Städte und Ensembles Februar 2016 G

Die Bundesfestung in Rastatt wird restauriert

Kein „Cavaliers“-Delikt

Die Bundesfestung Rastatt wurde ab 1842 in neupreußischer Befestigungsmanier errichtet. Den Cavalier I soll man bald besichtigen können.

Beim Namen des Wohnparks horchen Geschichtsinteressierte auf: Im Süden von Rastatt lebt man modern in der Siedlung „Leopoldsfeste“. Und das, obwohl die Stadt schon 1890 die Festung niederlegte. Sie hatte den barocken Ortskern allzu eng umschlossen und verhindert, dass Rastatt sich wirtschaftlich entwickeln und wachsen konnte.

Der obere Teil der Wand von Cavalier I, Bundesfestung Rastatt. Der untere liegt im aufgeschütteten Graben.
Rastatt, Bundesfestung © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der obere Teil der Wand von Cavalier I, Bundesfestung Rastatt. Der untere liegt im aufgeschütteten Graben.

Die Bundesfestung wurde ab 1842 in neupreußischer Befestigungsmanier errichtet. Die Anlagen folgten dem Vaubanschen System, das auf den französischen Baumeister Sébastian Le Prestre de Vauban (1633–1707) zurückgeht und sich dem natürlichen Geländeverlauf anpasst. Sie bestand aus drei eigenständig zu verteidigenden Teilen: Fort A ist die Leopoldsfeste, Fort B die Ludwigsfeste und Fort C die Friedrichsfeste, benannt nach den badischen Großherzögen.


Verschont vom Abriss blieb der überwiegende Teil der Face, die dem Angreifer zugekehrte Seite der Anlage, und die Linke Flanke des sogenannten Cavaliers I, des oberirdischen Hauptbaus. Er gehört zum besonders stark befestigten Abschnitt der Leopoldsfeste und ist als letztes Bauwerk seiner Art – inzwischen integriert in den Wohnpark und in eine angrenzende Grünanlage der Stadt – noch weitgehend erhalten.

Der Vorsitzende des Historischen Vereins Rastatt e. V., Dieter Wolf, vor dem Festungsplan. Er zeigt auf die Leopoldsfeste im Süden, über deren unterirdischen Resten der gleichnamige Wohnpark entstand.
Rastatt, Bundesfestung © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Vorsitzende des Historischen Vereins Rastatt e. V., Dieter Wolf, vor dem Festungsplan. Er zeigt auf die Leopoldsfeste im Süden, über deren unterirdischen Resten der gleichnamige Wohnpark entstand.

Leider dürfen der Cavalier I und die Flankenschutzbatterien zurzeit nicht betreten werden. Sie sind eingezäunt, weil sich Steine aus dem verbliebenen Mauergefüge lösen könnten und steile Böschungen abzusacken drohen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt sich ab kommendem Frühjahr an den nötigen Mauerarbeiten. Zuvor muss aber der Baumbewuchs entfernt werden.


Als Militärdenkmal einst ungeliebt, gewinnt die gegen das Vordringen der benachbarten Franzosen eingesetzte Bundesfestung in den letzten Jahren an Erinnerungswert und wird von Experten wie Laien mehr und mehr geschätzt. Sie wurde durch den Festungsbaudirektor Georg Eberle (1787–1855) erbaut und ist eines der wenigen Projekte, das der 1815 gegründete Deutsche Bund in diesem Zeitraum zu Ende führen konnte. Anfang 1848 waren die Wälle mit 922 Kasematten verteidigungsbereit, die sechs Meter hohe Festungsmauer zählte 649 Kanonen- und 7.680 Gewehrscharten. Die Besatzung bestand hauptsächlich aus badischen Truppen und aus österreichischen Pionieren.

Die Außenwand der Contre-Escarpe-Galerie, ein freigelegter Teil des Grabens.

Die bis zu 30.000 Soldaten fassende Festungsanlage umschloss die Stadt und spielte 1849 eine wichtige Rolle während der Badischen Revolution. In deren Verlauf meuterte das badische Militär der Festungsgarnison und unterstellte sich gemeinsam mit der Bürgerwehr der demokratisch gewählten Regierung. Die Reaktion der benachbarten Staaten ließ nicht lange auf sich warten. Unter der Führung Preußens wurde der Aufstand niedergeschlagen. Abgesehen von jenen 23 Tagen der preußischen Belagerung, nach denen sie zum Gefängnis für 5.600 Freiheitskämpfer und zur Hinrichtungsstätte wurde, stellte man die Festung nie wieder auf die Probe. Im Anschluss an ihre Aufgabe 1890 begannen die Abbrucharbeiten umgehend.


Der Historische Verein Rastatt, der sich seit langem für die Aufwertung der Festung einsetzt, möchte nach Ende der Restaurierung den Cavalier I übernehmen und das Gelände, soweit möglich, zu Führungen öffnen. Dieser wichtige Teil der Regional- und Revolutionsgeschichte soll vielen Menschen näher gebracht werden. Der Verein ließ bereits begehbare Wege auf den Kasematten anlegen.


Christiane Schillig

Mehr lesen Sie bei www.denkmalschutz.de/bundesfestung

Maßnahmen:
Mauerwerksrestaurierung Leopoldsfeste Cavalier I
Fördermittelgeber: Deutsche
Stiftung Denkmalschutz mithilfe der Lotterie GlücksSpirale,
Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg