Technische Denkmale Technik Oktober 2014 E

Techniken des Kühlens

Ewiges Eis

Eiskeller haben längst ausgedient, wurden durch Kühlschränke, Klimaanlagen und Eismaschinen ersetzt. Viele wissen nicht, dass es diese Bauten überhaupt gibt.

Herrschaften bauten nicht nur Burgen und Schlösser. In ihren Gärten ließen sie für den täglichen Gebrauch weniger spektakuläre Architekturen errichten, die heute - eingefallen oder zugewuchert - vielfach vergessen sind.


Aber auch Eiskeller dienten dem Luxus. Die Reise zu Eiskellern geht in den Untergrund, und sie führt in die Vergangenheit. Es ist kaum mehr vorstellbar, welch große Rolle sie früher spielten. Sie haben längst ausgedient, wurden durch Kühlschränke, Klimaanlagen und Eismaschinen ersetzt. Viele wissen nicht, dass es diese Bauten überhaupt gibt. Eiskeller formen eigene Welten unterhalb von Gärten, oder sie durchziehen die Eingeweide einer Stadt. Manchmal stoßen Spaziergänger auf ein in den Boden gelassenes verschlossenes Tor am Wegesrand, das scheinbar ins Nirgendwo führt. Das Oberirdische verrät nichts von der Funktion. Man muss sich ganz bewusst auf die Suche nach diesen nahezu vergessenen Denkmalen machen.

Installationsansicht „Touching Cold“ von Ulrike Mohr im Eiskeller von Gut Hohenstein an der Eckernförder Bucht  
Gut Hohenstein © Till Krause, Hamburg
Installationsansicht „Touching Cold“ von Ulrike Mohr im Eiskeller von Gut Hohenstein an der Eckernförder Bucht

Eine Fährte leitet in alte Parkanlagen. Dort ließen Schloss- und Gutsherren Eiskeller für den eigenen Gebrauch anlegen, um im Sommer die konstante Temperatur des Erdbodens von etwa neun Grad Celsius zum Kühlen auszunutzen. Das getrocknete Eis aus einem nahegelegenen See hielt sich in diesen Gruben vom Spätwinter bis mindestens in den folgenden Sommer hinein, teils sogar bis zu anderthalb Jahre.

Am Hof war Ende des 17. Jahrhunderts das Sorbet in Mode gekommen, wurden gefrorene Früchte und Fruchtsäfte aufgetischt. Zuckerbäcker verkauften auf Bällen und in Theatern Gefrorenes in Gläsern. Der Adel war stolz darauf, seinen Gästen im Sommer diesen Luxus anbieten zu können. Während sich die Ansprüche erhöhten und die Geschmäcker verfeinerten, entwickelten die Architekten neue Ideen für die kleinen unscheinbaren Nutzbauten und bezogen sie in die zu gestaltende Parklandschaft ein. Nach und nach gaben sie den Eiskellern architektonischen Schliff.

Ein Eiskeller, der durch einen Pavillon überbaut wurde, in Mark Landin/Uckermark  
Landin/Uckermark, Eiskeller © Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
Ein Eiskeller, der durch einen Pavillon überbaut wurde, in Mark Landin/Uckermark

Voraussetzung dafür war die richtige Technik. Glücklicherweise gab es schon im 18. Jahrhundert Fachliteratur, die beschrieb, welche Anforderungen ein Eiskeller erfüllen müsse. Er sollte kühl, geschützt und trocken in der Nähe der "Verbrauchsstelle" liegen, keine Fenster haben und gegen Bodenwärme und die warme Außenluft gesichert sein. Der Eisraum war in Zylinder- oder Halbkugelform zu konstruieren, da sich daraus ein besseres Verhältnis von Oberfläche zum Inhalt ergab als bei einem rechteckigen Raum. Der Eiskeller durfte nicht in einer Mulde oder einem von Überschwemmung bedrohten Gebiet stehen, um Grund- und Regenwasser fernzuhalten. Der Eingang sollte nach Norden, möglichst klein und hoch angeordnet, die Südseite im Schatten eines benachbarten Gebäudes liegen. Eine Alternative waren schnell wachsende Bäume und Sträucher, die Sonnenstrahlen abhielten. Nach diesen Vorgaben schachteten Arbeiter - praktischerweise meist in der Nähe eines Sees, aus dem die Eisschollen entnommen wurden - Gruben aus oder schütteten Hügel auf, die sie mit Stroh bedeckten.

