Interieur April 2007

Ein "Gemach, welches zu denen Studiis gewidmet ist"

Der Orbansaal in Ingolstadt

Bei einer Kulturreise durch Bayern steht Ingolstadt nicht unbedingt ganz oben auf dem Programm der zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten.

Der Orbansaal, ein Juwel barocker Baukunst. 
© M. Donner
Der Orbansaal, ein Juwel barocker Baukunst.

Zu abschreckend wirken von Ferne die Zweckbauten der modernen Großindustrie, die sich wie ein mittelalterlicher Mauerring um die Stadt legen und neben den imposanten Zeugnissen der vormaligen Landesfestung auch die kulturellen Schätze umschließen, die an die Residenz der Bayernherzöge erinnern, an die bedeutende Universitätstradition, das Wirken des Jesuitenordens. Doch die moderne Silhouette mit ihren gesichtslosen "Wachstumsringen" trügt. In Ingolstadts weitgehend erhaltener Altstadt finden sich reiche Überreste der vormaligen geistigen Blüte, Spuren des großen Humanisten Conrad Celtis, des Astronomen und Mathematikers Peter Apian, der Theologen Johannes Eck und Petrus Canisius, aber auch von Ferdinand Orban, dem Wissenschaftler und Sammler, der der Donaustadt kurzzeitig zu solchem Ansehen verhalf, dass man selbst den Vergleich mit dem mächtigen Rom nicht glaubte scheuen zu müssen.

"Man müsste Wochen und Monate anwenden, um diese orbanischen Schätze zu durchwandern"

In Ingolstadts Zentrum, dessen Straßenführung noch heute vom Verlauf der verschiedenen historischen Befestigungsringe erzählt, finden sich allenthalben Hinweise auf die große, durch Humanisten, Jesuiten und Illuminaten gleichermaßen geprägte geistige Tradition dieser Stadt, die auch der Einzug der Militärs in der napoleonischen Ära niemals vollständig überlagern sollte.

Namen wie Jesuitenstraße, Canisius-Stift, Hohe-Schul-Straße und Reuchlin-Haus signalisieren auch dem Nicht-Kenner, dass es hier einen Ort des Geistes und der Geistlichkeit zu entdecken gilt. An der Konviktstraße beispielsweise - unweit der Liebfrauenkirche - hatten ehedem die Jesuiten ihren Hauptsitz. Von hier aus machten sie über Jahrhunderte ihren Einfluss in der gesamten Oberdeutschen Ordensprovinz geltend, prägten sie das geistige Leben der Stadt, rückten sie Forschung und Lehre in den Dienst der Gegenreformation. Der heute nicht mehr zur Gänze erhaltene, einstmals mehrere Gebäude umfassende Komplex umschloss in seinem Garten auch den von Forschern und Gelehrten in ganz Deutschland gepriesenen so genannten Orbansaal - ein Juwel barocker Baukunst und zugleich ein Zeugnis der "res publica literaria", der frühneuzeitlichen "Gelehrtenrepublik".

Detailreiche Stuckdecken unterstreichen die Einheit der Sammlung. 
© M. Donner
Detailreiche Stuckdecken unterstreichen die Einheit der Sammlung.

Wenn man von dem europäischen Stellenwert der Ingolstädter Sammlungen Rückschlüsse anstellt auf das Gebäude, das zu ihrer Aufnahme errichtet worden ist, so tut man gut daran, Bedeutung und wissenschaftliche Qualität eines barocken "Museums" nicht notwendigerweise mit gewaltigen räumlichen Ausmaßen gleichzusetzen.

Der restaurierte Orbansaal kann heute nur noch eine Ahnung seiner einstigen Wirkung vermitteln. 
© M. Donner
Der restaurierte Orbansaal kann heute nur noch eine Ahnung seiner einstigen Wirkung vermitteln.

Das "Orbanische Museum" umfasste jedenfalls nicht mehr als einen einzigen, von anspielungsreichem Stuck überspannten Saal, der gartenseitig Stifts- und Kolleggebäude des Jesuitenkollegs miteinander verband und sich über einem siebzehnjochigen, früher offenen, heute geschlossenen Arkadengang erhebt. 54 Meter maß er in der Länge, 8,5 Meter in der Breite. Acht Fenster sorgten an jeder der Längsseiten für eine ausreichende blendfreie Belichtung des Raumes und der dort ausgestellten Objekte. Die aus aller Welt zusammengetragenen Pretiosen waren darin in allerlei "artigen, wohl inventirten Kästgen", auf Tischen und - was die Gemälde angeht - an den Wänden zwischen den Fenstern ausgebreitet. Eine eigene "Philosophische Experimentkammer" hatte in dem Bereich des Saales Aufstellung gefunden, wo man in späterer Zeit eine Bühne errichtete. Insgesamt vereinigte der Bau ethnographische, religions- und kulturgeschichtliche, natur- und kunstwissenschaftliche Sammlungen, darunter auch Gemälde von Rembrandt und Tizian neben Raritäten wie der Hirnschale Oliver Cromwells oder einem "Götz aus Menschenhaut".

Wenn das zugestandenermaßen recht lückenhafte Inventar von 1774 - angelegt ein Jahr nach der Auflösung des Jesuitenordens und nach ersten Ausgliederungen von Beständen - ganze 1289 Objekte erfasste, so ist damit zwar keine wirkliche Annäherung an die Größe der Orban'schen Kollektion erreicht, zumindest aber doch eine Ahnung von ihrer vergleichsweise bescheidenen Größenordnung vermittelt. Was heute, rein quantitativ gesehen, wie die Sammlung eines kleineren Stadtmuseums anmutet, hatte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts nicht mehr oder weniger zur Aufgabe gemacht, als einen Einblick zu geben in die Geschichte und Kultur von Mensch und Natur.

Die Fensterelemente wurden im Zuge der letzten Restaurierung dem Baukörper angepasst. 
© M. Donner
Die Fensterelemente wurden im Zuge der letzten Restaurierung dem Baukörper angepasst.

Was Orban im Laufe seines Lebens an Wissens- und Zeigenswertem zusammengetragen und was den gebildeten Zeitgenossen tiefe Bewunderung abgerungen hat, hatte sein Vorbild beziehungsweise seine Parallelen im Leibniz'schen "Theater der Natur und Kunst" und in den fürstlichen Wunderkammern. Allen diesen Sammlungen lag die in die Antike zurückreichende Vorstellung zugrunde, dass die Kunst die Gesamtheit aller menschlichen Schöpfungen umfasse, die Natur dagegen den vom Menschen unabhängigen Teil der Welt. Die "Construktionen" der Natur bis in ihre Feinheiten hinein zu erforschen und zu studieren war erklärtermaßen eine Aufgabe solcher Kabinette, die andere das Bemühen um eine kunstvolle Nachahmung und Nachbildung der Natur. Auch die üblicherweise zum Bestand solcher Sammlungen gehörenden Kuriosa, Missbildungen oder Raritäten dienten diesem übergeordneten Zweck, sie beflügelten überdies das Erstaunen über die Bereiche der Natur, die noch der Erforschung harrten. Heute finden diese frühen Museen zumeist unter der Bezeichnung "Raritätenkabinette" oder "Wunderkammern" in der Literatur Erwähnung. Diese Begriffe lassen in ihrem jetzigen Wortgebrauch auf den ersten Blick allerdings leicht vergessen, dass hier nicht zuvorderst das Entzücken an Kuriosem und Fantastischem Antrieb der Sammlungstätigkeit gewesen ist, sondern die wissenschaftliche Neugier auf die vielfältigen Erscheinungsformen des Lebens und der Kunst.

Der Sonnengott Sol auf seinem Sonnenwagen verkörpert den Tag. 
© M. Donner
Der Sonnengott Sol auf seinem Sonnenwagen verkörpert den Tag.

