Menschen für Denkmale August 2009

10 Jahre Baudenkmal-Stiftung Hannover

Ins rechte Licht gerückt

Die beiden Schwestern Luise und Friederike sind wieder strahlend schön. Ihr idealisiertes Standbild steht passenderweise in einem Rasenrondell an Hannovers Hohenzollernstraße, am Rande der Eilenriede. Als Johann Gottfried Schadow 1795 seine berühmte Skulptur schuf, war Luise mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm aus dem Hause Hohenzollern verheiratet, Friederike mit seinem jüngeren Bruder Louis.

  
Alter und neuer Vorstand der Baudenkmal-Stiftung Raum Hannover vor der Prinzessinnengruppe: Jobst Tehnzen, Martina Wolff und Dr. Sid Auffarth (v. l.).

Die Prinzessinnengruppe in Hannover ist eine um die Hälfte vergrößerte Replik. Das Geschenk von Kaiser Wilhelm II. wurde am 19. Juli 1910, dem 100. Todestag seiner Urgroß­mutter Luise, feierlich enthüllt. Eine versöhnliche Geste, hatte Preußen doch Hannover 1866 annektiert. Das Denkmal steht aber auch für die Verbindung der beiden Königshäuser, denn die Schwestern kamen in Hannover zur Welt, und Friederike war in dritter Ehe mit dem Herzog von Cumberland verheiratet, der 1837 König von Hannover wurde.

Anders als Schadows marmorne Originalskulptur, die sich in der Alten Nationalgalerie Berlin befindet, war die Kopie in Hannover der Witterung ausgesetzt und musste 2005 restauriert werden. An den Kosten beteiligten sich viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die von der Baudenkmal-Stiftung Raum Hannover auf das Vorhaben aufmerksam gemacht worden waren. Zu den Spenderinnen gehört auch die Tochter des Dirigenten, dessen hannoverscher Männerchor "Laetitia" die Enthüllung des Prinzessinnendenkmals 1910 musikalisch begleitet hatte.

Seit nunmehr zehn Jahren rührt die Baudenkmal-Stiftung, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) treuhänderisch verwaltet wird, die Werbetrommel für die Erhaltung von Denkmalen in und um Hannover. "Wir helfen vor allem bei Objekten, die in der Region bekannt sind, denn die Menschen sind am ehesten bereit, sich für ein Bauwerk einzusetzen, wenn sie es vor ihrer Haustür haben", sagt Jobst Tehnzen, der zu Beginn dieses Jahres den Vorsitz der Baudenkmal-Stiftung aus Altersgründen niedergelegt hat. Seit 1998 war er als Ortskurator ehrenamtlich für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz tätig und hatte ein Jahr später gerne die Idee aufgegriffen, in Hannover die erste Stadtstiftung der DSD zu errichten. Mittlerweile gibt es diese Einrichtungen auch in Dresden, Krefeld und München.

Wertvolle mittelalterliche Malereien schmücken die Sigwardskirche in Wunstorf-Idensen. 
© T. Trapp
Wertvolle mittelalterliche Malereien schmücken die Sigwardskirche in Wunstorf-Idensen.

Für die hannoversche Stiftung konnte Jobst Tehnzen Denkmalpfleger des Landes, der Stadt Hannover und der umliegenden Kreise gewinnen. Gemeinsam wird über die Förderung eines Backhauses, eines Mausoleums, eines Grabmals, einer Kapelle oder eines Dorfgemeinschaftshauses beraten. "Die Beträge, die wir bereitstellen können, sind wegen des geringen Stiftungskapitals eher bescheiden. Die Eigentümer sind dennoch dankbar, denn sie fühlen sich durch unseren Beitrag in ihrem Vorhaben bestätigt. Außerdem gibt ihnen die Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Möglichkeit, sich an anderer Stelle um weitere Fördergelder zu bewerben", berichtet Dr. Sid Auffarth, der die Baudenkmal-Stiftung nun zusammen mit seiner Stellvertreterin Martina Wolff leitet.

Manchmal gewährt die Baudenkmal-Stiftung auch höhere Beträge: Für die Bewahrung der sehr wertvollen mittelalterlichen Malereien in der Sigwardskirche von Wunstorf-Idensen richtete sie 2003 ein Sonderkonto ein. Bischof Sigward von Minden hatte seine Grabkirche um 1125 bauen und mit prächtigen Malereien ausschmücken lassen. Die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus der Legende der heiligen Ursula sind in Norddeutschland wohl einmalig. Sie waren seit dem 17. Jahrhundert unter einer Kalkschicht verborgen und wurden erst in den 1930er Jahren freigelegt.

Die Malereien sind in der Sigwardskirche sehr gefährdet, da sie auf nassem Boden steht. Die Mittel aus dem Sonderkonto fließen in ein computergesteuertes Heizungs- und Belüftungssys­tem, das den Kirchenmauern die Feuchtigkeit entzieht, und außerdem in ein sogenanntes Monitoring, bei dem der Zustand der Malereien zweimal im Jahr kontrolliert wird.

Ein weiteres Projekt, um das sich die Baudenkmal-Stiftung seit einigen Jahren verstärkt kümmert, ist der Alte Nikolai-Friedhof in Hannover, der im 13. Jahrhundert für die Bewohner des Nikolaistifts - es diente damals als Krankenhaus für Aussätzige - außerhalb der Stadtmauern angelegt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden die letzten Beerdigungen statt, danach wurde der Friedhof um 1900 zu einem Park umgestaltet.

Das von Otto Lüer 1901 geschaffene Grabmal für den Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty auf dem Alten Nikolai-Friedhof. 
© R. Rossner
Das von Otto Lüer 1901 geschaffene Grabmal für den Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty auf dem Alten Nikolai-Friedhof.

Von den 647 Grabsteinen blieben nach einem verheerenden Bombardement auf Hannover im Zweiten Weltkrieg und der Umgestaltung des Geländes im Jahr 1953 zugunsten einer neuen Verkehrsführung nur 278 übrig. Das Kirchenschiff der 1284 erstmals erwähnten Nikolaikirche - seit 1943 eine Ruine - wurde zur Hälfte abgerissen, obwohl sie zu den ältesten Bau­werken Hannovers zählt.

Die Baudenkmal-Stiftung half zunächst bei der Restaurierung des Grabmals für den Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-76), dem wir das von Mozart vertonte Gedicht "Der alte Landmann an seinen Sohn" mit der bekannten Zeile "Üb' immer Treu und Redlichkeit bis an Dein kühles Grab" verdanken. Die Stiftung hat sich auch an der Restaurierung weiterer Grabdenkmäler beteiligt, die durch Umwelteinflüsse und leider auch durch Vandalismus beschädigt wurden. Sie möchte sich weiterhin auf dem Nikolai-Friedhof engagieren und bittet Sie daher, liebe Leserin und lieber Leser: Helfen Sie mit, dieses für Hannover so wichtige Areal, das in den letzten Jahrzehnten durch den tosenden Verkehr ein wenig an den Rand der Wahrnehmung gerückt ist, wieder in den ihm gebührenden Mittelpunkt des Interesses zu stellen.

Carola Nathan