Das Schicksal der Urbanskirche in Schwäbisch Hall schien 2005 besiegelt: Aus wirtschaftlichen Gründen sollte das mittelalterliche Gotteshaus am Rande der Stadt geschlossen werden. Doch die Gemeindemitglieder wollten das nicht zulassen und gründeten den Freundeskreis Urbanskirche e. V. Dieser organisiert seitdem in enger Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina das gottesdienstliche Leben in der Urbanskirche und übernimmt die laufenden Kosten.
Wie mag Josef sich gefühlt haben, als er erfuhr, dass seine Verlobte schwanger war und das nicht von ihm? Christen ist diese Frage vertraut. Sie wissen, warum Josef Maria dennoch zur Frau nahm. Für Nichtchristen, die möglicherweise schon in dritter Generation keine Bibel mehr im Haus haben, ist dies eine aufrüttelnde Frage. Gestellt in der anhaltischen Dorfkirche Polenzko, bewegte sie die Gemüter mancher Gottesdienstteilnehmer.
Das mecklenburgische Dorf Federow am Rande des Müritz-Nationalparks war eigentlich nie für spektakuläre Ereignisse bekannt. Aber 2005 sollte es Stätte einer deutschlandweiten Premiere werden: Aus der örtlichen Kirche wurde die erste und bislang auch einzige Hörspielkirche. Ein sorgfältig installiertes Audio-System bietet bei bester Akustik in der Sommersaison täglich Literatur von Spannung über Erbauung bis Information.
Unsere Vorstellung von der Gestalt romanischer Kirchenräume wird vom heutigen Zustand geprägt. Im Laufe der Jahrhunderte kam es jedoch oft zu wesentlichen Veränderungen. So entspricht die zwischen 1129 und etwa 1150 erbaute Stiftskirche auf dem Schiffenberg bei Gießen in ihrer schlichten, aber eindrucksvollen Erscheinung so ganz unserem Bild von einer romanischen Kirche.
"Es ist erstaunlich. Unsere Malchower Dorfkirche musste so lange auf ihre Restaurierung warten, aber nun, da wir diese Aufgabe angehen, sprudeln wir nur so vor Ideen, wie wir sie nutzen werden", strahlt Irmtraut Peick, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Tatsächlich hielt die kleine uckermärkische Feldsteinkirche über 50 lange Jahre durch.
Alles Leben ist Wandel. Aus der Sicht des katholischen Theologen ist dem, was Gottfried Kiesow schon vor einem Jahrzehnt auf einer Tagung zu "Kirchenbau zwischen Aufbruch und Abbruch" im Bistum Münster ausführte, voll und ganz zuzustimmen: "Die Kirchenbauten waren von Anbeginn in gleicher Weise einem bis heute währenden Wandel unterworfen wie die Auslegung der Heiligen Schrift und besonders die Liturgie, die am stärksten Einfluss auf die Gestaltung der sakralen Innenräume hatte."(1)
Auf der A 40 geht mal wieder nichts mehr. Dort im Stau zu stehen, gehört zum normalen Alltag der Ruhrgebietler. Doch an diesem Sonntag im Juli 2010 ist alles anders: Nicht mürrische Gesichter in Autos, die sich Stoßstange an Stoßstange reihen, sondern entspannte Menschen, die neben ihren Fahrrädern geduldig warten oder auf Inlinern kleine Pirouetten drehen. Es scheint, als hätten sie den Spruch "Ich komm' zur Ruhe" verinnerlicht, der in großen Lettern an der Autobahnbrücke in Bochum-Hamme zur Gelassenheit mahnt und auf die direkt neben der Autobahn liegenden Epiphaniaskirche hinweist.
Die Kirche ist vom Einsturz bedroht! Wie man gut nachvollziehen kann, löste diese Diagnose im vergangenen Jahr großes Entsetzen bei der Kirchengemeinde im Weimarer Ortsteil Tiefurt aus. Weil ein Holzschutzgutachten vorbereitet werden sollte, hatte Jörg Rietschel, Ortsbürgermeister und Gemeindekirchenratsmitglied, im April 2010 einen Blick in den Dachstuhl geworfen und gravierende Schäden entdeckt. Nach einer Begehung durch Bausachverständige und den Weimarer Oberbürgermeister Stefan Wolf musste die Kirche baupolizeilich gesperrt werden. Offenbar hatte der Orkan Emma, der Anfang März 2008 mit großer Wucht auch über Tiefurt hinweggerast war, dem ohnehin morschen Dachgebälk so zugesetzt, dass Gefahr im Verzug war.
2005 gab man sich bei der Verleihung der Ferdinand von Quast-Medaille, benannt nach dem ersten preußischen Denkmalpfleger, ganz jugendlich: Die höchste Denkmal-Auszeichnung des Landes Berlin wurde damals an zwei Kinder- bzw. Jugendprojekte vergeben. Zum einen an die Elterninitiative der Zinnowwaldschule, die die Aula, "einer der schönsten Schulräume Berlins", renoviert hatten.
Wie eine überdimensionale Monstranz mutet der Hochaltar von St. Katharina im oberpfälzischen Reuth bei Erbendorf an. Kunstvoll verflochtene Akanthusranken rahmen das Gemälde der Kirchenpatronin sowie das Bild der Heiligen Sippe darüber. Die aufgesetzten, lüsterfarben gefassten Blüten erscheinen von ferne wie funkelnde Edelsteine.
Die Stiftung "Entschlossene Kirchen" möchte dem Problem entgegentreten, dass Besucher gerade bei den kleinen Dorfkirchen vor verschlossenen Türen stehen. Auch Einheimische entdecken so ihre kleinen Architektur-Schätze wieder.
Als sich die Kirchengemeinde der Kreuzkirche in Bonn zu Beginn der 1930er Jahre entschloss, "sämtliche mit gotisierenden Kapitellen ausgestattete Säulen, die vielen Wasserspeier und Kreuzblumen sowie unnötige Galerieverzierungen zu entfernen", hatte sie Gutes im Sinn. Zwar erachtete man die "Anwendung spielerischer oder gar unehrlicher Zutaten an kirchlichen Bauwerken" auch nicht mehr für zeitgemäß, doch im Mittelpunkt stand die marode Substanz der 1871 nach den Plänen von Christian August Dieckhoff eingeweihten neugotischen Hallenkirche.
Die Kapelle des alten Dorfes Niedereisenhausen im Tal der Perf steht seit Jahren leer. Nur in Teilen restauriert, ist besonders ihr Innenraum in beklagenswertem Zustand. Damit teilt sie das Schicksal vieler traditionsreicher Sakralbauten auf dem Lande. Ihre Erhaltung und künftige Nutzung war Thema der Tagung "Kirchen im Dorf lassen. Erhaltung und Nutzung von Kirchen im ländlichen Raum", die vom 7.-9. April 2011 in Marburg/Lahn stattfand. Organisiert hatte sie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und das Marburger EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart. Während der ganztägigen Exkursionen im Rahmen der Tagung gab es die Gelegenheit, unterschiedliche Beispiele des bürgerlichen und kommunalen Engagements für die Bewahrung der Gotteshäuser kennenzulernen. Eines der beispielhaften Projekte einer Nutzungserweiterung ist die genannte Fachwerkkapelle zu Niedereisenhausen in der hessischen Gemeinde Steffenberg.
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