Kleine und große Kirchen Februar 2009

Rothenburgs Hauptkirche wird restauriert

St. Jakob steht auf

Es ist ein ambitioniertes Projekt: Saniert und "wieder standfest" soll St. Jakob mitten im malerischen Rothenburg ob der Tauber 2011 seine 700-Jahr-Feier begehen. Die punktgenaue Landung zum Jubiläumsjahr wurde beim Sanierungsbeginn 2005 beschlossen. Jeder, der in der Baubranche tätig ist, weiß: Zeitpläne sind eine heikle Angelegenheit.

Hoch über dem Häusergewirr von Rothenburg ragt die Kirche St. Jakob heraus. Sie gibt Pilgern Orientierung, denn sie liegt auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. 
© Willi Pfitzinger
Hoch über dem Häusergewirr von Rothenburg ragt die Kirche St. Jakob heraus. Sie gibt Pilgern Orientierung, denn sie liegt auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Vor allem, wenn es sich um ein Gebäude wie die Jakobs-Kirche handelt. Sie ist eine der großen fränkischen Bürgerkirchen und das Wahrzeichen der ehemals Freien Reichsstadt Rothenburg. Der Baubeginn für die Kirche in heutiger Gestalt war 1311, 1484 wurde sie geweiht. Berühmt ist sie neben ihrer spätgotischen Baukunst auch durch ihre Ausstattung, darunter der einzigartige Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider.

"700 Jahre haben Spuren hinterlassen. Wir sichern den Schatz für die Zukunft" lautet der Slogan des kreativen Projektteams "Jakob steht auf. 2011". Die Initiative unterstützt die Kirchengemeinde bei der Einwerbung der über 900.000 Euro, die als Eigenmittel aufgebracht werden müssen. "Gotische Kirchen", erläutert sie, "sind besondere Bauwerke. St. Jakob war innovativ in der Bautechnik. Material wurde nur dort verbaut, wo es statisch erforderlich war." Deshalb reagiere das Kirchengebäude ungemein empfindlich auf Störungen des Gleichgewichts. Und die waren trotz sorgfältiger Pflege - die Kirche gehörte Mitte des 19. Jahrhunderts zu den frühesten großen Denkmalpflegeprojekten in Franken - über die Jahrhunderte immer gravierender geworden. Nirgendwo wird das deutlicher als an den Strebebögen, unersetzliches Korsett aller gotischen Kirchen.

In der eigenen Steinmetzwerkstatt der Bauhütte – hier Steinmetzmeister Jérôme Zahn bei der Arbeit – werden unter anderem Maßwerkstücke angefertigt. 
© Achim Bunz
In der eigenen Steinmetzwerkstatt der Bauhütte – hier Steinmetzmeister Jérôme Zahn bei der Arbeit – werden unter anderem Maßwerkstücke angefertigt.

Im Mittelalter brachte der 1311 bewilligte Ablasshandel einen großen Teil des Geldes zur Erbauung der Kirche. Der kann heute naturgemäß keine Finanzierung mehr tragen, die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Rothenburg muss - neben Privatspendern - andere Quellen auftun, um die insgesamt berechneten 5,4 Millionen Euro zusammenzubringen. Sie suchte und fand verschiedene Förderer: Bund, Land und Bezirk, den Landkreis Ansbach, die Stadt Rothenburg, die Landeskirche, die Stiftung "KiBa", die Bayerische Landesstiftung und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). Allein der Bauabschnitt III schlägt mit 1.257.000 Euro zu Buche. Die DSD unterstützt dabei, dank der GlücksSpirale, mit 32.000 Euro die Instandsetzung des Ostchores.

Die Sanierung ist exakt im Zeitplan. Nur die Einrüstung des Südturmes musste im letzten Oktober um 14 Tage verschoben werden: Es waren schlicht keine Gerüste mehr auf dem Markt verfügbar, damit hatte man nicht gerechnet. Aber solange dies das einzige Problem bleibt, ist man in Rothenburg überzeugt: 2011 wird aus dem Slogan "Jakob steht auf" ein erleichtertes "Jakob steht sicher".

Beatrice Härig

Weitere Infos im WWW:

www.jakob-steht-auf.de