Schlösser und Burgen

Schloss Schötmar braucht Ihre Zuwendung

Mit wenig Liebe bedacht

Wenn die Äste der Stammbäume veröden und die Erbfolge unklar wird, leidet schnell auch der Sitz eines Adelsgeschlechts. Das Rittergut Schötmar in Bad Salzuflen ist eine solche "Familien-Wiege", die im Laufe der Geschichte mehr Aufs und Abs miterleben musste, als ihr guttaten. Immer mal wieder gab es unter den von Donops und Stietencrons tüchtige Männer und Frauen, die den Besitz der Familie vergrößerten.

Eingebettet in einen großzügigen Park liegt Schloss Schötmar. 
© ML Preiss
Eingebettet in einen großzügigen Park liegt Schloss Schötmar.

Aber leider lassen sich auch die mageren Jahre am Schloss Schötmar ablesen, denn neben den tüchtigen gab es - wie dies in der Realität eben ist - zwischenzeitlich weniger zielstrebige Erben. Die sporadische Zuwendung konnte man bislang ganz gut überdecken, denn die jeweiligen Eigentümer behoben zumindest die gröbsten Schäden. Aber irgendwann rächt es sich, wenn die kontinuierliche Pflege fehlt.


Mittlerweile liegt die große Aufgabe bei der Stadt Bad Salzuflen, die das Schloss kurz nach der Währungsreform ankaufte, sich damit aber übernahm und in Schwierigkeiten geriet. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde es notdürftig renoviert und muss jetzt unbedingt grundlegend saniert werden, weil das Dach und besonders die Fenster undicht und manche Grundmauern feucht sind.
Schließlich besuchen jede Woche 650 Schüler die Musikschule im Schloss Schötmar, um sich in klassischer oder in Pop-Musik unterrichten zu lassen. Die Musikschule ist ein echtes "Highlight" und beliebt bei jungen Menschen - Kleinkindern ab zwei Jahren, die am "Musikgarten" teilnehmen und mit ihren Eltern Lieder singen, Vorschülern, die in einer Grundausbildung erste Erfahrungen mit Instrumenten machen, und Jugendlichen, die sich in den schallgeschützten Kellern musikalisch am Schlagzeug und an der E-Gitarre austoben können, ohne ihre Nachbarn zu stören.

Am Balkon und an Türen und Fenstern muss dringend etwas getan werden. 
© ML Preiss
Am Balkon und an Türen und Fenstern muss dringend etwas getan werden.

Beinahe hätte die Stadt schon kapituliert und das Schloss veräußert - und damit einen Treffpunkt für Jung und Alt verloren, in dem nicht nur geübt wird, sondern auch Konzerte und Dichterlesungen stattfinden. Mit der Verlegung der städtischen Musikschule in die Räume des ehemaligen Familienbesitzes von Stietencron wurde das Schloss 1983/84 zum Zentrum eines Stadtteils, in dem das kulturelle Leben verkümmert war.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich entschlossen, der Stadt bei der Restaurierung unter die Arme zu greifen und möchte nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal aus dem Barock retten, sondern gleichzeitig eine wunderschöne, stilvolle Bildungseinrichtung bewahren.

Niemand, der durch Schötmar kommt, kann an dem breit gelagerten stolzen Herrenhaus vorbeisehen. Im Material passt es sich zwar der Umgebung an, aber seine enorme Größe sprengt den örtlichen Maßstab. Zu verdanken ist das Schloss August Moritz Abel Plato von Donop (1694-1762) und seinem überbordenden Selbstbewusstsein. Obwohl sich der Obrist nur selten in Schötmar aufhielt, beschloss er 1729, sein väterliches Rittergut durch ein neues Herrenhaus zu erweitern.

Risse durchziehen die Säulen am Eingang von Schloss Schötmar. 
© ML Preiss
Risse durchziehen die Säulen am Eingang von Schloss Schötmar.

