Wohnhäuser und Siedlungen Städte und Ensembles Jugendstil / Art Déco Historismus Herrscher, Künstler, Architekten Technik Februar 2006

Essen und die Krupps

Spur einer Industriellenfamilie

Der Chronometer im Portierzimmer der Villa Hügel zeigt neun Uhr. Sofort wird diese Zeit allen Morsestationen der Kruppschen Gussstahlfabrik telegrafiert. Eigens damit betraute Angestellte überprüfen daraufhin die Turm-, Büro- und Werkstattuhren und korrigieren, wenn nötig, die Zeiger. Denn Alfred Krupp hatte feststellen müssen, dass die Uhren seines Werkes eine "grauenhafte Differenz" aufwiesen.

Alfred Krupp ließ die pompöse Villa Hügel für seine Familie erbauen  
© Florin Laubenthal
Alfred Krupp ließ die pompöse Villa Hügel für seine Familie erbauen

Am 14. Dezember 1872 macht er daher seine Villa kurzerhand zur zentralen Messstation des Unternehmens. Er erwägt sogar, sämtliche Turmuhren Essens nach seinem Chronometer stellen zu lassen, damit die Arbeiter auch pünktlich zur Schicht erscheinen. Es lassen sich viele Episoden wie diese aus dem Leben Alfred Krupps erzählen, der aus der 1811 gegründeten Fabrik seines Vaters Friedrich einen Weltkonzern und die bis dahin eher unbedeutende Stadt Essen zum wirtschaftlichen Zentrum des Ruhrgebietes machte. Der das Angebot des Kaisers, geadelt zu werden, mit den Worten ablehnte: "Ich heiße Krupp, das genügt". Und der sieben Architekten "verbrauchte", um die Villa Hügel exakt nach seinen Plänen bauen zu lassen.


Die von Friedrich Krupp während der Kontinentalsperre Napoleons gegen England gegründete Fabrik "zum Zweck der Verfertigung des englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikate" im Zentrum Essens steht zunächst unter keinem guten Stern. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es Krupp zwar, 1816 endlich ein Verfahren für die fabrikmäßige Herstellung von qualitativ hochwertigem Tiegelgussstahl zu entwickeln. Doch er wird krank und kann die Mittel, die er in den Bau einer großen Werkshalle für acht Schmelzöfen und eines Aufseherhauses vor dem Essener Stadttor an der Chaussee nach Mülheim investiert hat, durch den Verkauf von Feilen, Münzstempeln oder Walzenrohlingen nicht wieder ausgleichen. Friedrich Krupp muss schließlich mit seiner Familie aus dem schönen Patrizierhaus am Flachsmarkt in das kleine Aufseherhaus auf dem Fabrikgelände umziehen.

Bertha, Alfred und Friedrich Alfred Krupp, um 1869  
© Historisches Archiv Krupp
Bertha, Alfred und Friedrich Alfred Krupp, um 1869

Als er dort 1826 stirbt, ist sein ältester Sohn erst vierzehn Jahre alt. Dass es Alfred dennoch gelingt, die Fabrik - zunächst zusammen mit seiner Mutter Theresia und seinen beiden jüngeren Brüdern Hermann und Friedrich - aus den roten Zahlen zu bringen, hängt nicht zuletzt mit den von ihm um 1850 entwickelten nahtlos geschmiedeten und gewalzten Radreifen für Eisenbahnen zusammen. Sie erweisen sich als bruchsicher und erlauben daher höhere Geschwindigkeiten. 1875 bestimmt Krupp drei übereinanderliegende Radreifen zum Firmensignet. Die drei Ringe sind noch heute im Logo des ThyssenKrupp-Konzerns enthalten.

