Wohnhäuser und Siedlungen August 2012

Das ehemalige Syndikats- und Zinsmeisterhaus an der Altmühl

„Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer“

Dankbar können die Bewohner kleiner Ortschaften sein, in denen es historisch Interessierte gibt. Ohne wissbegierige Bibliothekare, gründliche Archivare oder faszinierte Laien käme manches gar nicht ans Tageslicht, und vieles ginge verloren. Im mittelfränkischen Pappenheim kümmert sich der Kunst- und Kulturverein Pappenheim e. V. um ein Spätrenaissance-Gebäude, das auf mittelalterlichen Fundamenten steht.

Im fränkischen Pappenheim zeigt sich das ehemalige Syndikats- und Zinsmeisterhaus wieder freundlich und einladend. 
© ML Preiss
Im fränkischen Pappenheim zeigt sich das ehemalige Syndikats- und Zinsmeisterhaus wieder freundlich und einladend.

Der Verwaltungsbau unterhalb der Pappenheimer Burganlage hat eine lange, spannende Geschichte, die man dem Haus auf den ersten Blick nicht ansieht.     Das Renaissancegebäude steht zum Teil auf mittelalterlichen Fundamenten und war von Beginn an ein bürgerliches Haus. Im Jahre 1675 kaufte es Johann Meggel für seine Zinsmeisterei, die nach der Reformation Rechtsnachfolgerin der Pappenheimer Klosterverwaltung wurde. Meggel starb schon ein Jahr später, und das baufällige Haus direkt an der Altmühl wurde 1676 von dem 25-jährigen Grafen Wolf Christoph Wilhelm zu Pappenheim (1651-85) erworben.


Hier kommen nun die Pappenheimer ins Spiel, die keine literarischen Figuren waren, sondern die es wirklich gab. Wolf Christoph Wilhelm ist ein Nachfahre des berühmten Gottfried Heinrich zu Pappenheim (1594-1632), dessen Kürassier-Regiment während des Dreißigjährigen Krieges zu den bekanntesten Kavallerie-Einheiten gehörte. Ihren Stammsitz hatte die Familie im gleichnamigen, heute rund 4.000 Einwohner zählenden Ort, wo das ehemalige Syndikats- und Zinsmeisterhaus an der Klosterstraße 14 steht.

Gottfried Heinrichs Kavallerie, die Pappenheimer, sind legendär: Friedrich Schiller machte sie mit dem Ausspruch im Drama "Wallensteins Tod" unsterblich. Dem Feldherrn legte er die Worte in den Mund: "Daran erkenn' ich meine Pappenheimer". Wallenstein sagte dies anerkennend, weil die Kürassiere ihm eine kluge Frage gestellt hatten. Heute ist der Ausspruch "Ich kenne meine Pappenheimer" unscharf geworden und kann abwertend oder ironisch - im Sinne von "Spitzbuben" - gemeint sein.

Grau und verlassen wirkte das Renaissancehaus noch vor ein paar Jahren. 
© W. Zimpel
Grau und verlassen wirkte das Renaissancehaus noch vor ein paar Jahren.

Seine Gestalt erhielt das Haus von Graf Wolf Christoph Wilhelm zu Pappenheim. 1679 musste er es an die Stadtvogtei abtreten. Seine Umbauten sind noch am Dachgebälk zu erkennen, denn er verlieh dem Haus die L-Form und ließ den Giebel in Richtung Marktplatz "drehen".

Bis der Verein 2005 die ehemalige Stadtvogtei übernahm, sah sie lange Zeit grau und traurig aus. Das Haus zeigte eklatante Setzrisse, verfiel zusehends und stand leer. Im Inneren aber kann man die Räume wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch durchstreifen. So weist unter dem Dach eine noch erhaltene "Laubhütte" darauf hin, dass hier im 19. Jahrhundert der jüdische Händler Isaak Moses Neumann das Laubhüttenfest feierte. Es erinnert an den Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten.

Der Dachstuhl des Hauses musste umfassend restauriert werden. 
© ML Preiss
Der Dachstuhl des Hauses musste umfassend restauriert werden.

Kürzlich wurden die Arbeiten zur Sicherung des ehemaligen Syndikus- und Zinsmeisterhauses abgeschlossen Neben weiteren Geldgebern konnte auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Arbeiten dank der ihr zufließenden Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale mit 100.000 Euro unterstützen. Es soll ein Haus der Bürger mit Veranstaltungsräumen und einem kleinen Museum entstehen, in dem Zeitschichten und Spuren aus seiner langen Nutzungsgeschichte sichtbar sein werden.

Das große Engagement dürfte die modernen Pappenheimer wieder wie zu Schillers Zeiten in ein positives Licht rücken.

Christiane Schillig