Die Skizzen zeigen die verschiedenen Konstruktionstypen der Eiskeller. Großbildansicht 
Konstruktionstypen Eiskeller © Repro ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Skizzen zeigen die verschiedenen Konstruktionstypen der Eiskeller. Großbildansicht

An das Personal stellten diese ersten Eisreservoirs hohe Anforderungen. Denn es galt, den Eiskeller im Sommer nur in der Nacht zu betreten, am besten kurz vor Sonnenaufgang, wenn die Luft ihre Tiefsttemperatur erreichte. Man denke nur an die Küchenhilfen, wie sie im Dunkeln durch den Garten zur Grube eilten, Eis von einer Scholle schlugen und einen Brocken in die Küche trugen, wo er - sei es, ob er zum Kühlen diente oder zu Eis verarbeitet wurde - mindestens bis zum Nachmittag am Schmelzen gehindert werden musste.

Vollständig unterirdische Eiskeller waren aufwendig zu bauen, weil es schwierig war, eine Baugrube auszuschachten, die dem Erddruck standhielt. Viele Eiskeller wurden daher in offener Bauweise erstellt und anschließend mit einem kleinen Hügel bedeckt. Die Eisgrube konnte dabei einige Meter versenkt sein. Vor allem in Gebieten mit einem hohen Grundwasserspiegel war dies nötig. Da der Hügel sich wegen des Eiskellers an einem schattigen Ort befand, wurde er in den Gärten gerne als Fundament für eine Terrasse oder für einen Pavillon benutzt. Auch im Schlosspark Biesdorf in Berlin existiert ein solch idyllischer Ruheplatz. Daneben entstanden Aussichtspunkte, sogenannte gewundene Schneckenberge wie beim Schloss Groß-Rietz in Brandenburg. Auch konnte der Hügel mit einem künstlich angelegten Wasserfall versehen und so in die Gartenarchitektur einbezogen werden.

Es gab Eiskeller in Verbindung mit chinesischen Gartenpavillons wie in Wiesbaden, einer exotischen Hütte in Paretz oder einem Mooshäuschen in Tiefurt bei Weimar. Über Eiskellern thronten klassizistische Tempel und Kapellen, kurz alles, was die Musterbücher der Englischen Gartenkunst und die Staffage-Architektur hergaben. Der Ägyptenbegeisterung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts geschuldet, dienten viele Erdaufschüttungen mit Eiskellern als Grundmauern von Pyramiden. Nach einer Idee König Friedrich Wilhelms II. entstand 1791-92 im Neuen Garten in der Sichtachse des Marmorpalais in Potsdam eine Pyramide von 30 Fuß Höhe. Das Eis für den Keller wurde aus dem nahegelegenen Heiligen See "geerntet".

Architektonisch aufwendig gestalteter Eiskeller des Schlosses von Wustrau in der Ostprignitz  
Wustrau, Eiskeller © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Architektonisch aufwendig gestalteter Eiskeller des Schlosses von Wustrau in der Ostprignitz

Zur Bekrönung der mehr oder weniger tief in die Erde reichenden Eiskeller veredelten die Architekten das Konstruktiv-Technische. Dem Praktischen wurde das "Kulturelle" übergestülpt - ähnlich dem Prinzip, nach dem erste Wasserwerke Moscheen und Fabriken Kathedralen glichen. Im Oktober 1868 schrieb der Berliner Architektenverein folgenden Wettbewerb aus: "Eine Orchester-Tribüne in reicher Holzarchitektur mit darunter liegendem Eiskeller und geschlossener Rückwand, in einem öffentlichen Garten für eine 40 Mann starke Kapelle."

Leider sind nur wenige dieser überirdischen Holzarchitekturen erhalten. Und wenn sie bestehen blieben, sind sie oft nicht als solche zu erkennen. Wer heute durch das Dorf Wustrau im Ruppiner Land fährt, vermutet nicht, dass hinter dem sich majestätisch aufbauenden Tor am Ortsrand ein Eiskeller verborgen liegt. Es handelt sich hier um ein besonders schönes Exemplar, dessen Eingang mit stattlichen Hermen verziert wurde.

Die in einen Hohlweg eingebettete Felsenkeller-Anlage im fränkischen Unterhaid gehört zu den bedeutendsten ihrer Art. Die Restaurierung des Kulturdenkmals wird seit 2011 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt.  
Unterhaid, Felsenkeller © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die in einen Hohlweg eingebettete Felsenkeller-Anlage im fränkischen Unterhaid gehört zu den bedeutendsten ihrer Art. Die Restaurierung des Kulturdenkmals wird seit 2011 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt.

Durch die Industrialisierung änderte sich die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln. Der Wohlstand und die Kaufkraft stiegen. Jedermann dürstete es nach Fruchtsäften und Sorbets. Außerdem musste verderbliche Nahrung, vor allem Milch und Fleisch, auf langen Wegen zu den Verbrauchern in die Stadt transportiert werden und verlangte Kühlung. Eiskeller - jetzt oftmals oberirdisch aus Holz oder Stein errichtet oder als Katalogware zum Zusammenzimmern angeboten - wurden nicht mehr nur in der Nähe von Schlössern und Gutshäusern gebaut. Sie lagen neben Metzgereien, Molkereien, Markthallen, Hotels, Gaststätten, Bahnhöfen und Krankenhäusern und auf privaten Grundstücken der Villenbesitzer.

Die größten Eisverbraucher ab 1850 aber waren die Brauereien. Denn beim Brauen des untergärigen Biers ist es wichtig, dass die heiße Würze rasch auf eine Temperatur von vier bis sechs Grad Celsius abkühlt. Sie muss dann auf diesen Temperaturen im Gärkeller sowie später auf maximal zwei Grad Celsius im Lagerkeller gehalten werden. Um 40.000 Hektoliter Bier zu produzieren, werden etwa 5.000 Tonnen Eis benötigt. Die gewaltigen, teilweise übereinander in mehreren Geschossen gelegenen Gär- und Lagerkeller der Brauereien beeindrucken noch heute. Sie waren damals die größten unterirdischen Bauwerke in den Städten.

Den Eiskeller in Form einer Pyramide in Potsdams Neuem Garten schufen ab 1791 Carl Gotthard Langhans und Andreas Ludwig Krüger. Im Winter wurde dem nahen Heiligen See Eis entnommen und in der untersten Etage des fünf Meter in den Boden reichenden Kellers gelagert.  
Potsdam, Neuer Garten - Eiskeller © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Den Eiskeller in Form einer Pyramide in Potsdams Neuem Garten schufen ab 1791 Carl Gotthard Langhans und Andreas Ludwig Krüger. Im Winter wurde dem nahen Heiligen See Eis entnommen und in der untersten Etage des fünf Meter in den Boden reichenden Kellers gelagert.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Restaurierung eines der wichtigsten Bauwerke, das im fränkischen Teil Bayerns in Unterhaid zu finden ist. An der Kellergasse gibt es auf einer Strecke von 165 Metern ein Denkmal-Ensemble, das aus 29 Einzelkellern besteht, darunter einfache geradlinige und unverzweigte Keller, Y-förmige Doppelkeller und Keller mit hakenförmigen Stollen. Sie sind als Felsenkeller in den Hang gehauen worden.

Im Felsenkeller der aus 29 Einzelkellern bestehenden Unterhaider Anlage wurden Bierfässer gelagert.  
Unterhaid, Felsenkeller © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Im Felsenkeller der aus 29 Einzelkellern bestehenden Unterhaider Anlage wurden Bierfässer gelagert.

Die Sanierung der Anlagen in Unterhaid ist ein Glücksfall und leider nicht die Norm. In Franken haben sich die Menschen zusammengetan und in Eigenleistung Trockenmauern repariert und Wege nach historischem Vorbild gepflastert, nicht zuletzt, um im Sommer wieder ihr Bier gemeinsam im Grünen genießen zu können. Im Gegensatz zu Unterhaid sehen viele Eiskeller traurig aus. Bestenfalls stehen sie leer und warten darauf, wiederentdeckt zu werden. Oft wurden die Gruben mit Abfall gefüllt, und ihre Gewölbe drohen einzustürzen. In den Schlossanlagen stellen sie das letzte Glied in der Hierarchie der Bauten dar. Wenn Keller wie in Unterhaid wieder für die Menschen zurückgewonnen und zu Ausflugszielen werden, dann wird erst deutlich, wie groß ihr Verlust gewesen wäre. In Murnau gelang es kürzlich engagierten Bürgern, einen Eiskeller des Architekten Emanuel von Seidl vor dem Abriss zu bewahren.

Eine bahnbrechende Erfindung leitete den Untergang der Eiskeller ein: Um 1870 entwickelte der Ingenieur und Universiätsprofessor Carl Linde eine Kältemaschine, die Natureis langfristig überflüssig machen sollte. Mittels Kompression leicht flüchtiger Gase wurde jetzt in großem Stil künstliche Kälte erzeugt. Dadurch konnte zugleich die Luftfeuchtigkeit deutlich gesenkt werden. Die alten Keller wurden lange Zeit weiter zur Lagerung von Bier genutzt.

Dann setzte der Zeitraffer ein: Um 1900 wurden die ersten Kunsteisfabriken gegründet, die mit Kältemaschinen Eis produzierten und es als Stangeneis an Gewerbebetriebe und die Bevölkerung verkauften. Der hygienisch zweifelhafte Eisimport, der seit dem 18. Jahrhundert vor allem aus Norwegen nach Hamburg stattfand, konnte aufgegeben werden. Deutschland hatte in warmen Wintern ganze Schiffsladungen eingeführt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Eiskeller komplett durch oberirdische Kühlhäuser ersetzt. Privathaushalte ließen sich von Eisfabrikanten noch lange Zeit Stangeneis frei Haus liefern. Erst ab 1950 verbreitete sich in Deutschland der Kühlschrank, der mittlerweile ein Hochleistungsgerät mit unterschiedlichen Klimazonen für Milch, Obst, Gemüse und Fleisch ist.

Wir sind wieder am Anfang, wo es hieß: Eiskeller haben ausgedient. Haben sie das wirklich? Nicht alle, denn manche wurden zur Heimat für Fledermäuse. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht, weil viele der Altbauten, in denen sie einst Winterschlaf hielten, abgerissen oder ihre Einfluglöcher geschlossen wurden. Gut isoliert und frostsicher bieten Eiskeller einen geeigneten Unterschlupf.

Im Eiskeller Julianenhof/Märkisch-Oderland befindet sich sowohl ein Fledermausmuseum als auch eine Ausstellung zu Eiskellern in Brandenburg.  
Julianenhof, Eiskeller © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Im Eiskeller Julianenhof/Märkisch-Oderland befindet sich sowohl ein Fledermausmuseum als auch eine Ausstellung zu Eiskellern in Brandenburg.

Auch zeitgenössische Künstler beschäftigten sich in den vergangenen zwei Jahren mit Eiskellern in Schleswig-Holstein: Ulrike Mohr, Till Krause, Dan Peterman und Hans Hs Winkler. Ihre Installationen in und über leer stehenden Eiskellern rufen vergessene Aspekte unserer Kulturgeschichte ins Gedächtnis zurück. In ihnen klingt das Thema vom schmelzenden Eis der Polkappen und vom Klimawandel an - ewiges Eis als Wunschdenken und als Gegenstand heißer Diskussionen. Das Kunstprojekt "Eiskeller und Himmelslöcher" ist ein Versuch, Grenzräume zwischen Landschaft, Architektur und Kunst zu erschließen. Als Denkmal einer vergangenen Baukultur wird der Eiskeller - oft umgeben von uralten Bäumen, die nur ein kleines Stück Himmel durchscheinen lassen - zu einem Ort der Reflexion. Möglicherweise auch darüber, wie man früher ohne Strom lebte.

