Romanik Dezember 2010

Burg Eltz wird umfassend restauriert

Ein Graf schwebt über seiner Burg

Das Wetter ist unbeständig und auch der Wind, der durch das enge Tal des Elzbachs weht, wechselt immer wieder seine Kraft. Dennoch ist dieser Tag einmalig, denn der zuständige Projektreferent kann mit dem Fotografen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz per Kran in luftigen, gefühlten 150 Metern Höhe über Burg Eltz schweben. Mit an Bord ist der Hausherr selbst, Dr. Karl Graf zu Eltz.

Burg Eltz ©  Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 
Burg Eltz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Burg Eltz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Mit ruhiger Hand und sachkundigem Blick fährt Kranführer Hans Dieter Gabel die in einem Stahlkorb stehenden Fahrgäste an dem Ausleger in Position. Geschickt gleicht er die Windböen aus und schwenkt - den Wünschen der Insassen folgend - den Korb über die verwinkelte, kunstvoll mit Schiefer gedeckte Dachlandschaft. Der Korb schwebt vorbei an zahllosen spitzen Türmen und Türmchen, gleitet an Fassaden entlang, aus denen Erker hervorragen und senkt sich tief zum engen Innenhof der Burg hinab. "Man muss schon schwindelfrei sein und darf keine Höhenangst haben", bemerkt der Graf schmunzelnd und hält sich gut fest.


Nicht nur interessiert, sondern auch prüfend betrachten Burgherr und Denkmalschützer das alte Gemäuer, dessen malerische Silhouette in der unberührten, waldigen Natur Burg Eltz zu einer der schönsten Burgen Deutschlands macht. Denn die wagemutige Kranfahrt hat einen ernsten Hintergrund: In einigen Bereichen hat die Anlage ihre Standfestigkeit erheblich eingebüßt, weisen Teile der Stützmauern und des Mauerwerks Risse auf. Darüber hinaus zeigte sich bei Kontrollen, dass auch die Holzkonstruktionen einiger Dachstühle vom Hausschwamm befallen sind und das Fachwerk der Obergeschosse restaurierungsbedürftig ist.

Mit scharfem Blick registriert Graf zu Eltz neue Schäden. So schwebt der Kran über die Firste von Haus Kempenich, von Haus Platt-Eltz, über die Kapelle, über die Häuser Groß und Klein Rodendorf und das Haus Rübenach. Allein die Namen lassen erahnen, dass die heutigen Statikprobleme von Burg Eltz hausgemacht sind - und dies schon seit Generationen.

Die Anfänge von Burg Eltz liegen vermutlich im frühen 12. Jahrhundert. Wie viele der geschätzten 25.000 Burgen in Deutschland bestand sie aus einem Wehrturm, dem Fried, und einem Wohnhaus, dem Palas. Nachfolgende Generationen bauten sie zur heute romantisch anmutenden Ritterburg aus. 
Burg Eltz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Anfänge von Burg Eltz liegen vermutlich im frühen 12. Jahrhundert. Wie viele der geschätzten 25.000 Burgen in Deutschland bestand sie aus einem Wehrturm, dem Fried, und einem Wohnhaus, dem Palas. Nachfolgende Generationen bauten sie zur heute romantisch anmutenden Ritterburg aus.

Denn Burg Eltz ist eine sogenannte Ganerbenburg, die von einer Familie gemeinschaftlich bewohnt wurde. Strategisch günstig an einem Verbindungsweg zwischen der Mosel, der Voreifel und dem fruchtbaren Maifeld platziert, liegen ihre baulichen Anfänge im Dunkeln. 1157 wird in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Friedrich Barbarossa ein Rudolfus de Elze erstmals erwähnt. Er ist der Urahn, von dem sich die Familiengeschichte bis zum heutigen Tag lückenlos verfolgen lässt. Vor 1268 erfolgte unter drei Brüdern die erste Ganerbschaft und damit die Aufteilung der Burg, der Besitzungen und der Güter. Seitdem hatten die drei Linien Eltz-Kempenich, Eltz-Rübenach und Eltz-Rodendorf gemeinsames Anrecht auf die Burganlage. Das enge Zusammenleben der vielen Bewohner regelte der sogenannte Burgfrieden.

Für die Burg hatte dies erhebliche bauliche Konsequenzen, denn nunmehr gestaltete jeder Nachkomme für seine Familie den geerbten Gebäudetrakt weiter aus. Da die Burg auf einem steilen, 70 Meter hohen, ellipsenförmigen Felsplateau errichtet ist, baute man die Wohngebäude dicht an dicht und dabei zwangsläufig auch immer höher sowie mit Erkern auch in die Breite - ohne sich Gedanken über baustatische Notwendigkeiten zu machen. So entstand über 500 Jahre eine Randhausburg, deren acht Wohntürme sich mit sechs und sieben Geschossen, einmal sogar mit zehn, um einen engen Innenhof gruppieren. Wie man heute sieht, trägt sich dieses komplizierte Baugefüge, das von der Romanik bis zum Frühbarock alle Stile in sich vereint. Es ist standfest, bis auf einzelne Häuser, die durch ungünstigen Lastendruck zunehmend instabil werden. Mit einer herkömmlichen Reparatur sind sie nicht mehr zu beheben.

Die Dachstühle und die Eindeckungen der steilen Dächer sind restaurierungsbedürftig. 
Burg Eltz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Dachstühle und die Eindeckungen der steilen Dächer sind restaurierungsbedürftig.