Die rasante Entwicklung, die Alfred Krupps Gussstahlfabrik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch durch die Produktion von Kanonen nimmt, lässt sich an seinen sich verändernden Wohnverhältnissen ablesen. Als er 1848 Alleininhaber der Gussstahlfabrik wird, wohnt die Familie noch in dem kleinen Fachwerkhäuschen, das ursprünglich für die Aufseher der Firma errichtet worden war. 1961 wiederaufgebaut, erinnert es bis heute an die bescheidenen Anfänge des Unternehmens.

1844 lässt Alfred Krupp zwischen diesem "Stammhaus" und der Werkshalle einen zweigeschossigen Verbindungsbau errichten, in dem auch ein Logierzimmer für Gäste und ein kleiner Saal eingerichtet werden. Krupp empfängt dort 1853 Prinz Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser, und fünf Jahre später Erzherzog Johann von Österreich.

Das Stammhaus der Krupps  
© Historisches Archiv Krupp
Das Stammhaus der Krupps

Als der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck dem Essener Industriellen 1864 seine Aufwartung macht, wird er bereits im sogenannten Gartenhaus empfangen. Alfred Krupp hatte dieses großzügige Wohngebäude mit zwei angrenzenden Gewächshäusern und einem "Fremdenhaus" in den Jahren 1859 bis 1861 - inzwischen mit Bertha Eichhoff verheiratet und Vater eines Sohnes - nach seinen Plänen vom Architekten Ferdinand Barchewitz mitten auf dem Firmengelände errichten lassen. Weil Krupp inzwischen auch seine Leidenschaft fürs Reiten entdeckt hatte, entstand gleichzeitig ein Reitstall mit einer Reitbahn.

Doch bereits im Herbst 1864 - die Zahl der Arbeiter war von sieben im Jahre 1826 auf mittlerweile 7.000 gestiegen - zieht die Familie wieder um. Denn kaum hundert Meter vom Gartenhaus entfernt hatte Krupp einen mächtigen Schmiedehammer bauen lassen und ihn nach dem Rufnamen seines Sohnes Friedrich Alfred "Fritz" getauft. Dieser Hammer lässt das Gartenhaus erzittern, so dass die Krupps auf die Ruhrhöhen südlich von Essen fliehen.

Die Gartenseite der Villa Hügel  
© Florin Laubenthal
Die Gartenseite der Villa Hügel

Dort hatte Alfred Krupp durch den Leiter des Krupp-Baubüros, Gustav Kraemer, das Landgut Klosterbuschhof zu einer Villa umbauen lassen. In dieser ländlichen Idylle reifen schließlich die Pläne, im heute zu Essen gehörenden Bredeney einen Familiensitz zu errichten, der dem "Comfort der kleinen Häuslichkeit" ebenso genügen soll wie einer ausnahmsweise großen Gesellschaft "mit Ersten Ansprüchen".


Alfred Krupp war ein Techniker und kein Künstler. Daher entwirft er mit der Villa Hügel auch folgerichtig ein Gebäude, das weniger auf ästhetische denn funktionale Gesichtspunkte abgestimmt sein soll. Viel Zeit investiert er in die Pläne für eine Klima- und Heizungsanlage, für die Beleuchtung und die Wasserversorgung. Aber er sucht auch nach einem Ort, an dem er sich erholen kann, ohne weite Reisen unternehmen zu müssen. Denn er hatte 1867 einen Nervenzusammenbruch erlitten, von dem er sich nur langsam im englischen Seebad Torquay erholte. Die Geschicke der Fabrik hatte er bereits 1862 in die Hände einer Geschäftsleitung, der sogenannten Prokura gelegt, die er allerdings weiterhin mit Anweisungen versorgt.

Die zahlreichen Architekten und Berater - unter ihnen der Kölner Dombaumeister Richard Voigtel -, die schließlich am Bau der Villa Hügel beteiligt sind, schaffen es nicht, den zur Eile drängenden Bauherrn von der Unzulänglichkeit seiner Pläne zu überzeugen, die er zu allem Überfluss auch noch während der Bautätigkeit ändert. Es ist erstaunlich, dass die Familie ihre Villa dennoch am 10. Januar 1873, also weniger als drei Jahre nach der Grundsteinlegung, beziehen kann.