Christiane Schillig


Eis - ein nicht erst neuzeitlicher Genuss

Schnee und Eis entziehen anderen Substanzen Wärme, und sie werden selbst zu Lebensmitteln verarbeitet. Seit Urzeiten haben Menschen Schnee und Eis gesammelt und eingelagert, um sie als Kühlmittel zu nutzen.

Welche Hilfsmittel zum Kühlen zur Verfügung standen, zeigt beispielsweise eine kleine Gruppe schwarzfiguriger, doppelwandiger Amphoren aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, die sich erhalten hat. Sie dienten zum Kühlen wie zum Warmhalten. In das innere Gefäß wurde das Getränk gegossen, und durch eine Öffnung beim Hals wurde der Raum zwischen den doppelten Wänden mit gekühltem oder warmem Wasser gefüllt. Später gab es sogenannte psykter, einwandige Krüge ohne Henkel, die man in einem großen "krater" treiben ließ, in dem sich schneegekühltes oder warmes Wasser befand. In einem solchen "krater" wurde auch Wein und Schnee direkt gemischt.

Eine Schriftquelle für den Gebrauch von Eis und Schnee ist das Werk von Athenaios, ein Gelehrter aus Naukratis (ca. 230 v. Chr.). In Form von fingierten Tischgesprächen lässt er Chares von Mytilene über Alexander den Großen berichten und von dessen Eroberung der palästinensischen Stadt Petra: Der Herrscher befahl dreißig Gruben zu graben, diese mit Schnee zu füllen und mit Eichenzweigen zu bedecken. .

Wie bei den Griechen erfährt man auch bei den Römern recht wenig darüber, wie Eis und Schnee gewonnen und aufbewahrt wurden. Seneca (4 v. Chr. - 65 n. Chr.) erwähnt, dass der Schnee festgestampft und mit Stroh bedeckt wurde. Mit dem Schnee kühlte man - ähnlich wie in Griechenland - Getränke am Tisch der Reichen. Man kannte in Rom auch gefrorene und mit Schnee bedeckte Speisen aus dem Kochbuch des Apicius Coelius, eines Gastronomen aus der Zeit Kaiser Tiberius (14 v. Chr. - 37 n. Chr.). .

Ein gewisser Lampiridius erzählt, wie Kaiser Heliogabal (218-222 n. Chr.) im Sommer neben seiner Residenz ganze Berge von Schnee aufhäufen ließ, um die Luft in und um den Palast zu kühlen. Auskunft über den Wert von Eis und Schnee im Altertum bekommen wir durch Plinius den Jüngeren (61-113 nach Chr.). Er wirft seinem Freund Septicius Clarus vor, nicht zu einem von ihm organisierten Essen gekommen zu sein. Er werde ihm die beträchtlichen Kosten, vor allem die für den vergeudeten Schnee, in Rechnung stellen. .

Bis zur Verbreitung von Speiseeis sollte es noch etwas länger dauern. Angeblich hat die Familie de Medici dabei eine bedeutende Rolle gespielt. Sie trug wohl entscheidend dazu bei, dass das Speiseeis von Italien aus - wie könnte es anders sein - in die Welt gelangte. Es heißt, dass Catarina de Medici 1533 an den französischen Hof kam und eigene "gelatiere" (Eiszubereiter) mitbrachte. Innerhalb eines Jahrhunderts entstanden daraufhin in Paris und anderen Städten einige hundert "limonaderies", in denen Eis verkauft wurde. 1630 heiratete Henrietta Maria, die Enkelin von Catarina de Medici, Karl I. von England. Im Zuge dessen soll das Speiseeis nach England gekommen sein. Verbürgt ist, dass die Wohnsitze der Medici wie der Palazzo Pitti in Florenz über große aus Ziegelstein gemauerte Eiskeller verfügten.
© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Innere des Eiskellers im Dörfchen Julianenhof, das zum Naturpark Märkische Schweiz gehört. Darin befindet sich eine Ausstellung über Eiskeller in Brandenburg.
© Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
© Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
Eiskeller können auch Eishäuser sein: hier das Eishaus für ein Berliner Krankenhaus.
© Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
© Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
Eiskeller unter einer Terrasse im Schlosspark von Biesdorf in Berlin
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Terrasse der Felsenkelleranlage im fränkischen Unterhaid
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Außengastronomie der Felsenkelleranlage in Unterhaid, das zur Gemeinde Oberhaid gehört
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Sowohl die Bauwerke als auch das historische Pflaster an der Felsenkelleranlage in Unterhaid wurden restauriert.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Zwei Eingänge zu den insgesamt 29 Einzelkellern der Felsenkelleranlage im fränkischen Unterhaid an der Kellergasse
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Zugang zu einem der Felsenkeller in Unterhaid an der Kellergasse
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Tief hinunter geht es in diesen Felsenkeller im fränkischen Unterhaid
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Eiskeller des Schlosses in Wustrau im Ruppiner Land
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Eine der Hermen des Eiskellers von Wustrau, die Friedrich Christian Glume geschaffen hat
© Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
© Privatarchiv Norbert Heintze, Berlin
Die Seitenansicht des Eiskellers von Wustrau zeigt deutlich, dass über dem Keller ein Erdhügel aufgeschüttet wurde.
© Archiv Gemeinde Altenberge
© Archiv Gemeinde Altenberge
Der Eiskeller der ehemaligen Brauerei Beuing in Altenberge bei Münster mit dem neuen Informationszentrum "Eisscholle"
 
