Technische Denkmale 1900 Handel Februar 2007 U

Das Übersee-Museum in Bremen

Die Welt des Hugo Schauinsland

Welch großartige Inszenierung! Eine beeindruckende Fülle an Exponaten empfängt uns in dem riesigen, hellen, aber schlichten Raum. Wie auf einer dreidimensionalen Landkarte bewegen wir uns zwischen den Inseln Ozeaniens, staunen über Boote, Statuen, exotische Pflanzen, Meerestiere und Korallenriffe.

Blick in die Asien-Ausstellung im zweiten Lichthof. 
© ML Preiss
Blick in die Asien-Ausstellung im zweiten Lichthof.

Weiter treibt es uns in einen zweiten Lichthof, und damit auf den asiatischen Kontinent. Hier ist die Vielfalt noch erstaunlicher: Exponate zu den Lebensgewohnheiten und zu traditioneller Landwirtschaft stehen im Kontrast zu den Problemen der heutigen globalen Wirtschaft. Hier finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft Masken der tibetanischen Cham-Tänzer, ein japanischer Garten, das Modell der Megacity Shanghai und Exponate der verschiedenen Religionen, die fast alle in Asien ihren Ursprung haben. Solche Helligkeit, so große bunte Vielfalt hatten wir nicht erwartet, als wir uns dem Übersee-Museum am Bremer Bahnhofsplatz näherten. Strahlt das riesige Gebäude doch eher Behäbigkeit und den spröden Charme der Kaiserzeit aus. Trotz seiner aus Werk- und Ziegelsteinen reich gegliederten Fassade wirkt das dreistöckige klassizistische Gebäude von außen etwas schäbig, an vielen Stellen bröckelt der Sandstein, und die verspiegelten braunen Fensterscheiben aus den 1970er Jahren sehen traurig aus.

Entstanden ist das "Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde" 1896, angeregt durch den Erfolg der "Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrieausstellung", die 1890 im Bremer Bürgerpark stattfand. Hier präsentierte sich Bremen als bedeutende Handelsstadt mit vielfältigen überseeischen Geschäftsbeziehungen. Neben Handelsgütern wurden deshalb auch natur- und völkerkundliche Exponate ausgestellt - alles in allem ein letzter Anstoß für ein von Stadt und Bürgern gleichermaßen gefördertes Museum.

Monumentale Arkadenbögen bestimmen den Charakter des Innenraums. 
© ML Preiss
Monumentale Arkadenbögen bestimmen den Charakter des Innenraums.

Gründungsdirektor war der Zoologe Hugo Schauinsland. Natur, Handel, Lebenswelten und Kultur auf der Erde wollte er als ein einheitliches Ganzes zeigen. Das neue Museum sollte der Bildung aller dienen, nicht ausschließlich der Wissenschaft. Auch war geplant, stets alles, was das Museum besaß, auszustellen, deshalb gab es zunächst keine Magazinräume. Die Bestände kamen aus verschiedenen Quellen: Die Sammlungen des "Naturwissenschaftlichen Vereins", der aus der im 18. Jahrhundert gegründeten "Physikalischen Gesellschaft", der späteren "Gesellschaft Museum", hervorgegangen war, gingen 1875 zusammen mit der ethnographischen Sammlung der "Anthropologischen Kommission" in städtischen Besitz über. Auch Bremer Kaufleute steuerten Vieles bei. Und Hugo Schauinsland erwarb selbst bei zahlreichen Reisen in ferne Gefilde Exponate für das Museum.

Doch schon während des Baus erwies sich das Haus als zu klein, so dass es bereits 1907-11 auf die heutige Größe erweitert werden musste. Dabei ist der zweite Lichthof entstanden, die Front zum Bahnhof wurde verbreitert. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte eine Brandbombe den ersten Lichthof, der dann in den fünfziger Jahren in der heutigen schlichten Form wieder aufgebaut wurde. Auch die gläserne Kuppel wurde nicht wieder errichtet, doch erst bei der Restaurierung in den letzten Jahren erhielten die beiden Lichthöfe die hellen Glasdächer.

Ein japanischer Torbogen weist den Weg ins Übersee-Museum am Bremer Bahnhofsplatz. 
© ML Preiss
Ein japanischer Torbogen weist den Weg ins Übersee-Museum am Bremer Bahnhofsplatz.

Auch die beiden Ausstellungen über Ozeanien und Asien wurden in diesem Zusammenhang neu konzipiert. Eine neue Treppe zwischen den Lichthöfen erschließt die Galerien der oberen Etagen. Dort finden die Ausstellungen über die anderen Kontinente Platz, die derzeit noch auf eine Neuordnung warten. Sie wird mit der Restaurierung der Hauses im Inneren Schritt für Schritt vorangebracht.

Doch auch von außen muss der markante Bau dringend saniert werden, denn die Schäden an den Fassaden, an den Balustraden, Gesimsen und Ziergiebeln sowie an den figürlichen Sandsteinreliefs sind unübersehbar. Für die Sicherung der Fassaden stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz deshalb 2006 24.000 Euro zur Verfügung. Außerdem unterstützt auch die Stadt Bremen die Sanierungsmaßnahmen des Museums.

Denn obwohl das Äußere bisher nicht sehr ansprechend ist, gehört das Haus zu den beim Publikum beliebtesten deutschen Museen - als "Welt unter einem Dach", wie Hugo Schauinsland es einst genannt hat.

Dr. Dorothee Reimann

Weitere Infos im WWW:

www.uebersee-museum.de