Landschaften, Parks und Friedhöfe

Der Ginkgo-Baum und die Kirche von Harbke

Goethe machte ihn unsterblich

Alt geworden sind beide: der Ginkgo-Baum im Harbker Schlosspark und die kleine Kirche St. Levin in unmittelbarer Nähe. Johann Wolfgang von Goethe sah die zwei in besserem Zustand, als er vor 200 Jahren das Schloss der Familie von Veltheim rund 50 Kilometer westlich von Magdeburg besuchte.

Die Mittel der Gemeinschaftsstiftung sollen auch für den Gottesacker in Herrnhut eingesetzt werden.  
© R. Rossner
Die Mittel der Gemeinschaftsstiftung sollen auch für den Gottesacker in Herrnhut eingesetzt werden.

Die großangelegte Pflanzenzucht mit vielen exotischen Baumarten - einer der frühesten Parks nach englischem Vorbild - hatte es dem Dichter angetan. Der botanisch Interessierte schaute sich 1805 den aufsehenerregenden, noch jungen Ginkgo-Baum an und lernte so auch die damalige Schlosskirche kennen.


Im Laufe der Zeit hatte der Ginkgo es leichter als das Gotteshaus. Als einer der ältesten Deutschlands erfreute er sich einer dauerhaften Pflege, zusätzlich geadelt durch den Besuch Goethes, dessen Liebesgedicht "Ginkgo biloba" alle Bäume dieser Art aus der Menge heraushob und für sie Unsterblichkeit einforderte.

Das auf eine mittelalterliche Burg zurückgehende, vierflügelige Schloss Harbke hatte ein wechselvolleres Schicksal: Es brannte aus, wurde wiedererrichtet, schließlich im Zweiten Weltkrieg beschädigt und später heruntergewirtschaftet, bis es in sich zusammenfiel. Die dazugehörende Saalkirche etwas abseits davon, ein verputzter Rechteckbau aus dem Jahr 1572, der 1719 durch die geschweifte charakteristische Haube verschönert worden war, überlebte indes die Kriege und die DDR-Jahre.

Das Kircheninnere wurde in den vergangenen Jahren restauriert. Weitere Arbeiten stehen noch an.  
© R. Rossner
Das Kircheninnere wurde in den vergangenen Jahren restauriert. Weitere Arbeiten stehen noch an.

Nach der Wende wurde die inzwischen vom Schwamm befallene, feuchte Kirche notgesichert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich seit 2003 mit bislang rund 172.000 Euro gemeinsam mit der KiBa (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler), dem Kirchenkreis, dem Land und der Lotto- Toto GmbH Sachsen-Anhalt an der großen Aufgabe, die Schlosskirche für die Zukunft zu retten und von Grund auf zu sanieren. Inzwischen sind Dachstuhl und Decke des Kirchenschiffs wieder intakt und die Wände außen und innen ausgetrocknet. Im Inneren gibt es noch manche Feinarbeit an der Renaissance-Ausstattung mit der bemalten Empore und an der stuckbesetzten Holzbalkendecke zu tun. Auch Arbeiten an der Fassade stehen noch an. Besonders am Herzen lag der Gemeinde die 1622 und 1727-29 entstandene Fritzsche-Treutmann-Orgel, eine der ältesten im Lande. Der Abschluss ihrer Restaurierung konnte im Mai 2008 in einem Festgottesdienst mit Bischof Axel Noack und einem anschließenden Konzert gefeiert werden.

Inzwischen wieder bespielbar ist die Fritzsche-Treutmann-Orgel. 
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Inzwischen wieder bespielbar ist die Fritzsche-Treutmann-Orgel.

Rege blieb das Gemeindeleben glücklicherweise trotz der Bauarbeiten. Es finden wieder Gottesdienste statt, und die Kirche ist für Orgelkonzerte und Kulturveranstaltungen geöffnet. Ein glücklicher Zeitpunkt für das Denkmal, denn der von Goethe so geschätzte, in Vergessenheit geratene Harbker Schlosspark wird inzwischen von Vielen besucht: 2006 nahm man ihn in den Kreis der schönsten Anlagen Sachsen-Anhalts auf, und er gehört nun zu den "Gartenträumen" des Landes. In historischen Führungen wird die Vergangenheit dieses Fleckchens noch einmal anschaulich gemacht. Vom "Gartentraum-Renommee" profitieren auch die zwei Einträchtigen am Rande des Schlossparks: die Kirche St. Levin und der Ginkgo-Baum.

Dr. Christiane Schillig

Kopfgrafik - Bild links: Detail eines frühneuzeitlichen Epitaphs im Kircheninneren

Weitere Infos im WWW:

www.gartentraeume-sachsen-anhalt.de