Technische Denkmale Verkehr April 2011

Die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven

Die Preußen am Jadebusen

Alles begann mit dem Jade-Vertrag vom 20. Juli 1853. Damals ging es aber nicht, wie der Name so romantisch suggeriert, um Schmucksteine. Vielmehr verhandelten die Preußen über eine Meeresbucht. Sie besaßen bis dahin keinen Nordseehafen und erwarben mit dem Vertrag vom Großherzogtum Oldenburg ein 313 Hektar großes Gebiet am Jadebusen, um dort einen Stützpunkt für die Marine zu errichten. Seither ist die Geschichte Wilhelmshavens eng mit der Geschichte der preußischen und deutschen Marine verbunden. Die preußische Admiralität beauftragte Gotthilf Heinrich Ludwig Hagen mit der Planung für den ersten Kriegshafen an der Jade. Hagens Anlage bestimmt noch heute den Grundriss des Stadtkerns mit Hafen, auch wenn dieser nach der Gründung des deutschen Kaiserreichs bis 1888 bedeutend erweitert wurde.

Im Jahr 2012 soll das Wahrzeichen der Stadt Wilhelmshaven, die Kaiser-Wilhelm-Brücke, fertig restauriert sein. 
Wilhelmshaven, Kaiser-Wilhelm-Brücke © Karin Baatz
Im Jahr 2012 soll das Wahrzeichen der Stadt Wilhelmshaven, die Kaiser-Wilhelm-Brücke, fertig restauriert sein.

Das Wahrzeichen Wilhelmshavens, die Kaiser-Wilhelm-Brücke, hätte es wohl ohne den flottenbegeisterten Kaiser und seinen Leiter des Reichsmarineamtes, Alfred von Tirpitz, nie gegeben. Der legte mit dem sogenannten Tirpitz-Plan ein Konzept zum Ausbau der Hochseeflotte durch die Flottengesetze von 1898 und 1900 vor. Letztere beendeten die ständigen Querelen im Reichstag um Stärke und Finanzierung der Flotte. Für Wilhelmshaven bedeutete dies, dass dauerhaft acht Schiffe stationiert sein sollten. Es begann ein Wettrüsten mit den Engländern, die 1906 die HMS Dreadnought, den Prototyp aller Schlachtschiffe des letzten Jahrhunderts, entwickelt hatten. Im Zuge dessen wurde die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven vergrößert, eine dritte Einfahrt gebaut und die Anlage nach Süden erweitert. Oberbaurat Erwin Troschel entwarf die damals größte europäische Doppeldrehbrücke. Ausgeführt wurde sie zwischen 1905 und 1907 durch die Firma MAN Nürnberg.

Die instand gesetzte Stahlkonstruktion erhält einen Korrosionsschutz und einen Deckanstrich. 
Wilhelmshaven, Kaiser-Wilhelm-Brücke © Karin Baatz
Die instand gesetzte Stahlkonstruktion erhält einen Korrosionsschutz und einen Deckanstrich.

Die Kaiser-Wilhelm-Brücke ist eine symmetrische, zweiflügelige Straßendrehbrücke aus genietetem Stahlfachwerk. Sie hat eine Spannweite von 159 Metern, eine Breite von acht Metern und dient - bis heute - als Verbindung zwischen der Südstadt und der Südstrandpromenade. Die Durchfahrtshöhe beträgt neun, die Durchfahrtsbreite 58 Meter. Damit ist sie die größte deutsche Drehbrücke geblieben. Die stählernen Flügel der Kaiser-Wilhelm-Brücke bewegen sich unabhängig voneinander und wurden ursprünglich durch getrennte Fahrstände in den Brückenhäusern gesteuert. Seit 1995 sind sie durch eine Person zentral zu bedienen. Das Heben und Senken der Brücke erfolgt über Hubwerke. Ihre Rampen flankieren vier backsteinerne Brückenhäuser mit kupferverkleideten Mansarddächern.

In einem großangelegten Sanierungsprojekt möchte man das Wahrzeichen von Wilhelmshaven nun retten. Neben den fünf Millionen Euro, die die Eigentümerin der Brücke, die Stadt Wilhelmshaven, selbst beisteuert, gibt es Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), vom Niedersächsischen Landesdenkmalamt und vom Bund. Nicht nur die Brückenköpfe mit ihren Häuschen müssen dringend restauriert werden - wobei die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Stadt unterstützt - sondern die gesamte Brückenkonstruktion mit ihrer Mechanik bedarf der Überholung. Nachdem der Nordflügel im Oktober eingehaust und mit der Sanierung begonnen worden war, stellten die Ingenieure und Stahlbauer größere Schäden als befürchtet fest. Im Juli 2011 ist der Südflügel an der Reihe. Außerdem wird die historische Treppenanlage rekonstruiert. 2012, so hoffen die Wilhelmshavener, soll ihr Wahrzeichen dann nachts - mit neuer Technik ausgestattet - in ein majestätisches Licht getaucht sein.

Christiane Schillig