Menschen für Denkmale

Brandenburger Bürger retten ihre Denkmale

Frühling für das "Herbst-Haus"

Die Tatsache, dass das Bürgerengagement für den Denkmalschutz in Ostdeutschland in den letzten Jahren stark zugenommen hat und dort immer mehr Menschen Geld für gefährdete Bauten ihrer Region geben, hatte die Verantwortlichen auf die Idee gebracht: In Brandenburg wurde gerade die Aktion "Bürger retten ihre Denkmale" aus der Taufe gehoben. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) betreut das Projekt gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen" des Landes Brandenburg.

Die Wusterhausener haben das 1764 erbaute Herbst’sche Haus zu "ihrem" Denkmal gemacht. Nun soll die Fassade auf die spätbarocke Struktur zurückgeführt werden.  
© Roland Rossner
Die Wusterhausener haben das 1764 erbaute Herbst’sche Haus zu "ihrem" Denkmal gemacht. Nun soll die Fassade auf die spätbarocke Struktur zurückgeführt werden.

In Kommunen, die diesem Verbund angehören, werden Spenden für ausgewählte sanierungsbedürftige Denkmale gesammelt - Paten leisten dabei wertvolle Unterstützung. Viele kleine Städte und Gemeinden sind mit ihrem Eigenanteil überfordert und auf Mithilfe angewiesen. Und den Bürgern fällt es naturgemäß leichter, sich für ein Denkmal in der eigenen Stadt einzusetzen, wo man den Fortgang der Maßnahmen Tag für Tag miterleben kann.

Den Auftakt macht das Herbst'sche Haus in Wusterhausen/Dosse. An diesem Denkmal kommt hier niemand vorbei: Das stattliche Fachwerkgebäude mit dem hohen Mansarddach befindet sich inmitten der Altstadt am Markt. Dass der prominente Bau gegenüber dem Rathaus leersteht - das Heimatmuseum musste zwischenzeitlich ausziehen -, schmerzt die Einheimischen und bleibt auch den Besuchern nicht verborgen. Zudem ist es das einzige barocke Hofensemble, das sich aus der Wiederaufbauzeit nach dem Stadtbrand von 1758 erhalten hat. Das Wohn- und Geschäftshaus, benannt nach der Kaufmannsfamilie Herbst, diente bis 1887 auch als Posthalterstation.

Der Hof kann im Sommer für Veranstaltungen genutzt werden.  
© Roland Rossner
Der Hof kann im Sommer für Veranstaltungen genutzt werden.

"Ohne Markt 3 fehlt uns was!" ist die Parole für ein Nutzungs- und Sanierungskonzept, hinter dem die Bürger voll und ganz stehen. Der Kulturverein Wusterhausen setzt sich seit 2000 für den Erhalt des Denkmals als Kulturzentrum ein. Das Erdgeschoss soll die städtische Bibliothek sowie einen Veranstaltungsraum aufnehmen, das Obergeschoss und die Hofgebäude werden dem Heimatmuseum zur Verfügung stehen. Auf dem Hof können Feste, Theater- oder Musikaufführungen stattfinden.

Die Spendenfreudigkeit der Wusterhausener ist bemerkenswert: In der Region wurden bislang 9.000 Euro gesammelt. Die DSD gibt 15.000 Euro dazu, so dass die Arbeiten bald beginnen können. Damit sind die veranschlagten Kosten allerdings noch lange nicht gedeckt. Im Juni 2008 feiert das Städtchen im Ruppiner Land 775-jähriges Bestehen - man hofft, dass am Herbst'schen Haus dann schon die Gerüste stehen.

Als nächstes sollen die Malzhausbastei in Peitz und die Schlosskirche in Altlandsberg von der Aktion "Bürger retten ihre Denkmale" profitieren. Natürlich dürfen sich nicht nur Brandenburger beteiligen - Spenden sind auch aus anderen Regionen willkommen.

Dr. Bettina Vaupel

Kopfgrafik - linkes Bild: Ein Detail der originalen Tür

Weitere Infos im WWW:

www.ag-historische-stadtkerne.de