Die raffiniert erdachte Heizungs- und Klimaanlage erfüllt jedoch zunächst ihre Dienste ganz und gar nicht. "Im Hause wird Einer nach dem Anderen krank von Zug, man kann bei Wind sich nicht retten", klagt Alfred Krupp daher auch kurz nach dem Einzug. "In der Halle oben und in den übrigen Corridors genießen wir nach Tische nochmals den ganzen Duft der Küche." Erst 1883, nach einem gründlichen Umbau, wird die Anlage funktionieren.

Die Halle im Obergeschoss der Villa Hügel 
© Florin Laubenthal
Die Halle im Obergeschoss der Villa Hügel

Die Villa Hügel besteht aus einem dreigeschossigen Haupthaus mit Belvedere und einem Logierhaus, die miteinander verbunden sind. Sage und schreibe 269 Räume verteilen sich auf 8.100 Quadratmeter. Zwei jeweils 432 Quadratmeter große Hallen dominieren das Erdgeschoss und das erste Stockwerk des Haupthauses. Im Parterre befanden sich die offiziellen Gesellschaftsräume, im ersten Stock die privaten Salons und Schlafräume von Bertha und Alfred Krupp, ein Musiksalon und das Arbeitszimmer des Hausherrn. Darüber lagen die Junggesellenwohnung Friedrich Alfred Krupps und Gästezimmer, im Dachgeschoss die Zimmer einiger Bediensteter.  


Die Villa ist von einem weitläufigen Park umgeben, der immer wieder Blicke auf den Baldeneysee freigibt, den es allerdings Ende des 19. Jahrhunderts noch gar nicht gab. Erst 1933 wurde die Ruhr anlässlich einer großen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu dem 2,64 Quadratkilometer großen See aufgestaut. Da Alfred Krupp "einen Wald von Bäumen um die Besitzung ... noch bei Lebzeiten genießen" möchte, lässt er fünfzigjährige Buchen, Eichen, Platanen, Tannen und Fichten in den Park verpflanzen. Auf dem riesigen Gelände entsteht wiederum ein Reitstall, aber auch eine Gärtnerei. Eine eigene Gasanstalt hat bereits 1871 ihren Dienst aufgenommen, 1874 folgt ein Wasser-, 1896 ein Elektrizitätswerk. Zwischen 1895 und 1916 entsteht für die Beschäftigten des Hügels - ihre Zahl ist für das Jahr 1902 mit 570 angegeben - nördlich der Villa die Wohnsiedlung Am Brandenbusch.

Neben Kunden der Kruppschen Gussstahlfabrik und Königen vieler Länder besucht auch immer wieder der deutsche Kaiser die Villa Hügel, die rasch repräsentativer Betriebsteil der Firma wird. Wilhelm I. wird noch von Alfred Krupp empfangen, der 1887 stirbt. Bertha folgt ihm ein Jahr später.

Die Wohnsiedlung Am Brandenbusch wurde für die Beschäftigten der Villa Hügel errichtet 
© Florin Laubenthal
Die Wohnsiedlung Am Brandenbusch wurde für die Beschäftigten der Villa Hügel errichtet

Kaiser Wilhelm II., dem beim Anblick des stattlichen Wohnhauses ein "Unjlaublich!" herausrutschte, ist zwölfmal zu Gast bei den Krupps. Er wird auf der 1890 errichteten, heute noch vorhandenen Bahnstation "Hügel" empfangen. Auf Einladung von Margarethe Krupp - seit 1882 Ehefrau und seit 1902 Witwe von Friedrich Alfred Krupp - kommt der Kaiser sogar mit "kleinem Gefolge" zur Hochzeit ihrer Tochter Bertha mit Gustav von Bohlen und Halbach, die 1906 auf dem Hügel gefeiert wird.


