Wohnhäuser und Siedlungen Dezember 2009

Wie ein Förderverein den Eulensteinschen Hof retten will

Denkmal in Not

"Wenn es jetzt nicht gelingt, das Herzstück des Hofes möglichst schnell zu sanieren, waren die ganzen Anstrengungen der letzten acht Jahre für die Katz." Mit diesen drastischen Worten schildert uns Professor Dr. Dietrich Unangst vom Förderverein Eulensteinscher Hof e. V. seine derzeit größte Sorge: genügend Mittel für die Behebung der gewaltigen Schäden am 400 Jahre alten Wohnstallhaus, dem bedeutendsten Teil des Gehöfts, zusammen zu bekommen.

Das Wohnstallhaus bildet zusammen mit Ställen und Scheune einen Dreiseithof im thüringischen Hohlstedt. Der katastrophale Zustand dieses Fachwerkbaus mit massivem Erdgeschoss war der Hauptgrund, warum Bewohner der umliegenden Dörfer und Städte im Januar 2001 den Förderverein gegründet haben und sich seitdem mit großem Einsatz für die Erhaltung des Hof­ensembles engagieren. Hier im Städtedreieck Weimar, Apolda und Jena soll ein Begegnungs- und Kommunikationszentrum entstehen.

Außen ansehnlich – innen vom Verfall bedroht: Der Eulensteinsche Hof in Hohlstedt. Das Dorf feierte 1957 sein 1.000-jähriges Bestehen, wie der Stein links erzählt. 
© R. Rossner
Außen ansehnlich – innen vom Verfall bedroht: Der Eulensteinsche Hof in Hohlstedt. Das Dorf feierte 1957 sein 1.000-jähriges Bestehen, wie der Stein links erzählt.

Die Dorfbewohner hatten den Hof in den 1990er Jahren bereits aufgegeben. Die Dächer waren kaputt, überall drang Wasser ein und setzte Wänden und Decken zu. Die Hofmauer neigte sich gefährlich zur Straße hin, drohte einzustürzen. Der Verfall des seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz stehenden Anwesens schien nicht mehr aufzuhalten.

Damit der Förderverein mit der Arbeit beginnen und die wertvolle Bausubstanz sichern konnte, setzte er zunächst alle Hebel in Bewegung, um den Hof zu erwerben. Denn ein Kölner Kaufmann hatte ihn 1993 mit großen Versprechungen gekauft, aber nichts getan und damit den weiteren Verfall eines der ältesten Höfe Thüringens zugelassen. Noch 2001 begann der Verein mit den Sicherungsmaßnahmen, begab sich auf die Suche nach Geldgebern, schützte das Wohnstallhaus mit einem Notdach, beseitigte den Müll, der sich bergeweise angesammelt hatte.

Die Sanierung des Fachwerks am Wohnstallhaus hat begonnen. 
© R. Rossner
Die Sanierung des Fachwerks am Wohnstallhaus hat begonnen.

Nach acht Jahren harter Arbeit bietet die Straßenseite des Ensembles bereits wieder ein einladendes Bild: Der Giebel des Wohnstallhauses ist neu verbrettert, die Fenster erneuert, das Fachwerk soweit saniert. Erst auf den zweiten Blick fallen Schäden an der Südwestecke und das Notdach ins Auge. Die Hofmauer mit dem großen Tor, die sich noch immer leicht nach vorn neigt, ist provisorisch gesichert, am fein ausgearbeiteten Rundbogenportal mit den Sitzkonsolen prangt die weiß-blaue Denkmalplakette. Eine lateinische Inschrift an der Mauer sagt, dass ein Johannes Bock, "der die Schafe des Herrn hütet" - also wohl ein Pfarrer - sich das Haus im Jahr 1599 errichten ließ.

Genauere Untersuchungen haben aber ergeben, dass der offenbar recht wohlhabende Pfarrer lediglich ein bereits bestehendes Haus nach seinen Möglichkeiten erweitert hat. Dabei baute er im Obergeschoss auch eine wertvolle Bohlenstube ein, wie man sie in dieser Qualität sonst nur in städtischen Bürgerhäusern findet.

Die Holzkonstruktion ist sanierungsbedürftiger, als ursprünglich angenommen. 
© R. Rossner
Die Holzkonstruktion ist sanierungsbedürftiger, als ursprünglich angenommen.

