Wohnhäuser und Siedlungen Streiflichter August 2005

Das Pförtnerhäuschen im Jenisch-Park

Kleinod im Grünen

Wer möchte nicht gern in einem großen herrschaftlichen Park wohnen, umgeben von Wiesen und alten Bäumen? Im Jenischpark, im Hamburger Stadtteil Klein-Flottbek, hat sich eine Frau diesen Traum erfüllt: Sie hat das ehemalige Pförtnerhaus erworben und für sich und ihren Sohn zur Wohnung gemacht - obwohl es gerade mal fünfzig Quadratmeter Wohnfläche bereithält.

Der Jenischpark entstand in den 1830er Jahren aus dem Süderpark, einem Teil der "Ornamented Farm", die am Ende des 18. Jahrhunderts vom Hamburger Kaufmann und späteren Freiherrn Caspar von Vought angelegt worden war und auch landwirtschaftlich genutzt wurde. 1828 hatte Martin Johann von Jenisch, ebenfalls Kaufmann und später auch Senator in Hamburg, das Grundstück des Süderparks erworben und daraus einen spätklassizistischen ländlichen Kaufmannswohnsitz geschaffen. Das herrschaftliche Landhaus nach Plänen von Franz Gustav Forsmann und Karl Friedrich Schinkel entstand 1831-33 an einer markanten, gut einsehbaren Stelle im Nordwesten des Parks. Landwirtschaft wurde hier nun nicht mehr betrieben, vielmehr ließ Jenisch ihn als Landschaftspark mit großzügigen Wiesen und Anpflanzungen umgestalten. Rundplätze und Blumenbeete wurden angelegt, das Wegesystem der "Ornamented Farm" weiter ausgebaut. Das 20. Jahrhundert brachte einige Veränderungen, vor allem durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Nach einem Entwurf des Hamburger Architekten Werner Kallmorgen wurde 1961/62 im Park der Museumsbau für die Barlach-Sammlung von Hermann F. Reemtsma errichtet.

Das Pförtnerhäuschen im Hamburger Jenischpark Anfang dieses Jahres 
© ML PREISS
Das Pförtnerhäuschen im Hamburger Jenischpark Anfang dieses Jahres

Das Pförtnerhäuschen an der Holztwiete entstand zwischen 1831 und 1834 in der Nähe eines prächtigen Eingangstores, das aber später auf die andere Parkseite versetzt wurde. Jahrzehntelang als Einfamilienhaus genutzt, hatte es viel von seinem ursprünglichen Charme eingebüßt. Nachdem es auch noch fünf Jahre leergestanden hatte, war der Zustand besonders erschreckend. Die Stadt Hamburg als damaliger Eigentümer war jedoch sehr an der Erhaltung der Anlage interessiert und suchte deshalb einen Käufer, der das notwendige Feingefühl für das Juwel mitbrachte. In Alexandra Friese fand sie eine Frau, die ihre große Liebe zu dem kleinen Anwesen am Rande des attraktiven Parks schnell entdeckt hat.

Moderner Wohnkomfort auf kleinem Raum 
© ML PREISS
Moderner Wohnkomfort auf kleinem Raum

Doch zunächst gab es viel zu tun, denn die Wände waren feucht, die Fenster zerbrochen, das Fundament war schadhaft, die Reetdeckung des Daches löchrig und das Holz des Dachstuhls ebenso wie das hölzerne Nebengebäude von Schädlingen befallen. Die neue Eigentümerin ließ alles sehr sorgfältig und behutsam sanieren. Die originalen Fenster wurden repariert und zu Kastenfenstern ausgebaut. Im Inneren stellte man bei der Freilegung der alten Holzbalkendecke fest, dass das Erdgeschoss ursprünglich nur aus einem Raum bestanden hatte. Das kam Alexandra Friese sehr gelegen, hatte sie so die Möglichkeit, trotz der begrenzten Fläche einen großzügigen Wohnbereich zu schaffen. Da eine Wandheizung eingebaut wurde, deren Technik sich im Nebengebäude befindet, konnte man auf den Schornstein verzichten und gewann damit einen kleinen Schlafraum im Obergeschoss.

Finanziell unterstützt wurden die aufwendigen Arbeiten vom Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt Hamburg, von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Nach der Fertigstellung kommt nun bei Alexandra Friese zur Liebe noch der Stolz auf das Erreichte. Kann sie doch in diesem Sommer Häuschen, Garten und Park zum ersten Mal so richtig genießen.

Dr. Dorothee Reimann

Kopfgrafiken: Pförtnerhaus im Jenischpark und der Schreibplatz im Inneren (beide Fotos: ML Preiss)