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Tanzlinde in Limmersdorf auf der nationalen UNESCO-Welterbeliste

Die "Kerwa" und der Tanz auf der Linde

So ruhig und verträumt der Platz im oberfränkischen Limmersdorf in der Regel auch wirkt, einmal im Jahr wird es hier richtig laut. Wenn nämlich die Lindenkirchweih stattfindet und ordentlich gefeiert wird. Dafür zimmert man auf das hölzerne Gerüst, das auf dem untersten Astkranz der Dorflinde aufliegt, in vier Metern Höhe einen Tanzboden, die "Tanzbruck", und baut eine Holztreppe.

Die Tanzlinde im oberfränkischen Limmersdorf  
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Tanzlinde im oberfränkischen Limmersdorf

Die Musikkapelle findet am Rand der etwa 35 Quadratmeter großen Fläche in einem Bretterhäuschen Platz.     Dann tanzen die Limmersdorfer vier Tage lang zur Ehre des heiligen Johannes, Namenspatron der benachbarten Kirche. Erst unter, dann auf der Linde. Die Linde steht in der Ortsmitte und ist etwa 350 Jahre alt. Seit spätestens 1729 findet in ununterbrochener Folge die "Kerwa" statt. Die hölzerne Konstruktion muss wegen der Witterung und des Baumwachstums immer wieder ausgetauscht werden, aber die acht Sandsteinsäulen, die sie tragen, sind zum Teil noch die ursprünglichen - in einer ist die Jahreszahl 1729 eingemeißelt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte ihre Restaurierung, die rechtzeitig vor der letztjährigen Kirchweih Ende August abgeschlossen werden konnte.

Tanzlinden gibt es noch in weiteren fränkischen Orten, in Thüringen und einige auch in anderen Regionen - seit einigen Jahren werden sogar hier und da neue Tanzlinden gepflanzt. Doch keine kann dieses Alter vorweisen, keine ist so kontinuierlich "betanzt" worden und keine so fest im Dorfleben verwurzelt wie die Limmersdorfer. Seit Dezember 2014 steht daher die Limmersdorfer Tanzlinde im nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes, das im März von der deutschen Kultusministerkonferenz offiziell bei der Unesco in Paris eingereicht wird - dörfliches Brauchtum wird international!

Beatrice Härig

© Verein zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Kirchweihtradition
© Verein zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Kirchweihtradition
Ist mittlerweile nationales immaterielles Unesco-Erbe: Der Kirchweihtanz in Limmersdorf
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Blick auf die leere „Tanzbruck“, die jedes Jahr neu gezimmert wird.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Sandsteinsäulen der Limmersdorfer Tanzlinde sind teilweise von 1729. Sie wurden letztes Jahr mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Jede Tanzlinde hat ihr eigenes Aussehen: Die Tanzbruck in Peesten ist viereckig.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Tanzlinde in Peesten - nicht weit von Limmersdorf entfernt
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Blick unter die Tanzbruck in Peesten
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Sorgfältig wird die Konstruktion um den Baum herum gebaut.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Tanzlinde in Langenstadt steht ebenfalls auf sandsteinernen Säulen.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die noch recht junge Linde lässt in Langenstadt den Blick auf die hölzerne Tanzbruck-Konstruktion frei - noch ...
© Verein zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Kirchweihtradition
© Verein zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Kirchweihtradition
„Galopp auf der Linde“ nennt sich dieser traditionelle Tanz im Baum, ausgeführt von den „Kerwaburschen“ und den „Kerwasmadla“.
 
 
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Ist mittlerweile nationales immaterielles Unesco-Erbe: Der Kirchweihtanz in Limmersdorf
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Blick auf die leere „Tanzbruck“, die jedes Jahr neu gezimmert wird.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Sandsteinsäulen der Limmersdorfer Tanzlinde sind teilweise von 1729. Sie wurden letztes Jahr mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert.
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Jede Tanzlinde hat ihr eigenes Aussehen: Die Tanzbruck in Peesten ist viereckig.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Tanzlinde in Peesten - nicht weit von Limmersdorf entfernt
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Blick unter die Tanzbruck in Peesten
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Sorgfältig wird die Konstruktion um den Baum herum gebaut.
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Die Tanzlinde in Langenstadt steht ebenfalls auf sandsteinernen Säulen.
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Die noch recht junge Linde lässt in Langenstadt den Blick auf die hölzerne Tanzbruck-Konstruktion frei - noch ...
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„Galopp auf der Linde“ nennt sich dieser traditionelle Tanz im Baum, ausgeführt von den „Kerwaburschen“ und den „Kerwasmadla“.
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In Limmersdorf ist das "Deutsche Tanzlindenmuseum" im Aufbau. Informationen zur Deutschen Tanzlindenroute und zum Tanzlindenradweg rund um Thurnau:
www.tanzlindenmuseum.de, www.dieromantischendrei.de/download/tanzlinden_radweg.pdf

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