Im Jahr 1641 wird der Name Eulenstein zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem Hof erwähnt. Diese Familie lebte hier bis zum Tod von Martha Eulenstein im Jahr 1976. Deren Nachkommen konnten das stark sanierungsbedürftige Anwesen nicht halten. Ab 1979 im Besitz des Kreises, sollte das Wohnstallhaus in das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden umgesetzt werden. Doch das Vorhaben scheiterte, und es kam zum unglücklichen Verkauf an den Kölner Geschäftsmann.

Dem Förderverein ging es von Anfang an darum, den Menschen im Dorf und in der Region zu zeigen, welches Kleinod sie in ihrer unmittelbaren Umgebung haben, und sie zu gemeinsamen Anstrengungen für seine Erhaltung zu bewegen. Deshalb beteiligt sich der Verein schon seit 2001 am Tag des offenen Denkmals, inzwischen auch an den Tagen der offenen Gärten und des offenen Hofes in Thüringen.

Der Restaurator Torsten Maxara erläutert Professor Unangst das Konzept für die Renaissancestube. 
© R. Rossner
Der Restaurator Torsten Maxara erläutert Professor Unangst das Konzept für die Renaissancestube.

Auch die jahrelangen Bemühungen um finanzielle Unterstützung fanden Gehör: Mittel kamen unter anderen vom Landesdenkmalamt, von Lotto Thüringen, vom Kreis Weimarer Land, von der Sparkasse Mittelthüringen und der Gemeinde Großschwabhausen. Aus dem Dorferneuerungsprogramm wurden vor allem Gelder für die Sanierung der Ställe und der Scheune zur Verfügung gestellt. "ABM-Kräfte", Mitglieder der Jugendbauhütte im thüringischen Mühlhausen, Zivildienstleistende und örtliche Handwerker trugen ebenfalls zum bisherigen Erfolg bei.

Professor Unangst führt uns durch das Anwesen und zeigt stolz, was der Förderverein bisher erreicht hat. Die Nebengebäude - wohl allesamt aus dem 19. Jahrhundert - sind inzwischen fast alle nutzbar. Die Dächer sind erneuert, Fenster und Türen aufgearbeitet. In der großen Scheune an der Ostseite des Hofes finden bereits gutbesuchte Konzerte und Lesungen statt. Großformatige Fotos an den Wänden und Bündel getrockneter Kräuter, die einen angenehmen Duft verströmen, schmücken den Raum. Tafeln dokumentieren die bisherige Arbeit am Hof. Der liebevoll gepflegte Bauerngarten hinter der Scheune mit seinen vielen Blumen und Kräutern trägt ebenfalls zum ansprechenden Bild der gesamten Anlage bei.

Doch wenden wir uns wieder dem eigentlichen Kern des Gehöfts, dem Wohnstallhaus, zu. Auch hier machen das Gerüst und das helle Holz der neu eingesetzten Schwelle mit dem Zahnschnittfries Hoffnung. Aus dem Inneren dringen Hammerschläge. Ein Zimmermann repariert gerade die Balken der Decke unterhalb der Bohlenstube, deren Wände und Decke bereits restauriert werden konnten.

Weil sich die Mauer noch immer nach vorn neigt, hängt die Tür des Portals schief in den Angeln. Im Hof ist das eingerüstete Wohnstallhaus zu sehen. 
© R. Rossner
Weil sich die Mauer noch immer nach vorn neigt, hängt die Tür des Portals schief in den Angeln. Im Hof ist das eingerüstete Wohnstallhaus zu sehen.

Trotz aller bisherigen Anstrengungen ist der Bestand des wertvollen Hauses aber noch immer gefährdet. Denn die meisten Hölzer sind durch eingedrungene Feuchtigkeit, Fäulnis und Insektenbefall stark zerstört. Der Zimmermann erzählt uns, dass er bei seiner Arbeit immer wieder auf böse Überraschungen stößt, weil auch Balken, die äußerlich intakt erscheinen, zuweilen im Inneren völlig zerbröselt sein können. Deshalb muss alles sorgfältig untersucht werden - eine teure Sisyphusarbeit. Bei den Reparaturen ist dann ein sehr differenziertes Herangehen erforderlich, weil die Denkmalpfleger Wert darauf legen, so viel von der Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Das ist ganz im Sinne des Vereins, auch wenn die Suche nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten viel Kraft kostet. "Wenn wir zu Beginn gewusst hätten, worauf wir uns einlassen und was alles auf uns zukommt, vielleicht hätten wir dann die ganze Sache nicht angepackt", meint Professor Unangst deshalb heute. Denn schließlich muss auch noch der Dachstuhl saniert und das Notdach durch eine neue Deckung mit alten Ziegeln ersetzt werden.