Dass Dr. Karl Graf von und zu Eltz, genannt Faust von Stromberg, für die Burg allein verantwortlich ist, geht auf das Jahr 1786 zurück, als der Anteil der Linie Eltz-Rodendorf nach ihrem Aussterben an seinen, den Kempenicher Zweig fiel. 1815 dann wurde sein vierfacher Urgroßvater Graf Hugo Philipp zu Eltz durch den Kauf des Rübenacher Hauses und des Grundbesitzes der Freiherren von Eltz-Rübenach alleiniger Besitzer der Burg.

Für den heutigen Burgbesitzer steht es außer Frage, sich die grundlegende Sanierung der Burg seiner Ahnen zur Aufgabe zu machen. Nicht nur, weil sie als nationales Kulturdenkmal weltberühmt ist und über das Jahr rund 250.000 Besucher empfängt, sondern auch, weil das Ehepaar zu Eltz voller Stolz darauf zurückblickt, dass die Burg über 800 Jahre ununterbrochen in Familienbesitz blieb und bewahrt wurde.

Die Burgen Eltz und Bürresheim sind die einzigen Anlagen in der Eifel, die nie gewaltsam zerstört wurden. Da die angesehene Familie in vielen Ämtern vertreten war und vor allem in den Kurfürstentümern Mainz und Trier Karriere machte, geriet Burg Eltz einige Male durch prekäre politische Situationen in Gefahr, die jedoch durch das diplomatische Geschick und die Schläue mancher Familienmitglieder gebannt wurde.

Risse in der Märchenburg

Die Herausforderungen heute sind zwar ganz andere, "doch die Grundeinstellung ist die gleiche", erklärt der Graf lebhaft. "Es gehört zu unserer Tradition, Burg Eltz zu bewahren. Und auch ich möchte das jahrhundertealte, einmalig erhaltene Denkmal an die nächste, die 34. Generation weitergeben." Ein Vorbild ist sein Vorfahr Friedrich Karl zu Eltz, der 1845-88 die Stammburg "unter strengster Wahrung aller Details" umfassend restaurieren ließ. Seine behutsame Vorgehensweise findet noch heute Beifall unter Fachleuten. Doch ein Brand zerstörte 1920 bis auf Haus Rübenach alles Dach- und Fachwerk sowie einen Teil der Kempenicher Einrichtung. Unter schwierigen wirtschaftlichen und persönlichen Umständen erfolgte bis 1933 die Wiederherstellung.

Mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde der Fahnensaal restauriert 
Burg Eltz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde der Fahnensaal restauriert

Nicht nur das beeindruckende Bauwerk, sondern auch das überaus reiche und kostbare Inventar machen die romantische Ritterburg, die heute rein museal genutzt wird, zu einer Touristenattraktion. Zu jedem Stück weiß Dr. Karl zu Eltz etwas zu erzählen. Die Begeisterung und Unermüdlichkeit des Ökonomen überzeugt: Sowohl der Bund mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II als auch das Land Rheinland-Pfalz beteiligen sich an der Restaurierung. Zuallererst führte man 2009 die Maßnahmen zur statischen Sicherung durch. Ein System von verdeckten Ankern und Stahlstiften wurde am Groß Rodendorfer Haus eingebracht. Weitere Edelstahlanker folgen am Klein Rodendorfer und am Kempenicher Haus. An der Sicherung des besonders schwer betroffenen Fahnensaals - mit seinem Sterngewölbe der aufwendigste Raum der Burg - beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 50.000 Euro. Mittlerweile sind der Fahnensaal, die Küche und das Comtessenzimmer wie viele andere Räume im Haus Groß-Rodendorf wieder in ihrer ganzen Pracht zu sehen.

Jetzt im Winter beginnt die nächste große Baumaßnahme, bei der die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank der Lotterie GlücksSpirale nochmals mit 40.000 Euro helfen kann: Sämtliche Dachstühle und Dachdeckungen müssen - außer bei den Häusern Rübenach und Platt Eltz - saniert werden. Bei einem Winkel von 60 Grad ist dies eine Aufgabe für erfahrene Dachdecker mit alpiner Kletterausrüstung. Fatalerweise hatte man sich in den 1920er Jahren bei der Schiefereindeckung statt für handgeschmiedete Nägel für industriell hergestellte entschieden - sie sind nun alle verrostet.

©  R. Rossner
© R. Rossner
©  R. Rossner
© R. Rossner
©  R. Rossner
© R. Rossner
©  R. Rossner
© R. Rossner
©  R. Rossner
© R. Rossner
©  R. Rossner
© R. Rossner
 
 
© R. Rossner
1
© R. Rossner
2
© R. Rossner
3
© R. Rossner
4
© R. Rossner
5
© R. Rossner
6

"Sehen Sie, dort in der Dachnaht sind mehr Schieferplatten lose, als ich gedacht habe. Gut, dass wir die Dächer bald angehen können", bemerkt Graf Eltz. Die Vorstellung, bei diesem außergewöhnlichen Blick auf die Burg in einem der Schornsteine vielleicht einen versteckten Schatz zu entdecken, lässt ihn sehnsüchtig seufzen. Auch dieses Geld könnte er gut für die Restaurierungsmaßnahmen gebrauchen. Aber solche Überraschungen hält das Burggemäuer nicht für ihn bereit.

Eine Windböe erfasst wieder den Korb. Sichtlich erleichtert und ein wenig blass um die Nase landen alle sacht auf dem Boden. Per Funkgerät wird Kranführer Gabel nochmals gedankt. Dann schreitet Graf Eltz, die Besucher freundlich grüßend, auf sicherem Boden zum nächsten Einsatz: Der Baustatiker und der Architekt haben sich angemeldet.

Christiane Rossner