Nicht von ungefähr wurden Teile der Orban'schen Sammlung nach ihrer Auflösung in den Bestand der Universität von Landshut beziehungsweise München überführt, wo sie weiterhin der Anschauung von Studenten dienten. Nicht umsonst auch sah der Wolfenbüttler Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz - nachgewiesenermaßen mit Pater Orban bekannt - in der Berliner Kunstkammer mit ihren "Naturalia", "Artificialia" und "Scientifica" das Modell für die im Jahr 1700 in Berlin gegründete Akademie der Wissenschaften. Erst im Zuge der fortschreitenden Spezialisierung der Wissenschaften im Laufe des 19. Jahrhunderts sollten die barocken Sammlungsobjekte den universitären Ansprüchen nicht mehr genügen. In diese Zeit datiert folglich auch die endgültige Musealisierung der Orban'schen Bestände und ihre Überführung in die Schausammlungen der Münchner Spezialmuseen.

Die zwölf Tierkreiszeichen sind auf Wolkenformationen angeordnet. 
© M. Donner
Die zwölf Tierkreiszeichen sind auf Wolkenformationen angeordnet.

Pater Orbans Sammlung hat erst um 1727, nur wenige Jahre vor dem Tod ihres Namensgebers, ihr neues Domizil im Garten des weiträumigen Jesuitenkollegs von Ingolstadt bezogen. Orban selbst wird maßgeblich an seiner Einrichtung beteiligt gewesen sein, wiewohl davon keine ausführlichen Nachrichten überkommen sind. Allerdings gilt der Orden und nicht der wohlhabende Pater gemeinhin als Erbauer des über dem vorhandenen Arkadengang für 3500 Gulden errichteten Museumsraums. Auf den Initiator und Sammler soll am Eingang eine bescheidene Plakette verwiesen haben. Dieser scheinbar unbedeutende Sachverhalt markiert den Schlusspunkt einer langjährigen Auseinandersetzung - eines Streites nämlich zwischen einem umtriebigen, sammelwütigen und wohltätigen Jesuitenpater und seinem gestrengen Orden, der so viel geistige Unabhängigkeit, sprich "Ungehorsam", nicht mit den eigenen Regeln zu vereinbaren wusste. Jedenfalls wurde Orban 1722 mit Gewalt nach Ingolstadt in den Schoß des Ordens zurückbeordert. Zwei Jahre später folgte seine geliebte Sammlung, kurz darauf deren Überführung in den Besitz des Ordens, schließlich der Museumsbau.

Ferdinand Orban, 1655 in Kammer bei Landshut geboren, war im Alter von 17 Jahren in den Jesuitenorden eingetreten. Nach Studien am Jesuitenkolleg von Ingolstadt wurde er 1688 Professor für Mathematik und kurz später Hofprediger in Innsbruck, schließlich Prediger in Burghausen und Landshut.

In das aus Sonne, Mond und Sternen gebildete Gitternetz greifen Laub- und Bandelwerk über. 
© M. Donner
In das aus Sonne, Mond und Sternen gebildete Gitternetz greifen Laub- und Bandelwerk über.

Bereits in die Innsbrucker Zeit reichen die Anfänge seiner Sammlung zurück - zumindest spektakuläre Stücke aus der so genannten Türkenbeute von 1683, wie etwa das Zelt eines türkischen Großwesirs mitsamt Einrichtung, sollten den Pater seither begleiten. Auch seine mathematischen, physikalischen und astronomischen Gerätschaften machten bald von sich reden. Nach 1703, dem Jahr, in dem er Beichtvater von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz in Düsseldorf wurde, wuchsen die Bestände beträchtlich an - nach den Worten eines Chronisten profitierte der Pater zunehmend von den Geschäften seines Herrn: "Wurden dem Churfuersten rare Sachen zu Kauf gebracht, so hatte gemeiniglich der P. Urban in kleinem etwas davon ab, jedermann suchte sich durch Schenkung einiger Seltenheiten bey ihm beliebt zu machen". Gleiches gilt im Übrigen für die Ordensbrüder, die in fernen Landen auf Missionsreisen unterwegs waren und dabei nicht vergaßen, ihrem sammelnden Bruder zu respektierlichen "Andenken" zu verhelfen.

