Landschaften, Parks und Friedhöfe Menschen für Denkmale

Der Kaiser-Wilhelm-Turm bei Wiesbaden ist restauriert

Eine Doppelhelix für den Kurblick

Der 1906 errichtete Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf war wegen seiner Aussicht und der angeschlossenen Gastronomie ein beliebtes Ausflugsziel. Diese Tradition möchten Bürger wiederbeleben.

Der weite Ausblick über waldreiches Gebiet auf Rhein und Main sollte den Geist beruhigen und zur Entspannung beitragen. Dies war der Grundgedanke des Verschönerungsvereins, der sich bereits seit 1856 für den weltberühmten Kurort Wiesbaden einsetzte. Finanziert mit Spenden der Wiesbadener Bürger entstand 1905/06 als Nachfolger für eine hölzerne Plattform der Kaiser Wilhelm II. gewidmete Aussichtsturm auf dem 454 Meter hohen Schläferskopf.


Der Architekt Ludwig Euler, der auch den heute historischen Teil des dortigen Restaurants baute, machte sich Gedanken über einen ungehinderten Auf- und Abstieg in dem insgesamt rund 31 Meter hohen Turm: Er konstruierte zwei Spindeltreppen, die sich nach dem Prinzip einer Doppelhelix umeinander winden. Zwei als Ein- und Ausgang ausgewiesene Zugänge befinden sich in dem fünf Meter Durchmesser betragenden Sockelbereich des Turmschafts. Damit kamen sich die Besucher auf den engen Treppen nicht in die Quere.

Zugang zur doppelläufigen Spindeltreppe
Wiesbaden, Kaiser-Wilhelm-Turm © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Zugang zur doppelläufigen Spindeltreppe

Für den Turmkopf ließ sich Euler etwas für die damalige Zeit Modernes einfallen: Er konstruierte die Aussichtsgalerie des Turmkopfs wie ein Fachwerk, und zwar aus Eisen. Dieses mauerte er mit Steinen aus. Zahlreiche Basaltkonsolen tragen die auskragende oktogonale und mit einem Zinnenkranz eingefasste Galerie. Das ungewöhnliche Eisenkonstrukt machte den Turmkopf für den Schaft insgesamt leichter, denn zusätzlich fand ein kleiner Turm mit Zeltdach, der sich wie eine überdimensionale Eckwarte präsentiert, dort oben Platz.


Über die Jahre wurde jedoch ausgerechnet das Eisen anfällig, korrodierte und begann sich auszudehnen. Was dazu führte, dass die Mauerwerkgefache abzusprengen drohten und sich auch in dem Turmschaft Risse bildeten. Der Schläferskopf-Turm, wie er auch genannt wird, wurde schließlich für die Öffentlichkeit gesperrt und ist den Wiesbadenern seit über 25 Jahren als Wanderziel mit Ausschank, jedoch ohne den Genuss des „Kurblicks“ bekannt.


Auf Initiative des Ortskuratoriums Wiesbaden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und mit über 10.000 Euro, die es allein in Wiesbaden einwarb, setzen sich engagierte Bürger schon seit geraumer Zeit dafür ein, dass der Aussichtsturm nicht vergessen, sondern restauriert wird. Eine Notsicherung 2002, bei der die Aussichtsgalerie mit Maschendraht umwickelt wurde, verblieb neun Jahre. 2012 wurde sie von innen nochmals mit Holzbalken abgestützt. Vor zwei Jahren wurde die Hartnäckigkeit der Engagierten belohnt – und spornte die von der Landeshauptstadt Wiesbaden beauftragten Ingenieure an, bei der Restaurierung des eisernen Korbs erneut zu ungewohnten Maßnahmen zu greifen.

Erinnert an einen mittelalterlichen Bergfried und prunkt mit seinem lebhaften Farbspiel: Für den Aussichtsturm auf dem Schläferskopf wurden lokaler Taunusquarzit und Basaltlava aus der Eifel verwendet.
Wiesbaden, Kaiser-Wilhelm-Turm © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Erinnert an einen mittelalterlichen Bergfried und prunkt mit seinem lebhaften Farbspiel: Für den Aussichtsturm auf dem Schläferskopf wurden lokaler Taunusquarzit und Basaltlava aus der Eifel verwendet.

Das Ziel war, so die federführende Architektin Christiane Wolf vom Wiesbadener Hochbauamt, den Turmkopf in situ, also an Ort und Stelle, instand zu setzen. Um die rostigen Eisenträger gegen Stahlbetonelemente auszutauschen und die Auflager des kleinen Türmchens zu sanieren, wurden dem mächtigen Bauteil mit zwei Kranauslegern Stahlträger wie mit einem Gabelstapler untergeschoben und dann im Ganzen ein wenig angehoben. Auf das Genaueste berechneten die Ingenieure das Unterfangen, denn die Maurer arbeiteten zum Teil liegend auf engstem Raum unter der Tonnenlast. Die Arbeiten verliefen reibungslos und die große Anspannung aller Beteiligten löste sich in Wohlgefallen auf.


Das nächste Ziel haben die Turmfreunde bereits im Visier: Sie wollen den Aussichtsturm wieder für Besucher zugänglich machen.


Christiane Rossner

Adresse


Schläferskopf 1, 65199 Wiesbaden-Dotzheim


Der Kaiser-Wilhelm-Turm steht etwa 10 km nordwestlich von Wiesbaden auf dem Schläferskopf im Naturpark Rhein-Taunus.