Trotz aller Verzögerung freut man sich aber über einen Raum im Obergeschoss, der nach bauhistorischen Untersuchungen noch älter als die Bohlenstube ist. Durch einen schwerwiegenden Fehler bei deren Einbau 1599 wurden die Wände des heute als Renaissancestube bezeichneten Raums nach außen gedrückt und dadurch sein interessantes Fachwerk teilweise zerstört. Nun hat man in Zusammenarbeit mit Denkmalpflegern und Restauratoren Wege gefunden, den Raum wieder herzustellen, so dass schließlich im Obergeschoss zwei repräsentative Räume zur Verfügung stehen werden. Viele der anderen Stuben im Haus sind dagegen noch geschwärzt vom Rauch der Küche, alle zeigen deutliche Spuren der Vernachlässigung der letzten Jahrzehnte.

Ein Backofen im Erdgeschoss, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, ist aber noch voll funktionstüchtig und kommt bei Veranstaltungen häufig zum Einsatz. Das selbstgebackene Brot erfreut sich ebenso wie die leckeren Kuchen großer Beliebtheit.

©  R. Rossner
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Blick durch das Tor des Eulensteinschen Hofes auf das eingerüstete Wohnstallhaus
©  R. Rossner
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Im Hof des Gehöfts: Links die ehemaligen Kuhställe, rechts am eingerüsteten Wohnstallhaus der ehemalige Schweinestall
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Die wertvolle Bohlenstube im Obergeschoss des Wohnstallhauses
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Gern genutzt: der Backofen im Untergeschoss des Wohnstallhauses
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Der Blumen und Kräutergarten wurde in Kreuzform angelegt. Im Hintergrund: die Scheune des Gehöfts
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Hier in der Scheune finden bereits Veranstaltungen statt.
 
 
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Blick durch das Tor des Eulensteinschen Hofes auf das eingerüstete Wohnstallhaus
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Im Hof des Gehöfts: Links die ehemaligen Kuhställe, rechts am eingerüsteten Wohnstallhaus der ehemalige Schweinestall
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Die wertvolle Bohlenstube im Obergeschoss des Wohnstallhauses
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Gern genutzt: der Backofen im Untergeschoss des Wohnstallhauses
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Der Blumen und Kräutergarten wurde in Kreuzform angelegt. Im Hintergrund: die Scheune des Gehöfts
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Hier in der Scheune finden bereits Veranstaltungen statt.
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Wenn viele Dörfer im Land heute Gefahr laufen, ihr Gesicht zu verlieren, liegt es oft daran, dass die gewachsenen dörflichen Strukturen - auch wegen der an den Rändern entstandenen Neubausiedlungen - verlorengehen. Ortsbildprägende alte Gehöfte wie der Eulensteinsche Hof können aber dazu beitragen, hier wieder Identität zu stiften. Gerade auch aus diesem Grund verdient die äußerst engagierte Arbeit des Fördervereins Eulensteinscher Hof e. V. große Anerkennung.

Deshalb bitten wird Sie, liebe Leserinnen und Leser, helfen Sie uns mit einer Spende, damit die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Förderverein beim wichtigsten Teil seiner Arbeit unterstützen kann und das Wohnstallhaus wieder zum Schmuckstück des Eulensteinschen Hofes wird. Denn erst dann kann der Traum der Beteiligten wirklich in Erfüllung gehen, hier einen Ort der Begegnung zu schaffen - einen Ort, der über Hohlstedt hinaus bis nach Weimar, Apolda und Jena ausstrahlt.

Dorothee Reimann

Ansprechpartner:
Professor Dr. Dietrich Unangst, Tel. 036425/5 03 36

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1 Kommentare

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  • Kommentar als unangemessen melden
    Ehrhardt Kölbel schrieb am 21.03.2016 13:42 Uhr

    Der Eulsteinsche Hof ist ein wahres Schmuckstück des heutigen Hohlstedts. Ich wünsche dem Förderverein alles Gute und viel Kraft für den weiteren Ausbau.
    Ich bin in zweifacher Hinsicht mit Hohlstedt verbunden:
    1. Gehöft ehem. Kölbel
    2. Gehöft Wackernagel ehem. Seiler
    Ich wünsche weiterhin alles Gute
    Ehrhardt Kölbel

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