"Damit nicht der Zierrath der Gemächer die Gemüter von Betrachtung der darinnen aufbehaltenen Raritäten abstrahiere"

Orbans Sammlungen - innerhalb der Düsseldorfer Privatgemächer des Paters nach dem Zeugnis des Zacharias Conrad von Uffenbach in "drey ziemlich große(n) Zimmer(n)" und "zwey lange(n) Gänge(n) vor denselben" untergebracht - stellten eine auch für die damalige Zeit beträchtliche private Kollektion dar. Aber erst mit der ungewollten Überführung nach Ingolstadt und in die Räume eines eigens errichteten Museums erfuhren sie gewissermaßen eine höhere Weihe, ging es nun doch nicht mehr nur um die Betrachtung und Bewunderung von einzelnen Gegenständen, sondern um ihre Einordnung in einen übergeordneten kosmologischen und transzendentalen Zusammenhang.

Das Kolleggebäude der Jesuiten wurde 1576 im ersten Bauabschnitt fertig gestellt. 
© Stadtarchiv Ingolstadt
Das Kolleggebäude der Jesuiten wurde 1576 im ersten Bauabschnitt fertig gestellt.

Der langgestreckte Museumssaal selbst vollendete und überhöhte die historisch gewachsene, teilweise auch willkürlich zusammengestellte Kollektion. Dabei bediente sich die programmatische Einordnung eines jeden Objekts der Mittel zeitgenössischer Architektur und Kunst, gespeist jedoch war sie aus einer tief gründenden Religiosität, die letztlich auch die Gestaltung des neuartigen Museums vorgab. Der Raum mit seinen Stuckreliefs, den Gelehrtenporträts und den ins Mythologische verweisenden Deckenfresken war eben mehr als eine bauliche Hülle, er formulierte zugleich eine schlüssige Interpretation des Orban'schen Mikrokosmos in einem von der Theologie und den ihr dienenden Wissenschaften beherrschten Makrokosmos. Der Ingolstädter Stadtmaurermeister Michael Anton Prunthaller wird als Baumeister dieses einzigartigen barocken "Museums" genannt; für den fein ziselierten, sich gitterförmig um Kartuschen und die den Fresken vorbehaltenen Gewölbefelder legenden Stuck zeichnete der Bildhauer und Stuckateur Wolfgang Zächenberger verantwortlich, die Malereien wiederum weisen in ihrer Gesamtheit die Handschrift Christoph Thomas Schefflers auf.

Die Naturwissenschaftlerbildnisse in den bassgeigenförmigen Kartuschen der Gewölbeecken beispielsweise - Darstellungen der jesuitischen Astronomen Christoph Clavius, Johann Baptist Cysat, Christoph Scheiner und Athanasius Kircher - verweisen auf die große wissenschaftliche Tradition des Jesuitenordens und seiner Zentren in Rom und Ingoldstadt.

Der Astronom Christoph Scheiner befasste sich mit der Entdeckung der Sonnenflecken. 
© Stadtarchiv Ingolstadt
Der Astronom Christoph Scheiner befasste sich mit der Entdeckung der Sonnenflecken.

Stuckreliefs mit den astronomischen Sternbildern, mit Sonne, Mond und Sternen nehmen diese Botschaft auf und führen von den "Scientifica" auf die "Naturalia" über. Die nur in Form von Vorzeichnungen erhaltenen drei großen Deckenfresken wiederum leiten die Aufmerksamkeit auf die grundlegenden und allgemeinen Zusammenhänge des Weltgeschehens. Das Hauptbild mit der zentralen Darstellung der thronenden "Sapientia Dei" versammelt Engel und andere himmlische Wesen um eine Connubiumszene, das Aufeinanderzugehen von Theologie und Philosophie; ihr vorgelagert ist eine Darstellung der Astrologie im Kontext der Künste und Wissenschaften, ihr nachgeordnet eine Vergegenwärtigung der vier Elemente zusammen mit sieben Planetenputti. Um das zentrale Deckenbild waren noch Illustrationen - ob Malereien oder Fresken ist bis heute unklar - der vier Erdteile vorgesehen. In diesem einzigartigen räumlichen Zusammenspiel sollten der Stuck und die Malereien die Folie bilden, auf der die Orban'schen Sammlungen zu dem umfassenden Spiegel des Wissens ihrer Zeit geraten konnten - eine ebenso kunstvolle wie groß angelegte Idee, die so allerdings niemals Wirklichkeit wurde.

