Kleine und große Kirchen

Die Evangelische Kirche in Essen-Katernberg

“Der Industrie ihre Kathedralen”

Wenn Essen als europäische Kulturhauptstadt in diesem Jahr viele Besucher anzieht, geht es oft um die gelungene Rekultivierung der gesamten Region. Mit seinen Industriedenkmalen ist das Ruhrgebiet auch bei Radwanderern als grünes Feriengebiet beliebt.

©  ML Preiss 
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Doch mancher übersieht bei all den attraktiven Angeboten - etwa in der Zeche Zollverein, seit 2001 UNESCO-Welterbe - den sozialgeschichtlichen Aspekt, der untrennbar mit der Migration so vieler Menschen aus ganz Europa an die Ruhr zusammenhängt: Das Ruhrgebiet ist reich an Kirchen. Denn wo Zuwanderer seit dem 19. Jahrhundert Arbeit fanden, entstanden neben Zechen auch Siedlungen, wuchsen Dörfer zu Städten, und, damit verbunden, wurden Kirchen für beiderlei Konfessionen gebraucht. Die Grundstücke und Mittel dafür gaben im Wesentlichen die Unternehmer. So auch für die Stadtkirche am Katernberger Markt. Finanziert wurde die dreischiffige Hallenkirche weitgehend von Franz Haniel, dem Gründer der Zeche Zollverein.

Das zuweilen von katholisch geprägten Essenern auch "Bergmannsdom" genannte Baudenkmal zählt zu den größten evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen; im Verbund mit der Zeche Zollverein konnte die Gemeinde ihren Ruf als überregional beliebte Konzert- und Veranstaltungskirche ausbauen.

Am 29. September 1901 eingeweiht, schließt die Kirche mit dem prägnanten Turm eindrucksvoll die Nordseite des Katernberger Marktes ab. Der Essener Architekt Carl Nordmann konzipierte das Gebäude mit Bedacht als städtebauliche Dominante im damals rasant wachsenden Katernberg.

Doch nach mehr als hundert Jahren waren die Bauschäden am Mauerwerk unübersehbar. Am 5. Juli 2001 formulierte Dirk Treptow, Hauptsekretär der Gemeinde, in seinem Brief an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Dringlichkeit: "Wir müssen in allererster Linie das Bauwerk sichern!" Damals war der Turm vom Einsturz bedroht und das gesamte Kirchenschiff in seiner Standsicherheit gefährdet.

Die DSD begleitete die mehrjährige Gebäudesicherung und -sanierung einschließlich der Schwammbeseitigung mit rund 324.000 Euro. Weitere ­erhebliche Hilfe kam über die Städtebauförderung aus dem Landeshaushalt. Außerdem halfen Unternehmens- und ­Privat­spenden, etwa von der Viterra AG, den Stadtwerken Essen, der Sparkasse Essen und vom Kirchenbauverein. Nicht zuletzt veranstaltet die Gemeinde nach Kräften Benefizkonzerte und sammelt Spenden.

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Die große Sympathie unserer Förderer mit der Kirche zeigen auch viele Geburtstagsaktionen, bei denen die Geburtstagskinder zugunsten der Kirche in Katernberg auf Geschenke verzichten und um Spenden bitten. Tatkräftig hilft ebenso das Essener Ortskuratorium unserer Stiftung: Ehrenamtlich konzipierte es unter Leitung von Dr. Werner Sitzler im Rahmen von RUHR.2010 eine Ausstellung mit dem sprachlich das Ruhrgebiet humorvoll reflektierenden Titel "Der Industrie ihre Kathedralen". Die Präsentation wird am 6. Juni, dem Welterbetag, mit einem Vortrag von Professor Dr. Gottfried Kiesow auf der Zeche Zollverein eröffnet und wandert sechs Wochen später in die Evangelische Kirche am Katernberger Markt.

Angela Pfotenhauer

Die Kirche ist in der Regel jeden Dienstag und Donnerstag ­geöffnet.

Die Ausstellung "Der Industrie ihre Kathedralen" ist ab dem 6. Juni auf der Zeche Zollverein zu sehen und vom 25. Juli bis 22. August in der Kirche am Katernberger Markt.