 
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Das Innere des Eiskellers im Dörfchen Julianenhof, das zum Naturpark Märkische Schweiz gehört. Darin befindet sich eine Ausstellung über Eiskeller in Brandenburg.
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Eiskeller können auch Eishäuser sein: hier das Eishaus für ein Berliner Krankenhaus.
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Eiskeller unter einer Terrasse im Schlosspark von Biesdorf in Berlin
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Die Terrasse der Felsenkelleranlage im fränkischen Unterhaid
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Außengastronomie der Felsenkelleranlage in Unterhaid, das zur Gemeinde Oberhaid gehört
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Sowohl die Bauwerke als auch das historische Pflaster an der Felsenkelleranlage in Unterhaid wurden restauriert.
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Zugang zu einem der Felsenkeller in Unterhaid an der Kellergasse
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Der Eiskeller des Schlosses in Wustrau im Ruppiner Land
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Eine der Hermen des Eiskellers von Wustrau, die Friedrich Christian Glume geschaffen hat
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Die Seitenansicht des Eiskellers von Wustrau zeigt deutlich, dass über dem Keller ein Erdhügel aufgeschüttet wurde.
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Der Eiskeller der ehemaligen Brauerei Beuing in Altenberge bei Münster mit dem neuen Informationszentrum "Eisscholle"
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Glossar

Natureis
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Eis auf Schiffen aus Grönland eingeführt. Die daran beteiligten Kaufleute erzielten damit große Gewinne. Wichtigster Eislieferant war bis zur Erfindung der Kältemaschine um 1870 Norwegen. Innerhalb des Landes verfrachtete man aus den oberbayerischen Seen regelmäßig Eis nach Norddeutschland.

Eisernte
Die meistgenutzten Quellen zur Eisgewinnung waren im Winter Eisdecken von Teichen, aufgestauten Bächen und ruhigen Seitenarmen größerer Flüsse. Das Eis wurde aufgehackt, die einzelnen Schollen zog man aus dem Wasser, brachte sie entweder in nahegelegene Eiskeller oder lud sie auf Pferdefuhrwerke zum Transport. Im 19. Jahrhundert mechanisierte man die Eisernte. Mit Eissägen wurde das Eis in regelmäßige Raster geteilt, geschnitten und auf Förderbändern in Eiskeller gebracht. Unabhängig von der Saison war das ewige Eis der Gletscher ein Kältereservoir. Auch dieses Eis wurde abgebaut und über Holzrutschen ins Tal befördert.

Eiskeller
Früher verstand man darunter nicht nur ein Bauwerk, das sich vollständig in der Erde befand, auch oberirdische Eishäuser wurden als Eiskeller bezeichnet. Die Eiskeller lassen sich in sechs Bauarten unterteilen, die Eisgrube, die Eismiete, der Eiskeller, das Eishaus aus Holz, das Eishaus aus Stein und Spezialformen, die für Markthallen, Molkereien oder Leichenschauhäuser entwickelt wurden.