Bis dahin waren sowohl Rittergut als auch Adelsgeschlecht von eher regionaler Bedeutung gewesen. Doch nun trumpfte August Moritz auf. Der Weitgereiste beherrschte viele Sprachen und reüssierte auf dem diplomatischen Parkett. 1740 wurde er vom schwedischen König als bevollmächtigter Minister nach London gesandt. Von Donop verhandelte mit den Mächtigen seiner Zeit. Als dem Schloss in Schötmar, dessen Architekt leider nicht bekannt ist, 1758/59 noch der letzte Schliff mit Kaminen, Supraporten und Wandtäfelungen gegeben wurde, diente Moritz August Friedrich dem Großen. Dies sei erwähnt, denn sonst könnte man die Gemälde im eleganten Rokokosaal für Hochstapelei eines provinziellen Gutsbesitzers halten. Dort sind Friedrich der Große und Prinz Heinrich von Preußen nahezu in Lebensgröße verewigt und belegen die Weltläufigkeit des Hausherrn. Die Ausstattung gehört im Übrigen zum Schönsten, das in der ­Region zur Zeit des Rokoko geschaffen wurde. Moritz August hatte den Ruf, eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit offenem, geradem und zugleich gefälligem Wesen zu sein, der die Früchte seines arbeitsreichen Lebens in Schötmar leider kaum genießen konnte. In Westfalen versuchte er 1762 neue Kräfte zu sammeln, aber bereits am 3. November des Jahres starb er in Rinteln.

Trotz des wertvollen Mobiliars, vieler Kleinodien und Kunstgegenstände hinterließ von Donop unerwarteterweise reichlich Schulden, die unter seinen Nachfolgern - als Universalerben setzte er aufgrund zweier kinderloser Ehen seinen Neffen ein - erhebliche Unruhe auslöste. Damit endete schon die Zeit des Aufbaus. Eher dem weiblichen Geschlecht als der Baukunst zugetan war Carl Aemil von Donop (1732-77). Als 31-Jähriger heiratete er die 24 Jahre ältere kinderlose Witwe Marie Salome Firnhaber, von der man sagte, sie sei "zwei Tonnen Goldes" wert. Während die Gemahlin nach Schötmar aufs Land zog, blieb der Obrist in Kassel und führte dort ein ausschweifendes und kostspieliges Leben. Das hatte nachhaltigen Einfluss auf seinen Besitz: Marie Salome focht nach seinem Tod das Testament an, weil darin vier außereheliche Kinder ihres Mannes mit hohen Geldbeträgen bedacht wurden. Darüber hinaus hatte auch er Schulden angehäuft. Die höfische Pracht im Hause - gedacht für viele Generationen - konnte die Familie nur noch bis 1791 halten. Zunächst musste sie ihr Vermögen an den Kriegsrat und Landgerichtsassessor von Halem abtreten, dann 1816 an den Hauptmann August Schmidt und schließlich 1831 an Johann von Stietencron. Er erwarb das Gut Schötmar als Achtzigjähriger und veränderte es dennoch für sich und seine Gemahlin Elisabeth, wie zwei Familienwappen im Oberlicht einer Eingangstür zum unteren Saal vermuten lassen.

In den Mauern steigt Feuchtigkeit hoch. 
© ML Preiss
In den Mauern steigt Feuchtigkeit hoch.

Als 24-Jähriger trat der jüngste Sohn, der gleichfalls Johann hieß, das Erbe in Schötmar an. Er stand mit Otto von Bismarck im Briefwechsel. Der bezeichnete seinen Göttinger Studienkollegen als "tapfer in seiner Husarenart" und als den eigentlichen Beherrscher des Fürstentums Lippe - ein Affront gegen den tatsächlichen Landesherrn. Der konservative, beinharte Johann, auch Iwan genannt, sorgte dafür, dass der Ort Schötmar vergrößert wurde und sich weiterentwickeln konnte. Noch aktiver agierte sein ältester Sohn und Erbe, der ganz offiziell Iwan von Stietencron (1844-97) hieß. Er verstarb früh. Für die Baukunst bedeutsam wurde daher seine Witwe Margarethe, geborene von Lengerke. Sie bewirtschaftete das Gut für ihren minderjährigen Sohn Iwan III. und modernisierte es ab 1909 im neoklassi­zistischen Stil, ließ eine schmucke Veranda anbauen und im Mitteltrakt eine neue Empfangshalle mit Treppenhaus errichten. Einen ganz anderen, herrschaftlicheren Charakter verlieh Margarethe dem Außenbau mit einem von vier Säulen getragenen Auffahrtsbalkon - alles von derart guter Qualität, dass die Denkmalpfleger das Schloss genau in der Form, wie es sich noch heute präsentiert, für schützenswert erachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging auch die Ära der von Stietencrons zu Ende.

