Technische Denkmale Kurioses Technik Februar 2013 T

Die ehemalige Trafostation in Suhl wird zum Artenschutzhaus

Zimmer frei im Tierhotel

Das komplett sanierte Domizil ist bezugsfertig und wartet auf Gäste. Wer sich in dem historischen Gebäude einquartiert, darf sich auf eine komfortable, behagliche Unterkunft freuen, die sorgfältig auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner abgestimmt ist. Verantwortlich hierfür war allerdings kein Architekt, sondern der Naturschutzbund Deutschland e. V., kurz NABU. Er war gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde maßgeblich daran beteiligt, die ehemalige Trafostation in der thüringischen Stadt Suhl einer neuen Nutzung zuzuführen und zu einem Artenschutzhaus umzugestalten.

Das komplett sanierte Domizil ist bezugsfertig und wartet auf Gäste. Mitten in einem attraktiven Wohngebiet der thüringischen Stadt Suhl gelegen, fügt es sich harmonisch in die gepflegte Umgebung ein. Das Haus besteht aus zwei Baukörpern: Auf quadratischem Grundriss erhebt sich ein Turm, der von einem sehr steilen Satteldach mit Giebelhäusern geprägt wird. Den längsrechteckigen Anbau deckt ein flacheres Dach. Wer sich in dem historischen Gebäude einquartiert, darf sich auf eine komfortable, behagliche Unterkunft freuen, die sorgfältig auf die Bedürfnisse der künftigen Bewohner abgestimmt ist. Verantwortlich hierfür war allerdings kein Architekt, sondern der Naturschutzbund Deutschland e. V., kurz NABU. Er war gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde maßgeblich daran beteiligt, die ehemalige Trafostation Suhls einer neuen Nutzung zuzuführen und zu einem Artenschutzhaus umzugestalten.

Bei der Sanierung der ehemaligen Trafostation blieben historische Isolatoren erhalten. Im Hintergrund: das Insektenhotel 
© R. Rossner
Bei der Sanierung der ehemaligen Trafostation blieben historische Isolatoren erhalten. Im Hintergrund: das Insektenhotel

Viele Tierarten brauchen diesen Schutz, weil sie keine Brut- oder Niststätten mehr finden. Alte Gebäude, die dafür in Frage kämen, werden häufig abgerissen. Als neue Unterkunft für Fledermäuse, Vögel oder Wildbienen bot sich das seit Jahren ungenutzte Trafohäuschen an. Es wurde nach 1900, als die Elektrizität Einzug in die ländlichen Gebiete hielt, neben einem barocken Brunnen errichtet. Seine aufwendige Gestaltung mit ovalen Fenstern entsprach dem Geschmack der Zeit.

Viele Jahrzehnte leistete die Trafostation nützliche Dienste, bis die Verkabelung der Elektroleitungen sie nach der Wende überflüssig werden ließ. Im Jahr 2000 wurde das kleine Jugendstilgebäude in die Denkmalliste des Landes Thüringen aufgenommen, und noch im selben Jahr erwarb es die Stadt von dem früheren Energiezulieferer. Doch erst vor fünf Jahren entstand die Idee, das inzwischen baufällig gewordene Denkmal zu einem Tierhotel umzubauen. Nachdem ein Gutachten die entsprechende Eignung bescheinigt hatte, gingen die ideenreichen Initiatoren auf Sponsorensuche, um den kompakten Putzbau denkmalgerecht sanieren und als Artenschutzhaus umbauen zu lassen.

Mehrere Nistkästen am Gebäude bieten fliegenden Gästen Unterkunft. 
© R. Rossner
Mehrere Nistkästen am Gebäude bieten fliegenden Gästen Unterkunft.

An der Finanzierung der Dacharbeiten und der Aufarbeitung der Fenster beteiligte sich neben weiteren Geldgebern die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Sie unterstützte das ungewöhnliche Projekt mit 5.000 Euro. In der Bevölkerung fand die neue Nutzung der Trafostation ebenfalls breite Unterstützung. Lokale Unternehmer und Handwerker engagierten sich großzügig, selbst Schüler leisteten ihren Beitrag. Während sie ein Insektenhotel bastelten, entstanden in der Ergotherapie des Fachkrankenhauses für Psychiatrie und Neurologie in Hildburghausen handgefertigte Nistkästen.

Bei der Instandsetzung wurden die Bedürfnisse der Tiere ebenso berücksichtigt wie die Anforderungen des Denkmalschutzes - von der Dachsanierung mit originalen Biberschwanzziegeln über Lamellen als Ein- und Ausflugmöglichkeiten bis zur Aufarbeitung der über 100 Jahre alten Türen und Fenster. Mit einer eingezogenen Zwischendecke ist auch im Winter für akzeptable Temperaturen gesorgt. Höhlenbrüter wie Mauersegler und Meisen können sich in Kästen zurückziehen, während gesellige Sperlinge einen "Kolonie-Kasten", ein schmuckes "Reihenhaus", beziehen können. Unter dem Dach des kleinen Anbaus ist das Insektenhotel untergebracht. Es ist hinter einer Gaze aus Drahtgeflecht verborgen, damit sich die Vögel nicht "bedienen" können und sie zugleich vor Stichen geschützt werden. Im Frühjahr werden die ersten Mieter in dem ehemaligen Trafohäuschen erwartet und eine "tierisch" bunte, hoffentlich verträgliche Wohngemeinschaft bilden.

Friedegard Hürter

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