Eisgrube
Sie ist eine sehr alte Bauform, die bereits 1712 beschrieben wurde: In den Boden wurde eine Grube gegraben. Sie verjüngt sich nach unten. Die Seitenwände bestanden aus Feld- und Ziegelsteinen oder aus Holz. Der untere Bereich wurde mit grobem Kies aufgefüllt, damit sich das Schmelzwasser dort sammeln und ablaufen konnte. Zur Isolierung gegen die Erdwärme wurde zwischen Eis und Außenwand Stroh gelegt, der Aufbau bestand aus einem Strohdach oder einem Holzhäuschen.

Eismiete
Sie war eine preiswerte Form der Eis¬lagerung, weil sie nur aus einem zeltartigen Holzgestell bestand, das mit Stroh und Rohr bedeckt war. Im Boden wurde anstatt einer tiefen Grube nur eine kleine, mit Kieselsteinen ausgelegte Kuhle ausgehoben, damit Schmelzwasser abfließen konnte. Die Eingangsschleuse lag Richtung Norden.

Eishaufen
Er war die einfachere Variante der Eismiete. Hier wurde das Eis mit Torf, Erde oder Stroh abgedeckt. Es gab weder ein Holzgestell noch eine Eingangstür.

Eishaus aus Holz
Erste Berichte über hölzerne Eishäuser stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie wurden damals auch als "Russische Eiskeller" bezeichnet, im 19. Jahrhundert dann als "Amerikanische Eiskeller" und zwar deshalb, weil die Eisindustrie in den Vereinigten Staaten hauptsächlich diesen Bautyp einsetzte. Obwohl anfällig für Fäulnis und Schwamm, wurden sie als preiswerte Alternative zum massiven Eishaus gegen Ende des 19. Jahrhunderts serienmäßig hergestellt. Sie hatten eine doppelte Holzwand mit einem mindestens 40 Zentimeter breiten Zwischenraum, der mit Holzwolle, Schlacke oder Torf gefüllt wurde.

Eishaus aus Stein
Sie werden in der Literatur erst ab den 1870er-Jahren erwähnt und waren in dicht bewohnten Gebieten unbedenklicher als Holzhäuser, da sie weniger schnell Feuer fingen. Im 19. Jahrhundert wurde durch Hohlräume isoliert, ab dem 20. Jahrhundert mit Korkstein und Kieselgur. Eishäuser enthielten zum Teil Kühlräume für Lebensmittel. Der Eisraum war vom Volumen bis zu viermal so groß wie der Kühlraum und deutlich höher. Die kalte Luft sank nach unten. Bei größeren Eishäusern übte das Eis auf den Boden einen erheblichen Druck aus. Bei einer Eishöhe von zehn Metern lasten fast acht Tonnen Gewicht auf jedem Quadratmeter Boden¬fläche. Eine Sonderform waren runde Eishäuser mit besseren Isoliereigenschaften, weil eine geringere Oberfläche vorhanden ist.

Brauereikeller
Mit der Verbreitung des untergärig gebrauten Bieres um 1850 wurden Eiskeller nötig. Bei den Brauereien gab es verschiedene Eiskeller-Bauarten. Das Eis wurde in einem Raum direkt über dem Gär- und Lagerkeller untergebracht. Die kalte Luft sank in die tiefer gelegenen Keller und verdrängte die erwärmte Luft. Als Ergänzung zu den Eiskellern besaßen Brauereien auch oberirdische Eishäuser.

Felsenkeller
Er ist eine Sonderform der Brauereikeller. Gut erhalten ist der in einen Hohlweg eingebettete im fränkischen Unterhaid. Darin fanden ab dem Spätwinter geschnittene Eisblöcke Platz und wurden Fässer gelagert. Es gehören ein Sommerkeller, ein Kellerhaus, eine Kegelbahn und zwei Terrassen zur Anlage. Im Sommerkeller wurde das eingelagerte Bier ausgeschenkt.

