unbenutzbar ist es noch im Inneren. Deshalb möchte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gerne weiter bei der Restaurierung helfen. Das Gartenzimmer besitzt ein schönes Intarsienparkett, und in der Halle sind alte Türen und in Mustern verlegte Dielenböden erhalten. Es wäre schön, wenn Schloss Briest zum Bismarck-Jubiläum 2015 Interessierten über die frühe Geschichte des Hauses Bismarck erzählen könnte.

Christiane Rossner

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2 Kommentare

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    Ingrid Buchholz Stabins schrieb am 21.03.2016 14:18 Uhr

    Von 1946 bis 1980 habe ich oft das Briester Schloss besucht. Meine Mutter wohnte dort. Sie war ein Flüchtling von Köselitz, was früher Pommern war. Ich freue mich, dass das Schloss nun langsam restauriert wird. Mein letzter Spaziergang zum Schloss war in 2009 mit meinem Sohn.

    Auf diesen Kommentar antworten
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    Hans-Joachim Gerdum schrieb am 21.03.2016 14:18 Uhr

    Eine Ihrer vielen guten Ideen ist es, auch nicht so bekannte oder etwas abseits gelegene kulturelle Kostbarkeiten ins Blickfeld zu rücken. Wir werden Schloß Briest bei nächster Gelegenheit besuchen.

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