Schlösser und Burgen 1850 Herrscher, Künstler, Architekten Menschen für Denkmale

Das Lingnerschloss ist in guten Händen

Der Odolkönig und seine Erben

Dr. Peter Lenk kann eine Menge über das Lingnerschloss erzählen. Dabei lässt er sich beim Gang durch die Baustelle von Staub, Lärm und dem Gewusel der Handwerker in seinen Ausführungen nicht beirren.

"Seit nun mehr als zehn Jahren arbeiten wir als Förderverein daran, diese große spätklassizistische Villa denkmalgerecht zu sanieren und zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs zu machen - so wie es sich ihr ehemaliger Eigentümer Karl August Lingner vorgestellt hat."

Das Lingnerschloss bietet mit seiner Lage an den Loschwitzer Weinhängen einen reizvollen Anblick.  
Dresden, Lingnerschloss © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Lingnerschloss bietet mit seiner Lage an den Loschwitzer Weinhängen einen reizvollen Anblick.

1906 hatte der Unternehmer, der vor allem durch die Herstellung des Mundwassers "Odol" zu großem Reichtum gekommen war, die Villa Stockhausen gekauft. Hoch über der Elbe östlich der Dresdner Innenstadt, war sie 1850 bis 1853 von Adolf Lohse für Baron von Stockhausen gebaut worden, der als Hofmarschall und Kammerherr des Prinzen Albrecht von Hohenzollern gleich neben dessen Wohnsitz, Schloss Albrechtsberg, dieses Anwesen erhielt. Direkt nach dem Kauf ließ Karl August Lingner die Anlage von dem Architekten Wilhelm Kreis umbauen. Schon zehn Jahre später, 1916, vermachte der "Odolkönig" der Stadt Dresden sein repräsentatives Domizil "zum Besten der Bevölkerung von Dresden und Umgebung". Das, was dann kam, entsprach wohl nicht den Nutzungsabsichten Lingners: Kinderheim, Sitz der sowjetischen Militärverwaltung, Studentenwohnheim, Domizil des elitären Dresdner Klubs, zehn Jahre Leerstand und damit verbunden Vandalismus, Verfall und gravierende Bauschäden.

Auf der Dachterrasse seines Schützlings: der Vorsitzende des Fördervereins Dr. Peter Lenk  
Dresden, Dr. Peter Lenk © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Auf der Dachterrasse seines Schützlings: der Vorsitzende des Fördervereins Dr. Peter Lenk

Seitdem der Förderverein mit seinem Vorsitzenden Dr. Peter Lenk 2003 das schlossähnliche Anwesen von der Stadt im Erbbauvertrag übernahm, geht es mit dem Denkmal endlich wieder aufwärts. Mit großem Engagement erfüllen die Mitglieder Lingners Vermächtnis: Er wünschte sich "kein Etablissement für nur reiche Leute". Sondern: "Im Hauptgebäude soll sich ein Café oder Restaurant mit den im Umkreis niedrigsten Preisen befinden." So ist es nun. Inzwischen hat im restaurierten Ostflügel ein Restaurant eröffnet und vor dem wiederhergestellten Westflügel ein Sommerausschank. Die Dachterrasse wurde saniert und zu großen Teilen die Fassade. Im Inneren sind der Speisesaal aus der Lingner-Ära und der Kinosaal im Stil der 1950er-Jahre wieder voll nutzbar. In den rekonstruierten Räumen finden jetzt mit modernster Vorführtechnik regelmäßig die Kulturveranstaltungen statt, die Besucher zuvor in die unfertigen Räume gelockt hatten.

Die Sanierung des Lingnerschlosses ist aufwendig und teuer. Auf etwa zwölf Millionen Euro belaufen sich die Baukosten. Knapp zehn Millionen kamen bisher aus unterschiedlichsten Quellen zusammen: aus Verpachtungen des Restaurants und des Schweizerhauses im Park, aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittspreisen und durch Spenden zahlreicher privater Förderer, Firmen und Institutionen, deren Nennung den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde. 2011 machte der Pharmakonzern GlaxoSmithKline, zu dem das einstige Sächsische Serumwerk von Karl August Lingner heute gehört, eine Großspende über fünf Millionen Euro. Damit konnten die Baumaßnahmen der letzten Jahre finanziert werden. Nun ist das Geld nahezu verbaut.

Obwohl das Schloss, wie der Festsaal, immer noch eine große Baustelle ist, dienen die fertiggestellten Räume kulturellen Zwecken.  
Dresden, Lingnerschloss © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Obwohl das Schloss, wie der Festsaal, immer noch eine große Baustelle ist, dienen die fertiggestellten Räume kulturellen Zwecken.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellte dem Förderverein von 2004 an über 200.000 Euro für die Sanierung zur Verfügung. Außerdem wurde vor genau zehn Jahren die treuhänderische Stiftung Lingnerschloss Dresden in der DSD errichtet. Sie widmet sich der Restaurierung der prachtvollen Villa. Unter anderem konnten im Jahr 2012 aus ihren Erträgen und Spenden Fenster des Mezzaningeschosses aufgearbeitet werden. Trotz dieser Erfolgsbilanz gibt es nach wie vor viele Räume, die instand zu setzen sind, wie den zentralen Festsaal, ebenso die Südfassade. Etwa noch zwei Millionen Euro fehlen bis zum Abschluss der Sanierung.

Vor der Leistung des Fördervereins hat Dr. Rosemarie Wilcken, Vorstandsvorsitzende der DSD, die größte Hochachtung: "Das Engagement für die Sanierung dieses Schlosses ist in Deutschland beispielgebend für bürgerschaftlichen Denkmalschutz." Ohne den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz stünde dieses kostbare historische Bauzeugnis wohl immer noch verwahrlost und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich oberhalb des Loschwitzer Elbhangs.

© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
So wie er es in seinem Testament festgelegt hat, schufen Hans Poelzig und Georg Kolbe das Mausoleum für den 1916 verstorbenen Karl August Lingner.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Lingnerschloss mit seinem Ostflügel vom Park aus gesehen.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der spätklassizistische Bau wurde 1850-53 für den Hofmarschall und Kammerherrn des Prinzen Albrecht von Hohenzollern, Baron von Stockhausen errichtet. Architekt war Adolf Lohse.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
2010 eröffnete das Restaurant im wiederhergestellten Ostflügel des Schlosses. Das Publikum ist bunt gemischt, der gestalterische und kulinarische Anspruch bleibt hoch, und die Gäste wissen das zu schätzen.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Kinosaal stammt aus der Zeit, als der Dresdner Klub noch das Schloss nutzte. 1955-57 wurde es unter Leitung des Architekten Gerhard Guder für die Zwecke der elitären Verbindung von Wissenschaftlern, Künstlern, aber auch Vertretern der Staatsmacht umgebaut.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Besonderheit des Lingnersalons, in dem eine kleine Dauerausstellung über den Dresdner Industriellen Lingner besichtigt werden kann, ist sein Wandfries. Die Reliefs sind Kopien von der Sängerkanzel von Lucca della Robbia aus Florenz (1437).
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Weithin sichtbar liegen auf den Loschwitzer Elbängen die drei Schlösser. Von links nach rechts: Schloss Albrechtsburg (1850-54), Lingnerschloss (1850-53) und Schloss Eckberg (1859-61).
 
 
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
So wie er es in seinem Testament festgelegt hat, schufen Hans Poelzig und Georg Kolbe das Mausoleum für den 1916 verstorbenen Karl August Lingner.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Lingnerschloss mit seinem Ostflügel vom Park aus gesehen.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der spätklassizistische Bau wurde 1850-53 für den Hofmarschall und Kammerherrn des Prinzen Albrecht von Hohenzollern, Baron von Stockhausen errichtet. Architekt war Adolf Lohse.
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2010 eröffnete das Restaurant im wiederhergestellten Ostflügel des Schlosses. Das Publikum ist bunt gemischt, der gestalterische und kulinarische Anspruch bleibt hoch, und die Gäste wissen das zu schätzen.
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Der Kinosaal stammt aus der Zeit, als der Dresdner Klub noch das Schloss nutzte. 1955-57 wurde es unter Leitung des Architekten Gerhard Guder für die Zwecke der elitären Verbindung von Wissenschaftlern, Künstlern, aber auch Vertretern der Staatsmacht umgebaut.
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Besonderheit des Lingnersalons, in dem eine kleine Dauerausstellung über den Dresdner Industriellen Lingner besichtigt werden kann, ist sein Wandfries. Die Reliefs sind Kopien von der Sängerkanzel von Lucca della Robbia aus Florenz (1437).
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© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Weithin sichtbar liegen auf den Loschwitzer Elbängen die drei Schlösser. Von links nach rechts: Schloss Albrechtsburg (1850-54), Lingnerschloss (1850-53) und Schloss Eckberg (1859-61).
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Daher bitten wir Sie: Helfen Sie bei der Restaurierung! Unterstützen sie uns dabei, das Lingnerschloss in ein lebendiges Bürgerschloss zu verwandeln, zu einem Ort der Begegnung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, offen für alle Dresdner Bürger und Besucher.

Amelie Seck

Nähere Informationen gibt Ihnen gerne:
Elke von Wüllenweber, Tel. 0228 9091-209, elke.wuellenweber@denkmalschutz.de und http://www.denkmalschutz.de/spenden-helfen/stiften/treuhaenderische-stiftungen/lingnerschloss.html

Lingnerschloss, Bautzner Straße 132, 01099 Dresden Förderverein Lingnerschloss e. V., Tel. 0351 6465-382, info@lingnerschloss.de, www.lingnerschloss.de Lingnerterrassen (Restaurant, Café, Biergarten), Tel. 0351 4568510, www.lingnerterrassen.de

Wenn Sie die treuhänderische Stiftung Lingnerschloss Dresden unterstützen möchten, erbitten wir Ihre Zuwendung auf das Konto:
DSD Stiftung Lingnerschloss Dresden
IBAN: DE07 380 101 11 102 775 8211
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