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Das Geburtshaus Martin Luthers in Eisleben

Wie aus "Luder" Luther wurde

Familie Luder hatte vier Söhne: Groß-Hans, Klein-Hans, Veit und Heinz. Nach den ungewöhnlichen, aber strengen Erbregeln sollte der jüngste und nicht der älteste den elterlichen Hof im thüringischen Möhra erben. Groß-Hans Luder zog daher mit seiner Frau Margarete nach Eisleben, um als Unternehmer im Bergbau sein Glück zu suchen. Dort wurde am 10. November 1483 Sohn Martin geboren und einen Tag später in der Kirche St. Peter und Paul getauft. Der Reformator wird später seinen Familiennamen in Luther ändern.

In Luthers Geburtshaus befindet sich seit dem 17. Jahrhundert eine Gedenkstätte 
© Roland Rossner
In Luthers Geburtshaus befindet sich seit dem 17. Jahrhundert eine Gedenkstätte

1689 zerstörte ein Stadtbrand Luthers Geburtshaus beinahe vollständig. Die Stadt ließ es kurz darauf leicht verändert wieder aufbauen und richtete dort eine Gedenkstätte und Armenfreischule ein.

Der Schöne Saal in der Luthergedenkstätte 
© Roland Rossner
Der Schöne Saal in der Luthergedenkstätte

In den folgenden 300 Jahren wurde das stattliche Traufenhaus häufig restauriert und umgestaltet: in den Jahren 1815-1820, 1867 - unter Federführung des Architekten Friedrich August Stüler -, um 1900 und in den 1950er Jahren. Im Vorfeld der Feiern zum 500. Geburtstag des Reformators fand 1979-83 die größte Sanierung in der Geschichte des Lutherhauses statt. Dennoch war die Statik des Gebäudes - es zählt mittlerweile zum UNESCO-Welterbe - 20 Jahre später in einem so schlechten Zustand, dass tiefe Risse das Mauerwerk durchzogen. Außerdem drohte die Decke des "Schönen Saals" - ein Gedenkraum in der zweiten Etage mit lebensgroßen Porträts des Reformators, Philipp Melanchthons und der sächsischen Kurfürsten - einzustürzen, und die Holzbalken waren von Schädlingen befallen.

Im November 2005 wurde das Haus geschlossen. Die Kosten der zweijährigen Sanierung trugen die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt als Eigentümerin sowie der Bund, das Land Sachsen-Anhalt, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die sich auch dank einer zweckgebundenen Spende mit 122.000 Euro an der Wiederherstellung der Standsicherheit beteiligen konnte.

So könnten Luthers gelebt haben 
© Roland Rossner
So könnten Luthers gelebt haben

Die Stiftung Luthergedenkstätten ließ in unmittelbarer Nähe des Lutherhauses und der Armenfreischule zwei Neubauten errichten, die sich sensibel in das Ensemble einpassen. Deshalb konnte die Dauerausstellung "Von daher bin ich - Martin Luther und Eisleben" um etwa 500 auf insgesamt 700 Quadratmeter erweitert werden. Sie zeigt rund 250 Exponate zum Leben des Reformators und seiner Familie, zu den sozialen und politischen Verhältnissen im Mansfelder Land, die seine Kindheit und Jugend prägten, und zur Baugeschichte des Hauses. Wie groß und reich Eisleben im 16. Jahrhundert war, erklärt ein Stadtmodell im Maßstab 1:500. Luthers Geburtshaus ist darauf ebenso zu erkennen wie der Stadtgottesacker, der auf Betreiben des Reformators 1533 aus hygienischen Gründen vor den Toren der Stadt angelegt worden war, sowie das Haus, in dem er am 18. Februar 1546 bei einem Besuch in seiner Geburtsstadt starb.

Carola Nathan

Öffnungszeiten: November-März Di-So 10 bis 17 Uhr; April-Oktober täglich 10 bis 18 Uhr.

Weitere Infos im WWW:

www.martinluther.de