August 2015 Y

In Dresden steht eine Tabakmoschee

„Salem Aleikum!“

Der Fabrikant Hugo Zietz hatte eine ganz besondere Idee, um die Zigarettenmarke „Salem Aleikum“ besser zu vermarkten: Er ließ seine Tabakfabrik am Rande des Dresdner Zentrums in Formen errichten, die an eine Moschee erinnern.

Zietz hatte lange auf die Genehmigung zum Bau warten müssen. 1909 konnte das eigenwillige Gebäude mit der markanten Glaskuppel und dem Minarett, in dem sich der Schornstein für das Heizkraftwerk versteckte, eingeweiht werden. Die Dresdner waren schockiert, und der Architekt des Gebäudes, Martin Hammitzsch, wurde sogar aus der Architektenkammer geworfen. Dabei hatte er einen der ersten Stahlbeton-Bauten geschaffen.


Bei dem schweren Bombardement auf Dresden im Februar 1945 wurde auch die Yenidze stark beschädigt. Die Tabakfabrik war damals im Besitz des Reemtsma-Konzerns, der sie nach dem Krieg reparieren ließ. 1953–89 diente sie als Lager und Verwaltungsgebäude des „VEB Tabakskontor“, der die gesamte DDR mit Tabak versorgte. 1965 erhielt die ursprünglich bunte Kuppel gelbe Scheiben: Die Reichsbahn befürchtete nämlich, dass das rote und grüne Glas die Lokführer auf der nahegelegenen Bahnlinie irritieren könnte. 1980 wurde die Yenidze unter Denkmalschutz gestellt.

Die Tabakmoschee Yenidze: In der Kuppel finden Konzerte und Lesungen statt.
Dresden, Yenidze © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Tabakmoschee Yenidze: In der Kuppel finden Konzerte und Lesungen statt.

1991 verkaufte die Treuhand das Gebäude an einen Immobilienfonds, der es in den folgenden sechs Jahren sanieren ließ. Die von innen angestrahlte Kuppel erhielt dabei ihre ursprüngliche Farbigkeit zurück. Dafür wurden 860 m² Glas nach alten Vorlagen gefertigt.


1997 wurde die Yenidze als Bürogebäude wiedereröffnet. Heute haben dort rund 30 Firmen und Verbände aus ganz unterschiedlichen Branchen ihren Sitz. Unter der Kuppel befindet sich ein Restaurant mit der höchsten Dachterrasse der Stadt. Zudem werden dort Konzerte und Lesungen veranstaltet – passenderweise vor allem aus der Märchenwelt des Orients.


Carola Nathan

 

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