Orbans Sammlungen haftete, ähnlich wie vergleichbaren Einrichtungen aus der Zeit, naturgemäß etwas Zufälliges und Unvollständiges an - wer könnte auch alle Besonderheiten aus Natur und Kunst je zusammentragen? Nachdenklich stimmt jedoch, dass das, was als Privatsammlung so rasch und zuweilen spektakulär expandieren konnte, in der Institution des "Museums" bald an seine Schranken stieß. Mit dem Tod des gemaßregelten Paters erlahmten jedenfalls neben der Sammelleidenschaft auch die Aktivitäten rund um das noch nicht einmal fertig eingerichtete Museum. Nur noch wenige Neuzugänge verzeichnet das Inventar für die Zeit nach 1732, und auch der berühmte Saal blieb, was die Innendekoration angeht, ein Fragment.

Der Mathematiker Christophe Calvius war maßgeblich an der Kalenderreform Papst Gregors XIII. beteiligt. 
© Stadtarchiv Ingolstadt
Der Mathematiker Christophe Calvius war maßgeblich an der Kalenderreform Papst Gregors XIII. beteiligt.

Schefflers Deckenfresken - lange dem Ingolstädter Maler Melchior Puchner zugeschrieben, von Siegfried Hofmann eindeutig als Arbeiten des Asam-Schülers charakterisiert - liegen heute gar nur in Form detaillierter Skizzen vor. Nach der Auflösung des Jesuitenordens schließlich und in Folge einer Umnutzung des gesamten Gebäudekomplexes für das Militär war es auch um den heute kulturell genutzten historischen Saal nicht immer zum Besten bestellt. Von der Nutzung als Theatersaal ist für das frühe 20. Jahrhundert die Rede, danach diskutierte man über einen Umbau zum Stadtmuseum, schließlich zogen im Krieg erneut die Militärs hier ein. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann die Farbfassung im Innern erneuert, in den 1960er Jahren sicherte man schließlich die Stuckaturen. Mehr als dreißig Jahre später standen weitere umfangreiche Sanierungsmaßnahmen auf dem Programm; unter anderem galt es, die prächtige Stuckdecke, die durch mehrfache Übermalungen erheblich gelitten und an Feinheiten eingebüßt hatte, sorgfältig zu restaurieren. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich 1997 mit 51000 Euro an der Gesamtmaßnahme.

Orbans Sammlungen haben, wie bereits erwähnt, Eingang gefunden in die großen Museen der Landeshauptstadt: das Bayerische Nationalmuseum, das Staatliche Museum für Völkerkunde und die Bayerische Staatsgemäldesammlung. Dort sind sie heute nicht mehr zur Gänze identifizierbar. Erstaunlicherweise sind auch die bedeutenden, die Sammlungen interpretierenden Malereien nicht am Ort des ursprünglichen "Museums" verblieben, sondern getreu den späteren Spezialisierungen an unterschiedlichen Orten aufbewahrt: die Porträts des Athanasius Kircher und des Christoph Clavius, der beiden in Rom tätigen Wissenschaftler, in München, die Bildnisse von Cysat und Scheiner, die Ingolstadts Kolleg zu Ruhm verhalfen, im Museum der Donaustadt. Die Entwürfe zu den Deckengemälden wiederum werden in der Staatlichen Kunstbibliothek zu Berlin beziehungsweise der Staatlichen Graphischen Sammlung in München aufbewahrt. So hat sich letztlich alles das, was Pater Orban so glänzend kompilierte, wieder in alle Winde zerstreut.

Dr. Ingrid Scheurmann