Interieur Menschen für Denkmale April 2012

Wie die Burg Namedy ihren Spiegelsaal erhielt

Der Tipp kam vom Friseur

Es ist ein Klischee, und wie jedes Klischee hat es einen wahren Kern: Entscheidende Dinge erfährt man beim Friseur. So erging es auch Prinz Carl Anton von Hohenzollern im Jahre 1907. Gerade erst hatte er seine militärische Laufbahn nach einem Zerwürfnis mit seinem Vorgesetzten abrupt beendet.

Die Wandpaneele im Spiegelsaal der Burg Namedy leuchten in warmen Rotbrauntönen. 
Andernach, Burg Namedy © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Wandpaneele im Spiegelsaal der Burg Namedy leuchten in warmen Rotbrauntönen.

Jetzt wollte der Prinz Potsdam möglichst schnell den Rücken kehren und war auf der Suche nach einem geeigneten Domizil für sich und seine Familie. Sein aus dem Rheinland stammender Coiffeur hatte den erlösenden Hinweis: Die Burg Namedy, malerisch zwischen Brohl und Andernach im Rheintal gelegen, stehe zum Verkauf. Seiner Gattin Josephine, einer geborenen Prinzessin von Belgien, war die größere Nähe zur Heimat nur recht.    Namedy war im 14. Jahrhundert durch das Andernacher Patriziergeschlecht Hausmann zunächst als kleine Wasserburg errichtet und dann im Barock erweitert worden. Ein einschneidender Umbau erfolgte 1896: Der damalige Besitzer ließ den Wohntrakt aufstocken und zwei Seitenflügel anbauen.


Als Prinz Carl Anton von Hohenzollern das Anwesen übernahm, vermisste er im neuen Heim vor allem einen großen Festsaal. Er beauftragte den Andernacher Architekten Clemens Kroth mit einem eingeschossigen und flachgedeckten Anbau. Mit seinen beiden runden Ecktürmen und der als Pergola gestalteten Dachterrasse fügt sich der Saalanbau harmonisch in das Gesamtbild der Burg Namedy ein.

1911 waren alle Umbaumaßnahmen vollendet und der Saal konnte als Krönung des neuen Familiensitzes eingeweiht werden: Die Spiegel und die kunstvoll gearbeiteten Paneele aus edlem Holz verliehen ihm die festliche Aura barocker Spiegelsäle, wenn seine strengen Formen auch zeitgemäßer waren. Allerdings wurde der wunderschöne Raum schon bald umfunktioniert: Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges richtete Prinzessin Josephine im Spiegelsaal ein Lazarett ein. Seine eigentliche Bestimmung geriet in den Wirren zweier Kriege und den wirtschaftlichen Schwierigkeiten danach in Vergessenheit.

Der Spiegelsaal der Burg Namedy gibt eine edle Kulisse für Feste und Konzerte ab. 
Andernach, Burg Namedy © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Spiegelsaal der Burg Namedy gibt eine edle Kulisse für Feste und Konzerte ab.

1988 übernahm der Enkel von Carl Anton, Prinz Godehard von Hohenzollern, Namedy und entwickelte die Idee, das Schloss mit Konzerten und Lesungen als kulturelles Zentrum zu beleben. Mittlerweile bilden die gefragten Veranstaltungen zusammen mit dem Konzept, die Salons und Säle zu vermieten, die wirtschaftliche Grundlage für den Erhalt dieser landschaftsprägenden Anlage. Der 1992 gegründete "Förderkreis Burg Namedy e.V." bietet dabei ideelle und materielle Unterstützung.

Die Instandhaltung eines solchen Baudenkmals ist eine Aufgabe, die in Eigenleistung allein nicht zu erbringen ist. Auch das Landesdenkmalamt Rheinland-Pfalz gewährte erhebliche Mittel für Sanierungsmaßnahmen. Insbesondere am Spiegelsaal hatte der Zahn der Zeit mit so verheerender Wirkung genagt, dass man sogar an einen Abbruch dachte: Die Wandpaneele waren zum Teil aufgequollen und aufgeplatzt. Die aufwendige Restaurierung der historischen Holztäfelung unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 150.000 Euro.

In dem eingeschossigen Anbau von Burg Namedy ist der Festsaal untergebracht. 
Andernach, Burg Namedy © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
In dem eingeschossigen Anbau von Burg Namedy ist der Festsaal untergebracht.

Seither erfüllt das Kleinod wieder seinen ursprünglichen Zweck. Ob beim Klavierabend, beim Jazz-Konzert oder bei einer privaten Feier - der Spiegelsaal der Burg Namedy bietet einen ganz besonderen Rahmen für Genüsse jedweder Art.

Bettina Vaupel

Weitere Infos im WWW:

www.burg-namedy.de