Noch musizieren Jugendliche in der Musikschule. Ein Raum musste bereits wegen des Schimmels geschlossen werden. 
© Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Noch musizieren Jugendliche in der Musikschule. Ein Raum musste bereits wegen des Schimmels geschlossen werden.

Zusammen mit dem weitläufigen Garten wurde es 1949 an die Stadt Bad Salzuflen verkauft, in einer Zeit, in der größere Reparaturen nötig waren, die aufgrund des Krieges nicht ausgeführt worden waren. Damals kam es dem Rat der Stadt hauptsächlich darauf an, den Einwohnern mit den hübschen Parkanlagen einen Hort der Ruhe und der Entspannung zu bieten. Sie planten einen Volkspark und mussten das Schlossgebäude als "Beigabe" mit übernehmen.

Seither diente es verschiedenen Herren und Zwecken, erfüllte die Wünsche der Mieter aber niemals ganz. Richtig geliebt wird das Schloss erst, seit 1984 die Musikschule einzog. Plötzlich erinnern sich sogar manche Eltern, die ihre Kinder zum Unterricht fahren, dass sie im Schloss geboren wurden. Vom September 1954 bis Oktober 1956 hatte man die Entbindungsstation des Kreiskrankenhauses ins Schloss ausgelagert. Damals mietete der Kreis Lemgo das Gut für 300 Mark im Monat!

So günstig gibt es nichts mehr, aber das erwartet auch niemand. Der Stadt ist klar, dass die Sanierung ihres Schlosses teuer, aber unumgänglich ist. Ein Übungsraum unter der Auffahrt, der besonders feucht war, musste bereits wegen gesundheitsschädlichen Schimmels geschlossen werden. Dies wird hoffentlich die letzte alarmierende Meldung und die letzte traurige Tat auf Schloss Schötmar sein!

Dr. Christiane Schillig

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1 Kommentare

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    Wolfgang Seeck schrieb am 01.05.2020 10:09 Uhr

    Ich habe den Bericht über das Schloß sehr aufmerksahm gelesen, es war für mich seh interresant die Geschicht zu erfahren.
    Habe ich in meiner Jugend doch einge Ferien dort bei meiner Großmutter verbracht, sie hatte im 1. Stock nach dem Treppenaufgang links eine kleine Wohnung als Flüchtlig aus Ostpreußen zugewiesen bekommen, rechs wohnte die Frau von Stietencron.
    Ein Sohn von meiner Großmutter der den Krieg überlebt hat Jochen Seeck hat Marlis Breder geheiratet.
    Ich habe meine Großmutter in den Schulferien besucht und mit meinen Cousienen im Schloß gespilt bei schonem Wetter auch natürlich im Park.
    Ja das ganze ist jetzt ca. 60 Jahre her, ich binn in größeren Abständen immer mal wieder in Schötmar gewesn, musste leider feststellen das die Brederische Fabrick verschweunden ist. Das Schloß schon sehr lange in einem schlechten Zustand, ich habe immer mal versucht in das Schloß zu kommen um zu sehen was seit meiner Kindheit verändert hat, leider hatte ich keinen Erfolg.
    Aber für mich schön zu lesen das eine Sanierung geplant ist.
    Das Schloß ghöhrt einfach zu Schötmar.

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