Die Brautmutter nimmt dieses Ereignis zum Anlass, die "Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge" zu gründen, die sie mit einer Million Mark und zunächst 50 Hektar Land ausstattet. Diese Schenkung steht ganz im Zeichen der sozialfürsorglichen Tradition des Hauses Krupp. Denn bereits 1836 gibt es eine freiwillige Hilfskasse für Krankheits- und Todesfälle; 1872 entsteht ein eigenes Werkskrankenhaus. Um 1870 lässt Alfred Krupp größere Arbeitersiedlungen mit Schulen und Konsumanstalten bauen. Er reagiert damit auf die dramatischen Wohnverhältnisse seiner Arbeiter, die sich allerdings nicht von denen anderer Industriestädte unterscheiden.  

Kaiserin Auguste Viktoria (M.) besucht am 20.06.1917 Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach 
© Historisches Archiv Krupp
Kaiserin Auguste Viktoria (M.) besucht am 20.06.1917 Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach

Die durchschnittliche Zahl der Bewohner eines kleinen Essener Mietshauses war von 7,5 im Jahr 1840 auf 15,5 im Jahr 1871 gestiegen. Bis 1874 entstehen mehr als 2.500 Wohnungen für Werksangehörige. Ganz uneigennützig ist die Fürsorge Alfred Krupps seinen Arbeitern gegenüber jedoch nicht: Er möchte sie an sein Unternehmen binden. Betätigen sie sich allerdings politisch, verlieren sie sofort ihre Arbeit und ihre Wohnung. "Nach getaner Arbeit verbleibt im Kreise der Eurigen und sinnt über Haushalt und Erziehung. Das sei Eure Politik, dabei werdet Ihr frohe Stunden verleben", heißt es in einer Ansprache des Firmenchefs an seine Arbeiter.


Und die "Kruppianer", wie sich die Werksangehörigen stolz nennen, nehmen manche Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit hin, weil sie die Annehmlichkeiten, die ihnen ihr Arbeitgeber bietet, nicht missen wollen.

Heute gibt es in Essen kaum noch Zeugen dieser älteren Arbeitersiedlungen. Am Gussmannplatz steht lediglich ein Rest der Siedlung "Altenhof I", die in den Jahren 1893 bis 1896 und 1899 bis 1907 - meistens nach Plänen von Robert Schmohl, dem Leiter des Kruppschen Baubüros - für kranke und alte Kruppianer errichtet wurde. Die Gartenstadt-Idee, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts in England aufgekommen und von Ebenezer Howard 1898 formuliert worden war, konnte Schmohl bei dieser Siedlung bereits in Ansätzen verwirklichen.


Denn er schaffte Wohnraum für Arbeiter in einer dörflichen Idylle, aber in der Nähe einer Stadt mit allen ihren Vorteilen. Die Siedlung Altenhof bestand aus einer ganzen "Flucht von schmucken Villen aus Holz und Backsteinen, [...] die inmitten von Gärtchen und jungen Bäumen einen hübschen, lachenden Anblick gewähren und durch grün angestrichene Gitter von der Straße getrennt sind", wie es in einem Artikel des französischen Journalisten Jules Huret heißt, der das Ruhrgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereiste. "Die Alten", schreibt er weiter, "können sich einbilden, dass sie mitten auf dem friedlichen, glücklichen Lande wohnen, fern von jener Hölle, in der sie so lange gelebt und sich abgeplagt haben." Bei der Siedlung "Altenhof II", die 1907 unweit ihrer älteren Schwester angelegt wurde, kann man diese Schilderung bis heute nachempfinden.


Aber zurück zu Margarethe Krupp. Ihre Stiftung für Wohnungsfürsorge beauftragt 1908 den Darmstädter Reformarchitekten Georg Metzendorf (1874-1934) mit den Plänen für eine Siedlung. Sie wird nach der Stifterin "Margarethenhöhe" genannt und bildet heute einen eigenen Stadtteil von Essen. Der Architekt erhält die Aufgabe, Häuser für "minderbemittelte Klassen" zu bauen, die sich kein Eigentum leisten können. Und zwar für alle Essener Bürger, nicht nur für die Kruppianer.

