Kleine und große Kirchen

Hamburgs Hauptkirche St. Katharinen

Klug, mutig und schön

Dass sich Seeräubergeschichten um die Katharinenkirche ranken, ist bei ihrer Lage an der Hamburger Hafenkante kein Wunder. Die vergoldete Krone, die den Turm ziert, soll aus dem Schatz des Klaus Störtebeker gefertigt worden sein. Den trinkfesten Vitalienbruder hat man nämlich 1401 in der Hansestadt enthauptet.

Backstein-Gesellschaft: Durch ihre Lage am Zollkanal gegenüber der Speicherstadt und der neu entstehenden Hafencity sieht St. Katharinen einer lebendigen Zukunft entgegen. 
© Thomas Hampel / Ebbe & Flut, Hamburg
Backstein-Gesellschaft: Durch ihre Lage am Zollkanal gegenüber der Speicherstadt und der neu entstehenden Hafencity sieht St. Katharinen einer lebendigen Zukunft entgegen.

Soweit die Legende. In Wirklichkeit verweist die Krone auf das Martyrium der heiligen Katharina von Alexandrien. Das ihrem Schutz unterstellte Gotteshaus wurde Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet, als sich auf den eingedeichten Marschinseln Cremon und Grimm Bierbrauer, Böttcher und Schiffsbauer niederließen. St. Katharinen ist damit die drittälteste der fünf Hamburger Hauptkirchen.


Das heutige Kirchenschiff entstand im 14. und 15. Jahrhundert. Nachdem der Turm bei einem schweren Sturm zerstört worden war, schuf der Zimmermeister Peter Marquart aus Plauen 1656/57 den prächtigen frühbarocken Turmhelm aus Kupfer. Im 18. Jahrhundert wurde durch Johann Nikolaus Kuhn auch die Turmfassade erneuert und erhielt ihre barocke Pilasterordnung. Als man in den 1880er Jahren mit dem Bau der Speicherstadt begann, um den Hamburger "Pfeffersäcken" zollfreien Handel im Freihafen zu ermöglichen, ging mit dem abgerissenen Kehrwiederviertel auch ein Teil des Katharinenkirchspiels verloren.

Die Kriegsschäden sitzen der Kirche noch tief in den Mauern. Auch die reiche Ausstattung ging verloren. 
© Thomas Hampel / Ebbe & Flut, Hamburg
Die Kriegsschäden sitzen der Kirche noch tief in den Mauern. Auch die reiche Ausstattung ging verloren.

Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer getroffen: Lediglich der Turmstumpf, die Mauern und Pfeiler hielten den Bomben stand. Die reiche Ausstattung war fast vollständig zerstört, darunter auch die historische Orgel, auf der schon Johann Sebastian Bach gespielt hatte. Ab 1950 wurde St. Katharinen instand gesetzt und konnte 1956 wieder eingeweiht werden. Auch wenn viele Bauteile neueren Datums sind, gelten die Mauern des Turmschaftes als die ältesten, die in Hamburg noch stehen. Die Kriegseinwirkungen sitzen der Kirche bis heute tief in den Mauern. Sie sind stellenweise völlig zerrüttet, ungeeignete Materialien und der ohnehin schlechte Baugrund tun ein Übriges: Das Denkmal ist ein Sorgenkind. Zu seiner Rettung müssen Teile des Mauerwerks und sogar ganze Strebepfeiler erneuert werden. Nachdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2002 bereits 58.000 Euro zur Verfügung gestellt hatte, beteiligt sie sich in diesem Jahr nochmals mit 75.000 Euro an den Sicherungsmaßnahmen und greift damit zusammen mit dem Land, dem Bund und der Reemtsma-Stiftung der fleißig Spenden sammelnden Kirchengemeinde unter die Arme.

Schließlich soll die Kirche ihrer Patronin würdig sein. Klug, mutig und schön - diese Eigenschaften der heiligen Katharina hat sich die evangelische Pfarrgemeinde auf ihre Fahnen geschrieben. Durch die neu entstehende Hafencity bekommt sie sogar ihr angestammtes Gemeindegebiet zurück. St. Katharinen, gleichzeitig Universitätskirche, ist ein offenes Gotteshaus. Man ist hier auch den Künsten und der Wissenschaft zugetan: Neben Gottesdiensten und Andachten finden regelmäßig Konzerte, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen statt. Der Standort am Tor zur Welt ist eben Programm.

Dr. Bettina Vaupel