Kleine und große Kirchen Städte und Ensembles Juni 2010

Kloster Roggenburg ist eine Großbaustelle

Ora Et Labora

Es ist als großes, kunstvoll ausgestattetes Barockkloster über Bayern hinaus bekannt. Dennoch sind wir diesmal dankbar für die Hilfe des Navigationsgeräts: Denn obwohl sich das Prämonstratenserkloster Roggenburg auf dem höchsten Punkt der Region erhebt, ist es bei der Anfahrt lange nicht zu erblicken, da es von altem Baumbestand umgeben ist.

Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 
Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Im Inneren der mehr als 250 Jahre alten Anlage wird kräftig gebaut. Während im Hof der Bagger dröhnt und unsere Fotografin ihr Stativ im Sommerrefektorium auf Sandboden stellt, herrscht konzentrierte Betriebsamkeit: Die 18 Prämonstratenser leben seit April dieses Jahres auf einer Großbaustelle mit einem Bauvolumen von 18,8 Millionen Euro, während sie hauptamtlich den Kloster-, Restaurant- und Kulturbetrieb mit Konzerten, Gottesdiensten und Tagungen aufrechterhalten. Roggenburg bleibt auch während der Sanierung ein beliebtes Zentrum für Bildungs-, Jugend-, Familien- und Sozialarbeit. Zur Anlage gehören Hotel, Restaurant, Kräutergarten, Klosterladen und weitere Einrichtungen.

Pater Gilbert Kraus, Provisor des Konvents, erklärt uns die Situation: "Wir sind ja erst 1982 mit 14 Patres hierher gezogen. Der alte Grundbesitz des Klosters wurde bereits bei der Säkularisierung vor rund 180 Jahren veräußert; deshalb gehört der Wald heute nicht zum Kloster."

Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 
Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Im August 2009 konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) den Konvent mit einem Fördervertrag über 150.000 Euro unterstützen. Gemessen am Gesamtvolumen mag diese Summe gering erscheinen, doch das Kloster ist auf Zuwendungen in jeder Höhe angewiesen, weil es selbst 3,7 Millionen Euro aufbringen muss! Den Löwenanteil der Gesamtmaßnahme tragen zwar der Freistaat Bayern, das Bistum Augsburg, der Bezirk Schwaben, der Landkreis Neu-Ulm und die Gemeinde Roggenburg, doch auch ihren Eigenanteil können die Patres, die selbst sehr bescheiden leben, nur mit Hilfe vieler decken.

Ein Freundeskreis steht vor Ort tatkräftig zur Seite, wenn in den nächsten fünf Jahren die seit Jahrzehnten unterlassene Bauunterhaltung nachgeholt werden muss, obgleich erst durch die Patres 1982 neue Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Klosters und eine anspruchsvolle Gemeinde- und Kulturarbeit kam.

Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 
Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Roggenburg, Kloster © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Um die in diesem Jahr begonnenen Erhaltungs- und Reinigungsmaßnahmen des ersten Bauabschnitts im Kapitelsaal und im Sommerrefektorium in sinnvollen Einheiten zügig fortzusetzen, braucht das Kloster weiterhin Hilfe. Übrigens unterstützt die DSD in Bayern nicht nur die Prämonstratenser in Roggenburg, sondern auch die in Speinshart und die Zisterzienser in Waldsassen.

Angela Pfotenhauer

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