Häuseridylle auf der Margarethenhöhe 
© Florin Laubenthal
Häuseridylle auf der Margarethenhöhe

In Deutschland hatte sich mittlerweile die "Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft" gegründet, die die Idee Howards mit der "Kolonie Marga" in Brieske bei Senftenberg und der Gartenstadt Hellerau bei Dresden umsetzte. Nach diesen Vorbildern baut Metzendorf von 1909 bis zu seinem Tod im Jahr 1934 eine Siedlung, die wegen ihres städtebaulichen Bezuges auf Essen als Gartenvorstadt bezeichnet wird. Es entsteht zunächst eine Brücke über das Mühlenbachtal, an die sich der sogenannte Brückenkopf mit einem mittelalterlichen Torbogen anschließt. An der "Steilen Straße", die hinter dieser Bebauung beginnt, errichtet Metzendorf seine ersten, noch freistehenden Giebelhäuser.


Erst im zweiten Bauabschnitt werden die meist zweigeschossigen, mit mehreren Wohnungen ausgestatteten Häuser in Zeilen zu vier, sechs oder mehr Gebäuden zusammengefasst. Auf Wunsch der Stifterin erhalten sie alle ein Bad und einen Kachelofen - bahnbrechend für die damalige Zeit. Die Siedlung mit ihrem Marktplatz, dem Gasthaus und der Konsumanstalt, mit eigener Kirche, Schule und Polizeistation nimmt schnell den Charakter einer selbständigen Kleinstadt an. Seit 1987 steht die im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte, aber rekonstruierte Gartenvorstadt unter Denkmalschutz.


Die Margarethenhöhe gehört mit dem Hügel, dem Stammhaus und den Siedlungen Altenhof I und II zu den wenigen Zeugnissen, die heute noch an die Familie Krupp in Essen erinnern. Nach dem Tod Alfried Krupp von Bohlen und Halbachs - dem Urenkel Alfred Krupps - im Jahr 1967 wurde die gemeinnützige Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung Eigentümerin des Unternehmens. Sie ist heute als Aktionärin maßgeblich an der Thyssen Krupp AG beteiligt. Mit ihren Erträgen fördert sie im In- und Ausland Projekte in verschiedenen Bereichen, darunter auch dem Denkmalschutz. In der Villa Hügel, die vor allem durch Friedrich Alfred Krupp mit kostbaren Gobelins und Gemälden ausgestattet wurde, finden seit 1953 vielbeachtete Ausstellungen und Konzerte statt.

Der ehemalige Eingangsbereich der Gussstahlfabrik an der Altendorfer Straße 
© Florin Laubenthal
Der ehemalige Eingangsbereich der Gussstahlfabrik an der Altendorfer Straße

Von der Gussstahlfabrik, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg sieben Mal so groß wie der alte Essener Stadtkern war, sind nur einzelne Gebäude erhalten. So das "Werkstor" am Beginn der Altendorfer Straße mit der um 1860 errichteten Eisenbahnbrücke. Diese verbindet weiterhin die Halle der VIII. Mechanischen Werkstätte - heute Colosseum Theater - mit der Halle des Press- und Hammerwerkes, die vom schwedischen Möbelhaus Ikea als Parkhaus genutzt wird.  


"Das Auffälligste an Essen", schrieb der Journalist Jules Huret Anfang des 19. Jahrhunderts, "ist der Umstand, dass eine solche Stadt von 230.000 Einwohnern sozusagen das Eigentum eines einzelnen Individuums ist." Das hat sich gründlich geändert. Die mittlerweile rund 600.000 Einwohner zählende Stadt hat sich zu dem entwickelt, was ihr damaliger Oberbürgermeister Wilhelm Nieswandt bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges formulierte: "Krupp ist nicht Essen, Krupp ist in Essen."


Carola Nathan