Lavakeller
Unterhalb der Stadt Mendig im Vulkanpark Osteifel/Laacher See spannt sich auf einer Fläche von fast drei Quadratkilometern ein Netz von unterirdischen Lava-kellern. In 32 Metern Tiefe floss in Urzeiten ein Lavastrom Richtung Mendig. Nachdem das Baumaterial abgebaut worden war, entstanden in den Stollen die Lavakeller. Ab 1843 dienten sie zum Gären und als Lager für zeitweise 28 Brauereien, denn es herrschte dort die günstige gleichbleibende Temperatur von sechs bis neun Grad.

Literatur

Norbert Heintze: Eiskeller und Eiswerke in Berlin und Brandenburg, 3. Auflage Berlin 2014, Online-Publikation

Ulrich Hellmann: Künstliche Kälte. Die Geschichte der Kühlung im Haushalt, Werkbund-Archiv Band 21. Anabas-Verlag, Gießen 1990. ISBN 3-87038-152-3 Stephan A. Lütgert: Eiskeller, Eiswerke und Kühlhäuser in Schleswig-Holstein und Hamburg. Husum Verlag, Husum 2000. ISBN 978-3-88042-962-8

Eiskeller und Himmelslöcher. Hrsg.: Verena Voigt, Hans Hs Winkler, Revolver Publishing, Berlin 2014. ISBN 978-3-95763-026-1 Wessel Reinink: Eiskeller. Kulturgeschichte alter Kühltechniken. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 1995. ISBN 3-205-98405-6

Besichtigungen

Bayern/Oberfranken: Felsenkeller Unterhaid. Kellergasse, 96173 Oberhaid, Kellerführungen nach Absprache, Ansprechpartner Thomas Schmitt (Gemeinde Oberhaid), Tel. 09503 922332, schmitt@oberhaid.de

Rheinland-Pfalz, Vulkaneifel: Lavakeller, Brauerstraße 1, 56743 Mendig, Besichtigungen des Basaltlavabergwerks nur mit Führung. Für Tagesgäste/Einzelbesucher in den Lava- keller von Di-Fr 13.30 Uhr, Sa, So, feiertags und an Brücken-Freitagen sowie in den Ferien von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen tägl. 12, 13.30 und 15 Uhr. Tel. 02652 9399222, info@lava-dome.de.

Nordrhein-Westfalen, Nähe Münster: Eiskeller Altenberge (ehem. Brauerei Beuing), Gooiker Platz 1, 48341 Altenberge, Öffnungszeiten des Eiskellers und des Pavillons: Okt.-April nach Vereinbarung, Mai-Sept. Sa 13-17 Uhr (letzte Führung 16 Uhr), werktags nach Vereinbarung, So und feiertags 11-17 Uhr (letzte Führung 16 Uhr).
Anmeldungen und Informationen: Bürgeramt, Tel. 02505 8232 oder 8233.

Brandenburg, Märkisch-Oderland, Internationales Fledermausmuseum Julianenhof mit Eiskeller, Julianenhof 15b, 15377 Märkische Höhe, Öffnungszeiten Museum Mai-Okt. tägl. 10-16 Uhr, Eiskeller Mai-Sept. tägl. 10-16 Uhr, Tel. 033437 15256, fledermausmuseum@freenet.de, www.fledermausmuseum-julianenhof.de

Schleswig-Holstein: Eiskeller und Himmelslöcher. Führungen durch die Eiskeller auf Gut Rixdorf, Gut Hohenstein, Gut Hemmelmark, Gut Höbek und den Eiskellerberg auf Gut Deutsch-Nienhof. Individuelle Planung möglich. Kontakt: Verena Voigt, Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte e. V., v.voigt@t-online.de, Tel. 0163 1911669, 0431 3800757 Websites Der Verein Berliner Unterwelten kümmert sich um Brauereikeller in der Hauptstadt: www.berliner-unterwelten.de
Wer sich einen Überblick über Eiskeller in Berlin und Brandenburg verschaffen möchte, kann sich auf der Internetseite von Norbert Heintze umsehen. Der Spezialist freut sich über Hinweise auf bisher nicht bekannte Standorte. Wir danken Norbert Heintze dafür, dass er der Deutschen Stiftung Denkmalschutz beratend zur Seite stand und Fotos aus seiner umfangreichen Sammlung zur Verfügung stellte. www.eiskeller-brandenburg.de