Schlösser und Burgen

Schloss Frohburg lockt mit Kulturprogramm

Pennäler Anno 1900

Eine kerzengerade Haltung und saubere Fingernägel sind nicht von Nachteil, wenn auf Schloss Frohburg die Zeit zurückgedreht wird und man sich plötzlich mit Schiefertafel, Griffel und Schwamm in einer Schulstunde um 1900 wiederfindet. Den Rohrstock brauchen aber weder Kinder noch Erwachsene ernsthaft zu fürchten.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Instandsetzung des neobarocken Altans.  
© ML Preiss
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Instandsetzung des neobarocken Altans.

Die amüsante Reise in die Vergangenheit ist nur eines von vielen kulturellen und museumspädagogischen Angeboten, die zum Besuch der stattlichen Vierflügelanlage einladen. Die sächsische Kleinstadt Frohburg setzt alles daran, ihr wertvollstes Bauwerk nicht nur zu erhalten, sondern als Begegnungszentrum in der Region zu etablieren.


Das heutige Schloss entstand im 16. Jahrhundert unter Verwendung dreier romanischer Turmbauten aus dem 13. Jahrhundert und wurde mehrfach stilistisch verändert. So erhielt im Barock der Westflügel ein repräsentatives Treppenhaus. Um 1800 ließ Baron Ernst von Blümner das Innere klassizistisch umgestalten. Leider sind nur zwei dieser allegorischen Zimmerdekorationen erhalten geblieben: der Steinsaal mit dem monumentalen Fresko des Dresdner Landschaftsmalers Carl Ludwig Kaaz und der Bildersaal mit seiner illusionistisch gemalten Rosettendecke. Letzterer dient heute als Trauzimmer.

Bis 1945 war Frohburg das Zentrum eines großen Rittergutes, dann ging das Schloss in den Besitz der Stadt über. Seit den 1970er Jahren befindet sich das städtische Museum in einem Teil der Räume. Gezeigt werden hier 800 Werke des sächsischen Kunstkeramikers Kurt Feuerriegel (1880-1961) sowie historisches Spielzeug und Möbel.

Als es zu Beginn der 1990er Jahre nicht gelang, den baufälligen Komplex mit seinen größtenteils ungenutzten Bereichen zu verkaufen, beschloss die Stadt, die Sanierung - wenn auch in kleinen Schritten - selbst anzugehen. An der Neueindeckung der Dächer beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 1998 mit über 50.000 Euro. 2006 konnte man sich den Fassaden widmen. Dabei wurde auch ein Makel behoben, der das Gesamtbild des Schlosses schon lange gestört hatte: Der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Südfassade angebaute Altan drohte einzustürzen. Das Preußische Kappengewölbe ruhte nicht mehr sicher auf den korrodierten Eisenträgern, und die Pfeiler aus Rochlitzer Porphyrtuff wiesen starke Oberflächenschäden auf. Die Balustrade des Balkons war bis auf einen kläglichen Rest verloren.

Frohburgs ganzer Stolz: Das oberhalb des Flüsschens Wyhra gelegene Schloss wird in kleinen Schritten saniert.  
© ML Preiss
Frohburgs ganzer Stolz: Das oberhalb des Flüsschens Wyhra gelegene Schloss wird in kleinen Schritten saniert.

Mittlerweile bietet die Südfassade wieder einen einladenden Anblick. Die Instandsetzung des Altans hat die DSD ebenfalls mit 17.500 Euro gefördert. Die neobarocke Zutat ist so etwas wie die Visitenkarte - immerhin befindet sie sich neben der Durchfahrt zum Schlosshof. Und diese wird rege genutzt: Inzwischen sind auch die Bibliothek und das historische Archiv der Stadt, eine Außenstelle der Musik- und Kunstschule "Ottmar Gerster" des Landkreises Leipziger Land, der Heimatverein und ein Schlosscafé eingezogen. Einzelne Räume können zudem für private Feierlichkeiten genutzt werden. Auch wenn die Finanzierung der noch ausstehenden Maßnahmen nicht einfach werden wird, hat die Stadt Frohburg ihr hochgestecktes Ziel erreicht, das Schloss zu einer Attraktion für die Kommune und den Fremdenverkehr im Kohrener Land zu machen.

Dr. Bettina Vaupel

Weitere Infos im WWW:

www.schloss-frohburg.de

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Die neue Lust am Bungalow 08.11.2012 Bungalows Die Leichtigkeit des Steins

    Die Leichtigkeit des Steins

    Fast 17 Millionen Dollar. Das ist auch für das Auktionshaus Christie's keine alltägliche Summe. Bei 16,8 Millionen Dollar ist im Mai bei einer Auktion in New York für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst der Zuschlag erfolgt, und zwar für - und das ist ebenso ungewöhnlich - ein Bauwerk. Nicht einmal ein besonders großes.

  • Von Seekisten und Seeleuten 08.11.2012 Seekisten Was auf der hohen Kante lag

    Was auf der hohen Kante lag

    In den alten Zeiten der Frachtsegler musste die gesamte Habe des Seemanns in eine hölzerne Kiste passen. Manchmal liebevoll bemalt, war sie das einzige persönliche Stück, das ihn auf seinen Reisen über die Weltmeere begleitete.

  • Mittelalterliche Wandmalereien in Behrenhoff 16.01.2018 Die Hölle Vorpommerns Die Hölle Vorpommerns

    Die Hölle Vorpommerns

    In der Dorfkirche von Behrenhoff haben sich eindrucksvolle Darstellungen des Fegefeuers erhalten.

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

 
 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2015 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn