Technische Denkmale Technik Februar 2013

Mit dem Radom wurde Technikgeschichte geschrieben

Der Mond von Raisting

Eine Ikone der Satellitenkommunikation steht in Oberbayern: Die Antenne 1 der Erdfunkstelle Raisting ist ein technisches Denkmal von herausragender nationaler Bedeutung.

Allerorten blitzen hell verputzte Kirchen mit Zwiebeltürmen auf und setzen malerische Akzente - so kennt man das Voralpenland. Doch der Pfaffenwinkel, besonders reich an Klöstern und Kirchen, wartet mit einer Landmarke der besonderen Art auf: Wie aus einer anderen Welt muten die riesigen Satellitenantennen der Erdfunkstelle an, die die Deutsche Bundespost ab 1963 in der Ebene bei Raisting errichtete.

Als erste wurde 1964 die Antenne 1 in Betrieb genommen. Die eindrucksvolle Tragluftkuppel von fast 50 Metern Durchmesser gab der Anlage den Namen Radom, abgeleitet vom englischen "Radar Dome". Sechs Gebläse sorgen für Überdruck und damit für die Stabilität der schützenden Membran. Als Sockel dient ein kreisrunder Flachbau, der neben dem zentralen Antennenraum weitere Lager- und Technikräume beherbergt.

Die Wiege der deutschen Telekommunikation steht in Oberbayern: die Erdfunkstelle Raisting. 
© Archiv Radom Raisting
Die Wiege der deutschen Telekommunikation steht in Oberbayern: die Erdfunkstelle Raisting.

Via Radom konnte man in mehreren europäischen Ländern erstmals in größerem Umfang interkontinentale Telefongespräche führen. Zuvor hatte es ausschließlich die transatlantische Kabelverbindung gegeben. Später ermöglichte die Satellitenfunkanlage auch Live-TV-Übertragungen. Ohne die Raistinger Antenne hätte sich die Mondlandung vom Juli 1969 wohl nicht als Film ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Auch das während des Kalten Krieges berühmt gewordene "Rote Telefon", eigentlich eine ständige Fernschreiberverbindung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, lief über Raisting.

Bis in die 1980er Jahre hinein wurde die Erdfunkstelle durch weitere Satellitenantennen ausgebaut. Doch eine Umstellung des Sendeverfahrens bedingte 1985 schließlich die Stilllegung von Antenne 1. Als Ikone des modernen Bayerns steht das Radom seit 1999 unter Denkmalschutz. Immerhin wurde hier, in der von Hügelketten abgeschirmten Raistinger Wanne, das Satellitenzeitalter eingeläutet.

Im Inneren des Radoms: Die knallrote Parabolantenne ermöglichte die Nachrichtenübertragung über Satelliten. 
© Peter Rigotti
Im Inneren des Radoms: Die knallrote Parabolantenne ermöglichte die Nachrichtenübertragung über Satelliten.

Zuletzt war der Zustand des Radoms allerdings besorgniserregend. Am Flachdachgebäude traten gravierende Schäden durch eindringendes Regenwasser auf. Vor allem die Kuppel war in die Jahre gekommen: Aufgrund der porösen Polyesterfolie und undichter Nähte war ihre Standsicherheit nicht mehr gewährleistet. Im September 2010 konnte die 16 Tonnen schwere Schutzhaut erneuert werden und verdient nun wieder ihren Namen. Die Sanierung des Flachbaus wurde 2012 abgeschlossen. An den Kosten beteiligte sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 200.000 Euro.

Die gemeinnützige Radom Raisting GmbH, seit 2007 Eigentümerin des Denkmals, und der Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting e. V. wollen das Wahrzeichen nun der Öffentlichkeit zugänglich machen. Darüber hinaus soll das Radom auch dem Lehrbetrieb dienen. Denn die Antennenanlage ist in vollem Umfang erhalten, der Parabolspiegel wieder empfangs- und sendebereit. Die Technische Universität München möchte sie für wissenschaftliche Zwecke nutzen.

So kündet das Radom auch in Zukunft davon, dass im Pfaffenwinkel nicht nur die Kirchen für die Verbindung nach oben zuständig sind.

Bettina Vaupel

Für Besucher soll das Radom von Mai bis Oktober 2013 zugänglich sein (voraussichtlich stundenweise an den Wochenenden sowie für Gruppen nach Voranmeldung).
Kontakt: René Jakob, Tel. 0881/6 81 11 43 oder Dr. Sabine Vetter, Tel. 08803/9 00 83 60

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